Jürgen Behrens

Neue Rezensionen zu Jürgen Behrens

Cover des Buches Black Dahlia - Die schwarze Dahlie (ISBN: 9783548266756)M

Rezension zu "Black Dahlia - Die schwarze Dahlie" von James Ellroy

Los Angeles mal anders
mondyvor 6 Jahren

Inhalt
Los Angeles, 1947: Auf einem verlassenen Grundstück wird die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Kurze Zeit später steht fest: Es handelt sich um die 22-jährige Elizabeth Short, auch bekannt als die "Schwarze Dahlie", eine junge Frau, die ihr Glück in der Filmstadt suchte, aber nie fand. Sergeant Lee Blanchard und Officer Bucky Bleichert, zwei ehemalige Boxer und seit Kurzem Partner, machen sich auf die Suche nach dem Mörder und versinken immer tiefer in einen Sumpf aus Lügen, Gewalt und Sex. Bis Lee eines Tages spurlos verschwindet ...

Meine Meinung
Je länger ich über dieses Buch nachdenke, desto besser gefällt es mir. Ellroy zeigt seinen Lesern die große Stars- und Sternchenstadt Los Angeles von ihrer dunkelsten, dreckigsten Seite und erschafft dabei eine Atmosphäre, die einen gespannt die Sessellehne umklammern lässt. 

Die Handlung ist ziemlich komplex. Obwohl es schon primär um den Short-Fall geht, hatte ich doch den Eindruck, dass der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Cop Bucky Bleichert ist. Der Kriminalfall beginnt erst nach ca. 100 Seiten, vorher werden die ersten Begegnungen zwischen Bleichert, Blanchard und Kay (Blanchards Freundin) intensiv beleuchtet. Zunächst hat mich das etwas irritiert, da ich mit einem Einstieg à la "Hier liegt eine Leiche, los gehts!" gerechnet hatte. So darf man sich aber zuerst mit den Hauptcharakteren vertraut machen, lernt noch etwas über die Geschichte Los Angeles' (Zoot Suit Riots) und erlebt einen spektakulären Boxkampf mit, bevor es ans Eingemachte geht. Während des Lesens empfand ich diesen Einstieg als etwas zu lang und ausschweifend, im Nachhinein und mit dem Wissen über die ganze Geschichte habe ich die ersten Seiten aber nochmal gelesen und dann besser verstanden.

Das lag wahrscheinlich vor allem daran, dass ich endlich die ganzen Namen einordnen konnte. Man wird nämlich das ganze Buch über mit Namen überhäuft, die man erstmal einordnen, sortieren und im Kopf behalten muss. Außerdem gibt es jede Menge Nebenschauplätze und -handlungen, die man allerdings stets im Auge behalten sollte, da sie meistens doch nicht so "neben" sind wie vielleicht zunächst gedacht. Ein schnelles Überfliegen mancher Textstellen ist bei diesem Buch auf jeden Fall nicht möglich, sonst verpasst man gerne mal wichtige Ereignisse oder Aussagen, die später noch relevant sind. Obwohl ich das manchmal anstrengend fand, hat es mich doch fasziniert, mit welcher Detailgenauigkeit der Autor diesen Roman durchdacht hat. Ich denke auch, dass mir das Buch deshalb noch nachhängt, gerade weil ich es so intensiv lesen musste. 

Was die Brutalität und die Wortwahl anbelangt, darf man wahrlich nicht zimperlich sein. Nach außen hin gibt es nur unnachgiebige Kerle, die sich durch hartes Anpacken und Gewaltanwendung, auch und gerade Verdächtigen gegenüber, einen Namen machen wollen. Spritzendes Blut ist also an der Tagesordnung und Ellroy geizt nicht mit expliziten Beschreibungen. Über eine Folterszene habe ich eher nachlässig hinweggelesen, weil ich sie nur schwer ertragen konnte (übrigens ein Fehler, natürlich ist diese Stelle wichtig!). Auch die Wortwahl und der Umgang mit Frauen dürften nicht nach jedermanns Geschmack sein, allerdings sollte man auch bedenken, dass man sich in den 1940er / 50er Jahren befindet und nicht im Jahr 2016. Spannend fand ich, dass Ellroy nicht nur die harten Kerle zeigt, sondern auch die Verletzlichkeit dahinter. Es wird schnell klar, dass viele der Männer nicht so abgebrüht sind, wie sie nach außen hin erscheinen. Bei Bleichert und Blanchard bekommt man das unmittelbar mit, aber auch bei Nebencharakteren weißen Andeutungen in diese Richtung. 

Meiner Meinung nach ist die Charakterzeichnung meisterlich. Da die Handlung aus der Ich-Perspektive erzählt wird, bekommt man natürlich von Bucky Bleichert am meisten mit. Er ist für mich ein durch und durch glaubwürdiger Charakter, getrieben von seiner Vergangenheit und seinen Obsessionen, immer wieder an sich zweifelnd und, obwohl eigentlich intelligent, teilweise blind für die Fehler und Hinterlist anderer Menschen. Dass auch alle anderen Charaktere ihre Licht- und Schattenseiten haben, macht die ganze Geschichte noch glaubwürdiger. Und obwohl sie tot ist, nimmt gerade die Darstellung von Elizabeth Short einen besonderen Platz ein, denn ihre Geschichte und ihre Handlungen beeinflussen alles andere.

