Marx. Der Unvollendete

von Jürgen Neffe 
4,7 Sterne bei7 Bewertungen
Marx. Der Unvollendete
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wandablues avatar

Gute Sprache. Doch der Autor zitiert zuviel. Hätte man kürzen können.

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Unglaubliche Symbiose aus Biographie und Erklärung der marx'schen Theorien und Philosophie. Wirkungsstark und empfehlenswert!

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Inhaltsangabe zu "Marx. Der Unvollendete"

Ein einzigartiger Blick in das Leben und Denken von Karl Marx

Karl Marx, revolutionärer Querkopf und Vordenker des 19. Jahrhunderts, feiert ein bemerkenswertes Comeback. Jürgen Neffe erkundet das Leben und Werk eines Flüchtlings und geduldeten Staatenlosen, den weder Krankheit, noch Armut oder Ehekrisen davon abhielten, an seinem Werk zu arbeiten. Mit seiner Analyse des Kapitalismus als entfesseltes System sagte Marx die globalisierte Welt unserer Tage bis hin zur Finanzkrise voraus. Neffe erklärt Marx´ Theorien in verständlicher Form und konfrontiert sie mit der Welt des 21. Jahrhunderts. Eine umfassende, packende und faktenreiche Biografie des Philosophen und Weltenbewegers.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783570553787
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:656 Seiten
Verlag:Pantheon
Erscheinungsdatum:24.09.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 25.09.2017 bei Der Hörverlag erschienen.

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    abas avatar
    abavor 2 Monaten
    Rezension zu "Marx. Der Unvollendete" von Jürgen Neffe

    Der Missverstandene

    Auch Genies sind nur Menschen. Mit Macken, Träumen, Ängsten, Problemen, Illusionen. Sie sind in der Lage, Großartiges zu schaffen, aber sie können natürlich auch Fehler machen und Unzugänglich sein. Sie sind Menschen mit allem Drum und Dran.
    In seinem Buch "Marx. Der Unvollendete" zeigt Jürgen Neffe, dass all dies (und noch mehr überraschende Tatsachen und Charakterzüge) auch für Karl Marx gilt.

    "Marx. Der Missverstandene" könnte auch ein guter Titel für dieses Buch sein. Karl Marx, der (theoretische) Revolutionär, der Kommunist schlechthin - love him or hate him, wie Marmite. Keinem Menschen wurden so viele politische und wirtschaftliche Katastrophen, so viele Toten und tyrannischen Regierungen angehängt. Weil er die historische Figur ist, die man am meisten mit dem Kommunismus in Verbindung bringt. Dieser Mann und sein Vermächtnis wurden bis heute, mehr als 130 Jahre nach seinem Tod, nicht vergessen und werden als Ursache schwerer Krisen in Ländern - ein aktuelles Beispiel ist Venezuela, dessen Ökonomie von einem Tyrannen innerhalb weniger Jahre zerstört, und von einem Einwanderungsland in eine Nation von Wirtschaftsflüchtlingen verwandelt wurde. Und das im Namen des Kommunismus.
    Und dabei war Marx hauptsächlich ein Philosoph mit einer Vision, in der er nur der Wohlstand und die Freiheit aller Menschen aller Nationen beabsichtigte. Dies wird in Jürgen Neffes Buch besonders deutlich gemacht.

    In "Marx. Der Unvollendete" versucht Jürgen Neffe die komplexe Persönlichkeit und das Werk Karl Marx' zu erklären. Ein fast mammuthaftes Unternehmen. Dafür muss er jahrelang Literatur von und um Marx gelesen haben, aus denen er in seinem Buch lange, häufig und ausführlich zitiert. Daran musste ich - für die Philosophie ein Mysterium ist - mich gewöhnen. Für mich waren solche Auszüge aus Briefen und Tagebüchern am interessantesten, weil sie viel über die Person von Karl Marx sagen. Oft haben mich diese auch überrascht, weil sie Marx' menschliche Seiten deutlich zeigten. Und diese Seiten waren nicht immer positiv.

