Jürgen Albers

 4.4 Sterne bei 33 Bewertungen
Autor von Crossroads und Erased.
Autorenbild von Jürgen Albers (©privat)

Lebenslauf von Jürgen Albers

"Macht irgendwas mit Personal" steht auf seinem Twitter-Account. Hat sich den größten Teil seines Berufslebens mit Personalthemen beschäftigt - als Personalleiter, als Dozent und als Autor. Seit einigen Jahren als Dozent und Berater selbständig; lebt mit Partnerin, Tochter und zwei Katzen im Hochsauerland; liest vielfältig, konzentriert sich beim Schreiben aber auf den klassischen Kriminalroman britischer Prägung. Weniger Blutlachen und Verfolgungsjagden und mehr Hintergrund und Suspense.

Alle Bücher von Jürgen Albers

Cover des Buches Crossroads9781545357613

Crossroads

 (24)
Erschienen am 05.06.2017
Cover des Buches Erased9783740761790

Erased

 (9)
Erschienen am 30.09.2019

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Rezension zu "Erased" von Jürgen Albers

Der Hass bewegt sich langsam, vorsichtig…
MikkaGvor 8 Monaten

Handlung:


In „Crossroads“, dem ersten Band der Reihe, verschlug es Inspektor Charles Norcott zur Besatzungszeit auf die britische Kanalinsel Guernsey und damit mitten hinein in eine Mordermittlung unter erschwerten Bedingungen.


In diesem Band, der im Jahr 1947 angesiedelt ist, will Norcott sich als Gastdozent an der Universität von Oxford zur Abwechslung einer Herausforderung der ruhigeren Art stellen. Es dauert jedoch nicht lange, bis er gebeten wird, Nachforschungen anzustellen, ob am Physikalischen Institut der Universität Sabotage betrieben wird – und falls ja, mit welchem Ziel.


Die Situation eskaliert schnell – Mord und die drohende Kompromittierung atomarer Geheimnisse sind eine brisante Mischung – und bringt Norcott in eine heikle Lage. Zum einen soll er so dezent wie möglich vorgehen, wodurch ihm nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen. Zum anderen fühlen sich lokale Ermittler wie Chief Constable „Wild Bill“ Leyroad durch seine plötzliche Übernahme angegriffen.


Spannungsbogen:


Die Geschichte beginnt in einem ruhigen, eher langsamen Takt, aber diese Ruhe ist trügerisch. Es dauert ein wenig, bis die Spannung wirklich anzieht, als Krimileser rechnet man indes schon damit: sobald es damit erstmal losgeht, gibt es kein Halten mehr. Geheime Forschungsprojekte, Spionage, eine Autobombe, Eifersucht und Mord… Soviel dazu, dass sich Norcott eigentlich erholen wollte.


Aber auch in den ruhigen Passagen fand ich das Buch keineswegs langweilig. In diesen lebt es von den Charakteren und den lebhaften Beschreibungen der Schauplätze.


Recherche und Schlüssigkeit:


Ich bin beleibe keine Expertin für die Nachkriegsgeschichte Großbritanniens, aber alles wirkt sorgfältig recherchiert und stimmig beschrieben, bis ins kleinste Detail. Dabei werden die historischen Begebenheiten so nahtlos in die Handlung verwoben, dass sie den Leser niemals aus dem Lesefluss holen, sondern das Lesevergnügen nur stimmiger machen.


Der Kriminalfall ist meines Erachtens gut konstruiert, mit mehr als einer unerwarteten Wendung. Zwar habe ich schon vor Norcott erraten, wer hinter den Morden stecken könnte, aber das tat der Spannung für mich keinen Abbruch – nur das Motiv fand ich etwas enttäuschend.


Charaktere:


Die Charaktere sind ein großer Teil dessen, was die Bücher rund um Inspektor Norcott für mich so lesenswert macht. Sie haben eine wunderbare Tiefe, werden lebendig und glaubhaft charakterisiert.


Und das gilt auch – und besonders! – für die großartigen Nebencharaktere. Mein Liebling war Hausmeister Kendrick, ein früherer Sergeant, der nicht nur alle Geheimgänge und versteckten Türen der Universitätsgebäude kennt, sondern über die „kleinen Leute der Universität“ (die Hausmeister, Sekretärinnen, Putzfrauen und andere Bedienstete) stets ein Ohr am Puls der Geschehnisse hat.