Das Buch basiert übrigens auf einem realen Kriminalfall, der bis heute nicht aufgeklärt wurde. Ob der Autor sich für einen anderen Weg entschieden hat, verrate ich natürlich nicht, denn auch die Möglichkeit, dass es am Ende keine Lösung gibt, macht meiner Meinung nach einen gewissen Reiz aus.

Insgesamt bin ich von diesem Buch sehr angetan. Auch wenn mir der Einstieg schwer fiel und ich mir zwischendurch ein paar Verschnaufpausen gewünscht hätte, kann ich dieses Buch doch nur empfehlen. Ja, es ist brutal. Ja, es ist explizit. Und ja, es ist schonungslos. Aber es ist auch fesselnd, emotional berührend und einfach unglaublich spannend.  

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Cover des Buches Black Dahlia - Die schwarze Dahlie (ISBN: 9783548266756)

Rezension zu "Black Dahlia - Die schwarze Dahlie" von James Ellroy

Rezension zu "Black Dahlia - Die schwarze Dahlie" von James Ellroy
Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren

Aus eine wahre Geschichte. Und bis heute nicht geklärt!!!!!!!!
Klasse Autor

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Cover des Buches Am Rand der Welt (ISBN: 9783895811906)B

Rezension zu "Am Rand der Welt" von Ross Thomas

Rezension zu "Am Rand der Welt" von Ross Thomas
BertieWoostervor 11 Jahren

Booth Stallings, ein sechzigjähriger Terrorismusexperte, wird zu Beginn des Jahres 1986 von seinem Arbeitgeber aus dubiosen Gründen entlassen, aber kurz darauf von dem ebenso dubiosen Dichter Crites für einen heiklen Auftrag angeheuert. Er soll fünf Mio. $ an einen philippinischen Extremisten Espiritu übergeben, damit dieser sozusagen in den Ruhestand wechselt. Denn Stallings hat im 2. Weltkrieg zusammen mit Espiritu gegen die japanischen Besetzer im Untergrund gekämpft. Man kennt sich also.
Natürlich ist Stallings klar, dass an diesem Auftrag etwas faul ist. Schnell ist der Plan gefasst, diese fünf Mio. $ abzustauben. Dazu braucht er aber Hilfe. Über seinen Schwiegersohn und Wirtschaftsverbrecheranwalt, kommt er in Kontakt zu dem zwielichtigen „Housesitter“ Maurice „Otherguy“ Overby. Der soll ihm wiederum die Verbindung zu den Experten für schwierige Fälle Artie Wu und Quincy Durant bringen. Wie der Zufall es so will, sind diese gerade auf den Philippinen tätig und zur Zeit abgebrannt. Denn ihr Versuch in der Versicherungsbetrugsbranche Geld zu verdienen, ist durch die Ermordung ihres Kontaktmannes gescheitert.
Die Philippinen befinden sich derzeit in einem etwas chaotischen Zustand. Der Diktator Ferdinand Marcos musste auf Grund des Drucks der Bevölkerung seine sieben Sachen und so nebenbei auch ein paar Milliarden $ und seine Frau Imelda ein paar ihrer Schuhe packen und ins Exil gehen. Das kommt einen zur Zeit doch bekannt vor. Fraglich ist es, ob es die Regierung von Frau Aquino schaffen wird, die Demokratie zu erhalten, oder wird es zu einem Putsch der Militärs kommen. Was machen die Untergrundkämpfer oder wird sogar Marcos zurückkommen.
Die Möglichkeit die fünf Millionen abzusahnen kommt Artie und Quincy gerade recht. So ist auch schnell ein Plan geschmiedet. Die ganze Sache kompliziert sich jedoch, als eine Freundin von Quincy ermordet wird, sich die philippinische Polizei einmischt und auch der amerikanische Secret Service auftritt. Außerdem bekommt Booth Stallings noch eine Aufpasserin in Form der Ex-Agentin Georgia Blue. Aber wer wird bei fünf Millionen nicht schwach. So beginnt ein Katz und Maus Spiel. Wer will wen betrügen, was ist geplant, was Zufall? Auch wenn Artie und Quincy stets cool und abgebrüht wirken, es läuft nicht alles nach Plan. Denn es gibt auch einige unbekannte Variablen. Wer sind die Auftraggeber und was haben die tatsächlich vor, was will der Terrorist Espiritu und welche Rolle spielt der amerikanische Geheimdienst?
Ein Krimi mit historischem Hintergrund, der aber gerade jetzt wieder sehr aktuell erscheint. Denn er beleuchtet auch die historischen Hintergründe und politischen Seiten eines Umsturzes. Er bezieht nicht so sehr seine Spannung aus einem dramatischen Handlungsablauf. Vielmehr ist es spannend zu sehen, wer sein eigenes Süppchen kocht und wer wessen Pläne durchkreuzt. Es mutet fasst wie ein Schachspiel an, in dem mit Finten und Fallen gespielt wird. Insgesamt ein sehr abwechslungsreicher spannender Krimi, mit einem interessanten Nachwort.

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