Jörg Magenau

 4,1 Sterne bei 42 Bewertungen
Autor von Bestseller, Princeton 66 und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jörg Magenau

Jörg Magenau wurde 1961 in Ludwigsburg geboren. Er studierte an der FU Berlin Philosophie und Geschichte und arbeitete als Kulturredakteur und Literaturkritiker u.a. für die «FAZ», die «taz» und «Freitag». 1995 wurde er mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet. 2002 erschien seine viel beachtete Christa-Wolf-Biographie. Jörg Magenau lebt und arbeitet in Berlin, als Autor und Redakteur von «Das Magazin».

Neue Bücher

Cover des Buches Die kanadische Nacht (ISBN: 9783608984033)

Die kanadische Nacht

 (4)
Neu erschienen am 20.02.2021 als Hardcover bei Klett-Cotta.

Alle Bücher von Jörg Magenau

Cover des Buches Bestseller (ISBN: 9783455503791)

Bestseller

 (12)
Erschienen am 20.02.2018
Cover des Buches Princeton 66 (ISBN: 9783608949025)

Princeton 66

 (10)
Erschienen am 11.07.2016
Cover des Buches Einschluss mit Engeln (ISBN: 9783498044985)

Einschluss mit Engeln

 (4)
Erschienen am 17.01.2014
Cover des Buches Die kanadische Nacht (ISBN: 9783608984033)

Die kanadische Nacht

 (4)
Erschienen am 20.02.2021
Cover des Buches Christa Wolf (ISBN: 9783499610851)

Christa Wolf

 (4)
Erschienen am 02.09.2013
Cover des Buches Martin Walser (ISBN: 9783644012813)

Martin Walser

 (2)
Erschienen am 01.08.2011
Cover des Buches Die taz (ISBN: 9783446209428)

Die taz

 (2)
Erschienen am 25.08.2007

Neue Rezensionen zu Jörg Magenau

Cover des Buches Die kanadische Nacht (ISBN: 9783608984033)Kristall86s avatar

Rezension zu "Die kanadische Nacht" von Jörg Magenau

Aus dem Ende entsteht ein Anfang
Kristall86vor 2 Monaten

!ein Lesehighlight 2021!


Klappentext:

„In Kanada liegt der Vater im Sterben. Die Nachricht trifft seinen Sohn in einer Krise. Hinter ihm liegt ein gescheitertes Buchprojekt. Seit Jahrzehnten hat er den fernen Vater nicht gesehen, nun überquert er Atlantik und Rocky Mountains, um ihn hoffentlich noch lebend anzutreffen. Doch was ist überhaupt ein Leben? Was weiß man von einem fremd gebliebenen Vater, von der Liebe der anderen und der eigenen? Und wie schreibt man darüber? Die Fahrt durch die kanadische Nacht führt den Erzähler immer tiefer in die eigene Herkunft und hinaus ins Offene. Als er den Vater erreicht, geht etwas zu Ende, aber etwas Neues beginnt auch: die Suche nach dem, was trotz aller Vergänglichkeit bleibt.“


Die Reise des Sohnes zu seinem sterbenden Vater ist eigentlich der Hauptteil dieses Buches. Autor Jörg Magenau nimmt den Leser auf eine ganz ruhige Reise mit über den großen Teich. Seine Worte wählt er für seinen Protagonisten mit Bedacht und größter Sorgfalt aus. Laute und kräftige Wörter wären bei diesem Schritt im Leben sowieso der falsche Weg. Hier stimmt alles! Wir begleiten den Sohn mit dem Mietwagen in den USA auf den Weg zu seinem Vater und wir erleben dabei, wie er sich selbst reflektiert. Er geht in sein tiefes Inneres und erlebt vor dem geistigen Auge nochmal seine Kindheit, seine Jugend, schöne und weniger schöne Erinnerungen. Er erinnert sich an seinen Vater, seine Familie. Es ist eine sehr intensive Selbstreflexion, die man nur macht, wenn der Tot nah ist. Ich fand Magenaus Worte und Gedanken von seinem Protagonisten unheimlich tiefgründig und feinfühlig. Die Auseinandersetzung mit Leben und Tot ist ein wichtiges Thema, welches niemals untergraben werden sollte oder sogar auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Das der Sohn es hoffentlich noch zu seinem Vater schafft, ist der eigentliche Spannungsbogen. Haben sie sich doch lange nicht gesehen, aber wenigstens der Abschied soll sie nochmal zueinander führen - ein letztes Mal die Verbindung halten - hoffentlich...

