Leg dich nicht mit Krähen an!

von Jörg Zittlau 
5,0 Sterne bei2 Bewertungen
Leg dich nicht mit Krähen an!
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Inhaltsangabe zu "Leg dich nicht mit Krähen an!"

Wie Mensch und Tier zusammenleben können

Das Artensterben läuft, doch viele Tiere haben Strategien zum Überleben entdeckt. Ob etwa Quallen, die Atomkraftwerke lahm legen; Krähen, die Fensterdichtungen heraushacken; Elefanten, die sich in Gangsterbanden organisieren; oder Straßenhunde, die mit der U-Bahn zu ihrer Arbeit als Wegelagerer fahren – die Tierwelt schlägt zurück, und manche Menschen fühlen sich bedroht. Doch der renommierte Biologe und Journalist Jörg Zittlau zeigt anhand vieler Beispiele auf, wie ein Miteinander von Mensch und Tier gelingen kann.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746632933
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:14.07.2017

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor einem Jahr
    '[...] ganze Stadtteile unter der Kontrolle von zivilisationstauglichen Raben und Krähen'

    ‚So sind in Großstädten wie Berlin, Dresden, Bremen und Koblenz bereits ganze Stadtteile unter der Kontrolle von zivilisationstauglichen Raben und Krähen. Sie zwacken den Hunden in die Schwänze, greifen sich die Bretzel aus der Babyhand, reißen gelbe Säcke auf und picken für den Nestbau Dichtungen aus den Fenstern.‘

    Anders als Tiere und Pflanzen, die sich an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen müssen und nur dann überleben, wenn sie dies erfolgreich bewältigen, modifiziert der Mensch seine Umwelt so, dass sie für ihn und seine Bedürfnisse passt.

    ‚Mittlerweile haben die Anpassungsleistungen des Menschen jedoch Dimensionen erreicht, die deutliche Spuren in der Umwelt hinterlassen und dadurch den Anpassungsdruck auf deren Bewohner extrem erhöhen. [...] Der Mensch verändert die Umwelt in einem Eiltempo, das normalerweise in der Evolution nicht vorkommt; es sei denn, dass ein Meteor einschlägt oder gleich mehrere Vulkane ausbrechen.‘

    Der Wissenschaftsjournalist Jörg Zittlau erzählt in seinem Buch ‚Leg dich nicht mit Krähen an!‘ auf ebenso unterhaltsame wie lehrreiche Weise von orakelnden Cephalopoden, AKW-verstopfenden Mondquallen, Emu-Kriegen, U-bahn-fahrenden Straßenhunden, zählenden Krähenvögeln, übergriffigen Elefanten, lügenden Schimpansen, empathischen Ratten, eingeschleppten Aga-Kröten und radioaktiven Staren.

    Mir hat die Lektüre von ‚Leg dich nicht mit Krähen an!‘ viel Freude bereitet, und obwohl ich mich schon recht intensiv mit Tieren beschäftigt habe, bin ich hier auf erstaunliche Geschichten gestoßen, von denen ich bisher noch nie gehört oder gelesen hatte. Diese Geschichten sind häufig so skurril, absonderlich und faszinierend, dass ich beim Lesen oft ein Lächeln im Gesicht hatte, weil sie Tiere von einer ungewöhnlichen Seite zeigen, immer wieder deutlich machen, wie gerissen Tiere sind, und veranschaulichen, wie hilflos der Mensch Tieren oft gegenübersteht, obwohl er sich selbst gern als ‚Krone der Schöpfung‘ betrachtet.

    Damit finde ich das Buch nicht nur besonders spannend und informativ, sondern auch wichtig, so dass ich es allen empfehle, die sich intensiver mit Tieren sowie mit den Konsequenzen menschlichen Verhaltens auseinandersetzen möchten. Ich lege interessierten Lesern zudem ‚Das sechste Sterben‘ von Elizabeth Kolbert sehr ans Herz.

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    Anteks avatar
    Antekvor einem Jahr
    Krähen, Anophelesmücke und Co - warum der Mensch nie Herr über unsere Umwelt wird

    Waschbären, die für Randale sorgen, ein Bär, der plötzlich wieder in unseren Wäldern auftaucht, all das sind Themen, die sich wochenlang in unseren Medien gehalten haben. Aber nicht das sind die wirklich großen Probleme, denn die gehen von ganz anderen Tierarten und letztendlich vom Menschen und seinem Konsumverhalten aus. Darvins Survival of the Fittest, hat sich längst zu nicht der Stärkste überlebt, sondern der am besten Angepasste verändert.

