Jürg Amann

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Autor von Die Reise zum Horizont, Der Kommandant und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jürg Amann

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Die Reise zum Horizont

Die Reise zum Horizont

 (15)
Erschienen am 06.08.2010
Der Kommandant

Der Kommandant

 (11)
Erschienen am 17.01.2011
Robert Walser

Robert Walser

 (3)
Erschienen am 22.08.2006
Letzte Lieben

Letzte Lieben

 (2)
Erschienen am 05.09.2011
Pekinger Passion

Pekinger Passion

 (2)
Erschienen am 01.02.2008
Das Märchen von der Welt

Das Märchen von der Welt

 (1)
Erschienen am 01.08.2010
Zwei oder drei Dinge

Zwei oder drei Dinge

 (1)
Erschienen am 01.01.1993
Mutter Töten

Mutter Töten

 (1)
Erschienen am 30.04.2013

Neue Rezensionen zu Jürg Amann

Neu
W

Rezension zu "Lebenslang Vogelzug" von Jürg Amann

Nicht aufhören – zu lieben, zu hoffen, zu glauben, trotz allem Zweifel und Schmerz
WinfriedStanzickvor 5 Jahren


 

Diese Sammlung von Gedichten, die der schon vom Tod gezeichnete Schriftsteller Jürg Amann noch selbst zusammengestellt hat dreht sich in den meisten ihrer Werke um den alten Kosmos von Eros und Thanatos. Liebe und Tod, die großen Themen des Lebens und der Literatur, haben auch das Werk von Jürg Amann sein ganzes Leben lang geprägt. Erst recht, als in seinen letzten Lebensjahren er mit einer unheilbaren Krankheit konfrontiert war und mit seiner Geliebten A. eine späte und reife Liebe kennenlernte.

 

„Noch eine Liebe

zu wagen…

 

Unter dem Zeichen

des Sturms?“

 

 

so fragt er in einem Gedicht und antwortet sich selbst und seiner Geliebten in einem anderen:

 

„Alles ist leichter geworden,

seit ich dich kenne.

Das Aufstehen am Morgen

Und das Zubettgehen am Abend.

Die Nächte, die Tage, dazwischen.

Das Schöne, das Schwere.

Der Schmerz über die Hanglage der Welt.

Über die Sturzbahn des Lebens.

Das Beten. Trotz allem oder erst recht.

Das Glauben, das Nichtglauben an Gott.

Nur das Sterben ist wieder schwerer geworden,

seit ich dich kenne.“

 

Und er fragt sich selbst in diesem Zusammenhang:

 

„Wieder katholisch werden,

wie Thomas Bernhard gesagt hat,

wieder katholisch werden im Alter,

oder wahnsinnig,

das ist die Wahl.“

 

Und im Traum nimmt er seinen eigenen Tod vorweg:

„Im Traum verirrte ich mich.

Ich fand den Rückweg nicht mehr

Zu den offenen Augen

Jemand hatte sie mir zugedrückt.

Ich war tot.“

 

Bei der Lektüre dieser Gedichte war mir immer Amanns letztes Buch gegenwärtig, das er im vergangenen Jahr unter dem Titel „Vater warum hat du mich verlassen?“ veröffentlichte.

 

Eine Autobiographie Jesu Christi, den er ausdrücklich Jesus Christus, nennt und nicht etwa distanziert Jesus von Nazareth.

 

Wenn er Jesus in der Ich-Form sein Leben erzählen lässt, wobei er sehr genau und in einer theologisch absolut überzeugenden Auswahl von Texten der vier Evangelien vorgeht, dann tut er es, um sich dem „Ecce homo“ („Seht, ein Mensch!“) des Pontius Pilatus anzuschließen.

 

Das Buch endet mit dem letzten Satz, den der am Kreuz sterbende Jesus ausrief: „ Vater, warum hast du mich verlassen?“ und damit genau an der Stelle, wo die Lebensgeschichte des Jesus von Nazareth in die Glaubensgeschichte des Jesus Christus übergeht, die sich gebrochen von den Menschen, aber ungebrochen vom Heiligen Geist hinzieht bis zum Osterfest 2014.

 

Jürg Amann hatte  aus den vorliegenden Quellen eine faszinierende Erzählung geschaffen, in der dem Leser einer der berühmtesten Heilsbringer und Gotteslehrer der Menschheitsgeschichte so nahe kommt, wie selten zuvor. Mit einer poetischen Sprache hat er sich eingefühlt in die Seele eines Menschen, der unabhängig davon, ob man an ihn glaubt, als einer der größten Menschenfreunde der Weltgeschichte bezeichnet werden kann.

 

In etlichen seiner nun hier vorliegenden Gedichte kommt die Sehnsucht nach einem Gehaltensein in Gott zum Ausdruck:

 

„Gebet II

 

Ich bin das Rätsel.

Löse mich.

 

Ich bin das Blatt am Baum.

Löse mich.

 

Ich bin das Gewölk

und der Nebel über dem Wasser.

Löse mich.