Den Bücherwurm werden besonders die Gastauftritte von Dorothy L. Sayers und C.S. Lewis freuen, sowie die Erwähnung der Inklings (ein Diskussionskreis, zu dem neben Sayers und Lewis unter anderen auch J.R.R. Tolkien gehörte).


Erwähnt sei auch, dass Jürgen Albers starke Frauenfiguren schreibt, was gerade im Kontext der Geschichte viel Sinn macht. Im Krieg mussten Frauen Übermenschliches leisten und in Abwesenheit der Männer Aufgaben übernehmen, die zu dieser Zeit noch als ‚Männerarbeit‘ galten. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Gleichberechtigung und das weibliche Selbstbild.


Schreibstil:


Ausdrucksstark, bildhaft, stimmungsvoll. Diese Wörter tauchen in meinen Notizen mehrfach auf, wenn es um den Schreibstil geht.


Der Autor hat ein feines Gespür für Details, die der Geschichte Leben einhauchen, ganz subtil und dennoch sehr wirkungsvoll. Man fühlt sich geradezu ins Jahr 1947 und an die verschiedenen Handlungsorte versetzt – und dabei als moderner Leser keineswegs fehl am Platz.


Nur manchmal war mir die Sprache ein klein wenig zu modern. Das riss mich dann für kurze Momente aus diesem Gefühl, mich auf einer kleinen Zeitreise zu befinden.


FAZIT


Inspektor Charles Norcott will sich als Gastdozent an der Universität von Oxford eigentlich erholen von der „Tretmühle im Yard“. Mit der erwünschten Ruhe ist es aber schnell vorbei, stattdessen muss er sich herumschlagen mit Mord, Spionage und der potentiellen Gefährdung atomarer Geheimnisse.


Auch dieser zweite Band der Reihe hat mir wieder sehr gut gefallen! Zwar baut sich die Spannung eher langsam auf, aber das passt zur Handlung – und das Buch macht das auch mit Atmosphäre, wunderbaren Charakteren und einem sehr interessanten Blick in die Nachkriegszeit wieder wett.


Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:

https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-juergen-albers-erased/

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Rezension zu "Erased" von Jürgen Albers

Gefährliches Oxfordshire
Ambermoonvor 9 Monaten

März 1947: Nach einem der härtesten Winter in der britischen Geschichte, bahnt sich endlich ein warmer Frühling an. Sehnsüchtig erwartet von einem Land, das immer noch vom Krieg gezeichnet ist. Superintendent Charles Norcott von New Scotland Yard hofft ebenfalls auf ein wenig Erholung vom Alltag: er wird als Dozent an die Universität Oxford ausgeliehen. Eigentlich soll Norcott dort Verwaltungsfachkräfte ausbilden, aber schon bald erreicht ihn ein zusätzlicher Auftrag. Im Physikalischen Institut der Universität reißt eine Serie von Zwischenfällen nicht ab. Will jemand die geheime Forschung sabotieren oder handelt es sich nur um eine Verkettung unglücklicher Umstände? Kaum hat der Superintendent die ersten vorsichtigen Ermittlungen angestellt, zerreißt eine Bombe die Stille der friedlichen Universitätsstadt...(Klappentext)

♜♜♜♜♜

"Auf den Fluren mischten sich aufgeregte Stimmen mit dem Getrappel fliehender Füße. Gerade als Maidstone und de Verconne vorsichtig die Köpfe hoben, begann die Luftschutzsirene auf dem Hauptgebäude des Instituts zu heulen. Der Krieg schien nach Oxford zurückgekehrt zu sein."
(S. 115)

