Jürgen Matthäus

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Alfred Rosenberg

Alfred Rosenberg

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Erschienen am 27.06.2018
Ausbildungsziel Judenmord?

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Erschienen am 01.03.2003

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Rezension zu "Alfred Rosenberg" von Jürgen Matthäus

Hervorragend aufgearbeitet und kommentiert
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Hervorragend aufgearbeitet und kommentiert

Die Tagebücher des „Chefideologen“ der NSDAP, der selbst eine wechselhafte, immer aber wichtige Rolle im Regime spielte (Als Ideologe zunächst, ganz praktisch als „Kunsträuber“ dann in den Jahren des Weltkrieges), sind ein wichtiges Zeitdokument, gerade weil sie in das Innere des Denkens nicht nur des einzelnen Mannes Rosenberg, sondern auch der gesamten nationalsozialistischen Ideologie führen. Und weil Rosenbergs führende Rolle als Denker und Handlanger des NS-Regimes über lange Nachkriegsjahre hinweg deutlich unterschätzt wurde.

Dass solche Dokumente eines Kommentars bedürfen, versteht sich in der kritischen Auseinandersetzung einerseits und angesichts der Zerstörungswelle jener „Ideologie“ und des Holocaust andererseits von selbst.

Die beiden Holocaust Wissenschaftler Bajohr und Matthäus gehen dieser Aufgabe im Herangehen an die erst vor kurzem entdeckten Tagbücher sehr sorgfältig und mit großer Ruhe nach. Zunächst durch ihre ausführliche Einleitung. Diese enthält eine „biographische Skizze Rosenbergs“, erläutert die „Geschichte der Dokumente“ selbst und setzt sodann die „Kernthemen“ Rosenbergs differenziert beschreibend vor die Augen des Lesers.

Seine individuelle Stellung zum und im NS-System und seine (fanatische) Haltung zur „Judenfrage“, der Übergang zum systematischen Genozid im Zuge des Krieges gegen Russland und das „Mitdenken“ der „Endlösung“.

Erst nach diesen grundlegenden Darlegungen folgt der Text der Tagebuchnotizen, versehen mit vielfachen Erläuterungen, Hinweisen, Querverweisen und Quellenangaben in den ausführlichen Fußnoten.

In den, das Werk abschließenden, „ergänzenden Dokumenten“ legen die Herausgeber aus „Die Spur des Juden im Wandel der Zeiten“, „Betr. Durchführung eines antibolschewistischen Weltkongresses“, „Müssen weltanschauliche Kämpfe staatliche Feindschaften ergeben“, „Juden auf Madagasgar“, „Betr.: Eröffnung des Instituts zur Erforschung der Judenfrage“ und anderer Auszüge aus Briefen, Reden, Einlassungen und Werken Rosenbergs einen ergänzenden Hintergrund zur „Denkweise“ Rosenbergs, welche die privaten Tagebuchnotizen und dort ständig mitschwingenden Gedanken in ihrer teils öffentlichen Darlegung aufzeigen.

Dem Leser ist es so sehr gut möglich, die Linie der privaten Notizen der Tagebücher mit der „öffentlichen Haltung“ und den dann „fein-formulierten“ öffentlichen Aussagen abzugleichen und zugleich über die Jahre hinweg zu sehen, dass hier beileibe keine verblendete „Randgestalt“ ihre Wirkung entfaltete, sondern ein fanatischer Rassist auf allen Ebenen seinen (durchaus in der Führungsriege des NS-Regimes geschätzten) Beitrag zu diesem Verbrechen gegen alle Menschlichkeit bis zum letzten Tag liefert (und auch während des Nürnberger Prozesses nicht von seinen Grundüberzeugungen abwich).

Auch wenn er im Prozess selbst versuchte, sich von Hitler zu distanzieren (als reine Prozesstaktik), zeigen gerade die Tagebücher immer wieder eine sklavische Ergebenheit und eine umfassende Fixierung auf Hitler auf, die ebenso wie sein antisemitisches Denken wohl bis zu seiner Hinrichtung als ungebrochen anzusehen sind.

Ein Haltung, die kompromisslos durch fast jeder Eintragung im Tagebuch durchscheint.

„So wie die Dinge liegen, bereiten die Kirchen die moralische Zersetzung vor. Mit Verboten ist dem nicht zu entgegnen. Meine Aufgabe erscheint dabei immer dringlicher“.
Die Aufgabe der Vernichtung all dessen, was als „Gegnerschaft“ zum Regime gedeutet werden könnte.

„Klare Verhältnisse schaffen“. In der Hierarchie und „im Osten“, dies sieht Rosenberg als seinen unabänderlichen Auftrag.

Ein durch die Herausgeber hervorragend aufgearbeitetes Zeitdokument, dessen uneingeschränkt zu empfehlen ist und einen tiefen Blick in die innere Struktur, die alltägliche „Nicht-Regierung“ in späteren Kriegsjahren, aber die kleinbürgerliche Engstirnigkeit (nicht nur) Rosenbergs bestens vermittelt, sowie die Rolle Rosenbergs differenziert aufgezeigt wird.

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