Jürgen-Thomas Ernst Vor hundert Jahren und einem Sommer

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Inhaltsangabe zu „Vor hundert Jahren und einem Sommer“ von Jürgen-Thomas Ernst

Annemie wird als lediges Kind geboren und wächst als Pflegekind im Dorf der Kirschen auf. Als die Eifersucht der Ziehmutter erwacht, verlässt sie das Dorf, lebt kurze Zeit in einem Armenhaus, ehe sie ein wohlhabender Experimenteur bei sich aufnimmt. Ein Jahr später flüchtet Annemie schwanger in den Süden, wo sie auf einer Seidenraupenplantage Arbeit findet. Als sie nach einem neuerlichen Schicksalsschlag in ihre Heimat zurückkehrt, scheint das private Glück zum Greifen nahe. Sie begegnet Jonathan. Die Sehnsucht eines Fabrikanten nach reifen Kirschen im März wird zu ihrer Passion. Denn für jede einzelne reife Kirsche, die ihm vor dem fünfzehnten März geliefert wird, bietet er zwei Goldmünzen. Jonathan und Annemie errichten ein Glashaus, um das Unmögliche möglich zu machen. Der Plan gelingt und lockt bald zahlreiche Nachahmer an, die Annemie und Jonathan noch kurz zuvor verspottet und verhöhnt haben. Doch dann bricht ein großer Krieg aus und lässt den Wunsch nach reifen Kirschen im Winter nur noch lächerlich erscheinen. Für Annemie beginnt erneut eine Zeitvoller Hoffen und Bangen - und ein Warten, ob ihr Mann jemals wieder aus dem Krieg zurückkehren wird. Ein märchenhafter Entwicklungsroman über eine Frau, die versucht, ihre Existenz zu sichern und dennoch ihre Träume nicht aus den Augen verliert. Jürgen-Thomas Ernst legt eine spannende und berührende Geschichte voller Überraschungen und Wendungen vor, der man sich nicht entziehen kann.

Tolles Buch

— karin66
karin66

Sehr nah und von besonderer Sprache, der Funke flog leider nicht ganz rüber!

— Floh
Floh

Ein ganz wunderbares Buch.

— IlonGerMon
IlonGerMon

Sehr schön und so bildhaft erzählt.

— Maralis
Maralis

Der Sprachstil ist nämlich dermaßen speziell, dass eine kontroverse und polarisierende Diskussion unvermeidbar sein wird.

— Nicky_G
Nicky_G

Eine berührende Geschichte

— Schnuck59
Schnuck59

Obwohl ich mir an einigen Stellen eine Straffung des Textes gewünscht hätte, war die Lektüre ein Gewinn.

— Barbara62
Barbara62

Märchenhaft schöne Geschichte

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Eine wundervolle Poetische und Märchenhafte Geschichte in der man sich verlieren kann....

— Arietta
Arietta

sehr schönes Buch. Kommt ohne große Namen aus, da in einer sehr bildhaften, lebendigen Sprache geschrieben. Ich bin begeistert !

— sancho78
sancho78

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  • Vor Hundert Jahren und einem Sommer

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    karin66

    karin66

    05. June 2016 um 20:04

    Das Cover des Buches gefällt mir recht gut. Es ist sehr einfach und in drei Farben gestaltet. Schwarz-weiß und Rot. Es zeigt einen Kirschbaum mit roten Kirschen.Der Kirschbaum spielt auch im Verlauf des Buches eine immer wieder kehrende wichtige Rolle. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen.Die Charaktere der Hauptpersonen sind vortrefflich gewählt. Man findet sie sofort sympathisch und fühlt sich mit ihnen verbunden. Man leidet und fiebert mit ihnen mit.Annemie, ein uneheliches Kind, wird vor anderen von ihrer Mutter verleugnet. Sie wächst im Dorf der Kirschen bei Zieheltern auf. Ebenfalls bei den Zieheltern wächst Jonathan auf. Mit diesem verbündet sie sich in ihrer Kindheit. Doch dann zieht dieser fort und sie verlieren sich aus den Augen.Eines Tages jedoch begegnen sie sich wieder und sie verlieben sich in einander. Sie versuchen gemeinsam einen Traum zu verwirklichen. Doch immer wieder erleben sie Rückschläge, rappeln sich von neuem auf und beginnen von vorne. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, damit die Spannung noch aufrecht erhalten ist.Das Buch berührt teilweise sehr und man kann die Widrigkeiten, die den beiden wiederfahren oft nicht verstehen. Dennoch finde ich könnte das Buch etwas mehr Spannung vertragen. Es plätschert teilweise nur so vor sich hin. Dafür wird man mit den schönen Landschaftsbeschreibungen wieder belohnt.

