Jürg Amann Der Kommandant

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Inhaltsangabe zu „Der Kommandant“ von Jürg Amann

Nichts ist erfunden, kein Wort hinzugefügt Jürg Amann hat die Aufzeichnungen, die Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß vor seiner Hinrichtung niederschrieb, zu einem ungeheuerlichen Monolog verdichtet: Dieses Buch sperrt seinen Leser in den Kopf eines Massenmörders. 'Angesichts der Wirklichkeit ist alles Erfinden obszön. Vor allem da, wo man die Wirklichkeit haben kann. Auch wenn sie immer wieder geleugnet wird. Dann erst recht. Das habe ich nie so stark empfunden, wie als Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell vor ein paar Jahren auf Deutsch erschienen sind: die affirmative Einfühlung in einen NS-Täter in Form eines Romans. Mir waren bei einer thematisch verwandten Theaterarbeit in Wien kurz zuvor die Aufzeichnungen von Rudolf Höß, des Kommandanten von Auschwitz, in die Hände gefallen. Da hatte ich die Antwort. Aus diesen Selbstzeugnissen, aus dieser auf erschütternde Weise naiven Selbstdenunziation ließ sich aus der Wirklichkeit eine Antwort auf die Fiktion gewinnen. Höß selbst hatte die Aufzeichnungen in der Zeit zwischen seiner Verhaftung nach Kriegsende durch die britische Militärpolizei und seiner Verurteilung zum Tod durch das polnische Oberste Volksgericht in der Krakauer Untersuchungshaft ohne Anflug von Reue oder auch nur Einsicht kalt zu Papier gebracht. An die dreihundert eng bedruckte Seiten waren im Dokument daraus geworden. In einem dramaturgischen Prozess der Strukturierung und der Verknappung, zuerst großteilig, dann immer kleinteiliger, habe ich sie auf ihre Essenz hin zugespitzt. Ein Monodrama in sechzehn Stationen ist daraus entstanden. Nichts ist erfunden, kaum ein Wort ist hinzugefügt, kaum ein Satz ist verändert, alles ist durch das gelebte und verwirkte Leben des Rudolf Höß gedeckt.' Jürg Amann

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  • Rezension zu "Der Kommandant" von Jürg Amann

    Der Kommandant

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. April 2012 um 17:47

    Bekenntnisse eines Massenmörders * "Die beiden großen Krematorien I und II wurden im Winter 1942/43 gebaut und im Frühjahr 1943 in Betrieb genommen. Sie hatten je fünf 3-Kammer-Öfen und konnten innerhalb 24 Stunden je ca. 2000 Leichen verbrennen. Die Verbrennungskapazität zu steigern war feuerungstechnisch nicht zu steigern." (S.83) * Jürg Amann hat mit "Der Kommandant", wie er selbst schreibt "ein Monodrama in sechzehn Stationen" entworfen. "Der Kommandant" ist auf Grundlage der Originalaufzeichnungen Rudolf Höß, dem Auschwitz-Kommandanten, entstanden. * Immer wieder treffen wir auf Bücher, die den zweiten Weltkrieg oder den Nationalsozialismus thematisieren, aber noch nie habe ich ein Buch gelesen, dass so realistisch den Lebenslauf und das "Berufsleben" eines NS-Kriegsverbrechers schildert. * Ich finde es nach wie vor schwierig, mich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Vor allen Dingen, wenn ich von einem so grausamen Verbrecher als Mensch lese, über seine Kindheit, seine Familie. Und dann später wie sachlich und kalt er über den Ausbau des Konzentrationslagers und die Judenvernichtung berichtet. * "Kranke Personen, die man nicht in die Gasräume bringen konnte, wurden durch Genickschuss mit dem Kleinkalibergewehr getötet. Ein SS-Arzt musste ebenfalls zugegen sein. Das Einwerfen des Gases erfolgte durch die ausgebildeten Desinfektoren." (S.77) * Authentisch, schrecklich offen und sachlich kühl - "Der Kommandant" von Jürgen Amann! Erschreckend und zugleich lesenswert! Ein Buch wider das Vergessen!

