Jürg Amann Die Reise zum Horizont

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Inhaltsangabe zu „Die Reise zum Horizont“ von Jürg Amann

Vor dem realen Hintergrund des Absturzes der Fuerza Aerea five seven one in den 1970er-Jahren gestaltet Jürg Amann seine Menschheitsparabel als Gleichnis von Leben und Tod jenseits von Moral und Tabu:

Ein Flugzeugabsturz mitten in der Gletscherwüste der Anden, damit beginnt es. Was folgt, ist der Lebens- und Überlebenskampf derer, die der Hölle scheinbar entkommen sind, die dem Wrack der Unglücksmaschine wenigstens körperlich heil entsteigen. Sie kämpfen miteinander, gegeneinander, die einen auf Kosten der anderen. Wovon sollen sie sich ernähren, in der unbarmherzigen Höhe und Kälte des ewigen Eises, bevor die Suchmannschaften sie finden? Falls die sie überhaupt finden? Wie weit kann, wie weit darf der Mensch gehen, um dabei Mensch zu bleiben? Wo verläuft der menschliche Horizont? Und wo bleibt dabei die Liebe?

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  • Die Reise zum Horizont

    Die Reise zum Horizont

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. March 2014 um 10:19

    Bei dem Büchlein „Die Reise zum Horizont“ von Jürg Amann handelt es sich um eine Novelle, geschrieben vor dem realen Hintergrund des Absturzes des Fluges Fuerza Aerea 571. Die Maschine zerschellte am 13. Oktober 1972 an einem Berghang in ca. 4000 Metern Höhe im ewigen Eis der Anden. In einer knappen, treffenden und schmucklosen Ausdrucksweise beschreibt Amann den Überlebenskampf eines der Passagiere. Wovon sollen sich die Überlebenden ernähren in der Kälte und dem ewigen Eis? Die Vorräte der Minibar sind schnell aufgebraucht. Ein altes, defektes Radio nimmt ihnen die letzte Hoffnung auf Rettung. Hören sie doch in den Nachrichten, dass ihr Flugzeug als vermisst gemeldet wird, die Passagiere für tot erklärt werden. Weitere Überlebende erliegen ihren Verletzungen oder fallen der Kälte zum Opfer. Man kann sich vorstellen, dass die Entscheidung, auf Kannibalismus zurückzugreifen nicht leichtfertig gefällt wurde. Viele weigerten sich zunächst aus moralischen Gründen rohes Menschenfleisch zu essen. Die verzweifelte und hoffnungslose Lage führte jedoch schließlich dazu, dass man von den Toten aß, auch wenn es sich dabei zum Teil um Verwandte und Freunde der Überlebenden handelte. Der Überlebenswille des Menschen ist groß. Jürg Amann beschreibt den inneren Konflikt der Überlebenden die sich die Frage stellen müssen: wie weit kann und darf der Mensch gehen, um zu überleben, dabei aber dennoch Mensch zu bleiben

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    DaniM

    01. February 2012 um 08:55

    Ein Flugzeugabsturz in den Anden. Eine Wüste aus Schnee und Eis. Die Überlebenden sind durch unüberwindbare Gipfel und Hochtäler von der Zivilisation getrennt. Haben sie eine Chance ihre Familien, die Freunde, ihre Heimat je wieder zu sehen? Ein Kampf ums nackte Überleben beginnt. Moral, Anstand und humane Werte werden bedeuntungslos. Tabus bald auch von den Zurückhaltensten gebrochen. In einer klaren, schmucklosen, beinahe so kalten Sprache wie das die Protagonisten umgebende Eis, schildert Jürgen Amman in seiner Novelle das Wesen der menschlichen Natur abseits aller gesellschaftlicher Regeln. Der Leser bleibt gleichermaßen erschrocken wie fasziniert zurück.