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  • Ein modernes und doch zeitloses Märchen

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Nuigurumi

    Nuigurumi

    04. April 2016 um 15:14

    Es gibt kein Buch, mit dem ich „Vor hundert Jahren und einem Sommer“ vergleichen könnte – das war ein ganz neues Leseerlebnis für mich.Erzählt wird die Geschichte von Annemie, die als kleines Kind von ihrer ledigen Mutter zu Zieheltern in das „Dorf der Kirschen“ gebracht wird. Ab einem bestimmten Alter möchte die Ziehmutter Annemie nicht mehr im Haus haben und sie muss ihren eigenen Weg gehen, der sie nach vielen, oft unangenehmen Erfahrungen letztendlich wieder zurück ins Dorf der Kirschen führt…Das Buch liest sich wie ein Märchen für Erwachsene. Es gibt kaum Namen. Außer Annemie und ihrem „Ziehbruder“ Jonathan werden die Menschen beschrieben, nicht benannt, zum Beispiel der Experimenteur, der Limonadenausfahrer, der Vater des Kindes. Auch Ortsnamen gibt es nicht. Da sind das Dorf der Kirschen, ein Land im Süden, der Ort, der auf ihrer Fahrkarte angegeben war… Und keine Zeitangaben. Nur anhand einiger Vorkommnisse konnte ich mir zusammenreimen, wann die Geschichte spielt. Es gibt auch keine direkte Rede, die den Erzählfluss unterbricht, sondern Gesprochenes wird einfach kursiv geschrieben. Was es gibt, sind sehr detaillierte Beschreibungen der Natur, der Menschen, der Geschehnisse.Nachdem ich mich an diesen Stil gewöhnt hatte, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Für mich war es kein Buch, das ich an einem Tag durchlese, was ich normalerweise mache, weil ich wissen möchte, wie es weitergeht. Doch hier ist die Handlung zwar interessant, aber das Wichtigste ist die Erzählung an sich. Ich fand es sehr schön, mich jeden Abend kurze Zeit mit dem Buch hinzusetzen und in diese eigentümliche Stimmung einzutauchen, die dieses Buch vermittelt.

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  • Träumer schaffen märchenhafte Wunder

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Amelien

    Amelien

    05. December 2015 um 21:46

    Erster Satz. „Von Unglaublichem weiß diese Geschichte zu berichten, von einer Frau etwa, die einem Mann, den viele schätzen, zu seinem Namenstag Wiesenblumen schenkt und ihm später inmitten der vielen Sträuße, die auf dem Tisch und den Fensterbänken nach Flieder und Rosen duften, eröffnet, dass die Blumen nicht für den Namenstag, sondern für sein Begräbnis seien.“ (Seite 9) Das Buch erzählt von dem Mädchen Annemie, welches als Pflegekind im Dorf der Kirschen auf wächst. Ihre Kindheit ist schwer, die Eifersucht der Ziehmutter treibt sie dazu das Dorf zu verlassen, um wenige Zeit in einem Armenhaus zu verbringen, welches sie bald verlässt als ein wohlhabender Mann sie aufnimmt. Ihr Lebensweg ist von Widrigkeiten gezeichnet, aber Annemie nutzt die kleinen Dinge um später daraus ihre Stärke zu entwickeln. Ein kleines Wunder passiert als sie und Jonathan ein Glashaus errichten und im Winter reife Kirschen zu züchten. Dieses kleine Glück lässt sie eine zeitlang einen Traum leben, bis der Krieg ausbricht... Ein wortgewandtes, poetisches und malerisches Werk, welches hier der Autor Ernst geschaffen hat. Kleine Details malen ein Lächeln ins Gesicht, Wörter verbinden sich zu einer symphonieartigen Geschichte, welche die Aura eines Märchen inne hat. Das Gefühl eines Wunders durchzieht den ganzen Roman, auch wenn die Melancholie wie ein Tropfen Schwermut in der Atmosphäre hängt. Das Buch sprudelt über vor Leben und ergreifenden Momenten. Vor hundert Jahren und einem Sommer, ist ein Buch für Träumer, die ihrem Herzen folgen und eine Sehnsucht in den Märchen finden, die jedoch nie kitschig werden. Ehrlich, aufwühlend, bezaubernd, ein Buch wie ein kurzer Moment vor dem Aufwachen, wenn man glaubt noch zu träumen. Einfach nur schön. Deshalb 5 von 5 Sternen. ***** Randnotiz: Märchen sind kleine Wunder in dieser und jener Zeit. Unvergänglich...

