Jörg Schindler

 4.2 Sterne bei 24 Bewertungen

Alle Bücher von Jörg Schindler

Die Rüpel-Republik

Die Rüpel-Republik

 (9)
Erschienen am 25.07.2013
Aufbruch - unser Energiesystem im Wandel

Aufbruch - unser Energiesystem im Wandel

 (2)
Erschienen am 15.11.2010
Panikmache

Panikmache

 (1)
Erschienen am 25.08.2016
Öldämmerung

Öldämmerung

 (0)
Erschienen am 03.03.2011

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Rezension zu "Aufbruch - unser Energiesystem im Wandel" von Jörg Schindler

Kommt die "große Transition" (S. 25)?
R_Mantheyvor 3 Jahren

Mit Prognosen sollte man sehr vorsichtig sein, denn in der Regel stimmen sie nicht. Meistens schreiben sie eine als gegeben angesehene Entwicklung einfach linear fort. Voraussagen, die über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Gewissheit beanspruchen, sind nicht nur sehr mutig, sondern auch mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch.

Dieses Buch entstand aus einem Auftrag, den Toyota Motor Europe 2006 an die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH erteilte. Der drohende Rückgang der weltweiten Erdölförderung auf insbesondere die Automobilindustrie sollte studiert werden. Hier nun findet der Leser die Untersuchungsergebnisse. Da im Auftrag gewissermaßen schon das Ergebnis vorweggenommen wurde, wundert es nicht, dass man dann im Text keine großen Überraschungen erlebt.

Die Grundaussage der Autoren ist simpel und wird schon vom Titel dieses Werkes suggeriert. Wir müssen davon ausgehen, erklären sie uns, dass die sogenannten fossilen Brennstoffe zur Neige gehen. Und das ziemlich bald. Die Kernenergie spielt beim Stillen des weltweiten Energiebedarfs jetzt schon keine sehr bedeutende und bei Erstellung des Textes auch noch abnehmende Rolle. Daraus schließen die Autoren, dass nur die sogenannten regenerativen Energieerzeugungsformen unsere Zukunft bestimmen werden.

Für die Mobilität der Gesellschaft hätte dies gravierende Auswirkungen, da über 90 Prozent der Transportmittel mit fossilen Brennstoffen arbeiten. Doch diese Folgen werden im Buch nur grundlegend diskutiert. Vielmehr geht es in vielen Wiederholungen und mit enormen Zahlenmengen, deren seriöse Herkunft wenigstens mir nicht immer deutlich wurde, um den Beweis, dass das Ende der immer verfügbaren und billigen Energie aus fossilen Brennstoffen mit Riesenschritten naht.

Während der Leser im ersten Kapitel die Zusammenfassung der Studienergebnisse in knapper Form erhält, geht es im folgenden Kapitel dann ausführlicher um die einzelnen Energieträger und die entsprechenden Prognosen über ihren zukünftigen Anteil an der Energieerzeugung. Im dritten Kapitel findet man eine Darstellung regenerativer Energietechnologien und weitere mutige Prognosen. Das nächste Kapitel bearbeitet das Thema dann im Rahmen der verschiedenen Weltregionen oder wirtschaftlichen Vereinigungen. Abschließend werden dann im letzten Kapitel einige wenig überraschende Schlussfolgerungen gezogen.

Neben dem sicher insgesamt interessanten Zahlenmaterial und dem Überblick, das dieses Buch schafft, gibt es eine Reihe von Schwachstellen. Am meisten störte mich die unkritische Haltung der Autoren. Ich hätte zum Beispiel gerne gewusst, wie denn eine Energieerzeugung für Deutschland heute aussehen würde, wenn sie nur auf regenerativer Basis funktionieren würde. Ginge das überhaupt? Und wenn nicht, was muss dann bis zum angeblichen Ende des fossilen Zeitalters in den kommenden zwei Jahrzehnten passieren?

Das kommende Ende der fossilen Brennstoffe wird im Text zwar ständig beschworen, aber nur dadurch bewiesen, dass die Förderung nicht mehr steigt. Eine Verbindung zwischen dem gestiegenen Ölpreis und der Verfügbarkeit von Rohöl herzustellen, wie das die Autoren tun, klingt zwar logisch, ist es aber nicht unbedingt. Sie übersehen dabei, dass Öl in Dollar bezahlt wird, aber immer mehr Dollars aus dem Nichts erzeugt werden. Allein die enorme Verwässerung der US-Währung muss zwangsläufig zu einer Verteuerung von Rohöl in dieser Währung führen.

