Jürgen Nendza

 4,2 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor*in von Apfel und Amsel, Auffliegendes Gras und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jürgen Nendza

Cover des Buches Apfel und Amsel (ISBN: 9783940691583)

Apfel und Amsel

(2)
Erschienen am 27.06.2014
Cover des Buches Auffliegendes Gras (ISBN: 9783948305130)

Auffliegendes Gras

(1)
Erschienen am 16.02.2022
Cover des Buches Stadtlandfluss (ISBN: 9783940357465)

Stadtlandfluss

(1)
Erschienen am 01.08.2014
Cover des Buches Glaszeit (ISBN: 9783921042373)

Glaszeit

(1)
Erschienen am 01.01.1992
Cover des Buches und am Satzende das Weiss (ISBN: 9783930137855)

und am Satzende das Weiss

(1)
Erschienen am 01.06.1999

Neue Rezensionen zu Jürgen Nendza

Cover des Buches Apfel und Amsel (ISBN: 9783940691583)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Apfel und Amsel" von Jürgen Nendza

Trishen77
"Augenzeugen sind wir in einer Schneekugel". Oder: So werden wir von der Stille als Natur durchleuchtet...

"Wir betreten Regen,
öffnen sein Hemd, die Luft dahinter liegt
wie nackte Haut auf den Zweigen."

"Moderne Gedichte sind", klagte einst ein nicht unbedeutender Kritiker, "wie ein Segel ohne Schiff." Man könnte diese Metapher weiterspinnen: Ist es überhaupt möglich so ein Segel zu setzten? Und wenn das Gedicht es dennoch schafft - wäre das nicht gleichsam ein Wunder, das die inhärente Magie manches Gedichts sehr gut illustrieren würde. Diese schiere Unmöglichkeit einer Darstellung, die einfach sprachlich dadurch umgangen wird, dass man nicht über, sondern für, gegen, aus, in, von etwas spricht?

"Eine verirrte Stille, die ist
wie ein Mensch und kreist um die Liebe."

Ich möchte mich nicht als Experte in Sachen Poesie aufschwingen, auch weil Ich glaube, dass es auf diesem Gebiet keine Experten geben kann. Das ist auch der Grund, warum ich glaube, dass beinahe jede Lyrik (wohlgemerkt jede, die zur Veröffentlichung gelangt oder bei der dies geschehen sollte, aber politische oder andere ähnliche Interessen im Weg stehen) wertvoll ist und dass sie zu einem viel häufiger zur Hand genommenen Beispiel einer bewusstseinserweiternden Substanz werden sollte. Wie Joseph Brodsky sagte: "Das Lesen von Lyrik ist ein höchst ökonomische Form geistiger Beschleunigung." Und ein hoher Anteil der Lyrik auf dem Markt ist nicht einmal kompliziert, sofern sie nicht egozentrischen Diktionen folgt. Man nehme z.B. die Gedichte von Jürgen Nendza.

"Das Licht
bedeutet wir sind wach. Wir stehen auf: Die Zeit ist

unerreichbar zwischen Atemzügen. Und dieses Tasten
nach der Hand, wenn die Sätze sich verlaufen."

Das Licht, das gleichsam den Morgen, den Anbruch der Wärme ankündigt und doch auch auf alles kalte, leblose, allgemein auf alle Pfeiler der sinnlichen Welt fällt, ist der Katalysator und Erzähler in fast allen Gedichten von "Apfel und Amsel". Es schleichen die Sommertage und das Unverfängliche, Freie von Momenten in lebensfreundlicher Natur darin herum, während im Vordergrund vor allem der ständig wechselnd Eindruck des lyrischen Ichs dominiert, das seine unbewegten Schatten auch auf Erinnertes und Assoziiertes zurückwirft (und trotzdem nie zu einer wirklich persönlichen Lyrik wird, sondern eher eine sehr platonische, grundideenhafte Komponente behält). Natürlich geschieht das nicht so profan, wie ich es hier schildere. Wenn man eins sagen kann, dann das Jürgen Nendza für die oben beschriebene Mythologie genau den richtigen Wortschatz ausgetüftelt hat, der teilweise von der geradezu tautologischen Verwendung einiger weniger Stichworte wie "Stille" (und ihren sprachlichen Verwerfungen und ihrer Kombinatorik), "Licht", "Luft", "Reh" u.a. und teilweise von sehr filigranen, fast märchenhaften Bildern lebt, wie z.B.:

"Du kommst herein,
die Hände voller Seen, auf denen Blätter treiben."

