Jörg Aufenanger

 3 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Schiller, Else Lasker-Schüler in Berlin und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jörg Aufenanger

Jörg Aufenanger: geboren 1945 in Wuppertal, Studium der Philosophie und der Theaterwissenschaft in Berlin und Paris. Theaterregisseur an Pariser, deutschen und italienischen Theatern, zuletzt Berliner Ensemble und Teatro Vascello Rom. Autor von Publikationen zur Philosophie, zum Theater und zur Literatur, z. B. biographische Bücher zu Grabbe, Goethe, Schiller, Heine, Kleist, Wagner. Hörspiele, Romane und Erzählungen, Essays. Übersetzer aus dem Französischen u.a. von Pascal Quignard und Patrick Modiano. Lebt in Berlin

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jörg Aufenanger

Cover des Buches Ein so junger Hund (ISBN: 9783351036096)

Ein so junger Hund

 (34)
Erschienen am 29.10.2014
Cover des Buches Friedrich Schiller (ISBN: 9783538071902)

Friedrich Schiller

 (1)
Erschienen am 15.09.2004
Cover des Buches Else Lasker-Schüler in Berlin (ISBN: 9783898091619)

Else Lasker-Schüler in Berlin

 (1)
Erschienen am 08.02.2019
Cover des Buches Heinrich Heine in Paris (ISBN: 9783423245180)

Heinrich Heine in Paris

 (1)
Erschienen am 01.11.2005
Cover des Buches Schiller und die zwei Schwestern (ISBN: 9783423244466)

Schiller und die zwei Schwestern

 (1)
Erschienen am 01.02.2005
Cover des Buches Inmitten der Rätsel (ISBN: 9783935421102)

Inmitten der Rätsel

 (0)
Erschienen am 01.02.2002

Neue Rezensionen zu Jörg Aufenanger

Cover des Buches Ein so junger Hund (ISBN: 9783351036096)alascas avatar

Rezension zu "Ein so junger Hund" von Patrick Modiano

Die Dinge der Welt zärtlich umwehen
alascavor 7 Jahren

Die Dinge der Welt zärtlich umwehen
(Klappentext) Paris im Frühling 1992: Der Erzähler stößt auf ein altes Foto, und seine Erinnerung setzt sich in Gang. Das Bild stammt von Francis Jansen, dem Fotografen mit der Rolleiflex, der bald darauf für immer verschwand. Das war 1964, es war Frühling in Paris, und der Erzähler ein so junger Hund.

Aus der Begegnung, bei der Jansen den Erzähler fotografiert hat, entsteht eine nähere Bekanntschaft; der Erzähler ist fasziniert von Jansen und dessen Lebensstil. Jansen jedoch ist klar geworden, dass er mit seiner Arbeit Erinnerung nicht konservieren kann und entscheidet, sich bewusst dem Vergessen anheimzugeben. Der Erzähler wird Zeuge dieses Rückzugsprozesses, in dessen Verlauf Jansen auch alle Freundschaftsbande auflöst, und er versucht, dagegen anzukämpfen, „… weil ich mich weigerte, Personen und Dinge einfach verschwinden zu lassen.“ Er beginnt, Jansens Fotos zu katalogisieren, die dieser lose in drei Koffern aufbewahrt, doch eines Tages ist Jansen mitsamt seinen Koffern verschwunden. Der Fund eines einzelnen Fotos von damals in der erzählerischen Gegenwart von 1992 bewegt den Erzähler, der Vergangenheit nachzuspüren, indem er die damaligen Stätten der Begegnung aufsucht und die wenigen ehemaligen Freunde Jansens ausfindig zu machen sucht, was ihm nicht gelingt.