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    26. July 2011 um 07:59

    Bei dem Büchlein „Die Reise zum Horizont“ von Jürg Amann handelt es sich um eine Novelle, geschrieben vor dem realen Hintergrund des Absturzes des Fluges Fuerza Aerea 571. Die Maschine zerschellte am 13. Oktober 1972 an einem Berghang in ca. 4000 Metern Höhe im ewigen Eis der Anden. In einer knappen, treffenden und schmucklosen Ausdrucksweise beschreibt Amann den Überlebenskampf eines der Passagiere. Wovon sollen sich die Überlebenden ernähren in der Kälte und dem ewigen Eis? Die Vorräte der Minibar sind schnell aufgebraucht. Ein altes, defektes Radio nimmt ihnen die letzte Hoffnung auf Rettung. Hören sie doch in den Nachrichten, dass ihr Flugzeug als vermisst gemeldet wird, die Passagiere für tot erklärt werden. Weitere Überlebende erliegen ihren Verletzungen oder fallen der Kälte zum Opfer. Man kann sich vorstellen, dass die Entscheidung, auf Kannibalismus zurückzugreifen nicht leichtfertig gefällt wurde. Viele weigerten sich zunächst aus moralischen Gründen rohes Menschenfleisch zu essen. Die verzweifelte und hoffnungslose Lage führte jedoch schließlich dazu, dass man von den Toten aß, auch wenn es sich dabei zum Teil um Verwandte und Freunde der Überlebenden handelte. Der Überlebenswille des Menschen ist groß. Jürg Amann beschreibt den inneren Konflikt der Überlebenden die sich die Frage stellen müssen: wie weit kann und darf der Mensch gehen, um zu überleben, dabei aber dennoch Mensch zu bleiben?

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    mh3maria

    03. March 2011 um 11:12

    Bei Jürg Amanns „Die Reise zum Horizont“ handelt es sich um eine Novelle mit einem realen Hintergrund. Nach einem Flugzeugabsturz mitten in Schnee und Eis in einem Hochgebirge, kämpfen die letzten Überlebenden gegen den Tod an. Täglich erliegen mehr Menschen ihren Verletzungen oder erfrieren schließlich. Auch die Lebensmittel gehen zu Neige und ein erster scheuer Blick fällt auf die Toten. Aber ist es moralisch vertretbar, einen Toten zu essen um selbst zu überleben? Diese große Frage steht im Mittelpunkt und wird von vielen Seiten betrachtet. Da es sich hier um eine Novelle handelt, steht eine originalgetreue Aufzeichnung des Unglücks nicht im Vordergrund, sondern eher die moralischen Zweifel der Überlebenden. Marcel Reich-Ranicki bezeichnet es als eine „virtuose Beschränkung auf die genaue Beschreibung“ (Klappentext) und trifft damit ziemlich ins Schwarze. Die Novelle ist sehr kurz gehalten, aber dennoch kann man als Leser den Zwiespalt und die vielen aufgeworfenen Fragen der Überlebenden nachvollziehen.