    Jetzt zitiere ich auch: "Wer seine Genialität sucht, wird sie nicht in einer Schublade finden. Sie steckt, um im Bilde zu bleiben, im ganzen Schrank. Oder besser noch: im gesamten Möbelhaus."
    So beschreibt der Autor, aus meiner Sicht sehr treffend, den multiplen Karl Marx, der auch große Schwierigkeiten hatte, seine Werke zu Ende zu bringen (vielleicht gerade wegen seiner besonderen Genialität, die in einem ganzen Möbelhaus steckt).

    Ich glaube, ich habe alles, was Jürgen Neffe an Biografien über große Genies geschrieben hat, gelesen. Mit Marx dringt er in ein nicht naturwissenschaftliches Gebiet ein. Auch er ist ein Alleskönner. Wer seine Biografien über Einstein und Darwin gelesen hat, weiß, dass er mit vollem Einsatz schreibt und recherchiert. Auch bei Marx hat er das gemacht.

    In einem Fernsehinterview sagte Jürgen Neffe, dass er die Figur Karl Marx immer verstehen wollte. Das hat ihn zu diesem Buch inspiriert. Außerdem wollte er auch Karl Marx revidieren: er war ein Denker und ein unermüdlicher Schriftsteller, der die Welt verändern wollte.
    Vor allem war er aber ein ganz normaler Mensch.

    Kommentare: 1
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    wandablues avatar
    wandabluevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Gute Sprache. Doch der Autor zitiert zuviel. Hätte man kürzen können.
    Zu Anfang war ich sehr begeistert.

    Zu Anfang war ich sehr begeistert.
    Jürgen Neffe schreibt endlich einmal eine komplizierte Biographie in verständlicher Sprache. Kompliziert ist die Biographie, weil Karl Marx komplizierte Bücher geschrieben hat. Und in ausschweifendem, raumgreifendem Stil.


    Jürgen Neffe stellt den Menschen Karl Marx dar, inmitten seines Schaffens und seiner Privatheit. Dabei erklärt er die marxschen (marxistischen) Begriffe, so dass man sie nachvollziehen kann.

    Wenn Jürgen Neffe interpretiert und wertet, gefällt er mir am besten. Ich will ja Neffe lesen. Hinten raus zitiert er mir zu viel. Viel zu viel. Sicher, das heißt, dass der Autor quellsicher ist. Daran zweifle ich aber gar nicht. Die Sache ist die, wenn ich Neffe lese, will ich auch Neffe lesen und wenn ich Marx lesen wollte, hätte ich etwas von Marx gelesen. Und dass der Autor wissenschaftlich zu arbeiten in der Lage ist, muss er mir nicht beweisen.

    Den Menschen Karl Marx kenne ich jetzt besser. Sympathisch ist er mir nicht geworden. Er konnte ein rechter Kotzbrocken sein.

    Karl Marx musste viel leiden. Einen großen Teil seines Leidens hat er selbst verschuldet. Er war gescheit, eine Geisteskoryphäe, aber seine Prioriäten waren selten die richtigen. Seine Empathiefähigkeit hatte enge Grenzen.

    Fazit: Verständliche, teilweise zu weitschweifige Biographie, deren erster Teil mich sehr begeisterte. Leider ließ die Begeisterung allmählich nach.

    Kategorie: Biographie.
    Verlag: Bertelsmann, 2017

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    bloggingbookreviewvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Unglaubliche Symbiose aus Biographie und Erklärung der marx'schen Theorien und Philosophie. Wirkungsstark und empfehlenswert!
    Ein wirklich unglaubliches Buch.

    Karl Marx hatte insbesondere nach seinem Tod viel Leid zu ertragen. Im Leben trotz unglaublicher Schaffensleistung nie mit üppigem Geld belohnt, schlug sich der freischaffende Philosoph und Kommunist durch London, damals Hauptstadt und Refugium aller Sozialist*innen weltweit. Ein wahrhaft spannendes Leben, aus dessen Schaffen heute noch erstaunliche Erkenntnisse gezogen werden. 