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  • Märchenhaft

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    echidna

    echidna

    30. November 2015 um 17:36

    Wenn ich das Buch mit einem Wort beschreiben müsste, wäre dies "märchenhaft". Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in ein zeitlich und räumlich weit entferntes Dorf, dem Dorf, in dem die Kirschen wachsen. Dort erzählt er das Leben des kleinen Mädchens Annemie. Da ihre Mutter sich nicht der Schande stellen möchte, als Mutter eines Kindes ohne Vater in dem naheliegenden Tal verachtet zu werden, bringt sie Annemie in das Dorf der Kirschen zu Zieheltern und gibt sie offiziell als ihre Nichte aus. Dort wächst sie behütet mit ihren Zieheltern und dem "Ziehbruder" Jonathan auf bis auch sie eines Tages die Eltern verlässt, um auf eigenen Beinen zu stehen. Annemie hat kein leichtes Leben. Sie kämpft ums Überleben als alleinstehendes junges Mädchen, macht ihre Erfahrungen und lernt aus ihnen. Sie lässt sich auch von schweren Schicksalsschlägen nicht unterkriegen und kämpft weiter, so dass aus ihr eine selbstständige Frau wird, die sich behaupten kann. Und schließlich findet sie auch ihre Liebe in jemandem, den sie nach langer Zeit in ihrem Heimatdorf wiederbegegnet. Doch auch dieses Glück bleibt nicht bestehen, denn schon lauert der Krieg, der Tod und Zerstörung bringt und auch das Dorf der Kirschen nicht verschont. Das Besondere an diesem Buch ist der einzigartige Schreibstil. Er erinnert an Bücher aus alten Zeiten. Blumig, mit vielen Bildern, die der Autor vor den Augen des Lesers erscheinen lässt, einfach schön. Schon alleine, dass das Dorf keinen Namen hat, sondern nur das "Dorf der Kirschen" genannt wird, erinnert an die Märchen der Kindheit. Man begleitet Annemie durch ihr Leben, lacht mit ihr und weint mit ihr. Und wie es auch in den Märchen ist, passieren nicht nur schöne Dinge, sondern auch grausame, doch egal wie groß die Verzweiflung sein mag, so hofft man doch immer darauf, dass am Ende noch alles gut wird. Dieses Buch ist einzigartig und ich würde es jedem empfehlen, der in die Vergangenheit eintauchen möchte, in ein abgelegenes Dorf in den Bergen und Annemie durch ihr Leben begleiten möchte. Hier gibt es keine großen Spannungsbögen, aber dafür eine Geschichte, die einen noch gefangen nimmt, wenn man das Buch schon längst zugeklappt hat.

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  • Malerisch

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Klene123

    Klene123

    Annemie wächst in einer Pflegefamilie auf als uneheliches Kind kann ihre Mutter nicht zu ihr stehen. In der Pflegefamilie jedoch geht es ihr gut, sie hat eine besondere Gabe für Geburten und darf dieser Gabe auch frei nachgehen. Zusammen mit Jonathan, der auch bei der Pflegefamilie wohnt, erlebt sie Abenteuer und hat eine schöne Kindheit. So wird Annemie älter und irgendwann stellt sich heraus, dass sie aufgrund des guten Verhältnisses zu ihrem Pflegevater der Pflegemutter ein Dorn im Auge ist. Auch Jonathan verlässt das Dorf der Kirschen und zieht hinaus. Von hier aus wartet ein leidiger Weg auf Annemie. Zuerst im Armenhaus, dann bei einem vermeintlichen Retter, über eine Seidenraupenplantage bis hin zu ihrer Cousine. Sie sieht und erlebt viel, muss in tiefe Abgründe blicken, hat aber auch schöne Momente. Die von der malerischen Sprache des Autors sehr schön gezeichnet werden. Irgendwann schlißt sich der Kreis jedoch wieder im Dorf der Kirschen, wo sie zurückkehrt und auch Jonathan wieder findet. Die Beiden stellen ein neues Konzept auf die Beine, erben das Haus und die Kirschplantagen und leben gut. Bis wieder ein Schicksalsschlag eintrifft... Das Buch beschreibt einfach malerisch das Leben, teilweise ein bisschen unrealistisch aber es berührt einen beim Lesen. Ich finde es gut wie beschrieben wird, dass man nach einem Rückschlag einfach nicht aufgeben soll, denn man kann immer sein eigenes Glück machen. Dennoch haben sich manche Landschaftsbeschreibungen einfach gezogen und Szenen waren hin und wieder unerträglich ins Detail beschrieben. Das hat es mir ab und zu zwischen spannenden Teilen schwer gemacht. Das Cover könnte auch realistischer und schöner gestaltet sein, im Laden hätte ich es wohl eher liegen gelassen. Deshalb kommt das Buch insgesamt auf solide 3 Sterne.

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    • 2
  • Wunderbar!

