Jürg Schubiger Nicht schwindelfrei

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Inhaltsangabe zu „Nicht schwindelfrei“ von Jürg Schubiger

Pauls Gedächtnis ist sehr fadenscheinig und unzuverlässig geworden. Namen sind ihm entfallen, seine Lebensgeschichte hat Lücken. Und manchmal weiß er auch nicht mehr, was sich gehört. Seine Umgebung behandelt ihn wie einen Kranken, sie reagiert mit Mitleid und Ungeduld, zuweilen auch mit amüsierter Verwunderung. Paul selbst dagegen empfindet seinen Zustand als durchaus angenehm: Befreit vom Ballast der Erinnerungen ist er offen für das, was der lebendige Augenblick anbietet. Mit unverstellter Freude kann er staunen über die kleinen Seltsamkeiten des Alltags, die Kunst – und nicht zuletzt auch die Liebe.
Jürg Schubiger begleitet Paul poetisch und mit feiner Ironie durch seine Tage und lässt uns die Welt durch seinen eigenwilligen Blick neu betrachten.

Ein Buch über das Vergessen und das man auch nochmal Spaß daran haben kann, alles neu kennen zu lernen.

— sonjastevens

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  • Ein Buch über das Vergessen

    Nicht schwindelfrei

    sonjastevens

    29. April 2014 um 22:19

    „Nicht schwindelfrei“ von Jürg Schubiger ist ein Roman über das Vergessen und alles wieder neu kennen lernen – ohne Vorurteile, sondern mit viel Leichtigkeit. Aber nicht nur, denn nicht immer ist alles so einfach, wenn man vergessen hat – auch nicht für die Angehörigen, die den wissenden Menschen vermissen. So entwickelt sich in dem Roman auch eine besondere Art der Liebe auf beiden Seiten.   Zitat S. 36: „Pauls Kopf war nicht wählerisch in seinen Gedanken. Paul fragte sich, ob er das, was er dachte, tatsächlich auch denken wollte. Er ging vor sich hin. Er hätte singen mögen, unterliess es aber. Wenn er so weitermachte, lernte er auch noch fliegen. Marion würde es nicht gerne sehen, wenn er das Haus durchs Fenster verliesse statt durch die Tür. Du übertreibst, Paul, würde sie sagen. Was sie sich wünschte, war eine ganz gewöhnliche Genesung. Alles andere schoss viel zu weit darüber hinau. Exxtravagangen konnten sie sich im Moment weiss Gott nicht leisten.“   Dieses kurze Zitat, zeigt um was es inhaltlich in dem Buch geht, die Schwierigkeiten mit jemanden zusammen zu leben, der alles vergessen hat und auch die Gedanken dieses Mannes, die er sich über sein Vergessen macht. Der Autor hat eine wunderschöne, poetische Schreibweise, mit der er die Seiten des Buches füllt, in denen der Leser versinken kann und verstehen lernt. Leider fand ich es sehr störend, dass man sich nicht an die Rechtschreibung gehalten hat, in Hinblick darauf, wann man ein „ß“ benutzt – sondern, dass immer „ss“ geschrieben wurde – das hat jedes Mal meinen Lesefluss gestört und ich habe teilweise sehr genervt Seiten gelesen, auf denen dieser Fehler oft vorkam. Ansonsten ist dieses Buch etwas ganz Besonderes für mich gewesen, sehr schwer in Worte zu fassen, wie sehr mich das Thema „Vergessen“ berührt hat. Was genau mit dem Journalisten Paul passiert ist, weiß man nicht, jedoch wird er nie mehr in seinem Beruf arbeiten können, dennoch gibt es sich nicht auf sondern sucht einen neuen Job, in seinem neuen (?) Hobby Kunst. Pauls Frau Marion sucht sich einen Liebhaber, aber auch das scheint dem Protagonisten nicht zu nahe zu gehen, er ist auch in der Lage sich mit einer anderen Frau zu treffen…

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  • Ein Roman über den Segen des Vergessens und die Freiheit von belastenden Erinnerungen

    Nicht schwindelfrei

    WinfriedStanzick

    19. March 2014 um 11:51

      Es ist ein zarter und bewegender kleiner Roman, den der Schweizer Schriftsteller und Psychologe Jürg Schubiger da geschrieben hat. Ein Roman über den Segen des Vergessens und die Freiheit von belastenden Erinnerungen.   Sein Protagonist Paul ist ein erfolgreicher Journalist, doch aus Gründen, die wir in dem Buch nicht erfahren, ist sein Gedächtnis in der letzten Zeit brüchig und fadenscheinig geworden. Obwohl sein Arbeitgeber ihm seine Stelle offen lässt, ist schnell klar: Paul wird nie mehr in seine Redaktion zurückkehren, nie mehr anspruchsvolle Artikel schreiben können.   Seine Demenz ist aber noch nicht so fortgeschritten, dass er nicht normal leben könnte, mit seiner Frau Marion und seinem noch minderjährigen Sohn Tom. Paul macht noch Dinge im Haushalt und genießt auch den gelegentlichen Sex mit seiner Frau Marion, staunend und ergriffen wie ein Jugendlicher, der die Liebe zum ersten Mal erlebt.   Staunend und neugierig wie ein Kind, das die Welt entdeckt und den Dingen auf ihren auch sprachlichen Grund geht, begegnet er auf seinen langen Touren durch die Stadt Menschen, die ihn faszinieren, weil er entdeckt, dass jeder von ihnen so einzigartig ist wie er selbst. Neugierig macht er Entdeckungen und entwickelt mit offenen Augen einen ganz besonderen und eigenen  Sinn die Seltsamkeiten und Skurrilitäten des Alltags und der Welt, die ihn umgibt.   Als ihm seine Frau Marion, die über eine Zeit sich mit einem anderen Mann trifft, was Paul aber nicht besonders stört  - er versteht es irgendwie – eine Dauerkarte für das Museum schenkt, entwickelt er eine besondere Liebe für die dort ausgestellten Bilder. Sie werden ihm lebendig, sie reden mit ihm und umgekehrt und bald darf er in einem Minijob dort als Mitarbeiter im Publikumsverkehr arbeiten.   Und er lernt mit Claire eine Frau kennen, die er nicht mehr vergisst.   Mit einer wunderschönen und poetischen Sprache begleitet Jürg Schubiger einen von der Demenz bedrohten Menschen durch seinen Alltag und schafft es, dass der Leser mehr und mehr lernt, die Welt mit den Augen Pauls zu betrachten.   Es ist so etwas wie eine Erdung des gefürchteten Phänomens der Demenz, eine vorsichtige, zarte und einfühlsame Annäherung an einen Zustand, mit dem viele von uns noch werden lernen umgehen zu müssen.

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