Jörg Fauser

 4.2 Sterne bei 113 Bewertungen
Autor von Rohstoff, Der Schneemann und weiteren Büchern.

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Jörg FauserRohstoff
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Rohstoff
Rohstoff
 (40)
Erschienen am 23.06.2009
Jörg FauserDer Schneemann
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Der Schneemann
Der Schneemann
 (33)
Erschienen am 23.06.2009
Jörg FauserDas Schlangenmaul
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Das Schlangenmaul
Das Schlangenmaul
 (7)
Erschienen am 23.06.2009
Jörg FauserAlles wird gut
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Alles wird gut
Alles wird gut
 (6)
Erschienen am 23.06.2009
Jörg FauserMarlon Brando
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Marlon Brando
Marlon Brando
 (3)
Erschienen am 23.06.2009
Jörg FauserDie Harry Gelb Story
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Die Harry Gelb Story
Die Harry Gelb Story
 (3)
Erschienen am 01.01.2001
Jörg FauserMarlon Brando. Der versilberte Rebell
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Marlon Brando. Der versilberte Rebell
Marlon Brando. Der versilberte Rebell
 (2)
Erschienen am 01.04.2004
Jörg FauserDer Strand der Städte – Blues für Blondinen
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Der Strand der Städte – Blues für Blondinen

Neue Rezensionen zu Jörg Fauser

Neu
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Marlon Brando" von Jörg Fauser

Marlon Brando, der Rebell
Bellis-Perennisvor 5 Monaten

Diese Biografie über Marlon Brando ist nicht ausschließlich eine Biografie eines Menschen, sondern vielmehr eine Stück Zeitgeschichte.

 

Geboren 1924 in Nebraska als Sohn des Vertreters Marlon Brando und seiner Frau Dolores, wächst Marlon jun., der von allen nur “Bud” genannt, anfangs in geordneten Verhältnissen auf. Das ändert sich, als Mutter Dolores immer öfter zur Flasche greift und der Vater selten daheim ist. Bud und seine Schwestern werden vernachlässigt. Marlon jun. provoziert durch schlechte Schulerfolge und fliegt sogar von einer Militärschule. 

Schließlich kehrt er seinem Elternhaus den Rücken und lernt 1943 in New York Erwin Piscator kennen, der eine Schauspielschule leitet und Größen wie Walter Matthau oder Tony Curtis hervorbringt. Die wichtigste Person in dieser Zeit ist die Schauspiellehrerin Stella Adler.

Nach Unstimmigkeiten verlässt er Piscator und hat 1947 mit der Bühnenfassung von “Endstation Sehnsucht” seine ersten Erfolge.

 

Die weitere Entwicklung zu gefragt wie gefürchteten Star ist bekannt. Weniger bekannt ist vielleicht, dass sich Brando zum Rollenstudium in das jeweilige Umfeld begeben hat. Für die Rolle in “Der Wilde” hat er intensive Milieustudien betrieben.

Seine Art zu spielen, hat allerdings jene Regisseure gegen ihn aufgebracht, die pingelig ihre Schauspieler bevormundet haben.

 

Marlon Brando soll, lt. Jörg Fauser nie zu Alkohol gegriffen haben, da ihn das Verhalten seiner Eltern so abgestoßen hat. Sein Laster ist eher unmäßiges Essen.

 

Meine Meinung:

 

Von dieser Biografie Marlon Brandos bin ich einigermaßen enttäuscht. Nicht so sehr der Inhalt, sondern von der sprachlichen Ausführung. Jörg Fauser gilt als renommierten Autor. Manchmal habe ich allerdings den höchst subjektiven Eindruck, das Werk eines Pubertierenden zu lesen. Ein Bespiel gefällig?

“Natürlich warf Hollywood seine Kontaktlinsen auf den Stoff …” (S. 53) oder “.. diktierte folgendes Statement in ihre Griffel..” (s. 90)

 

In dieser und ähnlicher Tonart geht es weiter.

 

Gut gefällt mir, dass sich der Autor ausführlich mit der Zeit und den Zeitgenossen auseinander setzt. So nimmt er Bezug auf die Hetze gegen angebliche und echte Kommunisten, die im konservativen Hollywood Schwierigkeiten ohne Ende hatten. Dass er dabei allerdings die Präsidenten Amerikas (von Eisenhower bis Nixon)rüde beschimpft, ist entbehrlich.

Die Person Marlon Brandos scheint gut getroffen zu sein. Der Star rebelliert – wie zuvor schon im Elternhaus und in den Schulen – gegen allzu forsche Vereinnahmung. In manchen Lebensphasen wird er sich allerdings selbst untreu, wenn er aufgrund von Geldsorgen doch Filme dreht, die nicht ganz seiner Persönlichkeit entsprechen.

