Jörg Baberowski Verbrannte Erde

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 4 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(2)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Verbrannte Erde“ von Jörg Baberowski

<p><strong>Wir gratulieren Jörg Baberowski sehr herzlich zum Preis der Leipziger Buchmessein der Kategorie Sachbuch/Essayistik!</strong><br /> <br /> <em>Zur Begründung</em>: "Verbrannte Erde" ist ein Buch, das den Leser von Anfang an in den Bann schlägt und nicht wieder loslässt. Es zwingt ihn, gleichermaßen durch Präzision der Argumente wie durch die Kraft der sprachlichen Vergegenwärtigung, auf eine Fahrt durch alle Kreise der Hölle. Und es erspart ihm nicht, genauer hinzusehen, den Tätern wie den Opfern ins Gesicht zu schauen. Hier handeln nicht Großmächte oder Begriffsgespenster - nicht der Kommunismus, nicht die Moderne, kein Eindeutigkeitswahn -, sondern Menschen. Das macht die Lektüre, sofern man nicht völlig abgestumpft ist, zu einer bedrückenden Erfahrung, zu einem kurzen Lehrgang in Trostlosigkeit. Aber das ist der Preis, der für historische Erkenntnis zu zahlen ist. Jörg Baberowski, der an dear Humboldt-Universität lehrt, widersteht der Versuchung, die Gewalt zu rationalisieren, ihr Gründe unterzuschieben. Aus der Verbindung von Quellennähe und kluger Kritik tradierter Deutungen gewinnt seine Darstellung ihre Wucht. Wenn in den kommenden Jahren einer fragt: Was war das, der Stalinismus, dann wird man zum Regal gehen und ihm dieses Buch geben: Nimm und lies!<br /> <br /> <br /> Stalins Gewaltherrschaft fielen Millionen Menschen zum Opfer. Sie verhungerten, verschwanden im "Archipel Gulag" oder wurden im Laufe der "Säuberungen" von Partei, Staatsapparat und Militär ermordet. In seinem großen, berührenden Buch entwickelt Jörg Baberowski neue Perspektiven auf die stalinistischen Verbrechen und führt den Leser hinab in die paranoide Welt des sowjetischen Diktators.<br /> <br /> Die Bolschewiki wollten eine neue Gesellschaft erschaffen und träumten vom neuen Menschen. Doch reicht es aus, auf das bolschewistische Projekt der Modernisierung zu verweisen, um die stalinistischen Gewaltexzesse zu erklären? War Stalins Terrorherrschaft eine notwendige Folge der kommunistischen Ideologie? Das bolschewistische Projekt, so die These des Buches, bot eine Rechtfertigung für den Massenmord. Aber es schrieb ihn nicht vor. Es war Stalin, ein Psychopath und passionierter Gewalttäter, der den Traum vom neuen Menschen im Blut der Millionen erstickte. Er war Urheber und Regisseur des Terrors, der erst mit seinem Tod aufhörte. Er errichtete eine Ordnung des Misstrauens und der Furcht, in der jedermann jederzeit zum Opfer werden konnte. Wer in dieser Weise den inneren Kitt einer Gesellschaft zerstört, der hinterlässt auch in den Seelen der Menschen verbrannte Erde. "Lasst, die ihr eingeht, jede Hoffnung fahren", steht über Dantes Höllentor. Dieser Satz hätte auch an den Grenzpfählen der Sowjetunion stehen können.</p>

Stöbern in Sachbuch

Das große k. u. k. Mehlspeisenbuch

Das Zauner ist eine Institution in Bad Ischl, hier gibt es die Rezepte der Leckereien, die man dort findet.

Sikal

Wut ist ein Geschenk

Tolles Buch

Pat82

Gehen, um zu bleiben

Eines dieser Bücher, die etwas bedeuten; so viel, dass man bereits während des Lesens weiß, dass sie alles verändern. Dich selbst.Das Leben.

IvyBooknerd

Kleine Hände – großer Profit

Hinter vielen Grabsteinen verbergen sich traurige Geschichten - nein, ich meine nicht die der Begrabenen, sondern der Kinderarbeiter.

Ann-KathrinSpeckmann

Heimatlos ist nicht gleich hoffnungslos: Sehnsucht einer jungen Frau 1944/2014

Lesestoff für die junge Generation.

annegretwinterberg

Homo Deus

Hararis Buch polarisiert, regt zum Nachdenken an und lässt kaum jemanden kalt.

