Jörg Fauser Rohstoff

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Inhaltsangabe zu „Rohstoff“ von Jörg Fauser

Jörg Fauser als Beobachter seines Lebens und seiner Zeit: Junkie in Istanbul, 1968 Kommunarde in Berlin, Hausbesetzer in Frankfurt. Das autobiographische Zeugnis, in dessen Mittelpunkt Fausers Alter ego Harry Gelb steht, ist drastische Lebensbeschreibung, rasantes Zeitdokument der sechziger und siebziger Jahre – und die Geschichte von einem, der auszog, um Schriftsteller zu werden.

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  • Grandioses Zeitdokument der 70iger

    Rohstoff

    BeaMilana

    Rohstoff ist die Geschichte des drogensüchtigen und später alkoholabhängigen Autors Harry Gelb und ein schonungsloses Zeitdokument der Gescheiterten in den 70igern der BRD. Es ist die Geschichte von einem, der fällt und wieder aufsteht, und wieder fällt und doch gestrandet, erneut zu ertrinken droht. Ein Getriebener – heimatloser, entwurzelter, suchender, rasender, verzweifelter Anarchist –, der schreiben will und dem es nicht gelingt, sich in die Gesellschaft einzugliedern, weder in die Hausbesetzerszene, "Dealer mit wallenden Haaren und einer Mao-Plakette an ihrem indischen Hemd, Catchertypen mit Ohrringen und Moschusduft, ähterische Grazien aus Siemensstadt oder Neheim-Hüsten, die ihre Friseurlehre mit freier Liebe oder einer Bombe vertauschen wollten und statt dessen in einer Kreuzberger Kellerwohnung mit einer rostigen Kanüle im Arm aufwachten", noch in die politische Szene aller Klassen von Revolutionären, noch in das spießige Kleinbürgertum, angeödet von "Leuten, die mit identischen Möbel, identischem Essen und identischen Bücher absolut identisch vögeln". Ein Schriftsteller, der sich über Literaturseminare beklagt, die Dutzende von Bachmannkopien auf die Menschheit loslassen, geschrieben von Menschen, die den Schmerz der Welt nie kennengelernt haben, ein schreibender Outlaw, der erst spät von der funktionierenden Kulturklasse, die ihn als Agenten der dunklen Kräfte ablehnte, angenommen wurde, einer, der Burroughs und Fallada liebte, und dessen engster Gefährte der Zweifel war. Seine Sprache ist klar, unverblümt, schnörkellos, auf den Punkt gebracht, schonungslos ehrlich. Ich mag das. "Aber du hast sie dann mit in eins der Teehäuser genommen, wo die in Lumpen gewickelten Opiumsüchtigen sabbernd auf den Dealer warteten, während die riesigen Kakerlaken von der Decke in ihre Teegläser fielen – nicht daß sie wirklich fielen, aber die Stiesel sahen sie fallen –, und du hast dich mit dem Buckligen unterhalten – "Du okay? Ich auch okay" –, bis die message klar wurde: Lauf um dein Leben." Es ist richtig, wer sich für deutsche Literatur interessiert kommt an Jörg Fausers Rohstoff (trotz einiger Längen) nicht vorbei. Ich bin froh, ihn über die Laudatio Köhlmeiers in seiner Klagenfurter Rede zur Literatur 2013 entdeckt zu haben. Besser spät, als nie. Link zum Literaturcafe.de: Rohstoff: Vergessen sie Jörg Fauser nicht, denn irgendein Mexiko brauchen wir alle! http://bit.ly/1sOIYQv Der Diogenes Verlag hat vor ein paar Jahren Jörg Fausers vielschichtiges Gesamtwerk herausgebracht.

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  • Rezension zu "Rohstoff" von Jörg Fauser

    Rohstoff

    JimmySalaryman

    16. January 2012 um 21:01

    Fauser ist ja mittlerweile im Kanon der bundesdeutschen Literatur angekommen. Ob ihm das gefallen hätte? War seine Coolness nur Pose? Ganz egal. Schreiben kann er. "Rohstoff" spannt einen Bogen von fiesen Heroindrückereien in Tophane bis zur bizarren Schilderung des Alltags in einem besetzten Haus. Deutschland in den 70ern, Fausers alter ego Harry Gelb schlittert durch das Jahrzehnt, streift Kommune, Milieu, Arbeitswelt und RAF, liebt, säuft, raucht und - schreibt. Für mich stellt Rohstoff weniger ein Drogenroman, als vielmehr ein Pastiche dar: Fauser ist eben ein genauer Beobachter, und er beschreibt sehr nüchtern, distanziert und mit der nötigen Ironie die Republik, seine Kinder und eben auch sein Leben. Das ist sympathisch. Natürlich bleibt die Lesung und der Verriss von Rich-Ranicki beim Ingeborg Bachmann (man sehe nur ins Internet!) unvergessen: So einen wie Fauser, einen, der seine Stimme gegen die "Blechtrommel" erhob, den konnten sich nicht im Ernst dulden, der musste gedemütigt werden. Interessiert hat es ihn, hoffe ich, nicht.