 

Der Autor Jörg Fauser (1944-1987) war selbst ein Rebell, der an Hausbesetzungen und Demos teilgenommen hatte. Er war Journalist und sein literarisches Werk erinnert gilt heute als Wegbereiter der Undergroundliteratur. In der Nacht nach seinem 43. Geburtstag wurde Fauser auf der Autobahn nähe München-Riem tot aufgefunden. Ob sein Tod mit seinen Recherchen im Drogenmilieu zusammenhing, konnte nie zweifelsfrei festgestellt werden.

 

Fazit:

 

Die Figur des rebellischen Marlon Brando und seiner Zeit ist gut gezeichnet, die sprachliche Ausführung ist es leider für mich nicht. Daher nur 3 Sterne.


Kommentare: 1
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Gulans avatar

Rezension zu "Der Schneemann" von Jörg Fauser

Peruvian Flake
Gulanvor einem Jahr

„Ich könnte auf den Geschmack kommen. Vor allem bei dem Stoff, den ich gerade habe. Wirklich erstklassig. Erstaunlich, was man noch alles entdeckt.“
„Wie meinen Sie das?“
„Mit zwanzig bin ich auf den Geschmack von Sex gekommen, mit dreißig auf den von Whisky und jetzt auf den von Kokain. Wo wird das noch enden?“
„Ich würde sagen, es geht aufwärts. Darf ich mal probieren?“. (S.105)

Siegfried Blum ist ein Kleinkrimineller, ein Überlebenskünstler. Gerade ist er auf Malta und versucht, eine Sammlung dänischer Pornohefte zu verhökern. Ein möglicher Abnehmer wäre der italienische Mafioso Rossi. Da gerät er durch Zufall in den Besitz eines Gepäckaufbewahrungsscheins von Rossi. Blum verlässt Hals über Kopf Malta und löst am Münchener Hauptbahnhof einen Koffer voller Dosen mit Rasierschaum aus. Doch er findet schnell heraus, dass noch mehr in den Dosen steckt: 5 Pfund 96%iges Kokain, Sorte Peruvian Flake.

Das ist für Blum natürlich eine einmalige Chance. Er ist ein Einzelgänger, ein „Ein-Mann-Unternehmen“, der sich mit fast 40 mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Sein Traum ist eine Bar auf den Bahamas und die könnte im Bereich des Möglichen liegen, wenn es ihm gelänge, den Stoff zu verhökern. Doch das ist selbstredend alles andere als einfach. Er bemüht einige Kontakte, verkauft hier und da einige Gramm, doch der entscheidende Deal will nicht gelingen. Und immer muss er befürchten, dass die tatsächlichen Eigentümer der Ware ihm auf den Fersen sind. Blum begibt sich auf eine Odyssee über Frankfurt, Wesel (!), Amsterdam bis nach Ostende.

Autor Jörg Fauser ist sicherlich eine der interessanten Personen des deutschsprachigen Literaturbetriebs der Nachkriegszeit. Zunächst ein ausgewiesener Undergroundautor mit engen Bezügen zur amerikanischen Beat-Literatur, eigene Drogenerfahrungen und Nähe zur Frankfurter Hausbesetzerszene inklusive. Fauser arbeitete in den 70ern als Journalist, veröffentlichte Essays, Reportagen, Lyrik, eine Biografie von Marlon Brando, Hörspiele, arbeitete als Übersetzer und schrieb Songs für Achim Reichel. Er beschäftigte sich auch intensiv mit amerikanischen hardboiled-Krimis. 1981 erschien dann „Der Schneemann“ als echter „richtiger“ Roman. Drei Jahre später erschien die Verfilmung


mit Marius Müller-Westernhagen in der Hauptrolle. Das Filmdrehbuch verlässt die Romanvorlage teilweise deutlich, Fauser fand es angesichts ordentlicher Tantiemen angeblich nicht so tragisch. Im Literaturbetrieb war er immer ein Außenseiter, am deutlichsten wurde dies 1984, als er beim Ingeborg-Bachmann-Preis von den Literaturgranden niedergemacht wurde. 1987 starb Jörg Fauser viel zu früh in der Nacht nach seinem 43. Geburtstag bei einem Unfall als Fußgänger auf einer Autobahn bei München.