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    Eltragalibros

    14. February 2011 um 11:39

    Inhalt: Zwischen den Gletschern der Anden stürzt ein Flugzeug ab. Die Überlebenden sind in einer Wüste aus Eis und Kälte gefangen, vollkommen allein und die Hoffnung auf Rettung schwindet von Tag zu Tag. Mit der verschwindenden Hoffnung gehen auch die Nahrungsmittel zu Ende und der Hungertod naht, gleichzeitig taucht aber ein Gedanke auf, den anfangs niemand aussprechen will: Im Eis liegen die Toten – gut konserviert – die ihr Fleisch nicht mehr benötigen … Meinung: Die Novelle von Jürg Amann über einen Flugzeugabsturz mitten in den Anden hat einen wahren Hintergrund, nämlich den Absturz der Fuerza Aeara five seven one in den 1970er Jahren. Um dieses Ereignis konstruiert der Autor eine Parabel über Leben und Tod und einem Tabu, das unter diesen Umständen völlig umgeworfen wird. Alles beginnt mit der Stille. Der Stille, die eintritt, wenn eine Katastrophe gerade eben geschehen ist. Das Flugzeug am Boden zerschellt, einzelne Überlebende verstreut, betäubt und ungläubig, unter Schock stehend. Und überall Tote. Mit nur wenigen Worten schafft es Jürg Amann diese Stille zu beschreiben, in einer Intensität, die ich mir so nicht hätte ausmalen können. In diese Stille tritt der Ich-Erzähler, der ausschließlich in einer stellvertretenden Position für diejenigen spricht, die überlebt haben, der ihre Gedanken widergibt und erzählt, was vor sich geht. Er beschreibt die Situation nach dem Absturz, erzählt von Flugpassagieren, die plötzlich nicht mehr Individuen sind, sondern zu verschiedenen Gruppen gehören. Diejenigen, die überlebten und diejenigen, die starben. Die Reise zum Horizont besteht aus Figuren, aus Menschen, die keine Namen tragen, sondern ihrer Funktion entsprechend benannt sind: die Verletzten, die Unverwundete. Ein Arzt. Eine Stewardess. Ein Medizinstudent. Männer und Frauen. Jeden von uns könnte es treffen. Jeder von uns könnte von einem Tag auf den anderen in die Situation zu geraten, um’s Überleben kämpfen zu müssen, in Mitten einer Gletschereinöde. Wenn der Schock nachlässt und die Realität an Kraft gewinnt, steht die Hoffnung am Anfang. Die Hoffnung gerettet zu werden. Doch je mehr Tage vergehen desto kleiner wird diese und als die Nahrungsmittel nach und nach ausgehen und immer mehr Überlebende die eisigen Nächte nicht überleben, stellt sich die Frage, was können wir tun? Wie können wir überleben oder sind wir dazu verurteilt in einer Eiswüste zugrunde zu gehen? Werden wir bestraft? Und wenn ja, für was genau und von wem? Gibt es einen Gott oder hat das Schicksal bestimmt, dass genau dieses eine Flugzeug abstürzt in einer Gegend, in der es nichts gibt außer eisiger Kälte? Das sind nur einige der Fragen, welche die Überlebenden des Flugzeugabsturzes beschäftigen. Allen voran die Frage nach der Seele des Menschen. Gibt es so etwas wie die Seele und was geschieht mit ihr nach dem Tod? Jürg Amanns Figuren sprechen über Moral und diskutieren Tabus, denn durch ihre Lage werden sie dazu gezwungen. Um zu überleben müssen sie daran denken das Fleisch der Toten zu nehmen. Nur mit Nahrung kann die Hoffnung weiter existieren, dass sie doch noch gerettet werden, dass sie ein Suchtrupp findet und aus der Hölle, in der sie sich befinden befreit. Besonders beeindruckend ist nicht nur das Thema der Novelle, sondern auch die Art und Weise, wie der Autor diese Menschheitsparabel beschreibt. Er benutzt eine einfache Sprache ohne komplizierte Satzstrukturen. Keine Dialoge oder ausschmückende Satzglieder. Lediglich der Erzähler spricht, dessen Worte aber durch ihren Inhalt an den Nerven der Lesenden knabbern. Zudem ist gerade das Nichtgesagte interessant. Als Leser muss man zwischen den Zeilen lesen und sich dieselben Fragen stellen, wie die Flugpassagiere. Was würde ich tun, wenn ich an deren Stelle wäre? Fazit: Die Reise zum Horizont ist eine betäubende Lektüre, die von Leben und Tod handelt, aber auch von Moral und dem Drang zu Überleben. Was ist erlaubt, um sich selbst am Leben zu erhalten? Wie weit darf der Mensch gehen? Jürg Amann gebraucht nur wenig Worte in seiner Novelle, aber jene, die er verwendet, treffen den Leser direkt in seinem Inneren und bringen ihn dazu selbst nachzudenken, sich selbst in dieser Situation zu sehen, die schockierend, beängstigend und eigentlich unvorstellbar, aber dennoch nur allzu realistisch ist.

