Jörg Armbruster Brennpunkt Nahost

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Inhaltsangabe zu „Brennpunkt Nahost“ von Jörg Armbruster

Weiterhin ist offen, wohin sich die Aufstände in den arabischen Ländern entwickeln. Gestern noch erlangten in Ägypten und Tunesien die Muslimbrüder die Macht, heute schon hat mehr oder weniger wieder das Militär das Sagen. In Syrien leiden die Menschen unter einem grausamen Bürgerkrieg und für den Palästinakonflikt zeichnet sich nach wie vor keine Lösung ab. Jörg Armbruster geht bei seinen Recherchen im Frühjahr 2013, weit über die tagesaktuelle Berichterstattung hinaus, diesen Fragen nach: Welche politischen Kräfte wirken auf die Konflikte ein? Was denken und wollen die Menschen vor Ort? Warum kommt die Region nun schon seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe? Kann es eine Lösung geben? Wer die komplexen Probleme der einzelnen Länder und Konflikte verstehen will, muss dieses Buch lesen.

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  • Rezension zu Brennpunkt Nahost von Jörg Armbruster

    Brennpunkt Nahost

    awogfli

    13. November 2013 um 11:06

    Die Lage in Syrien ist total unübersichtlich. Aus diesem Grund habe ich mir einen neutralen übersichtlichen Bericht über die Lage und die Hintergründe des Konflikts von einem Kenner der Region erwartet. Leider wurde ich beim Erhalt des Buches schon enttäuscht, da gleich klar war, wohin durch den Untertitel, der nicht auf jedem Exemplar gleich ist, der Hase läuft. Sehr tendenziös wird dargelegt: Die einzigen, die in diesem Religionskrieg nicht morden, Waffen liefern etc. also diejenigen, die nicht mitmachen, sind schuld an der Misere - nämlich Europa und der Westen, denn sie sollten irgendwas tun. Also bitte! Aber zunächst rein sachlich der Reihe nach. Die Fakten und historischen Hintergründe sind meiner Meinung nach erst ab dem 1. Weltkrieg ordentlich recherchiert (die bereits existierenden religiösen Konflikte zur Zeit der Osmanen werden einfach totgeschwiegen) - von übersichtlicher Präsentation kann auch keine Rede sein. Zuerst werden die verwirrenden Gruppen und Untergruppen inkl. momentanes Kriegsbild abgegeben, die Genese der Revolution kommt danach und die historischen Hintergründe erst zum Schluss. Das war für mich grade bei einem solchen unübersichtlichen Krieg gerade der falsche spiegelverkehrte Aufbau, um die Lage zu verstehen. Weiters helfen Factboxen zwar, erwähnte Parteien und Gruppen hervorzuheben und sie nochmals dem Leser zu präsentieren, wenn die Factboxen unten bzw. über die dreiviertel Seite (oben läuft der Fliesstext weiter) aber dann auch noch umgeblättert werden müssen, dann trägt dies nicht zur Übersichtlichkeit sondern zur zusätzlichen Verwirrung bei. Im Religionsbürgerkrieg murksen sich die unversöhnlich verfeindeten Muslime gegenseitig ab: Alawiten und Schiiten, gegen Sunniten (Araber) und Türken, die Kurden dazwischen und alle gegen die dort lebenden Christen und Juden. Mit heftiger Unterstützung (Waffen, Kämpfer und Geld) von Russland, Quatar, Saudi Arabien, Iran, Irak (ich schenke mir mal wer auf welcher Seite operiert). Und wer ist Schuld an dieser Misere? Genau! Man schiebt den schwarzen Peter denjenigen zu, die nicht am Krieg mitmachen, nämlich den Europäern und den USA, denn sie könnten ja die eine oder andere Seite unterstützen und irgendwie Frieden in den Wahnsinn zaubern. Diesmal haben die USA nämlich in der Revolution mal ausnahmsweise nicht imperialistisch eingegriffen, und sich somit meiner Meinung nach auch nicht schuldig gemacht. So einfach ist das: Man schlägt sich gegenseitig die Schädel ein und die Unbeteiligen sind dann Schuld. Auch Herr Armbruster stößt leider in dieses Horn und schlägt doch tatsächlich eine bis an die Zähne bewaffnete europäische UN-Truppe vor, die sich zwischen die Wahnsinnigen werfen und von allen Seiten abschlachten lassen soll. Und wozu das? Originalzitat und nicht von mir sondern vom Autor "Die syrische Gesellschaft ist voll von Korruption, Geheimdienstlern, Spitzel, Folterer, Menschenverächter" Diese Charakterisierung der Akteure des Krieges passt auf allen Seiten und nicht erst seit 2011 sondern schon mindestens 100 Jahre länger. Schon immer wurden in Syrien wechselweise (je nachdem wer an der Macht war) Ethnien unterdrückt, gefoltert, Genozide veranstaltet. Fazit: Darstellung der IST-Situation gut aber nicht übersichtlich. Analayse der Gründe und Lösungen extrem tendenziös.