Es existiert eine sogenannte abiotische Theorie zur Entstehung von Rohöl, aus der folgen würde, dass es keine Verknappung dieses Rohstoffes geben wird. Zwar erwähnen die Autoren diese Theorie, verweisen sie aber ins Reich der Spekulationen. Dafür gibt es eine Reihe von Argumenten, aber auch für das Gegenteil, denn nur die abiotische Entstehungstheorie konnte bisher im Labor bestätigt werden.

Der Text enthält zahlreiche Grafiken, die gelegentlich aber völlig unbrauchbar sind, weil man auf ihnen nicht viel erkennen kann.

Selbst wenn die Behauptung der Autoren stimmen sollte, sind viele ihrer Prognosen, die teilweise bis 2100 gehen, doch reichlich mutig. Wer hätte wohl 1910 die Welt von 2000 wenigstens im Grundsätzlichen vorausgesagt? Nach 1910 gab es unzählige gesellschaftliche Umbrüche, Kriege sowie einschneidende Entdeckungen und Erfindungen, die in ihren Wechselwirkungen völlig unvorhersehbar waren. Das wird auch in den nächsten Jahrzehnten nicht anders sein.

Fazit.
Ein durchaus interessantes Buch, das durch eine Menge von Zahlen die Behauptung untermauern möchte, dass der Höhepunkt der Förderung von fossilen Brennstoffen entweder schon erreicht wurde oder bald erreicht wird. Anschließend werden grundsätzliche Schlussfolgerungen daraus gezogen, die jedoch weniger konkret, dafür aber recht mutig sind.

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Rezension zu "Die Rüpel-Republik" von Jörg Schindler

Rezension zu "Die Rüpel-Republik" von Jörg Schindler
Gospelsingervor 6 Jahren

Der Umgangston ist schärfer geworden, das Verhalten der Menschen untereinander rüpelhafter. Stimmt. Die im ersten Teil des Buches geschilderten Situationen im Straßenverkehr, in der Nachbarschaft, in der Schule, auf Sportplätzen und im Internet kennen wir alle so oder so ähnlich. Im Buch wird sogar eine Frau beschrieben, die sich aus dieser Entwicklung einen Beruf geschnitzt hat und nun erfolgreich als Umgangstrainerin arbeitet.
Im zweiten Teil des Buches geht es im Schnelldurchgang um einige mögliche Ursachen, warum das Sozialkapital schwächer wird, und um die immer stärker werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Fast schon putzig fand ich den Verarmungswahn der Superreichen.
Im dritten Teil werden Initiativen vorgestellt, die ausdrücklich, oder auch ohne es zu wissen, versuchen, die Idee der Allmende wieder einzuführen und so zu einem besseren Miteinander zu kommen. Neben Carsharing gibt es auch gemeinsames Reparieren, Tauschbörsen für Gebrauchtes und Guerilla Gardening.
Das Buch ist populärwissenschaftlich geschrieben, es liest sich sehr leicht und, trotz der ernsten Thematik, unterhaltsam. Richtig überzeugt hat es mich allerdings nicht.
Ich fand die beschriebenen Initiativen am Ende des Buches zwar sehr interessant und sicherlich auch sinnvoll, mir fehlten jedoch konkrete Ideen, wie man den rüpelhaften Umgang miteinander sofort und in der jeweiligen, im ersten Teil des Buches beschriebenen, Situation angehen kann. Zum Beispiel den Umgangston in der Schule.
Vor allem aber war mir die Analyse der Ursachen nicht fundiert genug. Zu viele Aspekte, die das tägliche Zusammenleben und somit auch den Umgang miteinander prägen, wurden außer Acht gelassen.
Völlig ausgeklammert hat der Autor die Erziehung in den Elternhäusern und die Probleme des Bildungssystems. Wo sollen die Kinder denn das respektvolle Miteinander lernen, wenn nicht an den Orten, an denen sie aufwachsen, nämlich in der Familie, im Kindergarten und in der Schule?
Weder die Belastungen durch die ständigen Reformen im Bildungssystem, noch die veränderten Rahmenbedingungen, die den Druck auf alle Beteiligten verstärken, werden angesprochen.
Und leider gibt es auch keine politischen Forderungen. So sinnvoll Carsharing und Guerilla Gardening auch sind, an den Rahmenbedingungen, die für den immer rauer werdenden Umgang miteinander verantwortlich sind, werden sie leider nichts ändern.
Für einen Einstieg in das Thema ist das Buch ganz nett, aber mehr auch nicht.