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  • Rezension zu "Rohstoff" von Jörg Fauser

    Rohstoff

    Bri

    In den 80ern erschienen, ist mir dieses Buch erst vor wenigen Wochen in die Hände gefallen. Aufmerksam wurde ich auf das Cover, weil es so sehr mit dem Titel und dem Inhalt des Buches abgestimmt ist, dass ich es einfach in die Hand nehmen musste. Jörg Fauser war mir ein Begriff, aber eher ein nebulöser. Was Fauser selbst angeht sehe ich dank des im Anhang des Buches befindlichen Inerviews nun sehr viel klarer. Was die beschriebene Zeit in den 70er Jahren in Deutschland angeht ebenso. Fauser ist für mich mit keinem anderen deutschen Schriftsteller verlgeichbar - einstteils mag es daran liegen, dass er tatsächlich ein Millieu beschreibt, das die meisten deutschen Nachkriegs-Schriftsteller wohl nicht mal im Ansatz kennengelernt hatten. Ihre Geschichten waren geprägt von anderen, von schrecklichen, Erlebnissen während und kurz nach dem Krieg. Fauser, 1944 geboren, erlebt vor allem junge Deutsche, die sich von den alten Kriegsgeschichten befreien wollen, sei es durch Anarchie, Hausbesetzungen, Kommunenleben oder exzessiven Drogenkonsum. Sie suchen ihren Weg und wollen sich auf biegen und brechen abgrenzen. Fausers Sprache ist so dicht, direkt, schnörkellos und treffend, wie die seiner großen amerikanischen Vorbilder Hammett und Chandler. Vielleicht ist es auch das, was ihn für mich nicht mit anderen deutschen Schriftstellern - auch nicht mit aktuellen - vergleichbar macht: sein amerikanischer vom Handwerk geprägter Stil. Dennoch hat das Buch Längen. Eintauchen in die Geschichte um Fausers alter ego Harry Gelb ist aber trotzdem jederzeit komplett möglich. Rohstoff ist ein Muss für Leser, die mehr über das Deutschland der 70er Jahre - und das ungeschminkt und aus erster Hand - erfahren wollen und für mich sicher nicht der letzte Fauser.

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    thursdaynext

    10. May 2011 um 22:18
  • Rezension zu "Rohstoff" von Jörg Fauser

    Rohstoff

    Wolkenatlas

    Gemischte Gefühle Vorweg, "Rohstoff" ist gut, eigentlich sogar sehr gut. Jörg Fauser konnte wirklich schreiben, seine Prosa ist scharf, witzig, frisch, hat schmissige Dialoge und immer wieder wirklich grandiose Momente. Die Story des Harry Gelb: ein auf einem Dach in Istanbul herumlungernder opiumsüchtiger Schriftsteller in spe, oder alkoholisierter Flughafenmitarbeiter, Verpackungs-Antikünstler bei Cloppenberg, bindungsgestörter Liebhaber- der dann doch am Ende die Kneipe seinen (allesamt wunderschönen und eher sexhungrigen) Mädchen vorzieht, Chefredakteur einer Underground-Zeitung und auch Aushilfswachmann; ist gut, sogar sehr. Trotzdem hat mich "Rohstoff" nicht ganz überzeugt, was wahrscheinlich an manchen ermüdenden Kapiteln liegt, die dann doch zu sehr der Entstehungszeit von "Rohstoff" verpflichtet sind. Wunderbar u.a. die Kapitel mit diversen Vorstellungsgesprächen, die erste Nacht als Wachmann und viele andere. Meine Neugierde auf weitere Bücher von Jörg Fauser ist auf jeden Fall geweckt...