Bellis-Perennis

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Verbrannte Erde" von Jörg Baberowski

    Verbrannte Erde
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    05. March 2012 um 14:22

    Systematischer Terror „Und wir sollten auch nicht das Naheliegende übersehen – dass Stalin es getan hat, weil es ihm gefallen hat“. In dieser Gefahr, dieses Naheliegende zu übersehen, steht Jörg Baberowski nicht. Auf den gut 500 Seiten des Buches arbeitet er nicht nur dezidiert die grausame und opferreiche innere Geschichte der Stalin Herrschaft hervorragend heraus, sondern versäumt es ebenso nicht, die Psychologie Stalins, die Person eines „bösartigen Psychopathen“, von vielfachen Seiten her zu beleuchten und klar konturiert vor die Augen des Lesers zu stellen. Ungeheure Verbrechen gegen das eigene Volk, gegen alles und jeden, der teilweise auch nur den leichten, persönlichen Missfallen Stalins erregt hat, Säuberungen, denen Millionen zum Opfer fielen, Straflager und Gulags, Hunger und Not, ein perfides, perfektes, reibungslos funktionierendes Terrorregime in ganz großem Maßstab ist es, welches Baberowski in hervorragender Sprache darstellt. Auch der Blick auf das ausführliche und in Teilen kleinteilige Literaturverzeichnis zeigt unmissverständlich, dass hier ein Autor seine Hausaufgaben gemacht hat, weiß, wovon er schreibt und dies zudem klar und prägnant auf den Punkt zu bringen versteht. In der Verbindung zwischen der Person Stalins und dem vordergründigen Anspruch des Sozialismus verdeutlichen die Einlassungen Baberowskis, dass der Stalinismus nichts anders war als eine pure Herrschaft der Gewalt. Eine Gewalt (und das ist interessant), die sich nach Baberowskis Einschätzung aus dem eigenen Versagen an hohen Ansprüchen, aus der eigenen Schwäche heraus motiviert hat. Eine Gewallt, die sich schon früh entwickelt hat und immer breitere Kreise um sich zog. Gewalt, die von Beginn an zunächst als reines Machtinstrument zum tragen kam, bis sie sich nach kurzer Zeit fast verselbstständigt hat, in den Händen Stalins. Eine Gewalt, auch das arbeitet Baberowski detailliert heraus, die ihre Wurzel schon zu Zeiten der Oktoberrevolution zeigte, die eigentlich bereits zur Zarenzeit gängiges Machtinstrument der Bevölkerung gegenüber war. Eine Gewalt, die dann aber vollständig schrankenlos und oft rein willkürlich das gesamte russische Leben der damaligen Zeit bestimmte. Ein Terror, der perfide perfektioniert den gesamten Einflussbereich der Sowjetunion überzog. Und der in der Darstellung im Buch manches Mal aufrüttelt. In dieser deutlichen Darstellung auch der Wurzeln und der Motive der Gewaltherrschaft Stalins zeigt Baberowski im Übrigen Linien auf, die durchaus über das konkret Feld Stalin hinausreichen. Auch das dritte Reich oder Terrorregime moderner Prägung (wie in Libyen oder Syrien) zeigen in den inneren Entwicklungen strukturelle Ähnlichkeiten, was die Nutzung von nackter Gewalt aus Schwäche oder Ohnmacht (und nachher aus reinem Selbstzweck) heraus angeht. Ein Psychopath an der Macht, der sich diese Macht bereits durch reine Gewalt und Netzwerke von Getreuen sicherte, ein auf (willkürliche) Gewalt bereits aufgebautes System und ein behaupteter „Ausnahmezustand“ der Revolution und des Kampfes gegen Außen führten zu einem millionenfachen inneren Massenmord sondergleichen, der bei näherer Betrachtung durch kein politisches System und keine Ideologie auch nur annähernd inhaltlich gerechtfertigt werden konnte und kann. Ein höchst wertvolles Buch zur Geschichte Stalins, des Stalinismus und weit darüber hinaus.

    Mehr
  • Rezension zu "Verbrannte Erde" von Jörg Baberowski

    Verbrannte Erde
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    20. February 2012 um 13:46

    In seinem großen, berührenden Buch entwickelt Jörg Baberowski neue Perspektiven auf die stalinistischen Verbrechen und führt den Leser hinab in die paranoide Welt des sowjetischen Diktators. Das Buch ist für den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Sachbuch nominiert. Das Buch geht der Frage nach, wieso es in der Sowjetunion zu solchen Gewaltexzessen kam, wie unter der Herrschaft Josef Stalins. Kann man das erklären mit dem bolschewistischen Projekt der Erschaffung einer neuen Gesellschaft und ihrem Traum vom neuen Menschen? Lange Zeit war man in der Forschung geneigt, so zu denken. Jörg Barberowski hat sich 2003 in seinem Werk „Der rote Terror“ selbst auf dieser Erklärungsebene bewegt. Doch nun hat er seine Meinung geändert. Zwar konnte die kommunistische Ideologie durchaus als Rechtfertigung herhalten für den Massenmord, aber sie hat ihn zu keiner Zeit vorgeschrieben. Das tat jedoch der Psychopath Josef Stalin, ein passionierter Gewalttäter, der den Traum vom neuen Menschen im Blut ersticke. Barberwoski stützt seine These mit der Tatsache, dass sofort nach dem Tod von Stalins 1953 alle diese Exzesse aufhörten und die Sowjetunion zu den Praktiken einer „normalen“ Diktatur zurückkehrte.

    Mehr