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  • Rezension zu "Der Kommandant" von Jürg Amann

    Der Kommandant

    WinfriedStanzick

    16. September 2011 um 11:36

    Ich schreibe diesen Text am 27. Januar 2011, 10 Tage nach dem Erscheinen des zu besprechenden Buches und auf den Tag 66 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, von dessen Kommandant Rudolf Höß das Buch handelt. Jürg Amann, der Schweizer Schriftsteller, dem Marcel Reich- Ranicki einmal „virtuose Beschränkung auf die genaue Beschreibung“ attestiert hat, überzeugte vor wenigen Monaten erst mit seinem kleinen Buch „Die Riese zum Horizont“. In knappen Kapiteln mit einer sehr nüchternen und unprätentiösen Sprache ging Jürg Amann dort einem tatsächlichen Geschehen nach, dem Absturz stürzte des Flugzeugs „Fuerza Aerea five seven one“ der Luftwaffe der Uruguay am 13. Oktober 1972 in den Anden in großer eisiger Höhe und dem Überlebenskampf der Menschen, die erst Monate später gefunden wurden. In dem Buch „Der Kommandant“ hingegen hat er kein einziges Wort selbst verfasst. In einer editorischen Notiz am Ende des Buches schreibt er jedoch: „Angesichts der Wirklichkeit ist alles Erfinden obszön. Vor allem da, wo man die Wirklichkeit haben kann. Auch wenn sie immer wieder geleugnet wird.“ Kurz bevor ihm die schon 1958 einmal veröffentlichten Aufzeichnungen des Auschwitz -Kommandanten Rudolf Höß in die Hände gefallen seien, habe er, Amann, bei der Lektüre von Jonathan Littells Roman „Die Wohlgesinnten“ das schon so empfunden, einer affirmativen Einfühlung in einen NS-Täter in Form eines Romans. Auf zunächst über dreihundert Seiten hatte Rudolf Höß seine Aufzeichnungen zwischen seiner Verhaftung durch die Briten und seiner Verurteilung zum Tod durch ein Krakauer Gericht in der Untersuchungshaft ohne ein einziges Zeichen von Reue zu Papier gebracht. In einem langen Prozess, den Amann einen „dramaturgischen Prozess“ nennt, hat er den ursprünglichen Text von Rudolf Höß strukturiert, verknappt und ihn „auf seine Essenz hin zugespitzt“. Am Ende stand ein „Monodrama in sechzehn Stationen“, das Amann ursprünglich als Hörspiel oder für die Theaterbühne konzipiert hatte. Nun hat er es in einem Buch veröffentlicht, ein Buch, das man schnell gelesen hat und von dem man lange erschüttert bleibt. Die naive und uneinsichtige Selbstdenunziation eines glühenden Nationalsozialisten, der über lange Jahre das größte Vernichtungslager geleitet hat, das die Menschheit kennt und in dem eine unvorstellbare Zahl von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, politischen Häftlingen und „Asozialen“ erschossen, später dann systematisch vergast und verbrannt wurden, gibt einen unter die Haut gehenden Einruck, von dem, was damals passiert ist. Der Leser wird gezwungen, geradezu in den Kopf eines Massenmörders für die Dauer seiner Lektüre eingesperrt, sich mit dem Monolog von Rudolf Höß auseinanderzusetzen. Da ist kein Abstand mehr möglich. Das Grauen und die Unmenschlichkeit solchen Denkens und Handelns werden unmittelbar. Im Gedenken an die unzähligen, oft namenlos gebliebenen Opfer dieses Mannes und dem System, dem er ergeben und fanatisch gedient hat.