Magenau hat mit diesem Buch einen ganz besonderen philosophischen Nerv bei mir getroffen und ich bin sehr tief beeindruckt von diesem zarten Büchlein. Es enthält so viel geballten Nachklang, das einem fast schwindelig wird, wenn man sich darauf einlässt. 

Ich fand dieses Buch großartig und kann es nur empfehlen und vergebe deshalb 5 von 5 Sterne!

Kommentare: 6
5
Teilen
Cover des Buches Die kanadische Nacht (ISBN: 9783608984033)Lesebiene017s avatar

Rezension zu "Die kanadische Nacht" von Jörg Magenau

Abschied und Aufbruch
Lesebiene017vor 2 Monaten

Der männliche Ich-Erzähler, der durchaus Gemeinsamkeiten mit dem Autor aufweist, wird ans Sterbebett seines 91-jährigen Vaters gerufen. Die beiden haben sich seit mehreren Jahrzehnten nicht gesehen, sich aus den Augen verloren, da der Vater nach Kanada ausgewandert ist und ein dortiger Besuch mehrfach scheiterte. Der Sohn landet in Calgary und muss nun mehrere Stunden mit dem Auto fahren, durch Prärielandschaft westwärts in Richtung der Rocky Mountains. Genug Zeit, um nachzudenken: Über seine Kindheit, seine Eltern und die Vaterferne; über Brüche im Leben, über ein misslungenes Buchprojekt, über sich selbst, über die Liebe und deren Vergänglichkeit, über Herkunft und Abschied. Daneben schildert er die vorbeifließende Landschaft während der Fahrt durch die immer dunkler werdende kanadische Nacht. Der Roman ist ein einziger Gedankenfluss, an dem uns der Autor teilhaben lässt. Er tut dies in unvergleichlich wohl gesetzten Worten. Immer wieder muss man innehalten, um das Gelesene zu reflektieren oder eigene Überlegungen anzustellen. 

„Vergangenheit ist nichts Festes, weil sie immer von einem bestimmten, aber nie gleichen Standpunkt, immer von der flüchtigen Gegenwart aus in den Blick gerät. Schreiben heißt, mit der Vergangenheit aufzuräumen.“ (S. 23) In diesem Sinne ist auch dieser Roman zu verstehen.

Der Vater schrieb während der letzten Jahre viele Briefe und später Emails, in denen er viel von sich und seiner Herkunftsfamilie preisgab: „So war er mir zu einer Papierperson geworden…“ (S.24) Während der Fahrt resümiert der Sohn darüber. Er entdeckt Parallelen zu sich selbst. Die Eltern des Erzählers haben sich getrennt, als er noch ein Kind war, beide Elternteile fanden neue Partner. Den Vater zog es mit der Stiefmutter in die Ferne Kanadas, als der Sohn die Tradition brach und nicht in Tübingen, sondern in Berlin studierte. „Wir waren Familienflüchtlinge, jeder auf seine Weise, und hätten uns darin doch eigentlich sogar verstehen können.“ (S.30)

Trotz seines Ewigkeitsbedürfnisses gibt auch der Sohn seine Ehe nach vielen gemeinsamen Jahren auf. Er hat eine neue Frau lieben gelernt, seine Seelenverwandte A.: „Ich litt darunter, dass der Aufbruch den Wortbruch voraussetzt, dass ich meiner Frau wehtun musste, aber es konnte nicht anders sein, ich musste gehen, um – anders – weiterzuleben.“ (S. 49) 

Neben diesen Familienverflechtungen beschäftigt den Ich-Erzähler ein beruflicher Rückschlag: Er wurde von einer Malerin angeheuert, um die Biografie ihres verstorbenen Mannes, der Dichter war, zu schreiben. Das Projekt hielt den Erzähler über die letzten zwei Jahre beschäftigt mit dem Ergebnis, dass die Auftraggeberin nach zahlreichen zeitintensiven Änderungswünschen das Manuskript schließlich verwarf und das endgültige Veto einlegte. Ein Vorgehen, das zunächst völliges Unverständnis bei ihm hervorruft.

Während der Fahrt ändert sich sukzessive die Sichtweise des Erzählers. Er entdeckt immer mehr Parallelen und Zusammenhänge, die nicht nur sein Verständnis für den sterbenden Vater, sondern auch für die kapriziöse Malerin und sich selbst hervorrufen. Währenddessen drängt die Zeit: Der Vater liegt dem Tode nah im Krankenhaus und es ist fraglich, ob der Sohn noch rechtzeitig ankommen wird.

