Jörg Friedrich Kritik der vernetzten Vernunft

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Inhaltsangabe zu „Kritik der vernetzten Vernunft“ von Jörg Friedrich

Das Buch wendet sich an Menschen, die im Netz zu Hause sind, die nicht mehr zwischen online und offline unterscheiden, die zugleich per Smartphone auf Twitter eine Diskussion führen und am Mittagstisch mit Freunden plaudern, in Blogs Kommentare posten und mit dem Kollegen über Fußball reden, die Online-Ausgaben der Zeitungen lesen und dabei mit dem Lebenspartner über das Wetter reden. Das Buch hat vier große Abschnitte, sie entsprechen den vier großen Fragen die nach den Worten von Immanuel Kant die Philosophie umtreiben: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?

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  • Rezension zu "Kritik der vernetzten Vernunft" von Jörg Friedrich

    Kritik der vernetzten Vernunft

    HeikeG

    12. September 2012 um 15:52

    "Alles wird besser, aber nichts wird gut." (Werner Karma) . "In diesem Buch geht es um Vernunft und darum, was es heute heißt, vernünftig zu sein. Oft verlangt man von uns, vernünftig zu sein, die Vernunft zu gebrauchen. Aber was ist Vernunft? Und was ist vernünftig?" Dies fragt sich Jörg Friedrich in seiner "Kritik der vernetzen Vernunft" und trifft damit genau den Nerv unserer Zeit. Denn fast jeder ruft heute nach Vernunft, hält sie für notwendig und möglich. Aber allem Anschein nach sind die meisten davon überzeugt, dass der Mensch alles andere als vernünftig ist. Der Naturwissenschaftler, Unternehmer und Philosoph unternimmt in seinem Buch den Versuch, Klarheit darüber zu gewinnen, "was Vernunft heute ist, wo ihre Möglichkeiten und ihre Grenzen sind." . In vier Kapiteln (Was weiß man schon? Was tun? Gibt es Hoffnung? Was ist der Mensch?) nähert er sich dieser großen philosophischen Frage, die schon die Alten Griechen umtrieb, in Bezug auf das wichtigste Charakteristikum unserer modernen Wirklichkeit - der Vernetzung, an. Als roter Faden dienen ihm Kants drei große Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Allerdings modifiziert er sie und verbindet die drei Hilfsverben 'können', 'sollen' und 'dürfen' mit den Verben 'wissen', 'tun' und 'hoffen' anders. Dabei entstehen dann solch interessante neue Fragen wie: 'Was kann ich glauben?' 'Was darf ich wissen?' 'Was kann ich tun?' bzw. 'Was will ich wirklich mit meinem Tun erreichen?', oder: Kann ich alles tun, was ich darf? Muss ich alles tun, was ich soll oder soll ich alles tun, was ich tun muss? Soll ich alles tun, was ich will? . Immer in Hinblick darauf, dass das Handeln des Menschen im Spannungsfeld von Dürfen, Sollen und Müssen steht und vor allem dass wir heute unsere sozialen Beziehungen als Netzstrukturen ansehen und zu beherrschen versuchen, sieht Jörg Friedrich dabei die technisch geprägte Kultur als Heimat der vernetzten Vernunft. Er fragt nach den Unterschieden von Wildnis und Natur, von Kultur und Künstlichkeit oder unterscheidet das Dürfen von Müssen und das Wollen vom Wünschen. "Diese Begriffe sollten die Bedingungen und Voraussetzungen beschreiben, unter denen Menschsein möglich ist, aber auch die Begrenzungen, die dem Menschen dadurch gesetzt sind, andeuten.", so Friedrich. Letztendlich wird sichtbar, "dass die vernetzte Vernunft nichts ist, was sich erst in den letzten Jahrzehnten neu gebildet hätte, aber durch das Internet und die mobile Kommunikation ist sie auf neue Weise prägend geworden für alle Formen der Begründung, für alle Antworten auf die Fragen nach dem Warum." . "Kritik der vernetzten Vernunft" ist kein Ratgeber und gibt auch keinen Überblick über die Philosophiegeschichte Europas. Erst recht stellt es keine Sammlung praktikabler philosophischer Weisheiten oder Ratschläge für den Alltag in den Zeiten von Internet, Cloud-Technologie, Social Networking und mobiler Kommunikation dar. In diesem Buch wird nicht Philosophie geboten, sondern hier wird sich über das manchmal allzu Selbstverständliche gewundert. Nichts anderes heißt philosophieren. Stetig und intensivierend, aber niemals belehrend, sondern animierend, regt Jörg Friedrich zum kritischen Nachdenken an. Zum einen über die Bedingungen, unter denen eine vernetzte Vernunft möglich wird. "Zum anderen, welche stillschweigenden Annahmen die vernetzte Vernunft voraussetzt, um in ihrer Welt klarzukommen, ihr Netz über die Realität zu werfen und sie damit einfangen zu können." Sein Buch offenbart einen inhaltsschweren, jedoch äußerst verständlichen, philosophischen Text, der gleichermaßen für "routinierte" Philosophen wie auch interessierte Laien geeignet ist. Fast ist man gewillt, ihn als philosophischen "Schmöker" zu bezeichnen, denn einmal eingetaucht, legt man ihn nicht mehr aus der Hand. Friedrich zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, dass Philosophie ganz und gar nichts Verstaubtes und Verschwurbeltes innewohnt, sondern dass sie fesseln kann. . Fazit: "Kritik der vernetzten Vernunft" spinnt auf wunderbare Art und Weise einen Faden und animiert den Leser herauszufinden, "was ich weiß und warum ich glaube, etwas zu wissen, warum ich etwas tue, ob es auf Wissen oder auf Normen beruht und ob es Gründe dafür gibt, auf irgendetwas zu hoffen. Und: was ich bin." Eines wird am Ende klar: "Der Mensch ist das Wesen, das nach den Gründen fragt, nach dem Grund, auf dem er steht. Kurz gesagt: Der Mensch ist das Wesen, das philosophiert." Und dazu regt sein Buch ganz und gar vortrefflich an.

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