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M

Rezension zu "Die Rüpel-Republik" von Jörg Schindler

Rezension zu "Die Rüpel-Republik" von Jörg Schindler
michael_lehmann-papevor 6 Jahren

Eine erstaunlich - erschreckende Bestandsaufnahme

Es zieht sich durch alle Schichten. Es findet sich an allen Orten, von der Schule über die Nachbarschaft in den Straßenverkehr bis hinein in die Medien und die „große“ Politik.
Dass immer mehr Menschen sich scheinbar als Insel begreifen, nur noch die eigenen Interessen verfolgen, im sozialen Umgang alle Formen und Schranken fallen lassen und sich, natürlich, auch noch völlig im Recht fühlen.

Wie jene Mutter, die das angreifende Verhalten ihres Kindes einem Lehrer gegenüber durchaus noch verteidigt und stolz auf die „Kreativität“ des Kindes ist. Soweit, dass eine engagierte „Benimm-Lehrerin“ ihr Projekt an verschiedenen Schulen an den berühmten Nagel hing, aber erst, als sie die Eltern an den Schulen kennenlernte. Oder wie jener Autofahrer, der rücksichtslos sich seinen Weg bahnt und gefährdeten Fußgängern noch den Mittelfinger zeigt. Oder wie so mancher Radfahrer, der auf dem Bürgersteig, gern auch gegen die Fahrtrichtung einer Einbahnstrasse, sich seinen Platz nimmt ohne Rücksicht auf Verluste. Von den Tausenden Rechtsklagen unter Nachbarn war bisher noch nicht einmal die Rede. Aber natürlich lässt Schindler auf seiner durchaus locker und flüssig geschilderten Reise durch die „soziale Komponente“ des Landes diese Bereiche bei weitem nicht aus.

„Es ist schon erstaunlich. Deutschland ist das reichste Land Europas und eines der reichsten der Welt..... Aber zufrieden sind die Wenigsten. Die Miesmuffeligkeit ist alltäglich und überall zu beobachten. Mit großer Leidenschaft machen wir uns gegenseitig das Leben schwer“.

Eine Folge nicht nur eines „irgendwie“ Naturells, sondern eine Folge durchaus auch, wie Schindler darlegt, einer Idealisierung von Erfolg, Ellbogen, Ich-Bezogenheit und egozentrischem Verhalten, das durch Wirtschaft, Werbung und Medien massiv vorgesetzt und auch von „honorigen“ Personen „ganz oben“, dreist vorgelebt wird. Statistisch gesehen würden sich zwei Drittel der Deutschen lieber andere Nachbarn wählen. Mit den jetzigen wird kein Auskommen herbeigeführt. Nicht überall, aber doch zahlreich und zunehmend.

Das „Brechen der Regeln“, von Christian Wulff medienwirksam und nach außen hin uneinsichtig vorgelebt, das scheint das Gebot der Stunde für den, der was sein oder werden oder einfach was abhaben will.

Sprachgewandt führt Schindler den Leser durch die Abgründe moderner Asozialität in allen Schichten und Kreisen, nicht aber, ohne zum Ende des Buches hin eine kleine Pflanze der Hoffnung zu eröffnen. Er verweist auf Anfänge, auf kleine Gruppen von Menschen, die es anders machen. Die lieber das Unkraut auf den Straßen jäten, als auf die Verwaltung oder den Nachbarn zu schimpfen und nichts zu tun und damit vielleicht einen „Wandel der Städte“ einleiten. Kleine Impulse, aus denen mehr werden kann. Aber nur, wenn mehr und mehr Menschen begreifen, dass es gemeinsam eben doch oft besser funktioniert. Ein Fakt, den Schindler überzeugend und verständlich im vorletzten Kapitel darlegt.

Interessant und äußerst flüssig zu lesen, immer aus der Praxis her dargestellt, legt Schindler den Finger eine durchaus sichtbare und schmerzlicher werdende Wunde des sozialen und öffentlichen Lebens. Das Buch ist es wert, nicht nur gelesen, sondern auch in seinen Ansätzen zu Lösungen breit gehört zu werden.

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