Das Minimum an Handlung tritt zurück hinter die eigentlichen Themen des Romans. Die Welt des Erzählers, die Welt von Modiano, ist eine Welt ohne feste Grenzen in der Zeit. Verschwimmende Grenzen („Es ist leicht, auf die andere Seite zu gelangen.“) sind überhaupt das Thema des Romans; sei es die zwischen Traum und Wachheit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Fiktion und Realität, Umgebung und Selbst („mit dem Dekor verschmelzen“) oder den Lebenden und den Toten. Auf seiner Suche gerät der Erzähler in einen Zustand von Unwirklichkeit, so dass er „noch einmal das Datum und die Schlagzeilen der Zeitung [las], die ich in der Hand hielt, um mich der äußeren Welt zu vergewissern.“ Ein weiteres Thema ist das Licht: Das Licht in den Straßen von Paris; das Licht „in dem wir in meiner Erinnerung spazieren gehen, …“; das natürliche Licht, das Jansen auf seinen Fotos einzufangen sucht und das so schwer zu fassen ist. Oft glaubt er zu träumen, oder Erinnerungsfetzen von Träumen drängen sich in sein Bewusstsein, und einmal widerfährt ihm im Traum die Erkenntnis, er selbst sei Francis Jansen, so dass sich in die Liste der Entgrenzungen auch die zwischen den Identitäten reiht, die in völlige Auflösung übergehen: „Es war zu Ende. Ich war nichts mehr.“

Die Melancholie des Textes, der die wehmütige Empfindung eines Déja vu vermittelt, nimmt unweigerlich gefangen und versetzt in eine wie schwebende Stimmung. Dazu tragen auch die atmosphärischen Beschreibungen des Pariser Frühlings bei, den man mit dem Erzähler zu erleben meint. Wie sein deutscher Verleger Jo Lendle sagt, besteht Modianos Kunst darin, „die Dinge der Welt auf eine zärtliche Weise zu umwehen“.

Modianos Text ist keiner, der zur Identifikation einlädt oder (zumindest mir) persönliche Aufschlüsse verschafft. Ich hätte mir mehr Substanz, Biss, ein Ziel gewünscht. Und doch ist er auf unverkennbare Art besonders.

Kommentare: 3
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Cover des Buches Ein so junger Hund (ISBN: 9783351036096)Wortweltens avatar

Rezension zu "Ein so junger Hund" von Patrick Modiano

Verlorene Erinnerungen
Wortweltenvor 7 Jahren


Er war auf der Suche nach einer verlorenen Unschuld, nach Orten, die für das Glück und die Sorglosigkeit gedacht waren, wo man aber von nun an nicht mehr glücklich sein konnte.
(S. 94)

1964 lernt der Erzähler den Fotografen Francis Jansen in einem Café in Paris kennen. Von diesem Frühling erzählt er achtzehn Jahre später, als er Fotografien wiederfindet, die Erinnerungen wachrufen. Erinnerungen, die teilweise sehr vage sind, die nur eine Annäherung an das tatsächlich Geschehene darstellen. Denn die Ereignisse selbst sind nicht bedeutend, eigentlich sind es nicht einmal die Figuren. Was den Roman und seine Stimmung ausmacht, ist das Zusammenspiel von Licht und Schatten, einzelne Szenen, die zwischen anderen hervorleuchten, Erinnerungsbruchstücke, die nur ein verschwommenes Ganzes ergeben. So wie die Menschen nur verschwommen zurückbleiben, mitunter gar nicht mehr voneinander abzugrenzen sind. In der Zeit ändert sich sehr viel oder geht gar verloren. Während der Erzähler als junger Mensch noch versucht, Vergangenheit zu dokumentieren und festzuhalten, indem er Jansens Fotografien sortiert und Ort, Zeit und Inhalt der Aufnahmen archiviert, weiß er auf der Gegenwartsebene der Handlung schon kaum noch, wer er selbst eigentlich ist.

Ich habe den Eindruck, das sind andere Personen als wir, wegen all der Zeit, die verflossen ist, oder gar wegen etwas, was Jansen durch sein Objektiv gesehen hat und was wir selbst damals nicht hätten sehen können, wenn wir uns vor einen Spiegel gestellt hätten: zwei junge Menscen, anonym und verloren in Paris. (S. 10f.)

