Jörg Schmitt-Kilian Gregors Geheimnis

(1)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(0)
(0)
(0)
(1)

Inhaltsangabe zu „Gregors Geheimnis“ von Jörg Schmitt-Kilian

Stöbern in Historische Romane

Postkarten an Dora

Sensationeller Debütroman mit interessanten Background-spannend bis zur letzten Seite!

Tine13

Die Tochter des Seidenhändlers

wunderschön

KRLeserin

Heldenflucht

Fesselnd geschrieben und historisch perfekt nachvollzogen ist dieser wirklich lesenswerte Roman.

Sigismund

Die Legion des Raben

Spannend, gut recherchiert, macht Hunger nach mehr

Effie-das-Biest

Das Erdbeermädchen

Ein historischer Norwegen-Roman, mit dem Maler Munch als Nebendarsteller ...

MissNorge

Der Preis, den man zahlt

Packender Spionageroman mit überraschenden Wendungen und rätselhaften, dubiosen und skrupelosen Charakteren.

Lunamonique

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • [Rezension] Gregors Geheimnis - Jörg Schmitt-Kilian

    Gregors Geheimnis
    JenniferKrieger

    JenniferKrieger

    07. August 2013 um 13:16

    Klappentext: Gregor von Limbach heißt der Neue in der Klasse. Niemand kann ahnen, dass sich dieser Name für immer und ewig in ihr Gedächtnis einbrennen würde. Warum musste Gregor plötzlich die Schule wechseln? Welcher Termin kann wichtiger sein, als in einer fremden Stadt neue Freunde zu finden? Auch Elena, die sich in den schüchternen Außenseiter verliebt, erfährt zunächst nichts über Gregor und seine Familie. Dann geschieht das Unfassbare. Erst nach dem tragischen Ereignis entdecken Polizisten, dass Gregor mehr als nur ein Geheimnis zu verbergen hat. Rezension: Oft kommt es auf den ersten Eindruck an. In meinem Fall bei Büchern eigentlich weniger, doch hier ist der erste auch der letzte Eindruck. Auf dem Cover ist leider kaum etwas zu erkennen. Ein Teil des Kopfes eines Kindes lässt sich, an den linken Rand gequetscht, ausmachen – allerdings ist das Kind eindeutig jünger als alle im Buch auftretenden Charaktere. Außerdem wirkt die Gestaltung des schattenhaften Gesichts wie ein merkwürdiger Versuch, die Hülle wie brüchiges Papier aussehen zu lassen. Die Schrift ist zudem viel zu verspielt und bunt für den Inhalt des Buches. Im Gegensatz zur dunkelvioletten Vorderseite ist die Rückseite in einem Schweinchenrosa gehalten. Ein Foto des Autors Jörg Schmitt-Kilian, sowie kurze Informationen zu dem Kriminalkommissar finden sich im unteren Teil. Die Inhaltsangabe, die als einziges Detail des Umschlags halbwegs gut gelungen ist, steht oberhalb. Sie hat mich dazu animiert, das Buch zu kaufen – und viel zu viel versprochen. Die wichtigsten Charaktere sind Andy, der verantwortungsbewusste Streitschlichter, Paul, der großmäulige Mobber, Ingrid Müller, die einfühlsame Klassenlehrerin, Elena, das hässliche Entlein, und Gregor, der verzweifelte Protagonist. Im Grund waren das schon alle Details, die erwähnenswert sind. Alle Charaktere sind erschreckend platt, eindimensional und emotional entweder unter- oder überausgestattet. Paul nutzt jede Gelegenheit, seine Mitschüler zu schikanieren. Seine Sprüche entziehen sich bis heute meinem Verständnis. Teilweise sind die Witze, die er reißt, ausgelutscht, teilweise aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Erklärung im Raum stehen gelassen. Das Gegenteil ist Elena, die sich in Gregor verliebt und sein Verhalten ganz anderes interpretiert als ihre Mitschüler. Sie hat kaum weibliche Rundungen und viel zu viele Pickel, sodass sie oft die Zielscheibe für Pauls Spott ist. Außerdem ist sie emotional extrem instabil gebaut. Bei jeder Gelegenheit bricht sie in Tränen aus und jeder noch so witzlose Kommentar von Paul bringt sie an den Rand des Zusammenbruchs. Der eigentliche Protagonist ist Gregor von Limbach. Er hatte eine materialistische Beziehung zu seinen Eltern, fühlte sich vernachlässigt, wurde in ein Internat abgeschoben, hat gekifft, gibt sich die Schuld am Scheitern