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    Bellexr

    09. January 2011 um 12:07

    Über die eigenen Grenzen hinaus . Am 13. Oktober 1972 zerschellte ein Flugzeug in den Anden. An Bord 45 Personen einer Rugby-Mannschaft samt Betreuer. Ein Teil der Passagiere überlebt den Absturz und hofft auf baldige Rettung. Diese kommt jedoch nicht, denn der Rettungstrupp hält sie für tot. Dies erfahren die Überlebenden durch das Radio, welches sie reaktivieren konnten. Jedwede Hoffnung stirbt mit dieser Nachricht, hinzu kommt die eisige Kälte, fehlende Winterkleidung und der Hunger, die wenigen Nahrungsvorräte sind bald erschöpft. Doch die Überlebenden wollen weiterleben, nur wie? Verschiedene Versuche eines Abstiegs scheitern und der Hunger wird immer schlimmer. Nach langen verzweifelten Diskussionen entscheiden sich einige dazu, die Toten zu essen. . In der Wir-Form erzählt Jürg Amann sehr eindringlich die Geschichte der Überlebenden. Er zeichnet mit kurzen Kapiteln ein so bewegendes Bild dieser aussichtslosen Situation, dass sie einem sofort vor Augen erscheint. Der Autor stellt ständig das Für und Wider der Handlungen gegenüber, zeigt so hervorragend die Schwere der Entscheidung auf, der sich die Überlebenden gegenübersehen. Denn nicht nur der Gedanke an Kannibalismus ist für sie erschreckend, hinzu kommt ja auch noch, dass es sich bei den Toten um Freunde, Familienangehörige und Bekannte handelt und auch der Glaube spielt bei ihren Überlegungen eine große Rolle. . Auch wenn der Gedanke an Kannibalismus anfangs für die 18 Überlebenden undenkbar ist, bleibt ihnen nach einiger Zeit keine andere Wahl, als wenigstens darüber zu reden. Damit ist der Keim gelegt und irgendwann wird der Hunger einfach übermächtig und als der Erste das Tabu bricht, ist auch diese Grenze überschritten. . Und so stellt sich zwangsläufig auch der Leser selbst die Frage, wie man in einer solchen Situation reagieren würde. Würde man selbst über die eigene Grenze gehen, nur um zu Überleben? Diese Frage lässt sich selbstverständlich nicht abschließend beantworten, da man nie in eine solche Situation geraten ist, aber das Buch regt eindeutig zum Nachdenken an. . Man kann und darf die zum Schluss nur noch 16 Menschen nicht verurteilen und dies macht Jürg Amann auch nicht in seiner Geschichte. Eher das Gegenteil ist der Fall. So schildert er in seiner knappen und trotzdem doch so bildhaften und kraftvollen Sprache den verzweifelten Kampf ums Überleben und das Überschreiten der eigenen Grenzen, so schwer es einem auch fallen mag.

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    LEXI

    04. January 2011 um 20:20

    "Um Menschen zu bleiben, mussten wir essen. Ja. Ganz banal: essen. Nur eben: was? Es war ja nichts Essbares mehr da. Was wir gehabt hatten, war aufgezehrt. Wir waren am Ende. Es war nichts mehr da. Ausser die Toten. Unsere Toten. Man durfte es nicht laut sagen. Nicht einmal denken. Wir dachten es trotzdem." "Die Reise zum Horizont" ist die erschütternde Geschichte eines Flugzeugabsturzes, vielmehr seiner Folgen. Das nackte Überleben - mit all seinen Konsequenzen. Wozu ist der Mensch fähig? Was bleibt von Ehre und Moral, vom "Mensch-sein" übrig? Wie weit geht man? Diese Novelle ist "harter Tobak", dramatischer Inhalt in exzellenter Sprache geschildert.