Das sind die Themen, mit denen sich Patrick Modiano in diesem schmalen Roman beschäftigt. Mit dem Jungsein und den Hoffnungen, die man dann noch hat, und wie mit der Zeit alles schwindet, sogar bedeutungslos wird, so sehr man auch versucht, Augenblicke festzuhalten. Mit Fotografien. Mit Sprache. Mit Wortlosigkeit. Gerade diese Unmöglichkeit, diese Vagheit, fasst Modiano sehr gekonnt in Bildern zusammen. Der Leser erhält nur Puzzlestücke, nur Bruchteile, und die Menschen, die seinen Roman bevölkern, hadern mit dem Leben, hängen an einer Vergangenheit, die schon längst nicht mehr existiert, und an Menschen, die gegangen sind. Diese Vagheit webt Modiano in ein Gerüst aus realen Orten und historischen Figuren, sodass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ebenso verwischen wie die Erinnerungen des Protagonisten. Der melancholische Ton, der immer wieder hervorquillt, unterstreicht die Stimmung des Textes zusätzlich, dennoch hat der Roman auch etwas Leichtes, Bildhaftes, das vielleicht von dem Gefühl der Jugend herrührt, dem Glauben, den die Erzählfigur am Anfang noch anhängt, dass vor einem eine Zukunft liegt, und von der Unberührbarkeit des Frühlings.

Wenn ich mich in diese Arbeit vertieft hatte, dann darum, weil ich mich weigerte, Personen und Dinge einfach verschwinden zu lassen. Ich wollte, daß sie eine Spur hinterließ. Aber können wir dahin jemals gelangen? (S. 30)

Durch Fotografie betrachtet man das Dargestellte aus einer anderen Perspektive und sich selbst aus der einer anderen Person. Die Wahrheit über die Vergangenheit und sich selbst liegt immer irgendwo dazwischen, in einem Schatten jenseits des Lichts. So zumindest empfindet man den Inhalt dieses Romans um einen Frühling der Jugend und die Erinnerungen, die in der Zeit verloren gehen. Irgendwie ungreifbar bleibt die Geschichte, sehr leise, sanft, warm, melancholisch, aber nie bedrückend. Auf der unmöglichen Suche nach der eigenen Identität.

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Cover des Buches Ein so junger Hund (ISBN: 9783351036096)Fantasie_und_Träumereis avatar

Rezension zu "Ein so junger Hund" von Patrick Modiano

Ein so junger Hund
Fantasie_und_Träumereivor 7 Jahren

"Ich erinnere mich, ihn an jenem Morgen aus Höflichkeit gefragt zu haben, welchen Fotoapparat er für den besten halte. Er hatte mit den Schultern gezuckt und mir gestanden, dass er letztendlich die Apparate aus schwarzem Plastik bevorzuge, die man in Spielzeuggeschäften kauft und die einen Wasserstrahl spritzen, wenn man auf den Auslöser drückt." 


Es ist das Jahr 1992. Das Auftauchen einiger Fotos erinnern Autor Patrick Modiano an eine sehr eindringliche Begegnung aus dem Jahr 1964. Das Jahr, in dem diese Fotos von Francis Jansen gemacht wurden. Jansen übte mit seiner leicht melancholisch, geheimnisvollen Art und der Scheu "allein zu sein", eine Faszination auf Modiano aus, der ebenfalls den Wunsch verspürte mit seiner Kunst sein täglich Brot zu verdienen. Anders als Jansen, der eine gewisse Abneigung gegen Worte verspürte, sollten diese für Modiano später sogar dazu führen den Literaturnobelpreis zu gewinnen (aktuell im Oktober 2014).


"Es reicht mir, eins seiner Fotos anzuschauen, um die Fähigkeit wahrzunehmen, die seine Kunst und sein Leben ausmacht, und die so kostbar , aber so schwer zu erlangen ist: im Schweigen zu verharren."