    Jürgen Neffe schafft es auf knapp 600 Seiten darzulegen worin die Grundrisse der marx'schen Philosophie liegen und erklärt in verständlicher Art und Weise, allerdings nicht auf Kosten von Wortspielereien die erheblichen Pfeiler seiner Theorie. In einer gut nachvollziehbaren Reihenfolge eignet sich Neffe sehr nachempfindsam das Leben in London an und beschreibt anhand des Briefverkehrs zwischen Marx und Engels die Umstände unter denen beide gelebt haben mussten. Hierbei entsteht eine für mich einmalige Symbiose, die zum Verständnis von Marx einen Bären-Anteil trägt. Das Zusammenspiel von persönlicher Geschichte und Theorie, sowie der immerwährenden sozialistisch geprägten Praxis des "Mohren" ergibt in der Summe eine gelungene Autobiographie mit vielen Facetten, die sich allerdings nicht als Gute-Nacht-Lektüre eignet. Dafür ist sie denke ich allerdings auch nicht da. 

    Ich empfehle das Studium der Theorien von Karl Marx so oder so fast jede*m der sich tiefgehender mit Politik und/oder Wirtschaft auseinandersetzen möchte. Hierbei handelt es sich allerdings um ein Muss. Ich kann und muss das Buch jedem Menschen ans Herz legen und es würde mich nicht überraschen, wenn es im Laufe der kommenden Jahre zum Kanon der Marx-Literatur gehören wird. 

    Kommentare: 1
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    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Hervorragende Biographie und fundierte Darstellung von Denken und Werk des Karl Marx

    Hervorragende Biographie und fundierte Darstellung von Denken und Werk des Karl Marx

    Die Gedankenwelt Hegels, die Karl Marx als junger Student in Berlin im Rahmen des (für ihn zufällig als Kontakt entstandenen) „Doktorklub“ ist es, die in jenen frühen Jahren des Hochbegabten die gesamte Weltsicht, philosophische Erklärung und das „Welt-System“ in Marx bereits ausformen und als „Idee“, die ins „Tun“ will entstehen lässt.

    „Eine immaterielle Idee treibt die Geschichte voran, und die Menschen sind ihre ausführenden Agenten. Ohne diese entscheidende Idee ist die Entwicklung der Marxschen Gedankenwelt kaum vorstellbar“.

    Eine Idee und eine weitere Ausformulierung ein Leben lang, die Neffe ebenso stark in den Mittelpunkt seiner Biographie stellt, wie die Lebensstationen des Mannes und dessen private „Umstände“ einerseits und die „Atmosphäre der Zeit“ von Aufbruch und Freiheit, von sozialen Ideen und Reflexionen und Reaktionen auf die rasende Industrialisierung des 19. Jahrhunderts mit all ihren Verwerfungen für die Menschen.

    Dass er dabei mit dem Grab und dem Denkmal dort seine Ausführungen beginnt und das gegenwärtige Verständnis von Marx in seiner Befreiung aus alten „Freund-Feind-Formeln“ umgehend intensiv fördert, auch mit der griffigen Formel von Marx selbst; „Ich bin kein Marxist“, deutet von Beginn darauf hin, dass Neffe sich differenziert und nicht in gängigen Mustern und ausgetretenen Pfaden bewegt.

    Dass nicht nur der Hintergrund familiär (hervorragend eingebaut und aufbereitet der entscheidende Briefwechsel zwischen Vater und Sohn Marx, der die familiäre Prägung des „Weltenbewegers“ bestens beleuchtet, bis hin zum Unvermögen, „vernünftig mit Geld umzugehen“) und geistesgeschichtlich (Hegel, die Freiheitsbewegungen, die Ideen zur „Vergesellschaftung“ und vieles mehr) breit, differenziert und verständlich von Neffe ins Feld geführt werden („ohne Hegel kein Marx“, sondern auch eine Vielzahl von griffigen (aber leider falschen) Zitaten und Vorurteilen gegen Marx von ihm fundiert richtiggestellt werden.