Natürlich können sie überall sein, dachte er, als er den Mann im blauen Maximantel sah, der an der Würstchenbude stand und sich mit einem Corriere della Sera beschäftigte […] - und genau davon gehen sie aus: daß du durchdrehst, daß du aufgibst, daß du in die Knie gehst und den Koks wieder zur Aufbewahrung Stelle 1 gibst und den Gepäckschein eingeschrieben ans Phoenicia schickst. Paranoia heißt das Wort. Verfolgungswahn. Diese Stiche im Herzen, diese Nierenschmerzen, das Kribbeln an der Wirbelsäule, das Jucken unter der Kopfhaut, alles nur der Verfolgungswahn. Bleib cool. Du hast dich entschlossen, die Sache durchzuziehn, also zieh sie auch durch, betritt diesen Speisewagen mit der gereizten Miene eines Reisenden in Rheumawäsche, letzte Woche kein Abschluß, die Chemie rottet uns aus, die Frau hatte ihre Tage, Hertha BSC hat schon wieder verloren, und eine lange Woche im Raum Wuppertal starrt dir in das biervernebelte Hirn.

„Ober, ein Pils, aber kalt, näch!“. (S.56-57).

Fauser erzählt die Story mit einem auktorialen Erzähler ganz eng an seinem Protagonisten Blum. Er schickt ihn auf einen Road Trip durch mehrere Staaten, ein einsamer Handlungsreisender in Sachen Kokain. Blum ist ein Vagabund, je nach Blickwinkel könnte man ihn als Loser oder Überlebenskünstler bezeichnen. Die Nummer mit dem Koks ist eindeutig zu groß für ihn, aber er schlägt sich wacker, doch der Verfolgungswahn (nicht zu unrecht) begleitet ihn über die ganze Reise. Dabei begegnet er zahlreichen merkwürdigen Gestalten mit ähnlich skurrilen Biografien. Die Figuren und auch die wechselnden Schauplätze machen ebenfalls einen erheblichen Reiz dieser Geschichte aus. Der Muff der alten Bundesrepublik wird in einigen Schauplätzen wie Bahnhofshallen, ranzigen Hotelzimmern oder Intercity-Speisewagen nur allzu deutlich. Daneben verteilt Fauser in einigen Szenen wie der Party in einem Münchener Schriftsteller-Bungalow auch einige Seitenhiebe auf das kulturelle Establishment.

Ich habe beim Recherchieren irgendwo gelesen, dass Fauser nach diesem Buch schnell als Krimiautor abgestempelt war. Was mich allerdings wundert, denn trotz der 5 Pfund Kokain geht es in diesem Roman doch eigentlich um die beschwerliche Suche Blums nach seinem persönlichen Glück („Denn das Glück, meine Herren, ist die teuerste Droge“, S.86) und das in Zeiten von Sinnsuche, Hedonismus und Paranoia. Und auch wenn D-Mark, Gulden, belgische Francs und maltesische Lira längst nicht mehr existieren, ist „Der Schneemann“ mit einem frischen und lässigen Stil immer noch ein lesenswerter Roman.

Kommentare: 6
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Duffys avatar

Rezension zu "Der Strand der Städte – Blues für Blondinen" von Jörg Fauser

Was hätte der nicht alles ...
Duffyvor 2 Jahren

... noch schreiben können? So oft, wie diese Frage geseufzt wurde, kann man gar nicht mit dem Kopf schütteln. Tatsache ist, dass Fausers Arbeiten, egal welcher Abteilung sie auch angehören, einen einzigartigen Stellenwert in diesem Land einnehmen. Und das wirklich noch keiner von der Sorte nachgewachsen ist. Das Fausers Kerngeschäft der Journalismus war, wissen die nicht, die ihn auf den "Schneemann" reduzieren, doch seine Artikel und Reportagen waren von einer Lebendigkeit, die dem, was heute als Journalismus bezeichnet wird, haushoch überlegen sind. Fauser beschrieb seine Objekte nicht nur, sondern machte sie greifbar, unterlegte sie mit der dringenden Stimme, die nicht nur Neugier ausdrückt, sondern Antworten fordert. Er recherchierte, und das unterschied ihn von vielen seiner heutigen Kollegen, nicht nur gründlich, sondern stellte seine Ergebnisse auch in den passenden Kontext. In seinen Kolumnen wies er sich als ausgezeichneter Kenner seiner Inhalte aus, mit beißender Direktheit legte er Finger auf Wunden und kam immer zum Punkt, ließ den Leser teilhaben und öffnete ihm neue Sichtweisen und Ansätze. Dabei blieb er immer schonungslos, aber nie verletzend.
Diogenes hat 2009 eine Werkausgabe auf den Markt gebracht, die Fausers Arbeit großartig dokumentiert. Der hier besprochene Band 8 enthält seine Reportagen, Kolumnen und Artikel, sowie im Teil "Blues für Blondinen" seine Arbeiten über seine schriftstellerischen Vorbilder, ebenfalls ganz in Fauser-Manier, individuell und mit Ecken und Kanten.
Wer von Fauser begeistert ist, hat ohnehin schon die Werkausgabe, die man nur wärmstens empfehlen kann. Wer diese Investition scheut und sich für den Journalisten interessiert, ist mit diesem Band bestens bedient.

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