 

Amen.“

 

Oder:

 

„Anrufung

 

Wir müssen wieder

die Dome bauen, den Gott

wieder anrufen, ich an-

locken durch die Behausung

In unserer Mitte.“

 

Und vor allen Dingen nicht aufhören – zu lieben, zu hoffen, zu glauben, trotz allem Zweifel und Schmerz:

 

„Nicht, nie

 

Nicht aufhören, nie,

mit nichts,

sagte der alte Mann, sei sein Rezept

gegen den Tod

gewesen, immer.“

 

 

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Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

Die Reise zum Horizont
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren

Bei dem Büchlein „Die Reise zum Horizont“ von Jürg Amann handelt es sich um eine Novelle, geschrieben vor dem realen Hintergrund des Absturzes des Fluges Fuerza Aerea 571. Die Maschine zerschellte am 13. Oktober 1972 an einem Berghang in ca. 4000 Metern Höhe im ewigen Eis der Anden.

In einer knappen, treffenden und schmucklosen Ausdrucksweise beschreibt Amann den Überlebenskampf eines der Passagiere.
Wovon sollen sich die Überlebenden ernähren in der Kälte und dem ewigen Eis? Die Vorräte der Minibar sind schnell aufgebraucht. Ein altes, defektes Radio nimmt ihnen die letzte Hoffnung auf Rettung. Hören sie doch in den Nachrichten, dass ihr Flugzeug als vermisst gemeldet wird, die Passagiere für tot erklärt werden. Weitere Überlebende erliegen ihren Verletzungen oder fallen der Kälte zum Opfer.

Man kann sich vorstellen, dass die Entscheidung, auf Kannibalismus zurückzugreifen nicht leichtfertig gefällt wurde. Viele weigerten sich zunächst aus moralischen Gründen rohes Menschenfleisch zu essen. Die verzweifelte und hoffnungslose Lage führte jedoch schließlich dazu, dass man von den Toten aß, auch wenn es sich dabei zum Teil um Verwandte und Freunde der Überlebenden handelte.

Der Überlebenswille des Menschen ist groß. Jürg Amann beschreibt den inneren Konflikt der Überlebenden die sich die Frage stellen müssen: wie weit kann und darf der Mensch gehen, um zu überleben, dabei aber dennoch Mensch zu bleiben

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W

Rezension zu "Vater, warum hast du mich verlassen" von Jürg Amann

„Seht, ein Mensch!“
WinfriedStanzickvor 6 Jahren


Jürg Amann hat in seinem letzten Buch in einem "dramaturgischen Prozess" die Aufzeichnungen von  Rudolf Heß  mit dem Titel „Der Kommandant“ veröffentlicht, ein Buch, das man schnell gelesen hat und von dem man lange erschüttert bleibt. Die naive und uneinsichtige Selbstdenunziation eines glühenden Nationalsozialisten, der über lange Jahre das größte Vernichtungslager geleitet hat, das die Menschheit kennt und in dem eine unvorstellbare Zahl von Juden, Zigeunern, politischen Häftlingen und "Asozialen" erschossen, später dann systematisch vergast und verbrannt wurden, gibt einen unter die Haut gehenden Einruck, von dem, was damals passiert ist.

 

Der Leser wird gezwungen, geradezu in den Kopf eines Massenmörders für die Dauer seiner Lektüre eingesperrt, sich mit dem Monolog von Rudolf Höß auseinanderzusetzen. Da ist kein Abstand mehr möglich. Das Grauen und die Unmenschlichkeit solchen Denkens und Handelns werden unmittelbar.

 

Nun hat er, sozusagen als Kontrapunkt aus den Berichten der vier neutestamentlichen  Evangelien unter dem Titel „Vater, warum hast du mich verlassen“ eine Autobiographie Jesu Christi verfasst. Er nennt ihn ausdrücklich Jesus Christus, und nicht etwa distanziert Jesus von Nazareth.

 

Wenn er Jesus in der Ich-Form sein Leben erzählen lässt, wobei er sehr genau und in einer theologisch absolut überzeugenden Auswahl von Texten der vier Evangelien vorgeht, dann tut er es, um sich dem „Ecce homo“ („Seht, ein Mensch!“) des Pontius Pilatus anzuschließen.

 

Das Buch endet mit dem letzten Satz, den der am Kreuz sterbende Jesus ausrief: „ Vater, warum hast du mich verlassen?“ und damit genau an der Stelle, wo die Lebensgeschichte des Jesus von Nazareth in die Glaubensgeschichte des Jesus Christus übergeht, die sich gebrochen von den Menschen, aber ungebrochen vom Heiligen Geist hinzieht bis zum Osterfest 2013.

 

Jürg Amann hat aus den vorliegenden Quellen eine faszinierende Erzählung geschaffen, in der dem Leser einer der berühmtesten Heilsbringer und Gotteslehrer der Menschheitsgeschichte so nahe kommt, wie selten zuvor. Mit einer poetischen Sprache hat er sich eingefühlt in die Seele eines Menschen, der unabhängig davon, ob man an ihn glaubt, als einer der größten Menschenfreunde der Weltgeschichte bezeichnet werden kann.




 

 

 

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