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. December 2010 um 14:10

    Klappentext: Vor dem realen Hintergrund des Absturzes der Fuerza Aerea five seven one in den 1970er-Jahren gestaltet Jürg Amann seine Menschheitsparabel als Gleichnis von Leben und Tod jenseits von Moral und Tabu: Ein Flugzeugabsturz mitten in der Gletscherwüste der Anden, damit beginnt es. Was folgt, ist der Lebens- und Überlebenskampf derer, die der Hölle scheinbar entkommen sind, die dem Wrack der Unglücksmaschine wenigstens körperlich heil entsteigen. Sie kämpfen miteinander, gegeneinander, die einen auf Kosten der anderen. Wovon sollen sie sich ernähren, in der unbarmherzigen Höhe und Kälte des ewigen Eises, bevor die Suchmannschaften sie finden? Falls die sie überhaupt finden? Wie weit kann, wie weit darf der Mensch gehen, um dabei Mensch zu bleiben? Wo verläuft der menschliche Horizont? Und wo bleibt dabei die Liebe? Meine Meinung: Dem Klappentext nach zu urteilen, war ich mir nicht ganz sicher, was mich mit diesem Buch erwarten würde, aber ich wurde angenehm überrascht. Jürg Amann erzählt mit „die Reise zum Horizont“ eine Novelle, die tragisch und realistisch geschrieben ist. Mit Sarkasmus und ungeschöntem Schreibstil erzählt er von einem katastrophalen Flugzeugabsturz in einer Gletscherwüste, mitten in den Anden in den 70er Jahren. Die wenigen Menschen, die in dieser Erzählung noch leben, stellen sich in eisiger Kälte einem harten Überlebungskampf, der die Gruppe schier um den Verstand bringt. Der Leser liest die Gedankensprünge von einem der Überlebenden. Dramatisch, trocken und hart ist diese Novelle erzählt. Man leidet mit den Überlebenden, teilweise drehte sich mit der Magen rum, weil der Kampf so detailliert und realistisch wirkend dargestellt ist. Als Leser habe ich mir die Frage gestellt, wozu ich bereit wäre um zu überleben. Mit dem Hintergedanken im Kopf, das sich dieses Drama tatsächlich ereignet hat, beschäftigte mich das Buch noch tagelang. Teilweise habe ich beim Lesen die Gedanken gehabt, das der Mensch letztendlich ein Tier ist, wenn er nur noch seinen Instinkten folgen kann um am Leben zu bleiben. Nicht vorstellbare Grenzen werden überschritten, wenn der nackte Überlebenswille zählt. Wie viel ist einem selbst das Leben wert, welche Grenzen ist man bereit zu überschreiten wenn keinerlei Hilfe in Sicht ist? Das macht die Handlung nicht nur interessant sondern auch spannend. Der Schreib- und Erzählstil ist fließend, teilweise sarkastisch, grausam und ironisch. Das Buch selbst lässt sich dank der Erzählkunst von Jürg Amann nicht aus der Hand legen. Allerdings ist die Novelle aufgrund der wenigen Seiten sehr schnell gelesen. Fazit: Eine Erzählung, die man als Leser nicht aus der Hand legen möchte. Trotz der geringen Seitenzahl, regt Jürg Amann zum Nachdenken an und lässt den Leser über seine eigene Grenzen grübeln. Wer unter Flugangst leidet sollte dieses Buch allerdings besser nicht lesen. Eine Lektüre, basierend auf die Flugzeugkatastrophe in den 70er Jahren, für zwischendurch, die fesselt und erschreckt.

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    AennA

    15. December 2010 um 17:35

    Ein Passagierflugzeug stürzt mitten in den Anden ab. Es gibt Tote, Verletzte, aber auch Überlebende. Überlebende, die anfangs noch voller Zuversicht an Rettung glauben. Doch diese bleibt aus. Täglich wächst die Zahl der Toten, und täglich wächst die Verzweiflung! Im gnadenlosen Kampf gegen Kälte und Hunger, Einsamkeit und Wahnsinn..., in diesem Kampf ums Überleben tun sich menschliche Abgründe auf. Die Novelle "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann ist angelehnt an die wahren Ereignisse des Absturzes der Fuerza Aerea 571 in den 70er Jahren. Es wird in der "Wir-Form" erzählt, wobei die Protagonisten ohne Gesicht bleiben. Trotzdem kommt die Geschichte hautnah an uns Leser heran. Amann erzählt manchmal geradezu nüchtern, dann wieder voller Dramatik, wodurch ich die innere Zerrissenheit der Absturzopfer mitfühlen konnte, etwa, als es darum geht, Nahrung zu beschaffen... Obwohl sie nur gut 100 Seiten umfasst, musste ich die Lektüre zwischendurch mehrfach zur Seite legen, um das gerade Gelesene erstmal zu verdauen... Manche Passagen las ich ein zweites Mal, um wirklich zu begreifen, was da geschrieben steht. Nicht etwa, weil die Sprache des Autors so kompliziert wäre -im Gegenteil-, sondern weil ich so unvorstellbar und schrecklich fand, wie der Mensch in dieser Extremsituation agiert. Es bleibt nicht aus, dass man sich zwangsläufig in eben gelesene Situationen hineinversetzt und sich fragt, wie man wohl selbst reagieren würde.... Letztendlich bleibt das Ende offen, was dazu führt, dass die Geschichte noch einige Zeit im Kopf bleibt. Aber da es ja einen Erzähler gibt, scheint sie zumindest für eine Person ein gutes Ende genommen zu haben..... Keine leichte, aber sehr eindringliche Lektüre