Der Roman hat keinen Spannungsbogen im engeren Sinne. Dennoch sind die Gedanken des Erzählers und die Erkenntnisse, die sich daran anschließen, im Fluss und sehr lesenswert. Im Angesicht des bevorstehenden Todes eines Elternteils treiben wohl jeden Menschen ähnliche Überlegungen um – nur so brillant formulieren wie Jörg Magenau können es wohl die wenigsten.

„Meine Herkunft werde ich nicht los, weil sie mich ausmacht, egal, wohin ich fahre.“ (S.42)

„An der Geduld des Gebirges zerschellt jede menschliche Ungeduld.“ (S. 44)

„Nur wenige Dinge überleben den Tod ihrer Eigner, die ihnen Sinn und Bedeutung verliehen haben. Der Tod verwandelt sie in Gerümpel, das die Hinterbliebenen dann wegschaffen.“ (S.92) 

Ich habe den Ich-Erzähler gerne auf seiner Reise durch die kanadische Nacht begleitet. Seine Reflexionen wirken durchaus nachvollziehbar, der Schreibstil gekonnt. Insgesamt hat mich die Familienhistorie stärker gefesselt als die des Künstler-Ehepaars – auch wenn die Bezüge und Parallelen schlüssig sind.

Ein literarisches Buch, bei dem man mit Sicherheit auch bei einer Zweitlektüre auf seine Kosten kommt und bei dem man auf jeder Seite wunderschön formulierte Sätze und Weisheiten entdecken kann. Sehr empfehlenswert!

 

Kommentieren0
3
Teilen
Cover des Buches Die kanadische Nacht (ISBN: 9783608984033)Anna625s avatar

Rezension zu "Die kanadische Nacht" von Jörg Magenau

Die kanadische Nacht ist lang
Anna625vor 3 Monaten

Als er den Anruf erhält, dass sein Vater im Sterben liegt, macht sich der Sohn auf den Weg nach Kanada, wo der Vater seit langer Zeit im selbstgewählten Exil lebt. Jahrzehntelang hatten sie über gelegentliche Emails hinaus keinerlei Kontakt, und so haben sie sich mit der Zeit auseinandergelebt. Während der mehrstündugen Autofahrt vom Flughafen aus bis zum Krankenhaus denkt der Sohn zurück an sein Leben und an das seines Vaters, aber auch an das eines Dichters und einer Malerin, über die er kürzlich ein Buch verfasst hat. Dieses wird nun jedoch wahrscheinlich nicht veröffentlicht, und so erscheint die Arbeit der letzen zwei Jahre vergeblich.

Ich hatte meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Es enthält zweifellos viele interessante Gedanken zu Themen wie Leben und Tod, die oft auch schön ausgeführt werden. Insbesondere Hölderlin hat es dem Autor wohl angetan, ich habe bald aufgehört mitzuzählen, wie oft Vergleiche zum Leben dieses Dichters gezogen werden, wie oft er zitiert oder auf seine Werke und seine Philosophie angespielt wird. Beinahe war mir das schon etwas zu viel, aber es bietet auf jeden Fall auch einen schönen Wiedererkennungseffekt, falls man sich schonmal mit Hölderlin beschäftigt hat. 

Insbesondere die erste Hälfte des Buches hat sich für mich phasenweise extrem in die Länge gezogen und ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass noch etwas geschieht. Aber ein Großteil des Buches beschäftigt sich tatsächlich lediglich mit Rückblicken auf die Leben der drei Männer. Das des Vaters fand ich dabei noch am interessantesten; warum die Lebensgeschichte des Dichters, von dem das Buch des Sohnes handelt, nacherzählt wurde, hat sich mir nicht gänzlich erschlossen. In der zweiten Hälfte des Buches wurde es dann etwas besser, die Fahrt des Sohnes, die Reise zu seinem sterbenden Vater und auch zu sich selbst neigt sich dem Ende zu. 

Fazit: Ich schätze die philosophischen Überlegungen, die der Sohn anstellt, während er durch die kanadische Nacht reist. Mir hatte das Buch aber zu viele Längen und ich hatte mir irgendwie mehr erhofft.

Kommentieren0
2
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 70 Bibliotheken

auf 10 Wunschzettel

von 2 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks