Jörg Fauser Der Schneemann

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Inhaltsangabe zu „Der Schneemann“ von Jörg Fauser

›Der Schneemann‹ ist die Geschichte des Kleinkriminellen Siegfried Blum, der durch Zufall an fünf Pfund Kokain gerät. Der Traum vom sorglosen Leben auf den Bahamas rückt in greifbare Nähe, wären da nicht die Profis des Rauschgifthandels, die Blum den Schnee wieder abjagen wollen. Er schleppt den Stoff von Malta über München, Frankfurt, Amsterdam bis Ostende mit sich herum und lernt schnell, wie schwierig es sein kann, einen kleinen Schneemann damit zu bauen.

Immer noch guter Klassiker: Ein kleiner Gangster mit der Hoffnung auf den großen Coup. Aber das Glück kommt nur in kleinen Dosen.

— Gulan

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  • Peruvian Flake

    Der Schneemann

    Gulan

    05. June 2017 um 13:04

    „Ich könnte auf den Geschmack kommen. Vor allem bei dem Stoff, den ich gerade habe. Wirklich erstklassig. Erstaunlich, was man noch alles entdeckt.“„Wie meinen Sie das?“„Mit zwanzig bin ich auf den Geschmack von Sex gekommen, mit dreißig auf den von Whisky und jetzt auf den von Kokain. Wo wird das noch enden?“„Ich würde sagen, es geht aufwärts. Darf ich mal probieren?“. (S.105) Siegfried Blum ist ein Kleinkrimineller, ein Überlebenskünstler. Gerade ist er auf Malta und versucht, eine Sammlung dänischer Pornohefte zu verhökern. Ein möglicher Abnehmer wäre der italienische Mafioso Rossi. Da gerät er durch Zufall in den Besitz eines Gepäckaufbewahrungsscheins von Rossi. Blum verlässt Hals über Kopf Malta und löst am Münchener Hauptbahnhof einen Koffer voller Dosen mit Rasierschaum aus. Doch er findet schnell heraus, dass noch mehr in den Dosen steckt: 5 Pfund 96%iges Kokain, Sorte Peruvian Flake. Das ist für Blum natürlich eine einmalige Chance. Er ist ein Einzelgänger, ein „Ein-Mann-Unternehmen“, der sich mit fast 40 mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Sein Traum ist eine Bar auf den Bahamas und die könnte im Bereich des Möglichen liegen, wenn es ihm gelänge, den Stoff zu verhökern. Doch das ist selbstredend alles andere als einfach. Er bemüht einige Kontakte, verkauft hier und da einige Gramm, doch der entscheidende Deal will nicht gelingen. Und immer muss er befürchten, dass die tatsächlichen Eigentümer der Ware ihm auf den Fersen sind. Blum begibt sich auf eine Odyssee über Frankfurt, Wesel (!), Amsterdam bis nach Ostende. Autor Jörg Fauser ist sicherlich eine der interessanten Personen des deutschsprachigen Literaturbetriebs der Nachkriegszeit. Zunächst ein ausgewiesener Undergroundautor mit engen Bezügen zur amerikanischen Beat-Literatur, eigene Drogenerfahrungen und Nähe zur Frankfurter Hausbesetzerszene inklusive. Fauser arbeitete in den 70ern als Journalist, veröffentlichte Essays, Reportagen, Lyrik, eine Biografie von Marlon Brando, Hörspiele, arbeitete als Übersetzer und schrieb Songs für Achim Reichel. Er beschäftigte sich auch intensiv mit amerikanischen hardboiled-Krimis. 1981 erschien dann „Der Schneemann“ als echter „richtiger“ Roman. Drei Jahre später erschien die Verfilmung mit Marius Müller-Westernhagen in der Hauptrolle. Das Filmdrehbuch verlässt die Romanvorlage teilweise deutlich, Fauser fand es angesichts ordentlicher Tantiemen angeblich nicht so tragisch. Im Literaturbetrieb war er immer ein Außenseiter, am deutlichsten wurde dies 1984, als er beim Ingeborg-Bachmann-Preis von den Literaturgranden niedergemacht wurde. 1987 starb Jörg Fauser viel zu früh in der Nacht nach seinem 43. Geburtstag bei einem Unfall als Fußgänger auf einer Autobahn bei München. Natürlich können sie überall sein, dachte er, als er den Mann im blauen Maximantel sah, der an der Würstchenbude stand und sich mit einem Corriere della Sera beschäftigte […] - und genau davon gehen sie aus: daß du durchdrehst, daß du aufgibst, daß du in die Knie gehst und den Koks wieder zur Aufbewahrung Stelle 1 gibst und den Gepäckschein eingeschrieben ans Phoenicia schickst. Paranoia heißt das Wort. Verfolgungswahn. Diese Stiche im Herzen, diese Nierenschmerzen, das Kribbeln an der Wirbelsäule, das Jucken unter der Kopfhaut, alles nur der Verfolgungswahn. Bleib cool. Du hast dich entschlossen, die Sache durchzuziehn, also zieh sie auch durch, betritt diesen Speisewagen mit der gereizten Miene eines Reisenden in Rheumawäsche, letzte Woche kein Abschluß, die Chemie rottet uns aus, die Frau hatte ihre Tage, Hertha BSC hat schon wieder verloren, und eine lange Woche im Raum Wuppertal starrt dir in das biervernebelte Hirn. „Ober, ein Pils, aber kalt, näch!“. (S.56-57). Fauser erzählt die Story mit einem auktorialen Erzähler ganz eng an seinem Protagonisten Blum. Er schickt ihn auf einen Road Trip durch mehrere Staaten, ein einsamer Handlungsreisender in Sachen Kokain. Blum ist ein Vagabund, je nach Blickwinkel könnte man ihn als Loser oder Überlebenskünstler bezeichnen. Die Nummer mit dem Koks ist eindeutig zu groß für ihn, aber er schlägt sich wacker, doch der Verfolgungswahn (nicht zu unrecht) begleitet ihn über die ganze Reise. Dabei begegnet er zahlreichen merkwürdigen Gestalten mit ähnlich skurrilen Biografien. Die Figuren und auch die wechselnden Schauplätze machen ebenfalls einen erheblichen Reiz dieser Geschichte aus. Der Muff der alten Bundesrepublik wird in einigen Schauplätzen wie Bahnhofshallen, ranzigen Hotelzimmern oder Intercity-Speisewagen nur allzu deutlich. Daneben verteilt Fauser in einigen Szenen wie der Party in einem Münchener Schriftsteller-Bungalow auch einige Seitenhiebe auf das kulturelle Establishment. Ich habe beim Recherchieren irgendwo gelesen, dass Fauser nach diesem Buch schnell als Krimiautor abgestempelt war. Was mich allerdings wundert, denn trotz der 5 Pfund Kokain geht es in diesem Roman doch eigentlich um die beschwerliche Suche Blums nach seinem persönlichen Glück („Denn das Glück, meine Herren, ist die teuerste Droge“, S.86) und das in Zeiten von Sinnsuche, Hedonismus und Paranoia. Und auch wenn D-Mark, Gulden, belgische Francs und maltesische Lira längst nicht mehr existieren, ist „Der Schneemann“ mit einem frischen und lässigen Stil immer noch ein lesenswerter Roman.

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    • 7
  • Rezension zu "Der Schneemann" von Jörg Fauser

    Der Schneemann

    vau

    02. February 2010 um 17:35

    Wenn man heute Jörg Fauser liest, fragt man sich vielleicht, was nur aus diesen ganzen Freaks geworden ist, die einmal in Deutschland ihr Unwesen trieben. Mir ging es jedenfalls so. Fausers Beschreibungen der Menschen und Orte in der BRD der 70er und frühen 80er Jahre erwecken in mir fast so etwas wie Sehnsuch. Sehnsucht nach einer Zeit, in der noch nicht alles der Verwertung untergeordnet war, in der nicht jede Kneipe eine Location und jeder Kleinkriminelle gleich ein Monster war.

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  • Rezension zu "Der Schneemann" von Jörg Fauser

    Der Schneemann

    Dilbertine

    27. November 2009 um 12:30

    Dänische Pornos; zwielichtige, obskure Gestalten und 2,5 kg „Glück“ in Dosen ***************************** Anfang der 80er Jahre, Siegfried Blum, ein kleiner Gauner der von einem sorglosen Leben auf den Bahamas träumt, schlägt sich mit dem Verkauf von dänischen Pornos, Jahrgang 1968, auf der Insel Malta durch. Durch widrige Umstände bei der Abwicklung eines seiner kleinkriminellen Geschäfte, findet Blum im Toupet seines Kunden die Zugangsvoraussetzungen für ein Schließfach am Münchner Hauptbahnhof. Sein Visum für Malta ist abgelaufen und da er nichts Besseres vor hat, macht er sich auf die Reise zum Gepäckfach. Die Enttäuschung über die dort vorgefundenen 20 Dosen Old Spice Rasierschaum wandelt sich schnell in Euphorie, als er feststellt, dass der Inhalt der Spraydosen nicht schaumig sondern pulvrig ist und 2,5 kg reinem peruanischem Kokain entspricht. Die Erfüllung des Traums vom Leben auf den Bahamas rückt näher denn je, Siegfried Blum muss „nur“ noch das Peruvian Flake unter die Leute bringen. Es beginnt eine leicht paranoide Odyssee mit dem Glück in Dosen, auf der Blum zahlreichen obskuren und zwielichtigen Persönlichkeiten begegnet. Die Geschäfte des Herrn Blum finden ihr jähes Ende in Oostende, aber mehr wird von mir nicht verraten. Der Roman ist kurzweilig, witzig, ironisch und leicht zu lesen, aber wird seiner Kategorisierung ins Genre „Thriller“ nicht gerecht. Mir persönlich hat der „Thrill“ gefehlt. Ich bin dennoch von der Geschichte nicht enttäuscht, denn ich habe einen sympathischen Ganoven getroffen, der im richtigen Moment Charakterstärke beweist. Interessant fand ich den Blick in den Spiegel der deutschen Gesellschaft Anfang der 80er Jahre.

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