Jürgen Becker Die folgenden Seiten

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Inhaltsangabe zu „Die folgenden Seiten“ von Jürgen Becker

Der Erzähler hat Sorgen, daß er nicht ausreichend beschäftigt wird. Der Fernsehmoderator beschließt, Reiseschriftsteller zu werden, ohne daß er das Haus verläßt. Eine Wohnung wird leergeräumt, aber richtig leer wird sie offenbar nie. Namen tauchen wieder auf, die doch alle vergessen schienen. Hanna zum Beispiel, aber ist das so sicher? Die Gäste scheint der Zeitgeist eingeladen zu haben, jedenfalls hört sich ihre Konversation so an. Minimale Geschichten: für immer nur eine Seite in einem Journal, das lange leergeblieben ist, leer wie all die anderen Exemplare in der Bibliothek noch nicht geschriebener Bücher. Weil die zweihundert Seiten des Journals bereits mit Seitenzahlen bedruckt sind, hat es, meint der Verfasser, auch schon ein Konzept – ein freilich ironisch verstandenes, indem es zum Spiel gehört, das der Verfasser mit seinen Figuren und Fiktionen anstellt. Die Spuren, die Jürgen Becker mit seinem Schreiben freilegt, führen in vergangene, scheinbar verjährte Jahrzehnte, die noch so nah erscheinen wie der eben gewesene Augenblick. Die Erinnerung aber trifft auf Verschwundenes; sie vergegenwärtigt Erfahrungen, die von Leiterwagen, selbstgedrehten Zigaretten, häuslicher Schuhmacherei, von einer alten Scheune und der letzten Kohlenlieferung sprechen, beiläufig, als wäre immer nur Alltag. Auch davon erzählen Die folgenden Seiten, von gewöhnlichen, von unwirklichen Tagesläufen, in die wir zeitlebens verwickelt sind.

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  • Rezension zu "Die folgenden Seiten" von Jürgen Becker

    Die folgenden Seiten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    03. March 2009 um 16:13

    „Die folgenden Seiten“ 1 „[Die Seiten] sind mit Ziffern versehen, mit schmalen, wie von einem Stempel, Blatt um Blatt, aufgedruckten Ziffern. Die Ziffern sind blau und sagen, das Buch hat zweihundert Seiten. Dies ist die Seite eins.“ Die Rezension hat 5 Seiten. Dies ist die Seite 1. 2 Jürgen Becker ist kein Autor, der die Autobahn der Erzählmuster befährt. Er bevorzugt Nebenstraßen und Umleitungen, so auch in seinem 2006 erschienen Werk „Die folgenden Seiten. Journalgeschichten“. Ohne thematischen Zusammenhang bestehen die einzelnen Seiten des Journals aus lose aneinander gereihten Assoziationen, Fragment bleibenden Geschichten, Lebensweisheiten, so genannten Warteschleifen mit Sätzen, die der Verwendung in anderen Geschichten harren, Dialogen, konjunktivischen Erörterungen, indikativischen Beschreibungen. Der Verfasser öffnet mit jeder neuen Seite eine Türe ohne zu wissen was sich hinter ihr verbirgt. „Erst immer die nächste Seite weiß mehr.“ Doch zufällig steht in diesem Gefüge kein einziger Satz. Es gibt einige thematische Stränge: eine ausgeräumte Wohnung Hanna, über deren Verbleib der Verfasser gerne mehr herausfinden würde sowie die Gäste des Verfassers, die einer oberflächlichen Unterhaltung frönen. Diese Stränge bilden sich durch Wiederaufnahme. 3 Der Verfasser stellt Realität dar, bewahrt aber den Fiktionscharakter. Es werden – wie im Untertitel angekündigt – Geschichten erzählt. Geschichten aus der Realität, Alltägliches, Erinnerungen, Dialoge... Verdeutlichend zeichnet der Verfasser das Bild eines Malers, der ein realistisches Bild mit realistischen Personen schafft. Zur Erfassung dieser Realität bedient sich der Verfasser einiger Alter Egos: dem Erzähler dem Kommentator sowie diversen Nebencharakteren. Der Erzähler, der manchmal erzählen will, aber nicht kann, weil er gerade von Wespen bedrängt wird, manchmal aber auch nicht erzählen will, da ihn herumschwirrende Sprechgeräusche stören. Er ist nicht immer da, wenn er es sein sollte, manchmal aber auch überall, dann verfügt er wie ein Puppenspieler über mehrere Charaktere zugleich. Der Verfasser selbst, der Kritik an der Komplexität der Erzählweise des Erzählers übt. Der Kommentator, der keine Worte ob dieser Komplexität findet. 4 Thematisch bleibt der Autor immer der Darstellung des Alltäglichen verhaftet. Großen Raum nehmen die Erinnerungen ein. Ausgehend von einer Wahrnehmung – der Proustschen „Madeleine“ – erfährt der Erzähler eine Erinnerung. Viele dieser Erinnerungen behandeln den 2. Weltkrieg, auch die Teilung Deutschlands findet Erwähnung. Die Vergangenheit nimmt einen größeren sowie – obgleich der Kriegsgeschehnisse – sonnigeren Platz ein als die Gegenwart. Nicht nur das Erinnern wird thematisiert, auch sein Gegenteil, das Vergessen und das Verdrängen. Doch geht es hier nicht um eine mögliche Verschönerung schmerzhafter Erinnerungen. Die Erinnerungen sollen keine Veränderungen erfahren, weder positive noch negative. Eine chronologische Reihenfolge haben diese Erinnerungen nicht. Assoziation reiht sich an Assoziation. Auch der Erzähler schweift hin und wieder ab, kann sich nicht auf die Geschichte konzentrieren. Ihm ist es wichtig auch den nebensächlichen Gegebenheiten Aufmerksamkeit zu schenken, da er zum Zeitpunkt des Erzählens noch nicht vorhersagen kann ob vielleicht gerade diese Nebensächlichkeiten später ausgeweitet werden sollen. 5 Jürgen Becker, Meister der kleinen Form, zeigt auch in seinem neuen Werk wieder in Perfektion wie auch aus literarischen Momentaufnahmen und kleinsten Wahrnehmungen ein ansprechendes Buch entstehen kann. Leise Töne anschlagend, spinnt er ein Netz aus zarten Geschichten. Zwischen den einzelnen Journalgeschichten immer wieder inne haltend, versinkt der Leser in eigenen Erinnerungen.

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