Jürg Liechti Im Konflikt und doch verbunden

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Inhaltsangabe zu „Im Konflikt und doch verbunden“ von Jürg Liechti

Zu den Kennzeichen der systemischen Therapie gehört, dass sie die wichtigen Bezugspersonen von Hilfesuchenden mit einbezieht. Was in der Theorie einleuchtend klingt, erweist sich in der Praxis jedoch oft als hindernisreich und mühsam: Wie gewinnt man einen Vater zur Mitarbeit, ohne die pubertierende Tochter zu vergraulen? Was tun, wenn die Stiefmutter die Therapie blockiert? Wie spricht man als Therapeut mit einer Hausärztin, die das Problem in den überängstlichen Eltern sieht? Monique und Jürg Liechti-Darbellay stellen sich den Problemen, die im Mehrpersonensetting auftreten können, und unterbreiten Handlungsvorschläge zu ihrer Lösung. Sie decken „gute Gründe“ für Widerstand auf, erläutern den Unterscheid zwischen Problem und Diagnose und arbeiten das zentrale Moment für den Erfolg eines Mehrpersonensettings heraus: die Eigenmotivation. Sie steigt im gleichen Maß, wie die Auswirkungen des beklagten Leids auf das Umfeld mit berücksichtigt werden.Von großem didaktischem Wert erweisen sich die Transkripte aus realen Therapiesitzungen. Sie illustrieren das Sammeln von Informationen und das Erarbeiten von Hypothesen über das System, führen die Mikroanalyse vor und vermitteln die angemessene „Therapierhetorik“, die Bewegung in die Kommunikation bringt. Einsteigern in die systemische Psychotherapie und Beratung macht das Buch Mut, Bezugspersonen in die Arbeit einzubeziehen und deren Ressourcen zu erschließen und zu nutzen. Erfahrene Therapeuten profitieren vom mosaikhaften Zusammenfließen von Theorie und Praxis.

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  • Rezension zu "Im Konflikt und doch verbunden" von Jürg Liechti

    Im Konflikt und doch verbunden
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    01. April 2011 um 15:19

    Nicht nur betrachten, sondern auch Einbeziehung des Umfeldes Es gehört zu den konstituierenden Grundlagen, schon in der Namensgebung zu erstehen, der Systemischen Therapie, dass das soziale „System“ mit in den Therapieverlauf einbezogen wird. Im rahmen therapeutischer Sitzung durch Aufstellungsarbeit oder in symbolischen Handlungen ist dies Gang und Gäbe, wie aber sieht es in der Realität aus, wenn die am System beteiligten Personen faktisch und real mit einbezogen werden sollen? Nicht leicht ist überhaupt die Bereitschaft für eine solche Einbeziehung herzustellen und im dann auftretenden Mehrpersonen-Setting ergeben sich umgehend neue, problematische Situationen. An der Schnittstelle zum „System“ des Klienten setzen Liechti und Liechti-Darbellay an. Ausgehend von den Erfahrungen, dass der Versuch des Einbezugs von Angehörigen oft entmutigende Erfahrungen nach sich ziehen kann. Dennoch aber, und dies ist die tragende Grundlage auch für dieses Buch, ist offenkundig, das in den Ressourcen der relevanten Beziehungen wesentliche Elemente für einen konstruktiven Therapieverlauf vorhanden sind. Die „gemeinsam genutzte Vernunft“ ist und bleibt eine der stärksten therapeutischen Methoden der systemischen Therapie. Gut, dass die Autoren dies noch einmal ausdrücklich betonen und auf den 250 Seiten des Buches ausführlich Methoden, Anregungen, selbstverständlich auch Begründungen und Wege für diese konstruktive Einbeziehung gelungen aufzeigen und praktisch mit auf den Weg geben. Basierend auf neustens wissenschaftlichen Betrachtungen, unter anderem die Formulierungen zur Bindungstheorie von Großmann und Großmann, aber auch aktuelle Erkenntnisse der Kommunikationswissenschaften. Eine Erarbeitung, die durch die Einleitung plastisch auf den Weg gebracht wird und an einem ausführlichen Fallbeispiel zeigt, wie zum einen die systemische Therapie ihren Grundansatz postuliert und wie das gesamte System sodann konstruktiv für den Klienten als nutzbare Ressource eingebracht werden kann. Im gesamten Buch ist so jederzeit der rote Faden erkennbar, das Mehrpersonen-Setting zum Gegenstand praktischer Reflektion und praktischer Anwendung zu machen. Ein wichtiger Schritt hierzu ist, oft betont und verschiedentlich eingebracht im Buch, dem Klienten nicht als „Fachmann oder Fachfrau“ Lösungen anzubieten, sondern ihn, getreu des systemischen Ansatzes, immer grundlegend als Experten seiner eigenen Leidenssituation wahrzunehmen. Umgehend wird dann deutlich, dass jeder und jede seine Angehörigen automatisch in sein inneres Verständnis seines Lebens mit einbezieht. Vielfach sind diese und weitere Grundlegungen der Autoren, die aus allen wesentlichen theoretischen und praktischen Richtungen beleuchten, wie zentral die Angehörigenarbeit und die damit verbundenen grundlegenden Kommunikations- und Bindungsstrukturen zu bewerten sind. Im Kern leiten all diese Erkenntnisse dann zu dem über, was die Autoren als „Therapeutisches Team“ bezeichnen. Dies besteht aus Klient/in, aus den für das konkrete Problem relevanten Beziehungspersonen und aus (mindestens) einer Fachperson (Therapeut/in). Als grundlegende Herangehensweise an eine systemische Therapie verstanden, erfolgt fast als Automatismus die Einbeziehung mehrer Personen im Rahmen einer konkreten Therapiearbeit. Wie das geht, in welchen Schritten der therapeutische Prozess sich sodann unterteilt, dies ist Thema des letzten Teils des Buches, mitsamt einer Praxisstudie zum Erweis des Nutzens. Nicht nur in den vielfältigen praktischen Bezügen und Beispielen, vor allem auch in der ausführlichen und vielseitigen Darlegung der (zwingenden) Notwendigkeit der Einbeziehung (Problem-) relevanter Beziehungspersonen bietet das Buch einen deutlichen Gewinn für den systemisch Tätigen und es gelingt durchaus, das zu Anfang benannte Problem einer gewissen Hilflosigkeit der Fachexperten diesen Mehrpersonen-Settings gegenüber ebenso vielseitig zu begegnen. Mit dem ziel, „kommunikative Rahmenbedingungen zu schaffen, um stagnierende Entwicklungsprozesse in Gang zu bringen. Ein Ziel. Für das dieses Buch mit seinem speziellen blick auf die Angehörigenarbeit einen wichtigen Baustein darstellt.

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