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    IlonGerMon

    IlonGerMon

    22. October 2015 um 19:28

    „Für Monika, die einmal gesagt hat, Lieber, bitte schreibe mir ein Märchen. Hier ist es.“ Diese Widmung hat der Autor seinem Roman vorangestellt und wie ein Märchen mutet dieses Buch zunächst an. Dies liegt vor allem an der sehr feinen und blumigen Sprache, die einen beim Lesen immer wieder innehalten und das Gelesene noch einmal reflektieren lässt. Und ein wenig liegt es auch im Anfang der Geschichte, in der eine junge Frau in einer persönlich schwierigen Situation ungewöhnliche Hilfe erfährt. Sofie erwartet ein Kind, unehelich, und weiß, was dies für sie und ihr weiteres Leben bedeuten wird. Völlig unerwartet aber kommt es anders und sie erhält die Möglichkeit, ihr Kind auf die Welt zu bringen und die ersten Jahre aufzuziehen, ohne den gesellschaftlichen Folgen ausgesetzt zu sein. Und was in ihren Ohren zunächst wie ein Märchen klingt, ist in der Wirklichkeit dann doch keines. Sofie kehrt nach etwa drei Jahren in ihren Heimatort zurück und gibt ihr Kind, angeblich allerdings das ihrer verstorbenen Cousine, zu Pflegeeltern. Fortan wächst  Annemie, die Tochter, dort im Tal der Kirschen auf. Der Pflegebruder Jonathan wird ihr ein verlässlicher Freund und Spielgefährte, mit dem sie das Leben bei den Pflegeeltern teilt.  Der Alltag ist für die Kinder oft hart und unerbittlich, Armut und im Winter eine unwirtliche Natur, zeigen jeden Tag die Grenzen auf, in denen man gefangen ist. Sofie, ihre leibliche Mutter, besucht das Kind nur selten. Als Jugendliche muss Annemie diese Familie verlassen, lebt einige Zeit in einem Armenhaus und später bei einem wohlhabenden Experimenteur, bei dem sie ein ganz anderes Leben, ohne wirtschaftliche Not, kennenlernt. Sie flieht irgendwann in den Süden, sie ist schwanger und die Geschichte scheint sich möglicherweise zu wiederholen. Sie findet Arbeit in einer Seidenraupenplantage, kehrt aber später nach einem Unglück zurück in das Tal, in dem die aufgewachsen ist. Der Pflegevater lebt noch, sie findet Jonathan wieder und das Leben scheint für eine gewisse Zeit wieder wie ein Märchen zu sein. Mit diesem Roman erhält der Leser Einblick in ein anderes Leben in einer ganz anderen Zeit und, zumindest als Norddeutscher, auch in eine ganz andere Region. Sehr berührend und noch einmal eine Steigerung des Buches war in meinen Augen die lange währende Heimkehr Jonathans aus dem Krieg. Ich habe dieses Buch nicht zuletzt der Sprache wegen als etwas ganz Besonderes empfunden.  Der Autor findet Worte und Formulierungen, die es einem nicht erlauben, den Text einfach so wegzulesen, vielmehr sind wir immer wieder gefordert, einen Satz, einen Gedanken oder auch eine Schlussfolgerung ein zweites Mal zu lesen und das Gelesene noch einmal zu überdenken. Oftmals steckt darin soviel Lebensklugheit und Weisheit, wie man sie manchem Zeitgenossen heute wünschen würde. Dies Buch bekommt eine unbedingte Leseempfehlung von mir und ich wünsche ihm, dass sie viele Leser auf dies Buch einlassen mögen.

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  • Ein poetisches Märchen

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Maralis

    Maralis

    18. October 2015 um 01:07

    Inhalt: Annemie wird als lediges Kind geboren und wächst als Pflegekind im Dorf der Kirschen auf. Als die Eifersucht der Ziehmutter erwacht, verlässt sie das Dorf, lebt kurze Zeit in einem Armenhaus, ehe sie ein wohlhabender Experimenteur bei sich aufnimmt. Ein Jahr später flüchtet Annemie schwanger in den Süden, wo sie auf einer Seidenraupenplantage Arbeit findet. Als sie nach einem neuerlichen Schicksalsschlag in ihre Heimat zurückkehrt, scheint das private Glück zum Greifen nahe. Sie begegnet Jonathan. Die Sehnsucht eines Fabrikanten nach reifen Kirschen im Winter wird zu Ihrer Passion. Jonathan und Annemie errichten ein Glashaus, um das Unmögliche möglich zu machen. Doch dann bricht ein großer Krieg aus und lässt den Wunsch nach reifen Kirschen im Winter nur noch lächerlich erscheinen. Für Annemie beginnt erneut eine Zeit voller Hoffen und Bangen - und ein Warten, ob ihr Mann jemals wieder aus dem Krieg zurückkehren wird. Ein märchenhafter Entwicklungsroman über eine Frau, die versucht, die Existenz zu sichern und dennoch ihre Träume nicht aus den Augen verliert. (Quelle: Klappentext) Für Monika, die einmal gesagt hat: Lieber, bitte, schreib mir ein Märchen. Hier ist es. Dieses Zitat steht auf der ersten Seite. Jürgen-Thomas Ernst hat in einer wunderbaren poetischen Sprache ein Märchen für sie und die Leser geschrieben. Es gibt kaum Dialoge, nur wenige Namen,doch es ist so bezaubernd erzählt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Der Autor erzählt von alten Zeiten, Ende des 19. Anfang des 20.Jahrhunderts. Harte Zeiten sind es und die Menschen oft rau und derb.Doch die zarte Pflanze der Liebe hilft den Protagonisten vieles zu ertragen. Die Orte sind so bildhaft beschrieben, dass ich sie direkt vor Augen sah. Fazit: Ein wunderschönes Buch für Alle die noch sich noch gern verzaubern lassen. Wer gern mehr über den Autor erfahren möchte, kann dies auf dieser Webseite tun.

