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Rezension zu "Ulrich Richental: Chronik des Konzils zu Konstanz" von Jürgen Klöckler

"Fenster zu einer fernen Welt"
ChiefCvor 5 Jahren

Das heute so beschauliche Konstanz stand mit dem Konzil von 1414 bis 1418 im Fokus der europäischen Geschichte: Bis heute ist Konstanz die einzige deutsche Stadt, in der jemals ein Papst gewählt wurde (Martin V). Allerdings verbrannte man hier auch den Reformator Jan Hus, bis heute hoch verehrter Volksheld der Tschechen, auf dem Scheiterhaufen. Diese denkwürdigen Ereignisse, die der zeitgenössische Chronist Ulrich von Richental festgehalten hat,  jähren sich ab 2014 zum 600. Mal. Seit Jahren bereitet sich die Stadt auf das große Jubiläum vor, zu dessen Anlass nun zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder eine Faksimile-Ausgabe der Richental-Chronik erschienen ist – ihre Vorgängerin hatte bereits 1964 der damalige Konstanzer Stadtarchivar Otto Feger herausgegeben. Exemplare davon sind nur noch antiquarisch und zu sehr hohen Preisen, ab mehreren Hundert Euro, zu bekommen.

Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass nun im Theiss-Verlag eine in Halbleinen gebundene, erschwingliche Faksimile-Ausgabe erhältlich ist. Als Vorlage diente die Konstanzer Abschrift der Chronik, eine von 16 erhaltenen, von denen wiederum nur sieben bebildert sind, darunter die Konstanzer.

Die „Konstanzer Chronik“ bietet mit ihren prächtigen Illustrationen in der Tat „ein Fenster zu einer fernen Welt, die ganz nahe rückt“, wie es Tobias Engelsing formuliert, der Leiter des Konstanzer Rosgartenmuseum, das den um 1460 angefertigten Kodex verwahrt.

Auch dessen gedrucktes Faksimile ist ein Prachtband geworden. Ihm liegt eine 16-seitige Broschüre bei, in der der heutige Konstanzer Stadtarchivar Jürgen Klöckler die wichtigsten Informationen zu der Handschrift prägnant zusammengefasst hat.

Der Untertitel „Eine kommentierte Überlieferungsgeschichte“ scheint angesichts der doch recht dünnen Beilage etwas zu hoch gegriffen – von einer Transkribierung der Chronik oder gar deren Übersetzung ins Neuhochdeutsche ganz zu schweigen. Wer mehr über den Inhalt wissen will, greift wohl am besten zusätzlich zur 2010 erschienenen „kritischen Leseausgabe“ „Chronik des Konstanzer Konzils 1414-bis1418 von Ulrich Richental“, herausgegeben von Thomas Martin Buck. Tja, und dann bräuchte man vielleicht noch ein Buch über die Geschichte der Stadt und ihr Konzil, wie’s die Wissenschaftliche Buchgesellschaft im Paket und im Einheitspreis mit der Chronik anbietet – allerdings nur ihren Mitgliedern.

Fazit: Die Begleitbroschüre, die aber immerhin sehr gute weiterführende Literaturangaben macht, hätte ruhig etwas üppiger ausfallen können. Das Faksimile ist jedoch so schön und nach so langer Zeit seit Fegers Ausgabe von 1964 derart überfällig und willkommen, dass der Preis allemal gerechtfertig ist. Aber Achtung: Der Subskriptionspreis von 79,95 Euro gilt nur bis zum 31.12.2013. Danach kostet das Buch 99,95 Euro.

Wer sich für die Hintergründe des Faksimiles interessiert, dem sei noch ein Video ans Herz gelegt, das sich unter folgendem Link findet: http://www.konstanzer-konzil.de/web/index.php/de/augenblick/aktuelles-archiv/62-augenblick/aktuelles/2013/490-digitalisierung-film

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