Jürgen Bauer

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Jürgen BauerWas wir fürchten
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Was wir fürchten
Was wir fürchten
 (8)
Erschienen am 16.02.2015

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FranzHelles avatar

Rezension zu "Was wir fürchten" von Jürgen Bauer

Die packende Geschichte eines Angstpatienten
FranzHellevor 2 Jahren

Auf einer Terasse sitzen zwei Männer. Einer - der Ich-Erzähler Georg - erzählt dem anderen seine Lebensgeschichte. Schon hier beginnt das Verwirrspiel: wer ist Georgs namenloses Gegenüber? Ein Therapeut, ein Fremder, ist es gar ein Verhör oder findet dieses Gespräch nur in Georgs Kopf statt? Hier beginnt das Katz und Mausspiel mit dem Leser, der in einen soghafte Erzählung hineingerissen wird. Der Autor Jürgen Bauer hat sein Buch als „Familienroman mit Thrillerelementen“ bezeichnet, und das trifft es ziemlich gut. Der Protagonist ist Angstpatient und leidet unter Kontrollwahn, da er in einer Familie aufgewachsen ist, die vom Wahn und Angst des eigenen Vaters geprägt wurde. Das Buch stellt die Fragen nach dem richtigen Maß an Kontrolle, Sicherheit und Prinzipien im eigenen Leben, Fragen, die man auch gesellschaftspolitisch spiegeln kann. Ein Zitat aus dem Buch zum Schluß: „Meine Angst ist jederzeit bei mir und passt auf mich auf... Beschützt mich. Vor mir, vor Ihnen. Gleichzeitig  ist ein solches Leben kein Leben mehr, wenn man sich der Angst ergibt.“
Leseempfehlung!

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Babschas avatar

Rezension zu "Was wir fürchten" von Jürgen Bauer

Angst über alles
Babschavor 3 Jahren


Der Vater: Halt einfach den Mund. Du bist ja paranoid.
Die Mutter : Wenn Du so wirst wie Dein Vater, bring ich mich um.
Die Ehefrau: Das ist alles nur in Deinem Kopf.


 
Georg ist krank, so viel ist klar. Schwer krank, genau wie sein Vater. Und er hat auch noch das genetische Pech, die gleiche Krankheit wie dieser zu kriegen. Schwerste paranoide Angststörungen mit Verfolgungswahnzuständen, die ihm von klein auf das Leben zur Hölle machen. Und je älter er wird, desto mehr wird ihm, seiner Familie und Umwelt klar, was da abgeht. Der Vater hat mit seinen regelmäßigen Klinikaufenthalten absolut genug mit sich selbst zu tun, die Mutter negiert die Situation, bis es nicht mehr geht.  Einzig sein Freund Simon, der ihn erst gnadenlos bloßstellt, jedoch später fest an seiner Seite stehen wird, ist eine Art Anker für den in den Sturmgewalten seiner Krankheit umherschlingernden Jungen. Dann lernt er noch Sylvia kennen, seine spätere Frau, die trotz aller Bemühungen  ebenfalls an der Situation verzweifeln wird. Und nach dem Tod seines Vaters läuft alles aus dem Ruder. Georg fühlt sich von seiner Umwelt massivst bedroht und taucht für zwei Jahre vollständig in einen selbstgebauten "Bunker" ab. Als er endlich wieder auf der Bildfläche erscheint, ist das Chaos perfekt.


Den Überbau des Buches bildet ein Gespräch zwischen dem mittlerweile vierzigjährigen Georg und einem zunächst  unbekannten Mann, mit dem er sich ganz bewusst über Stunden belauert und austauscht und der in der ganzen verzwickten Geschichte eine offensichtlich tragende Rolle spielt, die sich aber erst ganz am Schluss und nach diversen Rückblenden, in denen der Protagonist uns sein ganzes Leben erzählt, offenbaren wird. Und dieser geniale Kunstgriff setzt einem ohnehin schon beklemmenden, düsteren Buch, das einen als Leser direkt packt, dann noch die Krone auf. Immer wieder führt Bauer den Leser aufs Glatteis, lässt ihn wieder und wieder neu abtauchen in die Seele eines wirklich kranken Menschen, der an sich selbst verzweifelt und erst nach langer Zeit erkennt, was wirklich gespielt wird. Ein überzeugendes, megaspannendes Kammerspiel.

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Alexandra_Luchss avatar

Rezension zu "Was wir fürchten" von Jürgen Bauer

Eine Geschichte zwischen Wahn und Wahrheit
Alexandra_Luchsvor 3 Jahren

Georgs Vater leidet unter einer paranoiden Angststörung. Solang Georg denken kann, wird das Leben der Familie bestimmt von Wahnvorstellungen, Krankenhausaufenthalten und den abwesenden Phasen (ausgelöst durch schwere Medikamente) des Vaters. Als Georg erste Anzeichen eigener Paranoia zeigt, ist seine Mutter schier verzweifelt. Nun viele Jahre später leidet auch Georg tatsächlich an einer ausgewachsenen Angststörung und Verfolgungswahn. In „Was wir fürchten“ berichtet Georg einem unbekannten Erzähler wie es dazu kam und welche Episoden ihn derart prägten.

Die Art und Weise wie „Was wir fürchten“ erzählt wird, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es wechseln sich Dialoge zwischen Georg und seinem unbekannten Zuhörer mit Episoden aus Georgs Leben ab. Immer berichtet Georg aus seiner Perspektive, seine Erzählungen klingen in sich logisch, Ängste zum Teil begründet. Erst durch die Rückfragen und Skepsis des Zuhörers kommen leise Zweifel an den Erzählungen auf. Durch diese Kontraste kommt eine tolle Spannung innerhalb des Romans zustande. Ich liebe Geschichten, die die Wahrheit in Zweifel stellen und in „Was wir fürchten“ geschieht genau das: Seite für Seite verstrickt sich der Leser mehr in die Geschichte, glaubt mal fest an bestimmte Aspekte der Geschichte, sucht mal ratlos nach der Wahrheit.

Generell scheint bei „Was wir fürchten“ kein Satz zufällig gesetzt, keine Beschreibung willkürlich und keiner der Charaktere bloßes Beiwerk. Alles wirkt sehr durchdacht und fügt sich wunderbar dem Hauptthema der Ängste und Paranoia. Zum Beispiel spiegelt der Aufbau des Romans das zwanghafte Kreisen der Angststörung, um die immer gleichen Themen wieder.

Sie sprach völlig frei und ohne Zögern:
„Wie geht es Ihnen?“
Ich dachte:
„Du bist ja paranoid“
Ich dachte:
„Es wird mir wieder besser gehen.“
Doch ich brachte nur hervor:
„Ich weiß es nicht.“
– S. 168

Dieses „Ich dachte:“ und die immer gleichen Gedanken über die Aussagen von Freunden und Familie verfolgen Georg und verfolgen daher auch den Leser im Verlaufe des Buches. Eine wirklich tolle Idee.

Manchmal war mir die Gedankenwelt von Georg zwar ein bisschen zu anstrengend, zu verengt und beängstigend. Aber genau das ist es, was seine Krankheit ausmacht. Echte Kritik habe ich daher nicht. Daher bleibt für mich bei diesem Buch nur eine Bewertung von 5 von 5 Sternen übrig. Das Spiel mit Wahrheit und Wahn, tolle emotionale Szenen und ein spannender Aufbau haben mich überzeugt.

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