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  • Aus Raum und Zeit gefallen

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Barbara62

    Barbara62

    Würde ich es nicht besser wissen, so hätte ich darauf getippt, dass dieses Buch ein Klassiker ist, geschrieben vor mindestens hundert Jahren. Denn der Stil ist - im besten Sinne - altmodisch, die Sprache so blumig, die Landschafts- und Naturbeschreibungen so märchenhaft, wie ich es aus der aktuellen Literatur nicht kenne. Wir begleiten Annemie in diesem Roman durch ihr Leben von der Geburt bis zu einem geschätzten Alter von etwa 40 Jahren. Geschätzt deshalb, weil es hier keinerlei Jahresangaben gibt, genauso wenig wie konkrete Ortsangaben, wodurch die Geschichte wie aus Raum und Zeit gefallen erscheint. „Ein märchenhafter Entwicklungsroman“ schreibt der Verlag, wobei „märchenhaft“ sich eher auf den Stil als auf Annemies Leben bezieht, das für ein lediges Kind wie sie von Verleugnung und Armut geprägt ist. Obwohl sie mit ihren Zieheltern großes Glück hat, ist ihr Leben von Widrigkeiten und Tragödien durchsetzt. Erst als sie nach einer jahrelangen Odyssee ins Haus der Zieheltern zurückkehrt und dort ihren Ziehbruder Jonathan wiederfindet, scheinen ihr Ruhe und Glück beschieden. Beharrlich verfolgen sie ihr großes Projekt einer Kirschernte im Winter, doch der Krieg macht alle Pläne zunichte. Und trotzdem bleibt der Autor auch am Ende dem Märchenstil treu: Und wenn sie nicht gestorben sind... Obwohl ich mir an einigen Stellen eine Straffung des Textes gewünscht hätte, da der Stil bei mir eine gewisse Ermüdung erzeugt hat, war die Lektüre dieses Romans ein Gewinn.

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  • Annemie und das Dorf der Kirschen

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Bokmal

    Bokmal

    12. October 2015 um 10:12

    In „Vor hundert Jahren und einem Sommer“ von Jürgen-Thomas Ernst taucht der Leser in eine ganz andere Welt ein, die doch unserer realen entspringt. Als Sophie unverheiratet schwanger wird, eilt ihr ein Freund zu Hilfe. Sie wird zu einer Tante weit entfernt geschickt und verbringt dort die ersten Jahre mit ihrer Tochter Annemie. Als sie zurückgeht, kommt Annemie in eine Pflegefamilie ins Dorf der Kirschen. Sie vermisst ihre Mutter schmerzlich und doch fühlt sie sich im Schoß der Familie, die es wirklich gut mit ihr meint, wohl. Und auch mit Jonathan, der mit in der Familie lebt, versteht sie sich gut. Irgendwann, nachdem auch Jonathan das Dorf der Kirschen in Richtung Norden verlassen hat, verlässt Annemie die Familie und durchlebt ereignisreiche und schwierige Jahre im Süden. Als sie viele Jahre später zurückkehrt, begegnet ihr Jonathan wieder und das Leben meint es zunächst gut mit ihnen und ihrem Großprojekt, Kirschen in Glashäusern anzubauen. Doch dann wird der Kontinent von einem schweren Krieg erschüttert, der auch vor den Männern im Dorf der Kirschen nicht Halt macht. In der Geschichte um Annemie und Jonathan werden weder Zeit noch Ort genannt. Und doch erkennt der Leser einen stillen Ort (vielleicht in den Alpen?) und die Zeit vor dem ersten Weltkrieg (was man aus dem Titel und den Ereignissen schließen kann). Annemie ist eine bedauernswerte, aber auch starke Seele, die viel aushalten muss, aber stets um das Überleben kämpft. Charakteristisch für den Roman sind die weitschweifenden Naturbeschreibungen, insbesondere des Wetters. Der Jahreszeitenwandel wird für jedes Jahr auf’s Neue beschrieben. So sehr mich diese Beschreibungen in der Leseprobe fasziniert haben, wurden sie mir zuweilen dann etwas lang, da mir über lange Strecken manchmal zu wenig passierte und der Autor so sehr die Schönheit der Natur pries. Somit hatte ich ein wenig Startschwierigkeiten mit dem Buch, später allerdings wurde die Geschichte für mich flüssiger, es passierte mehr und die Handlung war schön und tragisch zugleich, was mit wirklich gut gefiel. Die Idee des Buches und die Umsetzung haben mir aus oben erwähnten Gründen insgesamt gut gefallen, einige Schwäche ist für mich, dass es durch die vielen Beschreibungen zuweilen etwas langwierig erschien. Trotzdem ist das Buch für jeden, der die Sprache und Poesie liebt, ein Lesegenuss. Ich vergebe für „Vor hundert Jahren und einem Sommer“ vier Sterne.