Wir schreiben das Jahr 1947. Zwei Jahre sind seit dem Kriegsende vergangen und noch immer haben die Länder unter den Nachkriegswehen zu kämpfen. Dazu zählen nicht nur Rationierungen, sondern auch die Kriminalitätsrate hat stark zugenommen. Schmuggel, Diebstahl und Prostitution sind nur einige der wenigen Taten mit denen sich Superintendent Charles Norcott bei New Scotland Yard in London herumschlagen muss. Trotzdem ist er zufrieden, denn langsam scheint Ruhe in sein Leben einzukehren.
Vor einem dreiviertel Jahr hat er Vicky geheiratet und sie bewohnen ein großes Haus in einem Londoner Vorort. Der Frühling, welcher nach einem fürchterlichen Winter Einzug hält, lässt die Londoner zusätzlich aufatmen und bei Norcott steht nun auch eine berufliche Veränderung an.
Um polizeiliche Verwaltungskräfte in die britischen Besetzungsgebiete Deutschlands einsetzen zu können, soll sich Norcott für 4 Monate nach Oxfordshire begeben und diese an der ältesten Universität ausbilden. Immerhin ist er einer der wenigen, welcher zu Kriegszeiten mit deutschen Militärs und Ermittlern zusammengearbeitet hat und somit ebenfalls Einblick in das deutsche Verwaltungswesen erhielt. Es verspricht also ein ruhiger und interessanter Dozenten-Job zu werden.
Doch an der Universität Oxford scheint es zu brodeln und Norcott gelangt in eine wahre Schlangengrube. Vor allem im Physikalischen Institut, in dem eine äußerst geheime Forschung läuft, scheint es unter den Dozenten nicht ganz rund zu laufen und es häufen sich verdächtige Zwischenfälle. Kaum hat er begonnen zu ermitteln, geht eine Bombe hoch ... im wahrsten Sinne.
Nun ist der Spürhund in Charles Norcott erwacht und wir ermitteln mit ihm in der alten Universitätsstadt, um dem auf den Grund zu gehen, während der Täter erst so richtig in Fahrt zu kommen scheint.

Dies ist der 2. Band der Charles Norcott-Reihe, welcher jedoch ohne Probleme eigenständig gelesen werden kann.

Nachdem ich von "Crossroads" begeistert war, fieberte ich dem Erscheinen des 2. Bands dieser historischen Cosy-Crime-Reihe entgegen. Möglich, dass meine Erwartungen nach "Crossroads" und den Ankündigungen des Autors zu hoch waren, denn diesmal konnte mich der Autor mit seinem Werk leider nicht überzeugen und nun weiß ich überhaupt nicht wo ich mit meiner Kritik beginnen soll.

Es begann für mich nämlich bereits mit einem holprigen Einstieg. Nicht nur das dieser bereits ein Lektorat und Korrektorat (obwohl Letzteres angegeben) vermissen lässt, kam ich auch mit dem Schreibstil nicht ganz klar. Einmal zeitgenössisch und locker-flüssig, dann wieder fast lyrisch anmutende Passagen. Diese Passagen sind durchaus schön zu lesen und ließen manchmal mein Literaturherz höher schlagen, doch gerade diese wollten so gar nicht zum Rest passen und wirkten eher aufgesetzt und übertrieben.

"Bedächtig schlich sich eine dämmrige Stille statt ihrer in den alten Hörsaal zurück. Ehrwürdiger Staub legte sich gemächlich auf Tische und Sitzreihen."
(S. 62)

Hinzu kamen für mich wunderlich wirkende Sätze, viele überflüssige Kommata und äußerst bizarre Worttrennungen, was wiederum auf fehlendes Lektorat schließen lässt (dazu im Anschluß eine Anmerkung). Dies durchzieht die Story von Anfang bis Ende, einmal mehr und einmal weniger ausgeprägt und ließ mich eher durch die Story stolpern.
Die Story selbst ist nach dem 1. Drittel durchaus interessant zu lesen, doch ich vermisste die Spannung. Der Autor hat hier wirklich einige überraschende Wendungen eingebaut und es machte durchaus Spaß Norcott bei seinen, mehr oder weniger erfolgreichen, Ermittlungen zu begleiten. Was jedoch so manche Geschehnisse betrifft so lässt uns Albers außen vor. Diese bekommen Norcott und somit auch wir LeserInnen erst im Nachhinein erzählt, ergo, wenn alles schon passiert ist. Dies betrifft ebenso Gespräche, welche äußerst interessant gewesen wären mitzuerleben. Dies bedeutet, sobald es spannend wurde passierte ... nichts.

"Der verantwortliche Versuchslaborant, im verganenen Monat war das Mitch gewesen, zeichnete für alle Eintragungen verantwortlich."
(S. 56)

Auch von der Auflösung und vom Ende bin ich nicht ganz angetan. Abgesehen davon, dass ich die verdächtige Person schon relativ bald auf dem Schirm hatte und sich dieser Verdacht schließlich bestätigte, wurde alles ziemlich flott abgehandelt. Bezüglich Motiv bekommt man auch keine wirklich klare Ansage. Selbst Norcott vermutet und rätselt, aber am Ende ist es auch ihm egal. Hauptsache der Fall ist abgeschlossen. Klappe zu - Affe tot - Punkt. Dafür wurde noch ein ewig langer uninteressanter Epilog hinterher geschoben, doch viele Fragen und Begebenheiten blieben unbeantwortet und offen.