Es ist eine der Begegnungen, die man nie ganz vergisst. Scheinbar eine Fügung des Schicksals ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt jene Persönlichkeit getroffen zu haben. Eine feine Verbindung gibt es schon zwischen Fotograf Jansen, reif an Jahren und Erfahrungen, und Schriftsteller Modiano, einem "so jungen Hund". Eine Frau - wie sollte es anders sein. Des einen große Liebe, des anderen flüchtige Bekanntschaft aus der Kindheit. Ein Moment, der erst durch eine Fotografie aus den Ruhestätten des Gehirns wieder hervorgeholt wird. 


"Ein so junger Hund" ist ein sehr schmales Buch, genau ausreichend für eine Begegnung wie diese. Ausreichend für eine erstmalige Begegnung zwischen Leser und Autor. Ausreichend um festzustellen, dass dieser französische Künstler der Worte den Literaturnobelpreis zurecht gewonnen hat. Trotz seines zarten Umfangs verfehlt dieser Roman seine Wirkung nicht. Eine Erzählung über die Begegnung mit einem Fotografen so aufzubauen, wie ein Foto selbst. Geschickt rückt dadurch die Faszination der Fotografie ebenso in den Vordergrund wie das Leben des Fotografen Jansen, das sich - wie jedes andere auch - aus vielen kleinen Einzelaufnahmen zusammensetzt. Eine Aufnahme kann ein ganze Lebensgeschichte erzählen, doch fängt sie nur den Moment ein - festgehalten für die Ewigkeit -, der sowohl alles offen darlegt, aber auch undurchdringlich und gestellt sein kann. Die Wahrheit wird nur vom aufmerksamen Betrachter, von demjenigen, der sich für die "Geschichten dahinter" interessiert, aufgedeckt. Betrachter, wie Jansen und Modiano sie gleichfalls zu sein schienen. Eine weitere Verbindung zwischen beiden, von keinem von ihnen beeinflusst. 


"Wenn ich mich an diesen Abend erinnere, so empfinde ich das Bedürfnis, die Schemen, die mir entgleiten, einzufangen und sie wie auf einer Fotografie festzuhalten. Aber nach so vielen Jahren verblassen die Konturen, und ein immer verfänglicherer Zweifel nagt am Bild der Personen. Dreißig Jahre reichen aus, um Zeugen und Beweise verschwinden zu lassen."


Obwohl nur von einem kurzen Zeitraum berichtet wird, erfährt der Leser in diesem kleinen Büchlein, das so fein geschrieben ist, in dem so viele schöne und kluge Sätze gesprochen werden, dass ich sie am liebsten alle in meinem Gedächtnis einschließen würde, sehr viel über den Fotografen Jansen. Wie er einst gewesen sein könnte und wie er im Sommer 1964 war. Ein wenig des Lebens müde, schwermütig, gebrochen durch Verluste von Freunden, Bekannten und Unbekannten, durch einen sinnlosen Krieg, der viele Leben gekostet hat. Es scheint als habe er den wahren Wert des Lebens, den Sinn von Freundschaften und Liebe aus den Augen verloren. In Kontrast stehenden zu Modiano, der sein Leben mit allen Höhen und Tiefen zu diesem Zeitpunkt noch vor sich hatte. Es geht ihm wie anderen häufig auch. Manche Momente versteht man erst im Nachhinein - manchmal erst nach Jahren der Erfahrung - so richtig.


"Ich konnte die Zukunft nicht voraussagen, aber in dreißig Jahren, wenn ich Jansens Alter erreicht hätte, würde auch ich verschwinden, wie er, an einem Abend im Juni, in Begleitung eines schemenhaften Hundes."


Ich habe "Ein so junger Hund" unglaublich gern gelesen. Jedes einzelne Wort in mich aufgesogen, jeden Satz gemocht und genossen. Patrick Modiano schreibt schon so lange und erst jetzt hat sich für mich der Moment ergeben, in dem ich auf ihn aufmerksam werden durfte. Es war ein Vergnügen meine Zeit mit ihm zu verbringen und ich freue mich auf ein Wiedersehen.

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