Die Fortsetzung von Teil 1, das Ziel erreicht und doch nicht im Schlaraffenland.
Inhalt: Jürgen Brand kämpft auch in diesem Band um seine Ausweisung aus der DDR. Der Ausreiseantrag bringt ihm nichts weiter, als dass ihn die Stasi auf dem Kicker hat, wodurch er wieder einmal in Haft wandert. – In diesem Fall landet er in einem Lager im Harz, wo er aber seine alt bekannte Nummer durchzieht und die Arbeit verweigert. Irgendwann wissen die mit ihm nicht mehr weiter und er kommt wieder nach Torgau. – Auch hier dasselbe Spiel. Arbeits- und Autoritätsverweigerung, viel Einzelhaft und Folterungen Ala DDR-Knast.
Wieder wird er in die DDR zurück entlassen, dabei wollte er doch in den Westen. Allerdings bekommt er nach einer Zeit endlich seine Ausreise genehmigt. Die Behörden erkennen ihm seine Staatsbürgerschaft ab und er darf offiziell mit dem Zug in den Westen ausreisen, wo er sich ein neues Leben aufbaut.
Im Westen angekommen, fliegen ihm die gebratenen Tauben auch nicht gerade in den Mund, aber er hält durch, er kämpft und kann sich ein Leben aufbauen. – Nach der Wende kämpft er wieder mit den Behörden um Gelder, die ihm zustehen und die er in jedem Fall haben will. Die Haft hat Spätfolgen bei ihm hinterlassen.
Fazit: Ein kleinformatiges, dünnes Büchlein mit lediglich einem Stück Gefängnismauer und dem vergitterten Fenster. – Ob das jetzt wirklich von Torgau ist, oder ein x-beliebiges Stück Gefängnismauer, kann ich nicht sagen. In jedem Fall macht es klar, worum es geht.
Die Handlung setzt genau da an, wo Teil 1 aufgehört hat. Es ist also unbedingt erforderlich, den ersten Teil wirklich vorher zu lesen. Ansonsten bekommt man hier eine scheinbar völligzusammenhanglose autobiographische Story erzählt, die dann, meiner Meinung nach, ihren kompletten Sinn verliert.
Die Erlebnisse, welche hier geschildert wurden, haben auf jeden Fall eins klar gemacht. Der Gefängnisalltag in der DDR war auf jeden Fall kein Zuckerschlecken und das Fußfassen in der BRD auch alles andere als einfach. – Was so im Knast abging und die dementsprechenden Gedankengänge waren irgendwie nicht anders, als im ersten Teil, aber in der BRD wurde es ihm dann auch alles andere als leicht gemacht. Schon damals haben die „Wessis“ nicht auf die „Ossis“ gewartet und sie waren nichts weiter als Schmarotzer, die sich im goldenen Westen ausruhen wollen. – Allerdings konnte man das von Herrn Brand nicht behaupten. Und gerade am Anfang konnte man wirklich von einem Durchschlagen reden, als er noch nicht wusste, wo der Hase langläuft.
Was die Spekulationen angeht, die mit der Vergiftung zu tun hatten, die er mal erlitten hat, sind nur Spekulationen. - Fakt ist aber mal, dass es durchaus möglich gewesen wäre, wenn die Stasi ihn wirklich hätte vergiften wollen. Da gab es in jedem Fall mehr als nur einen solcher Angelegenheiten.
Zum Schluss hin, war ich dann schon ein wenig angekotzt von Herrn Brand und seinen Forderungen. Ich hatte den Eindruck, dass er den Streit mit den Behörden sprichwörtlich gesucht hatte. Aber in jedem Fall bin ich der Meinung, dass es ihm nur wieder ums Geld ging. Entschädigung hier, Stütze da. Und dieses steht ihm zu und jedes steht ihm zu. – Meine Güte, es bekommt nun mal nicht jeder wirklich alles was ihm zusteht.
Herr Brand beschreibt alles mit einfachen, aber eingängigen Worten. Seine Gedanken zur Politik und seiner Situation sind dabei so einsilbig wie verständlich. – In der DDR konnte man selten von einem freien Willen und freier Berufswahl reden. Aber ob man das jetzt so in dieser Ausführlichkeit gebraucht hätte, ist für mich noch fraglich.
Das Buch selber ist klein und leicht, gut und stabil geklebt, jedoch nicht so bocksteif, dass man es kaum auf bekommen würde. Es lag die ganze Zeit gut in der Hand. Ein weiterer Vorteil ist die augenfreundliche Seitenaufteilung. Dauerlesen war kein Problem und ich habe die paar Seiten auch so gut wie in einem Rutsch durch gehabt.
Vom Inhalt her, habe ich bekommen, was ich erwartet hatte. Lediglich die Ausreis in die BRD war offen, wo ich nicht wusste, ob und wie er es schafft. – Fakt ist, er hat es geschafft und er hat sich dann, allen Widerständen zum Trotz, ein Leben und eine Existenz aufgebaut. – Ein bisschen zum Schmunzeln fand ich die Tatsache, dass er trotz allem immer noch die „Eingaben“ geschrieben hat. War er in einer Sackgasse, hat er außgerechnet die Bildzeitung kontaktiert. Irgendwie hat das für mich die Ernsthaftigkeit ein wenig herausgenommen.
Eine spannende Fortsetzung und ein wirklich eigenartiges Finale. Mit seinen letzten Sätzen hat er irgendwie ein ganz anderes Gesicht gezeigt, als im Rest der Bücher.
Trotzdem, es ist ein Schicksal, ein hartes Schicksal und es ist unheimlich mutig das so zu erzählen. – Leseempfehlung!