    Das ist nicht alles unbekannt, Marx ist von hinten nach vorne und in der Breite „durchleuchtet“ aus vielfachen, subjektiven Sichten heraus. Aber die Zusammenstellung und die entsprechenden Vertiefungen aller wesentlicher Momente dieses Lebens und seines Werkes, hebt diese Biographie doch deutlich aus der Masse der Marx-Literatur hervor. Bis hin zu Würdigung der wesentlichen Bedeutung für Karl Marx, gerade in Trier die Jugend und Schulzeit verbracht zu haben.

    Wie sehr Marx zunächst und vor allem auf die „individuelle Freiheit“ pocht, ohne die es die „Freiheit aller“ einfach nicht geben kann, schon hier zeigt sich, wie viele in Marx Namen andere Deutungen und Interpretationen zu gesellschaftlichen Normen haben werden lassen, die Marx letztlich einfach nicht anzulasten sind. Zumindest nicht in dem Maße, in dem das lange geschehen ist.

    Dass der 3. März 1848 als „archimedischer Punkt“ in Marx Leben zu begreifen ist, wird dabei ebenso in den Inhalten klar erläutert, wie im Lauf der Lektüre durchweg deutlich wird, wie sehr die Analysen des „Vielgescholtenen“ zeitlos zutreffen und in der Gegenwart fast Wort für Wort im Wirken des „Systems“ abzulesen sind und sich bewahrheiten.

    „Die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse hinken der ökonomischen Wirklichkeit immer weiter hinterher“. Was für diese Zeit damals galt und Marx zum „Denken über diese Wirklichkeit“ anleitet, ist auch heute ebensolche Realität. Bis dahin, die „herrschende Meinung als Meinung der Herrschenden“ entlarvt und in Stein gemeißelt benannt zu haben. Mit all seinen fast unverschämten Übertreibungen des Umgangs mit „Meinungen und Fakten“ mancher aktueller politisch Mächtigen.

    Wirtschaftszyklen, Akkumulation des Kapitals nicht als Naturgesetz sondern als gezielte, systemische Strategie, Verwerfungen durch Globalisierung, die ökologische Frage, sämtliche bis heute drängenden und drängender werdenden Probleme der Menschheit und ihres „Wirtschaftens“ weist Neffe als frisch und aktuell in seiner akkuraten Darstellung aus.

    Dass „Survival oft he fittest“ nichts mit Darwin zu tun hat und dass es „Opium des Volkes“ und nicht „Opium für das Volk“ heißt sind vielfache Beispiele von „mitlaufenden Richtigstellungen“, die Neffe überzeugend in die Zusammenhänge einordnet und damit ein zeitgeschichtliches „Netzwerk“ von konträren Haltungen und Ideen vor die Augen des Lesers hält, die in sich letztendlich zeitlos als Analysen Bestand haben.

    „Was immer man aus Marx gemacht hat: Das Streben nach Freiheit, nach Befreiung des Menschen aus Knechtschaft und unwürdiger Abhängigkeit war Motiv seines Handelns“.

    Dieses Wort von Willy Brandt steht nicht ohne Grund der Biographie vorweg. Denn dieses Streben setzt den roten Faden in den äußeren und inneren Stationen, die Neffe akribisch nachvollzieht und die er vom „Ballast“ vorschneller Vereinfachungen (manchmal auch gewollter Verfälschungen) und von der Patina eines „nicht dynamischen“ Denkmals befreit.

    Mit dem Erfolg, die grundlegende Verhaftung Marx in der „Dynamik des Geschehens“ hervorragend freizulegen.

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    Wedmavor einem Monat
    Klavierissimos avatar
    Klavierissimovor 4 Monaten
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    Kaivaivor 9 Monaten

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    Wedmavor 4 Monaten
    So ein Buch gehört in jede gute Hausbibliothek.
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