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  • Vor hundert Jahren und einem Sommer – Eine sprachliche Wundertüte

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Nicky_G

    Nicky_G

    04. October 2015 um 19:28

    Annemie wird von ihrer Mutter, die unverheiratet ist, zu Pflegeeltern gegeben, die in einem Dorf wohnen, das für seine Kirschen bekannt ist. Zusammen mit Jonathan wächst sie dort auf, bis sie in ein Armenhaus geht. Ihr Leben ist alles andere als einfach, gepflastert von etlichen Schicksalsschlägen. Aber das Dorf der Kirschen bleibt ihr Fixpunkt, ihr Zufluchtsort. Auch Jonathan wird ihr wiederbegegnen. Und gemeinsam machen sie sich daran, ihre Träume zu verwirklichen, das Unmögliche möglich zu machen, auch wenn der Weg voller Steine erscheint, die immer größer und zahlreicher werden. Die Namen der Protagonisten, nur wenige haben wirklich einen, sind nicht wichtig, einzig die Umgebung und die Handlungen zählen. Diese Beschreibungen sind detailreich und schwelgen in Kleinigkeiten ohne ermüdend zu werden. Leider bleiben dabei die Charaktere etwas auf der Strecke. Trotzdem leidet man mit Annemie und auch mit Jonathan mit, verfolgt offenen Mundes ihren Lebensweg, wundert sich, schüttelt sich, ärgert sich und verliert sich mit ihr in ihren Träumen und Gefühlen. Manchmal wirken die Szenen surreal, so dass Parallelen zu einem Märchen nicht abwegig sind. Dies kann man nicht mal eben nebenbei lesen und sollte man auch nicht, da einem ansonsten viele Kleinigkeiten entgehen könnten, was sehr schade wäre. Wenn man sich einmal in diesen Lesestrom begibt, wird man von ihm mitgerissen und in einen Strudel gezogen, der einen nicht mehr loslässt. Dieser Roman ist mit Vorablorbeeren bedacht worden. Ob er das verdient hat oder nicht, muss jeder für sich selber entscheiden.

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  • Ein bisschen wie 'ne Schnitzeljagd.

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    LiberteToujours

    LiberteToujours

    04. October 2015 um 16:01

    Annemie wird als Kinder einer Mutter geboren, die sie nicht wollte. Auch bei den Pflegeeltern bleibt sie nur einige Jahre - danach führt ihr Weg sie fort aus dem Dorf der Kirchen, in dem sie aufgewachsen ist. Als sie nun endlich ihre Jugendliebe wieder trifft, erwacht Hoffnung in ihr. Hoffnung auf ein besseres Leben. Und der Traum von Kirschen im Winter. Doch der Krieg nimmt keine Rücksicht auf Träume. Fangen wir mit dem positiven an: Der Sprache. Die war wundervoll, gefühlvoll, fast schon Poesie. Der Autor verliert sich in seinen Beschreibungen, was für die Geschichte und die Spannung zwar problematisch ist, für sich selbst gesehen allerdings etwas Wunderschönes.  Das war für mich aber dann auch schon fast alles positive an der Geschichte, die so eigentlich keine war. Mir kam es eher vor wie das zusammensetzen diverser Puzzleteile, die sich auch zum Schluss allerdings nicht wirklich zu einem großen Ganzen zusammen setzen lassen wollten. Der Autor hat sich einfach zu viele Geschichten gleichzeitig vorgenommen - das aufwachsen eines Verlassenen Kindes, eine Vergewaltigung und darauf folgende Rachegeschichte, der Krieg, eine Liebesgeschichte, noch eine Schwangerschaft und immer wieder Kirschen. Gespickt mit Armut, Gefühlen und ein bisschen fiktiver Historie. Das hatte zur Folge das auf nichts vollständig, tiefer eingegangen werden konnte. Mir kam es so vor, als würden wir immer wieder Ausschnitte aus Annemies Leben vorgeworfen bekommen - verbunden durch ellenlange Landschaftsbeschreibungen und versehen mit dem Vermerk "Und jetzt mach was draus" Das hatte für mich zur Folge, dass ich mich nur durch die Geschichte geschleppt habe. Ich bin in keinem Moment wirklich reingerutscht und habe mich eher gefragt, was das Ganze soll. Mir hätte es besser gefallen, wenn man einige Unterthemen (wahlweise auch ein drittel der Landschaftsbeschreibungen) gestrichen hätte und sich stattdessen näher mit den anderen befasst hätte. Meins war's nicht.

