Jürg Amann Lebenslang Vogelzug

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Inhaltsangabe zu „Lebenslang Vogelzug“ von Jürg Amann

Eros und Thanatos – Liebe und Tod. Die großen Themen des Lebens und der Literatur, die Jürg Amanns gesamtes Werk prägen, sind in Lebenslang Vogelzug auf berührende Weise miteinander verflochten. Sie werden begleitet von der Frage, wie sie gemeint ist, die Welt, auf der es die Liebe gibt. Und ob sie gemeint ist. Präzise, stilistisch meisterhaft und doch einfach erzählen die Gedichte von der Liebe im Angesicht des unausweichlichen Abschieds und von der Sehnsucht nach dem verlorenen Glauben. Noch vom Dichter selbst zusammengestellt, versammelt dieser Band die Essenz seines schmalen lyrischen Werks. Neben Amanns herausragender Prosa und seiner Dramatik bleiben so auch seine Gedichte lebendig.

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  • Nicht aufhören – zu lieben, zu hoffen, zu glauben, trotz allem Zweifel und Schmerz

    Lebenslang Vogelzug
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    12. April 2014 um 14:03

      Diese Sammlung von Gedichten, die der schon vom Tod gezeichnete Schriftsteller Jürg Amann noch selbst zusammengestellt hat dreht sich in den meisten ihrer Werke um den alten Kosmos von Eros und Thanatos. Liebe und Tod, die großen Themen des Lebens und der Literatur, haben auch das Werk von Jürg Amann sein ganzes Leben lang geprägt. Erst recht, als in seinen letzten Lebensjahren er mit einer unheilbaren Krankheit konfrontiert war und mit seiner Geliebten A. eine späte und reife Liebe kennenlernte.   „Noch eine Liebe zu wagen…   Unter dem Zeichen des Sturms?“     so fragt er in einem Gedicht und antwortet sich selbst und seiner Geliebten in einem anderen:   „Alles ist leichter geworden, seit ich dich kenne. Das Aufstehen am Morgen Und das Zubettgehen am Abend. Die Nächte, die Tage, dazwischen. Das Schöne, das Schwere. Der Schmerz über die Hanglage der Welt. Über die Sturzbahn des Lebens. Das Beten. Trotz allem oder erst recht. Das Glauben, das Nichtglauben an Gott. Nur das Sterben ist wieder schwerer geworden, seit ich dich kenne.“   Und er fragt sich selbst in diesem Zusammenhang:   „Wieder katholisch werden, wie Thomas Bernhard gesagt hat, wieder katholisch werden im Alter, oder wahnsinnig, das ist die Wahl.“   Und im Traum nimmt er seinen eigenen Tod vorweg: „Im Traum verirrte ich mich. Ich fand den Rückweg nicht mehr Zu den offenen Augen Jemand hatte sie mir zugedrückt. Ich war tot.“   Bei der Lektüre dieser Gedichte war mir immer Amanns letztes Buch gegenwärtig, das er im vergangenen Jahr unter dem Titel „Vater warum hat du mich verlassen?“ veröffentlichte.   Eine Autobiographie Jesu Christi, den er ausdrücklich Jesus Christus, nennt und nicht etwa distanziert Jesus von Nazareth.   Wenn er Jesus in der Ich-Form sein Leben erzählen lässt, wobei er sehr genau und in einer theologisch absolut überzeugenden Auswahl von Texten der vier Evangelien vorgeht, dann tut er es, um sich dem „Ecce homo“ („Seht, ein Mensch!“) des Pontius Pilatus anzuschließen.   Das Buch endet mit dem letzten Satz, den der am Kreuz sterbende Jesus ausrief: „ Vater, warum hast du mich verlassen?“ und damit genau an der Stelle, wo die Lebensgeschichte des Jesus von Nazareth in die Glaubensgeschichte des Jesus Christus übergeht, die sich gebrochen von den Menschen, aber ungebrochen vom Heiligen Geist hinzieht bis zum Osterfest 2014.   Jürg Amann hatte  aus den vorliegenden Quellen eine faszinierende Erzählung geschaffen, in der dem Leser einer der berühmtesten Heilsbringer und Gotteslehrer der Menschheitsgeschichte so nahe kommt, wie selten zuvor. Mit einer poetischen Sprache hat er sich eingefühlt in die Seele eines Menschen, der unabhängig davon, ob man an ihn glaubt, als einer der größten Menschenfreunde der Weltgeschichte bezeichnet werden kann.   In etlichen seiner nun hier vorliegenden Gedichte kommt die Sehnsucht nach einem Gehaltensein in Gott zum Ausdruck:   „Gebet II   Ich bin das Rätsel. Löse mich.   Ich bin das Blatt am Baum. Löse mich.   Ich bin das Gewölk und der Nebel über dem Wasser. Löse mich.   Amen.“   Oder:   „Anrufung   Wir müssen wieder die Dome bauen, den Gott wieder anrufen, ich an- locken durch die Behausung In unserer Mitte.“   Und vor allen Dingen nicht aufhören – zu lieben, zu hoffen, zu glauben, trotz allem Zweifel und Schmerz:   „Nicht, nie   Nicht aufhören, nie, mit nichts, sagte der alte Mann, sei sein Rezept gegen den Tod gewesen, immer.“    

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