Júlia Lángh

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Ein Mädchen zwischen zwei Welten

Ein Mädchen zwischen zwei Welten

 (1)
Erschienen am 10.09.2013

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Rezension zu "Ein Mädchen zwischen zwei Welten" von Júlia Lángh

Kindheitserinnerungen aus dem stalinistischen Ungarn
R_Mantheyvor 3 Jahren

Liest man Geschichtsbücher, dann bleiben von der vergangenen Zeit nur ein paar angeblich wichtige Ereignisse und die dabei handelnden Personen übrig. Menschen, die die Zeit nicht selbst erlebt haben, können sich weder das Lebensgefühl, noch die Umstände einer längst vergangenen Epoche vorstellen. In diese Lücke springt die Literatur und füllt sie wenigstens zu einem gewissen Teil aus.

Julia Langh schildert in ihrem Buch Episoden ihrer Kindheit und Jugend im Ungarn der Nachkriegszeit. Ob es sich dabei um einen Roman handelt, was man bei der Genauigkeit und Ausführlichkeit vermuten muss, oder wirklich nur um die eigenen Erinnerungen, mag dabei nicht von besonderer Bedeutung sein. Die große Politik spielt nur im Hintergrund eine gewisse Rolle, etwa wenn der Vater Angst davor hat, verhaftet zu werden, oder als er arbeitslos wird, da er nicht als regimetreu gilt und dann doch wieder geholt wird, weil man seine Kenntnisse braucht.

Der Roman wird von einem Mädchen erzählt, das wie die Autorin in den Kriegsjahren geboren wurde. Seine Familie gehörte vor dem Krieg zu konservativen Mittelschicht von Beamten, Anwälten und höheren Angestellten. Das änderte sich mit der russischen Besetzung schlagartig. Nun zählte man plötzlich zum nicht vertrauenswürdigen Bürgertum, das der angeblich neuen Zeit im Wege stand.

Meistens drehen sich die Schilderungen in diesem Buch um die weitläufige Familie, das Schicksal der Eltern, die Lebensumstände, die Schule und die Klassenkameraden und die ersten Annäherungen ans andere Geschlecht. Kurzum, es ist eine Dokumentation der Zeit aus der Sicht eines Mädchens aus einer Familie, die man im stalinistischen Ungarn nicht mochte.

Wenn man sich mit den ungarischen Verhältnissen der damaligen Zeit nicht auskennt, wird man zwar nicht alles nachempfinden können, aber zumindest ein gewisses Gefühl für diese Zeit vermittelt bekommen. Ich hatte mir ausgehend vom Titel etwas mehr über die Lebensverhältnisse im stalinistischen Ungarn und weniger von der Familiengeschichte der Erzählerin erwartet. Da das Buch keine wirkliche Handlung besitzt, sondern gelegentlich auch etwas sprunghaft, weil thematisch geordnet, aus dem Leben der kleinen Erzählerin berichtet, baut sich ein Spannungsbogen kaum auf, obwohl sich das Ganze sehr gut liest.

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