Last but not least das historische Setting der 40er Jahre. Vor allem auf dieses habe ich mich gefreut. In "Crossroads" schaffte es der Autor auf sehr atmosphärische Weise mich in die Zeit des 2. WK zu katapultieren. Hier habe ich genau diese Atmosphäre zumeist vermisst.
Man erkennt zwar wieviel Arbeit der Autor in die historische Recherche gesteckt hat und er lässt den Leser an so einigen historischen Eckdaten teilhaben. Das Einbinden historischer Persönlichkeiten fand ich großartig und ebenso informativ, doch ohne dem könnte dieser Cosy-Crime in jeder x-beliebigen Zeit spielen. Das liegt vor allem an all diesen emanzipierten und starken Frauenfiguren, welche anscheinend überhaupt nicht mit dem Patriarchat der damaligen Zeit zu kämpfen haben.
Dies führt leider zu einer gewissen fehlenden Authentizität und somit fehlt auch dieser historische Flair.

"Wie aus dem Nichts hatte er zwei Todesfälle und ein niedergebranntes Schloss am Hals. Mindestens zwei Todesfälle, korrigierte sich der Superintendent in Gedanken. Norcott seufzte leise."
(S. 208)

Im Anschluß gibt es noch einen Glossar und ein Verzeichnis zu historischen Personen und Bezeichungen, welche interessante Fakten und Informationen beinhalten. Für mich als Geschichts-Geek ein ganz besonders Schmankerl.

Anmerkung bezüglich Korrektorat nach Rücksprache mit dem Autor:
Der Autor hatte hierbei kein glückliches Händchen in Bezug auf die Korrektoratswahl, denn die Korrektorin hat hier für die bezahlte Arbeit absolut nichts geleistet. Vor allem bei SP-Autoren besteht die Gefahr in so ein Dilemma zu geraten. Jürgen Albers hatte das Pech an genau so ein Korrektorat zu geraten. Er hat daher entschieden das Buch vorerst vom Markt zu nehmen, um es zu überarbeiten.

Fazit:
Wie Ihr erkennen könnt ist meine Enttäuschung groß. Dies beruht vor allem darauf, da ich weiß, dass es der Autor besser kann. Dies hat er immerhin im ersten Band der Reihe "Crossroads" bewiesen.
Der Autor hat ein unglaublich erzählerisches Talent, welches auch durchaus zu erkennen ist, doch hier scheint er dieses nicht immer genutzt zu haben. Vor allem bezüglich eines einheitlichen Schreibstils und des Plots, welcher wahre Ermittlungen vermissen lässt, ist hier noch viel Luft nach oben. Wenn sich der Täter nicht selbst entlarvt hätte, würde Norcott wohl immer noch ermitteln und die Auflösung war für mich weder überraschend noch ausgefeilt. Da hätte ich mir wirklich mehr erwartet.
Doch Jürgen Albers steht noch am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere und daher bin ich mir sicher, dass er mit seinem Potenzial es irgendwann schaffen wird und wir durchaus noch von ihm hören/lesen werden.

© Pink Anemone

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Rezension zu "Erased" von Jürgen Albers

Nicht ganz so gut wie sein Vorgänger ...
Ascari0vor 10 Monaten

Gut eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen von seinem Debüt "Crossroads" legt Jürgen Albers mit “Erased” nun den Nachfolger vor. Zeitlich zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs angesiedelt, wechselt der Schauplatz nun von den Kanalinseln nach England, wo Norcott, in der Zwischenzeit zum Superintendent aufgestiegen, ein verhältnismäßig beschauliches Leben mit seiner Frau Vicky führt.

Meine Meinung:

Eines möchte ich zu Beginn gleich einmal klarstellen: “Erased” spielt zwar zeitlich nach “Crossroads”, erzählt aber eine gänzlich andere Geschichte. Verständlicherweise enthält das Buch Anspielungen auf den ersten Band, die Handlung ist aber gänzlich unabhängig davon. Wer “Crossroads” also nicht kennt, kann trotzdem problemlos zu “Erased” greifen.