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    kleinfriedelchen

    „Um Menschen zu bleiben, mussten wir essen. Ja. Ganz banal: essen. Nur eben: was? Es war ja nichts Essbares mehr da. Was wir gehabt hatten, war aufgezehrt. Wir waren am Ende. Es war nichts mehr da. Außer den Toten. Unseren Toten. Man durfte es nicht laut sagen. Nicht einmal denken. Wir dachten es trotzdem.“ S. 57-58 Im Jahr 1972 stürzt ein Flugzeug der Uruguayanischen Air Force über den Anden ab. Diejenigen, die den Absturz überleben, sind fast schutzlos der Kälte ausgesetzt. Doch sie sind voller Hoffnung. Bis zuletzt bestand Funkkontakt, man weiß sicherlich ganz genau, wo sie sich befinden. So macht man sich schweren Herzens daran, den Verstorbenen die Sachen auszuziehen, um nicht zu erfrieren, und die spärlichen Essensvorräte zu sammeln. Allzu lange müsse man ja nicht durchhalten, bis die Rettung kommt. Doch nach acht Tagen müssen sie im Radio hören, dass die Suche nach ihnen aufgegeben wurde. Sie werden für tot erklärt. Damit schwindet jede Hoffnung auf Rettung. Sie müssen sich selbst helfen. Eine Expedition wird ausgesandt, die nach Hilfe, nach Nahrung, nach der Zivilisation sucht. Doch vergeblich. Als die Nahrungsvorräte schließlich vollends aufgebraucht sind, schleicht sich ein grausiger Gedanke in ihren Kopf. Fleisch ist genügend vorhanden. Aber können sie es über sich bringen, ihre toten Freunde zu essen? Das Schicksal der Überlebenden des Fluges 571 hat viele Bücher und sogar einen Film inspiriert. Jürg Amann beschränkt sich in seiner Version der Geschichte auf das Wesentliche. Keine verschnörkelten, mitleidheischenden Beschreibungen. Stattdessen nüchterne Sätze: Wir wollen überleben. Dazu müssen wir essen. Aber es gibt nichts zu essen außer den Toten. Also essen wir eben die. Und doch haben diese knappen Sätze eine so intensive, fesselnde Wirkung, dass man das Buch nicht weglegen kann. Die Protagonisten wirken durch ihre Gedanken, in denen sie mit Gott hadern und über Recht und Unrecht verzweifeln, sehr menschlich und real. Das Buch hat mich sehr mitgenommen. Eine Geschichte mit so wenig Seiten ist eigentlich schnell ausgelesen, und doch hab ich ziemlich lange dafür gebraucht. Das lag daran, dass ich oft während des Lesens innehalten musste, schlucken musste, mich fragte, welche Entscheidung ich treffen würde. Amann beleuchtet Fragen der Moral, in einem Umfeld, in dem niemand da ist, um die Betroffenen zur Rechenschaft zu ziehen, in dem es keine Tabus gibt außer den selbst auferlegten. Und Moral kann letztlich ihr Sterben nicht verhindern. Wie weit darf ein Mensch also gehen, um sein eigenes Überleben zu sichern?