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  • Rezension zu "Der Kommandant" von Jürg Amann

    Der Kommandant

    variety

    14. March 2011 um 21:47

    Jürg Amann hat laut eigenen Angaben die Aufzeichnungen von Rudolf Höss, dem Kommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz, kaum verändert, nur "verdichtet". Meine Eingangsfrage bleibt aber dennoch unbeantwortet: "Kann man auf 100 Seiten die wahren Beweggründe eines Nazi-Schergen beleuchten?" Von einem Schriftsteller hätte ich erwartet, dass er im Nachwort nicht nur Herausgebernotizen, sondern auch eine Replik zu den Aussagen von Höss veröffentlicht. Einige seiner Bemerkungen sind so unglaublich und schockierend, dass hier Amann unbedingt hätte Gegensteuer geben sollen. "Heute bereue ich, dass ich mir nicht mehr Zeit für meine Familie nahm." - "Ich selbst habe nie einen Häftling misshandelt oder gar getötet." - "Ich war unbewusst ein Rad in der grossen Vernichtungsmaschine..." - "[Die Öffentlichkeit] ... würde doch nie verstehen, dass der [gemeint ist Höss selber] auch ein Herz hatte, dass er nicht schlecht war." Eine harte Kost als Lektüre, die sich trotzdem lohnt. Nur fehlt mir ein Gegenpol zu den Aussagen des KZ-Leiters. Ausserdem kann ich nicht erkennen, welch wahre Leistung der Autor Amann vollbracht hat, weil ich die Originalnotizen nicht kenne. So scheint es mir, dass sich hier jemand mit fremden Federn schmückt, die er sich eigentlich gar nicht überstülpen möchte. Auch hier wären ausführliche und kritische Anmerkungen vonnöten gewesen.

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  • Rezension zu "Der Kommandant" von Jürg Amann

    Der Kommandant

    Gospelsinger

    13. March 2011 um 21:38

    Nichts ist erfunden, kein Wort hinzugefügt. Genau das macht die Lektüre dieses Monologs so beklemmend. Es handelt sich nicht um Fiktion, sondern um eine Essenz der Aufzeichnungen des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, die dieser vor seiner Hinrichtung niederschrieb. Jürg Amann hat die 300 Seiten dieser Aufzeichnungen auf ein Monodrama in sechzehn Szenen mit 112 Seiten verdichtet. Kein auch noch so geringer Anflug von Reue, keinerlei Einsicht in die Verwerflichkeit seines Tuns ist in den Worten von Höß zu finden. Kalt und gefühllos spricht Höß von Auschwitz. Gefühle schimmern höchstens einmal durch, wenn es um seine Familie geht. Eingesperrt wird man in die Lektüre, eingesperrt in den Kopf eines Massenmörders. Eines Massenmörders, der die Vernichtung anderer Menschen als angemessen und rechtmäßig empfindet. Eines Massenmörders, der das größte Vernichtungslager geleitet hat. Man kann keinen Abstand halten zu seiner Denkweise, seiner Selbstgerechtigkeit. Ein beklemmendes Buch, ein aufrüttelndes Buch, ein wichtiges und ganz besonderes Buch, das lange nachwirkt.

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  • Rezension zu "Der Kommandant" von Jürg Amann