Wie bereits bei “Crossroads” merkt man auch diesem Buch an, dass der Autor sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat. Ich bin zwar beileibe kein Experte für zeitgeschichtliche Details, aber die Namen einiger historischer Persönlichkeiten, die sehr geschickt in die Handlung eingeflochten wurden, haben selbst mir etwas gesagt. So lässt Albers Norcott in Oxford beispielsweise auf bekannte Schriftsteller wie C.S. Lewis oder Dorothy L. Sayers treffen und mit ihnen über Bücher sprechen.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Atmosphäre in Oxford, hier spürt man beim Lesen richtig die Erhabenheit des Ortes, den die lange Geschichte der Universitätsstadt mit sich bringt. Das macht richtig Lust darauf, die Stadt zu besuchen und sich ein bisschen treiben zu lassen, den Flair dieses Ortes kennenzulernen …

Positiv hervorheben möchte ich auch das Nachwort bzw. das Glossar am Ende des Buches, in dem der Autor darauf eingeht, was Fakten und Fiktion sind, und einige der historischen Persönlicheiten kurz vorstellt. Das findet man eigentlich eher selten in historischen Romanen – und darf für meinen Geschmack auch gerne noch ein bisschen ausführlicher stattfinden, da ich gerne den historischen Eckdaten einer Geschichte nachrecherchiere.

Leider bringt “Erased” aber auch einiges mit, was mir nicht so gut gefallen hat. Vielleicht bin ich hier in den Augen mancher Leute etwas pingelig, aber ich konnte nicht erkennen, was und wie das eingangs im Buch erwähnte Korrektorat gearbeitet hat.

Die Groß/Kleinschreibung, die sehr großzügige Kommasetzung, die diversen Flüchtigkeitsfehler und vor allem die zeitweise unfreiwillig spaßige Silbentrennung (auszug-leichen statt auszu-gleichen beispielsweise) ließen mich beim Lesen gleich mehrmals innehalten und aus dem Lesefluss kommen. Ganz ehrlich: Hier sollte ziemlich bald noch einmal nachgebessert werden, denn wenn einem diese Fehler schon ab der ersten Seite begegnen, wirft das kein gutes Licht auf das Buch.

Womit ich dieses Mal ebenfalls meine Probleme hatte, war der Schreibstil. Denn ich hatte mehr als einmal den Eindruck, dass der Autor sich beim Schreiben nicht entscheiden konnte, ob er nun lieber der Zeit entsprechend mit heute veralteten Wörtern und Ausdrücken arbeiten oder eine moderne Sprache verwenden wollte. So bin ich immer wieder hängengeblieben, wenn mir zwischen den großteils sehr locker und flüssig geschriebenen Zeilen auf einmal Absätze entgegensprangen, die eher alten, poetisch angehauchten Werken entnommen worden sein könnten.

Bei einigen Szenen hätte ich mir außerdem etwas mehr Dramatik gewünscht. Vieles wurde einfach nur indirekt erzählt oder in einigen kurzen Sätzen abgehandelt, obwohl es genau diese Dinge gewesen wären, die dieser als Cosy Crime einzustufenden Geschichte noch etwas mehr Pfeffer verliehen hätten. Die beispielsweise im Klappentext als Spannungselement erwähnte Bombe verpufft nach ihrem Knall bereits leider nach wenigen Zeilen – und die Geschichte geht mit derselben Ruhe weiter wie bisher.

Aus diesen Gründen bleibt für mich am Ende ein etwas durchwachsener Eindruck dieses Buches und das schale Gefühl, dass diese Geschichte ihr durchaus vorhandenes Potenzial nicht ausreichend genutzt hat. Was ich zugegebenermaßen sehr, sehr schade finde, weil ich mich wirklich auf diese Geschichte gefreut habe.

Mein Fazit:

Es schmerzt mich wirklich, es zu sagen, aber “Erased” bleibt im Vergleich zu “Crossroads” hinter seinem Vorgänger zurück. Einiges in der Geschichte wirkte auf mich nicht ausgereift, obwohl das Buch alles hat, was es für gute Unterhaltung in dem speziellen Genre braucht.

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Jürgen Albers wurde am 07. Juni 1962 in Trier (Deutschland) geboren.

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