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  • Eine zeitlose Geschichte

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Hanz

    Hanz

    30. September 2015 um 21:50

    Der Roman "Vor hundert Jahren und einem Sommer" von Jürgen-Thomas Ernst ist ein Buch, welches ich sehr interessant und toll zu lesen fand, weil es eine Geschichte mit tieferem Inhalt ist und kein 0815 Roman. Inhaltlich geht es um Sophie, die zu einer Zeit ungewollt schwanger wird, in der es als Schande angesehen wurde. So zieht sie aus ihrem Dorf weg und gebärt ihr Kind, Annemie, die zu Pfegeeltern kommt, die versuchen sie so gut es geht großzuziehen. Sophie hingegen kehrt in ihr Dorf zurück, ohne das jemand bemerkt hat, warum sie fortging. Annemie versteht nicht, warum sie ihrer leiblichen Mutter nicht nah sein darf und diese Sehnsucht führt zu verschiedenen Beziehungskonflikten. Das Cover finde ich sehr gelungen, weil es meiner Meinung nach interessant ist. Es ist zwar schlicht und wenig farbenfroh, aber man kann darüber nachdenken, warum gerade diese Aufnahme als Cover ausgewählt wurde. Insgesamt bin ich sehr angetan von diesem Roman und würde ihn definitiv weiterempfehlen. Volle 5 Sterne!

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  • Schöner kann eine Geschichte nicht geschrieben werden

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Claddy

    Claddy

    26. September 2015 um 22:31

    Im auslaufenden neunzehnten Jahrhundert sieht sich die Fabrikarbeiterin Sofie mit einer ungewollten Schwangerschaft belastet. Basils Eltern, die fälschlicherweise glauben, ihr Sohn habe das Kind gezeugt, schicken sie zu einer Verwandten. Dort kommt Annemie zur Welt und verbringt gemeinsam mit ihrer Mutter unbeschwerte Kindheitsjahre. Später wird sie zu Zieheltern in das Dorf der Kirschen gebracht, wo sie gemeinsam mit dem Ziehbruder Jonathan aufwächst. Als junges Mädchen macht sie sich auf, ihren eigenen Weg zu suchen, und findet Glück und Unglück oft dicht beieinander. Von weit her weht Jürgen-Thomas Ernsts Sprache herbei, beinahe märchenhaft, um eine Geschichte zu erzählen, die so unbeschreiblich nahe geht, dass sie mühelos Herz und Seele aufrührt. Den Sätzen wohnt eine Melodie inne, die sich ein Vorlesen herbeizusehnen scheint. Die Genauigkeit der Schilderungen ist in der Lage, gleichermaßen lange Zeiträume zu raffen als auch sekundenkurze zu dehnen auf eine Weise, die unbeirrbar Bilder herstellt. Immer wieder gerät die Natur in den Mittelpunkt, zeigt ihre Veränderungen getreuer auf, als man den eigenen Sinnen zutrauen möchte. Die Personen, denen wir begegnen, tragen Sorgen und Probleme mit sich. Ihre Schicksale werden von äußeren Einflüssen und Gefahren häufig umgeleitet. Nicht immer beugen sie sich den Zwängen, auch den Zwängen ihrer Zeit, vielmehr verwenden sie Kraft und Mut, um den widrigsten Umständen das Beste abzuringen. Nicht immer gelingt es. Nicht nur Gutes kommt dabei heraus. Bangen muss man mit ihnen und um sie und gerät bald in eine tiefe Verbundenheit hinein.  Die Randfigur des Limonadenverkäufers stellt die Beständigkeit dar, gleichzeitig auch die Hoffnung und das Sehnen. Immer wieder taucht er auf, man mag sich fragen: War er derjenige, der im Bergdorf zwischen Schneewehen und Kirschblüten die Zeit fand, alles Geschehen festzuhalten? Dieses Buch trägt ein Geheimnis in sich, eine Macht, Träume zu erschaffen. Schöner kann eine Geschichte nicht geschrieben werden.