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    • 2

    Charlousie

    04. November 2010 um 16:39
  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    sonjastevens

    29. September 2010 um 08:30

    Die Reise zum Horizont - Jürg Amann Altbekannter Stoff neu verarbeitet… In den 70ern stürzt die das Flugzeug Fuerza Aerea five Mitten in den Anden ab. Neben vielen Toten gibt es auch ein paar Überlebende, es stellt sich nur die Frage, wie lange es dauern wird, bis sie ihrem Schicksal erliegen - entweder an ihren Verletzungen, aber auch die wahnsinnige Kälte und der Hunger macht Absturzopfern zu schaffen. Am Anfang stehen noch Glaube und Hoffnung, die die Leute dazu bewegen um ihr Leben zu kämpfen, sie werden sicherlich bald gefunden, jedoch wird ihnen bald klar, als sie das Funkgerät als Radio umfunktionieren, dass die Suche nach ihnen schon längst aufgegeben wurde. Und nun? Einfach aufgeben und sich der Natur ergeben? Ich denke, dass widerspricht der Natur des Menschen. Sie kämpfen weiter um ihr Leben. Nur wie, wenn auch ihre Nahrungsmittel sich dem Ende neigen und es in der trostlosen Welt der Gletscher und dem ewigen Eis in den Anden keine Chance auf Nahrung gibt? Auch gibt es keine Chance die Berge zu überqueren, sie sind gefangen im Nichts. Zuerst scheinen die Menschen ihren Glauben an Gott zu verlieren, jedoch beten sie trotzdem. Diese Mischung der Gefühle zwischen Hoffnung und Verzweiflung ist sehr interessant dargestellt. Um nicht zu verhungern, beschließen sie ihre Toten zu essen. Aber geht das so einfach? Was wenn man seinen eigenen Bruder, seine eigene Schwester oder Liebsten ist? Wäre man selbst dazu bereit, sollte man der Natur erliegen, seinen Mitmenschen als Nahrung zu dienen? Ist das alles ethisch vertretbar? Aber es gibt nur den einen Ausweg, wenn die Menschen überleben wollen… Besonders interessant fand ich den Schreibstil des Buches. Der Autor hat eine Erzählstruktur gewählt, die nicht sehr weit geläufig ist, denn er benutzt die erste Person Plural. Dies gibt den Erzähler einerseits etwas Anonymität, aber gleichzeitig unterstreicht es auch, dass alle Überlebenden das Gleiche Schicksal haben. Weniger gut gefallen hat, dass mir das Buch doch recht oberflächlich vorkam. Ich denke, man hätte mehr von den Gefühlen und Eindrücken der Einzelnen erzählen können, die Situation viel mehr ausmalen können, um dem Leser noch näher ran an das Schicksal der Menschen im ewigen Eis zu führen. So habe ich das Buch Kapitel für Kapitel einfach nur runter gelesen, denn die Geschichte ist ja schon bekannt. Die Geschichte des Absturz’ in den Anden wurde schon verfilmt und auch schon als Buch herausgegeben. Dennoch kann ich sagen, dass es eine sehr kurzweilige Geschichte ist, die definitiv zum Nachdenken anregt, wie man selbst in so einer Situation handeln würde, wenn es nur noch um das eigene Überleben geht. Ebenfalls steht das Thema Ethik und seine Grenzen auch weit im Vordergrund. Ich glaube aber fast, dass keiner die Frage bestimmt beantworten kann, ohne in so eine verzweifelte und aussichtslose Situation zu kommen.

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  • Rezension zu "Die Reise zum Horizont" von Jürg Amann

    Die Reise zum Horizont

    MissAusten

    17. August 2010 um 19:56

    Das Flugzeug Fuerza Aerea 571 stürzt mitten in der Gletscherwüste der Anden ab. Einige sind sofort tot, einige sind lediglich verletzt und andere wiederum sind in Schockzustand. Sie organisieren sich zunächst und sammeln die einzigen Lebensmittel, die ihnen noch verblieben sind. Von Tag zu Tag schwinden die Kräfte, die Vorräte und der Kreis der Überlebenden wird immer kleiner. Die Hoffnung das sie gerettet werden, wird auch durch die News im Radio nicht geringer, denn die Suche nach ihnen wurde aufgegeben und sie wurden als Tod erklärt. Nach mehr als 1 1/2 Monaten sind nur noch 16 Passagiere übrig und es geht um das nackte Überleben. Es gibt nur noch das ewige Eis, die Toten und die Hoffnung auf Besserung. Der Überlebensinstinkt drängt sie zu essen, doch allein der Anblick auf die Verstorbenen lässt sie Zweifeln. Die Moral sagt ihnen, dass sie keineswegs diesen Weg einschlagen dürfen. Aber inwiefern spielt die Moral eine Rolle, wenn es keinen gibt, der sie dafür verurteilen kann? Die Novelle von Jürg Amann ist in insgesamt 39 Kapitel unterteilt. Ein Kapitel nimmt meist nur zwei bis vier Seiten in Anspruch. Mit Wortwiederholungen und scharfsinnigen Betrachtungen, Fragen über die Moral und Briefen an ihre Verbliebenen wird das Geschehene verarbeitet. Dieses Geschehen bleibt definitiv im Gedächtnis hängen. Wie würde jeder einzelne handeln, wäre er solch einer Extremsituation ausgesetzt sein? Wird der Weg der Hoffnung eingeschlagen oder stehenbleiben und alles hinter sich lassen?

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