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  • Erklärt verständlich, wie im Nahen Osten alles zusammenhängt.

    Brennpunkt Nahost

    WinfriedStanzick

    28. October 2013 um 11:04

      In seinem Buch „Der arabische Frühling“, in dem der langjährige ARD-Reporter für den Nahen Osten über den Aufstand in den arabischen Ländern berichtete, kam er 2011 zu dem Fazit, dass alles davon abhängen wird, ob den Millionen von jungen Menschen in diesen Ländern eine Perspektive aufgetan werden kann, in der sie eine Zukunft, das heißt eine Arbeit haben werden. Schon jetzt, so Armbruster 2011, verbreite sich immer mehr eine Stimmung unter den die Revolution tragenden jungen Menschen, dass sie sich fragen, was sie eigentlich nun von der Entwicklung haben. Enttäuschung und Ungeduld machen sich breit. Den westlichen Ländern und seinen Politiker schrieb er damals auch etwas ins Stammbuch: "Es wäre also nicht verkehrt, wenn man die 1001 Vorurteile wenigstens um die Hälfte reduziert und der Westen von seinem hohen Ross steigt, um sein Verhältnis zu den Arabern gründlich zu überdenken. Dazu gehört unter anderem die Einsicht, diese Araber können die Demokratie genauso gut lernen wie Europäer, vielleicht noch ein bisschen besser, weil sie sich ihre Demokratie selbst erstritten haben. Sie sind bereit, die Werte ihrer Gesellschaft in Frage zu stellen."   Wer die Nachrichten der letzten beiden Jahre aufmerksam verfolgt hat, muss zu dem Ergebnis kommen, dass sich in dieser Richtung wenig bis gar nichts bewegt hat. In den Ländern, in denen die Arabellion stattfand, scheint sich alles rückwärts zu bewegen. Von demokratischen Ansätzen keine Spur, ganz im Gegenteil.   Das Land, was damals noch wenig im Brennpunkt war, ist seit 2011 dagegen in den Focus internationaler Aufmerksamkeit gerückt. Ein mörderischer Bürgerkrieg, in dem auch die sogenannten Rebellen unsägliche Menschenrechtsverletzungen begehen und zunehmend islamistischer werden, hat bisher über 100 000 Opfer gefordert.  Jörg Armbruster berichtet in seinem neuen Buch „Brennpunkt Nahost“ von diesem Krieg, der im Nahen Osten einen Flächenbrand auslösen kann mit unbekannten Folgen.   In vielen Reportagen und gespickt mit detaillierten Hintergrundinformationen erklärt er verständlich, wie im Nahen Osten alles zusammenhängt. Wer ist beteiligt an den unterschiedlichen Konflikten, wer hat welche Interessen? Wie verhält sich Westen und welche Rolle sollte oder musste er spielen?   Und wieder, wie beim oben erwähnten Buch über den arabischen Frühling, kommt Jörg Armbruster zu dem Schluss, dass der Westen mit seiner Haltung zum Syrienkonflikt versagt hat. In den jüngsten Verhandlungen zu den C-Waffen die im September 2013 in Genf zwischen Russland und den USA stattfanden, sieht er jedoch ein positives Zeichen. Es gebe „Anlass zu Hoffnung, dass die beiden Großmächte vielleicht doch noch gemeinsam an einer Lösung des Syrienkonfliktes arbeiten  werden. Daher ist die Überlegung eines runden Tisches, an dem alle Beteiligten sitzen, vielleicht doch nicht so weltfern.“   Ein Buch, mit analytischer Tiefe geschrieben, in dem Jörg Armbruster ähnlich wie in seinen Filmen im Fernsehen, den Normalbürger etwas begreifen lässt von komplizierten Zusammenhängen und neuen Entwicklungen in Syrien und im gesamten Nahen Osten.

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