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  • Kirschen im März

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Schnuck59

    Schnuck59

    26. September 2015 um 18:20

    In seinem Roman „Vor hundert Jahren und einem Sommer“ beschreibt Jürgen-Thomas Ernst die Geschichte einer jungen Frau, die sich ihr Glück im Leben erkämpfen muss. Sie muss ihre Existenz sichern und kämpft für ein besseres Leben. Annemie wird als uneheliches Kind geboren und wächst zusammen mit dem Jungen Jonathan im Dorf der Kirschen bei freundlichen Zieheltern auf. Danach muss sie im Armenhaus leben, hat einen schweren Lebensweg und kehrt nach einigen Schicksalsschlägen ins Dorf ihrer Kindheit zu ihrem Ziehvater zurück. Durch die Möglichkeit in einem Glashaus, das sie zusammen mit Jonathan errichtet, reife Kirschen im März zu ernten scheint ihr Glück möglich. Der Autor beschreibt das Schicksal von Annemie sehr detailliert. Trotz vieler schwieriger Umstände und unterschiedlicher Rückschlägen meistert sie meist alleine ihr schweres Leben. Der Schreibstil ist fesselnd, stimmungsvoll und bildreich. Die Trennung von ihrer Mutter Sofie ist sehr emotional und poetisch wiedergegeben. Insgesamt bekommt der Leser einen Einblick in die damalige Lebenssituation, das meist arbeitsreiche Leben, die Standesunterschiede und die Moralvorstellungen. Die Veränderungen der Natur und des Lebens zu verschiedenen Jahreszeiten beschreibt der Autor sehr detailliert, allerdings gibt es durch Wiederholungen langatmige Textstellen. Es gibt keinerlei Ortsangaben, nur Beschreibungen der Landschaften und der Himmelsrichtungen. Nur wenige Personen werden mit Namen genannt. Das Cover hat mit den Kirschen auf schneebedeckten Zweigen einen Bezug zur Geschichte, die reifen Kirschen im März. Auf mich wirkt die Darstellung unruhig. Durch den Titel und die Beschreibung des Krieges ist es möglich die Geschichte zeitlich einzuordnen. Der Roman ist eine berührende Geschichte. Für mich ist diese allerdings mit zu vielen Schicksalsschlägen und Schwierigkeiten dargestellt, wirkt auf mich überwiegend schwermütig und negativ. Wie bei den meisten Märchen gibt es bei diesem „märchenhafter Entwicklungsroman“ aber auch ein gutes Ende. 

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  • Eine Geschichte über das Leben und die Liebe

    Vor hundert Jahren und einem Sommer
    Ceciliasophie

    Ceciliasophie

    20. September 2015 um 17:38

    Inhalt:Annemie wird als lediges Kind geboren und wächst als Pflegekind im Dorf der Kirschen auf. Als die Eifersucht der Ziehmutter erwacht, verlässt sie das Dorf, lebt kurze Zeit in einem Armenhaus, ehe sie ein wohlhabender Experimenteur bei sich aufnimmt. Ein Jahr später flüchtet Annemie schwanger in den Süden, wo sie auf einer Seidenraupenplantage Arbeit findet. Als sie nach einem neuerlichen Schicksalsschlag in ihre Heimat zurückkehrt, scheint das private Glück zum Greifen nahe. Sie begegnet Jonathan. Die Sehnsucht eines Fabrikanten nach reifen Kirschen im März wird zu ihrer Passion. Denn für jede einzelne reife Kirsche, die ihm vor dem fünfzehnten März geliefert wird, bietet er zwei Goldmünzen. Jonathan und Annemie errichten ein Glashaus, um das Unmögliche möglich zu machen. Der Plan gelingt und lockt bald zahlreiche Nachahmer an, die Annemie und Jonathan noch kurz zuvor verspottet und verhöhnt haben. Doch dann bricht ein großer Krieg aus und lässt den Wunsch nach reifen Kirschen im Winter nur noch lächerlich erscheinen. Für Annemie beginnt erneut eine Zeitvoller Hoffen und Bangen - und ein Warten, ob ihr Mann jemals wieder aus dem Krieg zurückkehren wird. Ein märchenhafter Entwicklungsroman über eine Frau, die versucht, ihre Existenz zu sichern und dennoch ihre Träume nicht aus den Augen verliert. Jürgen-Thomas Ernst legt eine spannende und berührende Geschichte voller Überraschungen und Wendungen vor, der man sich nicht entziehen kann. Meinung:"Vor hundert Jahren und einem Sommer" überraschte mich ganz plötzlich. Ich war auf eine dieser schnulzigen Liebesgeschichten eingestellt, musste aber schon im erstem Kapitel diese vorurteilhafte Einstellung ablegen. Nein, schnulzig ist die Geschichte auf keinen Fall. Sie ist wortgewaltig, poetisch, berührend, erschreckend und einfach schlicht schön. Annemie, mit ihrer teils kessen und vorlauten Art, fand ich sehr schön dargestellt vom Autor. Sie kann noch so oft hinfallen, aufgestanden ist sie jedes Mal. Auch der Ziehvater und Jonathan waren wunderbare Charaktere. Vor allem die Schilderungen der Natur und der unmittelbaren Umgebung haben mir sehr gut gefallen. Der Wortschatz ist wirklich ganz ausgezeichnet und spiegelt wieder, was die deutsche Sprache doch alles erreichen und ausdrücken kann. Es ist ein Buch, das man nicht in einem Rutsch lesen kann. Man muss sich Zeit nehmen, um es auszukosten. Langweilig ist es deshalb nie, im Gegenteil. Es ist ein Genießer-Buch. Ich finde es gut, dass das Cover auf die Kirschen im Winter anspielt, hätte mir zu dem Titel und Inhalt jedoch ein etwas andersartiges Coverbild gewünscht. Es erinnert mich leider etwas zu sehr an einem blutigen Krimi, was das Buch ja nun nicht ist. Das Buch bekommt von mir 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für diejenigen, die sich auf eine Reise durch das Leben und Lieben einfacher Personen begeben wollen, die vielleicht doch gar nicht so einfach und unspektakulär sind.

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