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  • Rezension zu "Rohstoff" von Jörg Fauser

    Rohstoff

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. May 2010 um 16:05

    Dies ist bereits mein zweiter Fauser-Roman, nach 'Der Schneemann'. Fauser schreibt hier über die tiefen Abgründe einer Heroinsucht in Istanbul, über die Verrücktheit des Kommunen-Lebens im Berlin der 1968er Jahre, über die Hausbesetzerszene in Frankfurt am Main und über den Beginn einer Schriftsteller-Karriere in diesem verwahrlosten Umfeld der Drogenszene im Deutschland der 70er Jahre und das mit einer Sprache, die weder mit einem anstrengenden Soziolekt anbiedert, noch durch zuviel Pathos distanziert, sondern mit einer Leichtigkeit flüssig erzählt. Die beschriebene Schriftstellerfigur, Fausers alter ego Harry Gelb, bringt es folgendermassen auf den Punkt. Als er seine alten Schreibereien neu liest, die er im Heroin- und Opiumrausch geschrieben hatte, meint er lakonisch, dass das ja ungeniessbar sei, da er viel zu verstrickt und zu wenig distanziert das Ganze in all seiner Komik gesehen hätte. Jörg Fauser sieht das jetzt mit Humor, entdeckt die komischen Seiten und gewinnt dadurch Distanz. Ich finde, es lohnt sich immer wieder, Fauser zu lesen, aber viel zu schnell gelangt man jeweils ans Ende des Buches, das hier noch besonders genial ist.

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  • Rezension zu "Rohstoff" von Jörg Fauser

    Rohstoff

    Odonata

    08. September 2009 um 22:04

    Fauser kann schreiben – das steht fest, und wie. Sobald die ersten Zeilen gelesen sind, kommt man aus der Kiste nicht mehr raus. Will man aber auch gar nicht. Harry Gelb, die Hauptfigur dieses Romans, ist ein angehender Schriftsteller, Redakteur einer Underground-Zeitung, Büroaushilfe, Wachmann, Packer, aber auch Junkie, Dealer, Trinker – kurz: der Antiheld. Mit diesem Antihelden also arbeitet man, trinkt man, fixt man, schreibt man, diskutiert man, liebt man, zweifelt man, fickt man, betrügt man, fantasiert man, klaut man, resigniert man, stürzt man, stürzt man noch tiefer, hofft man, träumt man, schüttelt man den Kopf über die Welt sowie das Leben. Und all das tut man gemeinsam mit Harry Gelb auf einer Lebensreise durch die Städte Istanbul, Berlin, Göttingen, München, Frankfurt, Wien und Montabaur. Fauser gelingt es mit seinem großartigen Roman „Rohstoff“ sehr gut die damalige Zeit (`68) einzufangen, er durchleuchtet die verschiedenen sozialen Milieus (Arbeitermilieu, linksintellektuelles Milieu, Kulturbetrieb) mit all ihren Idiotien. In jeder dieser genannten Welten irgendwie zu Hause, ist Harry Gelb dennoch „der Außenseiter, der auch bei den Außenseitern auf der Außenseite" sitzt. Und natürlich konstatiert er irgendwann: „Ein Leben kann verdammt lang werden, wenn man nur auf Niederlagen zurückblickt.“ Aber, und das ist das wirklich bemerkenswerte an dem Protagonisten – und dafür bin ich Fauser auch sehr dankbar: Harry Gelb fällt und steht auf, fällt und steht auf, fällt und steht auf. Jeder Fall tut dem Leser zwar ein wenig weh und die (fast) hoffnungslose Suche nach ein wenig Glück, ein wenig Liebe und ein wenig Anerkennung macht traurig und wenn es dann heißt: „Völlige Finsternis. … Die Sterne waren zu nichts nütze, so weit weg, wie sie waren.“, muss man dann schon stark schlucken. Aber letztendlich lässt sich Harry Gelb nicht unterkriegen und steht auf, steht auf, steht auf. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, wird sie wohl auch nie aufgeben, und ich auch nicht.

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  • Rezension zu "Rohstoff" von Jörg Fauser

    Rohstoff

    Duffy

    25. July 2009 um 16:51

    Mit "Rohstoff" ist Fauser einer der wichtigsten Romane der Gegenwartliteratur gelungen, behaupten nicht wenige. Aber dieser Roman ist mehr, es ist ein Zeitdokument von einem, der diese Zeit miterlebt hat. Der Weg zum anerkannten Schriftsteller ist auch der Weg durch die Instanzen des Kulturbetriebes und letztlich sein Scheitern an Formalem. Es hat sich nicht viel geändert seitdem. Auch die von Fauser kritisierte deutsche Literatur ist nicht viel besser geworden, seine Aussagen darüber findet man in einem Anhang zu diesem Buch im Gespräch mit Helmuth Karasek. Warum das Buch solange nicht auf dem Markt war ist unverständlich. Der Diogenes-Verlag (wieder mal) bringt Fausers Schaffen als Werkausgabe. Endlich, denn einer wie er ist noch nicht nachgerückt.

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