der Beziehung seiner Eltern und will Selbstmord begehen, findet aber den Mut nicht. Zu Beginn des Buches zieht er zu seinem Großvater. Er besucht regelmäßig eine Psychotherapeutin, worauf leider nicht näher eingegangen wird. Ein genauerer Blick darauf hätte vielleicht eine angemessene Erklärung für die drastischen Handlungen gegeben, zu denen sich Gregor gezwungen fühlt. So bleibt der Eindruck, dass er depressiv und von Selbstmitleid zerfressen ist und vollkommen überreagiert. Die Idee hinter dem Jugendroman ist das Thema „Gewalt an Schulen“. Meiner Meinung nach ist das ein sehr wichtiges Thema. Immer wieder berichten die Medien über Mobbing und Amokläufe. Ein Buch aus der Sicht eines gemobbten, suizidgefährdeten Amokläufers würde einen Blick hinter die Fassade gewähren und möglicherweise helfen, Symptome zu erkennen und zu bekämpfen. Es würde Mitleid für verzweifelte Außenseiter wecken und vielleicht sogar ein wenig an dem Verhalten gegenüber solchen Menschen ändern. Mit diesen Erwartungen habe ich das Buch aufgeschlagen. Und dann habe ich es gelesen. Die Umsetzung ist enttäuschend. Keine einzige Szene ist vollkommen gelungen. Von Anfang an wird der Leser darauf aufmerksam gemacht, dass die Klasse und das Dorf Gregor von Limbach niemals vergessen werden. Diese Anmerkung baut viel Spannung auf. Allerdings nur die ersten drei Male. Irgendwann nimmt die Erwähnung der schrecklichen Dinge, die mit Gregor verbunden werden, so überhand, dass ich weniger wissen wollte, was diese Dinge sind, um die Spannung abzubauen, sondern viel mehr, damit endlich die Hinweise verschwinden, dass Gregor niemals vergessen werden wird. Als ich dann endlich die Seiten erreicht habe, auf denen das Ereignis beschrieben wird, war ich vollkommen unberührt. Gewalttaten an Schulen sind immer wieder schockierend. Davon ist in diesem Buch sehr viel zu lesen, aber nichts zu spüren. Obwohl die Situation aus Gregors Perspektive beschrieben ist, verstehe ich seinen Beweggrund überhaupt nicht. Die Emotionen der Szene haben mich kein bisschen erreicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass die entscheidenden, wichtigsten Teile des Buchs viel zu kurz geraten sind. Schock und Trauer der Charaktere wirken übertrieben und haben mich beinahe gelangweilt. Zusätzlich verwirrt mich das Ende der Geschichte. Es wirkt sehr abgebrochen. Ich glaube, dass es da einen Zeitsprung nach vorn gegeben hat und die Geschehnisse nicht mehr in chronologischer Reihenfolge erzählt werden. So ganz sicher bin ich mir aber nicht. Und es verrät mir trotzdem nicht, was aus Elena und Gregor wird. Leider gelingt es dem Autor auch nicht, die enttäuschende Geschichte mit seinem Schreibstil wieder aufzuwerten. „Show, don’t tell“ ist das Motto, das jedem Schriftsteller immer und immer wieder gepredigt wird. Jörg Schmitt-Kilian hat das falschherum umgesetzt. Beinahe das ganze Buch über gilt „Tell, don’t show“. Gregor ist beschämt, wütend, nervös oder verzweifelt. Er senkt nicht den Kopf, ballt nicht die Hände zu Fäusten, kaut nicht auf der Unterlippe oder wischt sich die Tränen aus den Augenwinkeln. Fast alle Emotionen und Ereignisse werden auf den Punkt gebracht. Beschreibungen fehlen nahezu vollkommen. Der Ansatz eines Pluspunktes ist es jedoch, dass an einige, wenigen Stellen sehr passend Gregors Jugendsprache eingebaut wird. Der Kommissar ist beispielsweise „pseudoscheißfreundlich“ zu ihm. Das hätte jedoch noch viel weiter ausgebaut werden können, da es noch so gestreut ist, dass es fast untergeht. Fazit: Dem Buch zugrunde liegen ein wirklich wichtiges Thema und der Ansatz einer guten Idee mit richtig enttäuschender Umsetzung, platten Charakteren, keinen Emotionen und schlechtem Schreibstil. Das Zusatzmaterial (Pressemitteilungen, Analysen und Aufzählungen von Gewalttaten an Schulen) ist fast spannender als das Buch an sich. Daher bekommt „Gregors Geheimnis“ nur einen Stern von mir.

    Mehr