    Jörg Zittlau stellt in seinem Buch mit zahlreichen, beeindruckenden Beispielen dar, zu welchen Meisterleistungen Tiere fähig sind. Bei intelligenten Kraken angefangen, die sogar Schraubverschlüsse öffnen und ihr Körpergewicht im Notfall sogar um 99% reduzieren können, über Elefanten, die in Häuser einbrechen um nicht nur an Nahrung zu kommen, sondern auch Schnaps zu klauen oder Straßenhunde, die die öffentlichen Verkehrsmittel täglich als Pendler zwischen ruhigem Vorort zum Schlafen und City für mehr Nahrungsangebot nutzen, bis hin zu Ratten, die in Teamwork trotz ihrer kleinen Pfoten fähig zum Eierklau sind, haben mich die tierischen Rekorde nicht nur einmal sprachlos staunen lassen. Artensterben, Verlust des Lebensraums, Verödung von Naturparadiesen, auch dafür führt der Autor viele Belege an, die traurig machen und zudem zu einer bedrohlichen Abwanderung der Tiere führen. „Der Mensch kann schnell falsch liegen, wenn er versucht sich in die Natur einzumischen.“ Wie und mit welch verheerendem Ausmaß wird hier nicht nur an Ratten, die auf eine tödliche Chemiekeule mit einer sprunghaften Erhöhung ihrer Fortpflanzungsquote reagieren oder dem hässlichen „Aga Klops“, der Kröte, die sich Australien aus Venezuela geholt hat, um Käferlarven mit Fressfeinden zu bekämpfen, und der gar nicht daran denkt, dies zu tun, wenn es so viel besseres zu fressen und vor allem so gut wie gar keinen Feind gibt, demonstriert.

    Der locker, spitze Sprachstil des Autors macht das Lesen dieses „Sachbuchs“ zum großen Lesevergnügen. Auch für den Laien wird alles verständlich dargelegt und auf pfiffige Art und Weise vermittelt. So gilt für Quallen z.B., die „klassischen biologischen Krisen zaubern ihr allenfalls ein Lächeln auf den Aftermund“, es wird aus einer Heuschrecke, die alleinlebend einen „braven Dr. Jekyll“ abgibt, als Schwarm ein „fresssüchtiger Mr. Hyde“, oder es sieht ganz so aus, wie wenn der Rapskäfer „das Wettrüsten mit den Labors der Chemieindustrie erst einmal gewonnen“ hätte. Auch Überschriften wie „Multiresistenzen aus dem Klo“ oder „kluge Kollektive mit Spaß am Sex“, wenn es z.B. um Ratten geht, wecken nicht nur das Interesse, sondern machen das Lesen zur äußerst kurzweiligen Unterhaltung.

    „Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken können.“ Mit diesem Satz endet der Autor. Auch im Verlauf finden sich immer wieder spitze Bemerkungen, die wachrütteln, bei denen ich mir oft gedacht habe, ja wie recht er hat, und mir deshalb sehr gut gefallen haben. So wird die menschliche Evolution z.B. mit den Worten „wurden aus affenartigen Baumklettern und Ast-zu Ast-Springern hochtechnisierte Weltraumflieger und Facebook zu Twitter Hüpfer.“, beschrieben oder es werden auch provokant „Kinder, die eine natürliche Erdbeere mit einem unmissverständlichen „Bäh“ ablehnen, weil sie geschmacklich nicht mehr mit einem Erdbeerjoghurt mithalten kann.“, erwähnt.

     „Wir können uns im Kampf gegen die uns verhassten Tierarten noch so anstrengen-sie werden nicht nur eine Antwort darauf finden, sondern uns immer wieder mit neuen Tricks überraschen, auf die wir keine Antwort haben“. Aber hoffnungslos ist es nicht, denn der Autor hat auch Strategien wie eine Veränderung unseres Konsumverhaltens, unserer Landwirtschaft und weitere Maßnahmen in petto, wie ein Miteinander von Mensch und Tier gelingen kann.

    Wer sich nur ein bisschen für Tiere, die Umwelt und die Zukunft unseres Planeten interessiert sollte dieses äußerst kurzweilige, spannende und aufschlussreiche Buch unbedingt lesen. Völlig begeisterte 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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