    Der Kommandant

    michael_lehmann-pape

    07. February 2011 um 13:56

    Erschütternd Auschwitz war das größte, im perversen Sinne bestens organisierte Vernichtungslager, dass die Welt je gesehen hat. Und Rudolf Höß war sein Kommandant. Nationalsozialist mit bis zum Ende ungebrochener Überzeugung, vor allem aber einer der ganz wenigen Nationalsozialisten überhaupt (und zudem ein ausführendes Organ an extrovertierter Stelle), der ein umfassendes Selbstzeugnis verfasst und hinterlassen hat. Während der Zeit seiner Gefangenschaft vor seiner Hinrichtung setzt Höß an, über sein „inneres Leben“ Rechenschaft abzugeben, das Ergebnis sind damals gut 300 eng beschrieben Seiten. Grundlage des Buches von Jürg Amman, für die es an sich bereits starker Nerven bedarf, sie sich zu Gemüte zu führen. Auch wegen der geschilderten, unmenschlichen Vorgehensweise, vor allem aber aufgrund der kühlen, distanzierten Haltung und Sprache, die Höß, ganz der befehlsausführende Verwalter der Vernichtungsmaschinerie des dritten Reiches, Seite für Seite vor Augen führt. Selbst jene Momente, in denen er immer wieder betont, wie zuwider ihm in Person das alles gewesen sei, verlieren aufgrund der sachlich nüchternen Darstellung und der Haltung, die zwischen den Zeilen zum Ausdruck kommt, jede Glaubwürdigkeit. Bis zum letzten Atemzug bleibt Höß ungebrochener Nationalsozialist, er bedauert durchaus die Greueltaten der Vernichtung, dies aber nicht aufgrund der unmenschlichen Handlungsweise, sondern weil diese Handlungsweise das Bild der Nationalsozialisten in den Augen des Restes der Welt so negativ geprägt hat. In der literarischen Form eines monologischen Monodramas setzt Amman in der Bearbeitung der Selbstaufzeichnungen 16 Stationen in den Raum. Eine radikale Quintessenz der Aufzeichnungen des Lagerkommandanten. Wie Amman sagt, hat er selbst sehr wenig nur verändert und hinzugefügt oder geglättet, in weiten Teilen des Monologs nutzt er die Selbstaussagen und die eigenen Formulierungen von Rudolf Höß. Die eigentliche Kunst somit, für die Jürg Amman Anerkennung gebührt, ist seine unnachahmliche Verdichtung der Aufzeichnungen. In einfachster Sprache, verdichtet auf den Punkt gebracht, ergibt sich auf den gerade einmal knapp 110 Seiten des schmalen Buches eine Selbstdenunziation sondergleichen, ein Abbild des Schreckens, ein Ahnen dessen, wie die überzeugten Fanatiker des dritten Reiches von Innen ausgesehen haben mögen. Weniger als Entschuldigung mögen da die Kindheitsjahre und –Erlebnisse gelten, die kühle Distanz zu den Eltern, den Geschwistern, die Nähe zu (wehrlosen) Tieren, mehr als Erläuterung der Befindlichkeit einer ganzen Generation des ersten Weltkrieges dienen jene ersten Seiten des Monologs. Eine quasi religiöse, soldatische Befindlichkeit, die den Nährboden für jene hierarchische Eingliederung und Führerverehrung gebildet hat, aufgrund derer jeder Befehlt des Führers und seiner Statthalter als heilig empfunden wurde. Nicht ohne Grund waren die Lebensjahre des heranwachsenden Höß vom Ziel geprägt, Priester zu werden. Menschlichkeit und Mitleid finden nur in engen Bezügen ihren Platz. Da, wo Höß eindringlich von seiner Familie, seinen Kindern spricht und in Verkehrung aller humanistischen Möglichkeiten mit sicherer Hand von den Freiheiten seiner Kinder im Lager erzählt und tatsächlich niederlegt, wie schwer es für seine Familie gewesen ist, ihn oft aufgrund seiner „dienstlichen Verantwortung“ im Familienkreis missen zu müssen. Das Bild des schwer arbeitenden Vaters erlebt hier eine Pervertierung sondergleichen. Da spielen seine Kinder im eigenen, blühenden Garten, von Häftlingen gepflegt, neben den Krematorien. Höß rühmt noch die Freundlichkeit seiner Familie den Häftlingen gegenüber, wohl wissend, dass all die Boten und Gärtner einige Tage später in Asche aufgehen werden. Der Monolog von Amman ist in keiner Weise monoton, sondern gibt ein erschütterndes Zeugnis darüber ab, wie es im Inneren von Menschen aussieht, die sich jeder allgemeinen Mitmenschlichkeit und jeder Form persönlicher Reflektion und Reue entledigt haben. Ein Buch, das in jeden Geschichtsunterricht gehört um die Augen für das Niederste zu öffnen, zu dem hin sich Menschen entwickeln können. Umgesetzt in sprachlich dichter und eindrucksvoller Form.

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