"Dein Lächeln, eine handvoll Reis."

aber auch Bildentsprechungen, die wir alle kennen, von Waldspaziergängen und Momenten der plötzlichen Gewissheit einer Übereinstimmung mit den stillsten und gleichsam aus sich selbst seienden Teilen der Natur:

"ein Moorloch, in dem
das Sterben glänz bei schönem Wetter."

Diese Textauszüge sind hier natürlich dergestalt aus dem Zusammenhang gerissen, das Nendza sie oft als Gegengewicht, als ein quasi dem Gedicht innewohnendes Lächeln oder Zwinkern, Blinzeln etc. verwendet, das seine ansonsten sehr vagen und zirkulierenden, beinahe durchsichtigen Beobachtungen um eine physischere Note ergänzt. Poetisch ist aus diesem Zusammenspiel auf jeden Fall eine hohe Portion assoziativen Potentials entstanden, eine unkognitive, aber sehr zärtliche Ungewissheit, die das Leben wie ein Xylophon mit kindlich geschulter Hand bespielt. Das Summa sumarum dieses Spiels, die lichtintensive Erfahrung einer Ich-Natur, die gleichsam dem Ich und der Natur (also das, was dem durch das Ich gefilterter Beobachtung entspricht, aber eben nicht nur das ist) angehört, ist sehr beeindruckend, wenn auch nicht sehr kontemplativ, sondern eher eine aus dem Ich hoch gebaute Illumination von Sprache.

"Wir sind Passanten
im Wort und du beklagst, dass Zeit
in deine Seele eindringt."

Wenn man von Schönheit in der Poesie redet, dann scheint es meist unumgänglich, dass man beinahe jeder Zärtlichkeit in einem lyrischen Text eine gewisse Schönheit zugesteht. Doch Lyrik gewinnt ihre Schönheit auch elementar aus ihrer eigenen, nicht von 0 auf 100 zu erreichenden Art und Weise mit Sprache Schritt für Schritt etwas zu erzeugen, wozu die Prosa auch auf 1000den von Seiten nicht in der Lage wäre. Robert Frosts Satz: "Happines makes up in height for what it lacks in length", kann ebenso gut auf Poesie übertragen werden.

In diesem Sinne sind Jürgen Nendzas Gedichte fabelhafte Lyrik. Sie sind schon fast wieder verflogen und sie festzuhalten, gliche dem Versuch das Licht reisen zu sehen, nachdem man es angestellt oder es versiegen zu sehen, wenn man es ausschaltet - wobei trotzdem noch ein paar der oben genannten Zitate bleiben. Schließlich müssen sich die Augen nach der Lektüre solcher Gedichte erstmal wieder an die Wirklichkeit gewöhnen.

Cover des Buches Auffliegendes Gras (ISBN: 9783948305130)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Auffliegendes Gras" von Jürgen Nendza

Trishen77
Lyristix

Eine fragil-widerständige Präsenz umgibt die Gedichte in Jürgen Nendzas neustem, mittlerweile neunten Lyrikband. Feingliedrig und nur in Teilen offenbar, sind die meisten Zusammenhänge und in einer ebenso feingliedrigen, das Offenbare anrufenden und gleichsam in Frage stellenden Sprache setzen sich die Texte mit den ins flüchtige Auge gefassten Phänomenen auseinander.

Ich schätze Nendzas Poesie für ihre Bilder, die mich nicht überwältigen, sondern mir fast immer auf Augenhöhe begegnen, weniger eine Dareichung und vielmehr eine Einladung darstellen - eine Einladung, im Staunen und Schauen keine Distanz zu etablieren, sondern heranzutreten, sich anzunähern, physisch und gedanklich.

Ich fühle mich gut aufgehoben in diesen Überlegungen/Betrachtungen, zugleich glänzen überall kleine Anzeichen von Rastlosigkeit, Unruhe macht sich in mir breit. Ein bisschen ist es, als würde man ein Uhrwerk von innen sehen: es ist beruhigend zu sehen, wie es funktioniert, wie die Teile ineinandergreifen, die Feinheit und Schönheit des Mechanismus. Aber das ändert nichts am Verrinnen, Verlaufen, Vergehen der Zeit.

Cover des Buches und am Satzende das Weiss (ISBN: 9783930137855)
Perles avatar

Rezension zu "und am Satzende das Weiss" von Jürgen Nendza

Perle
Jürgen Nendza - und am Satzende das Weiß (Gedichte)

Klappentext:
"Sehr leise und anspruchsvolle Gedichte." (Neue Züricher Zeitung)

Eigene  Meinung:
Gestern stöberte ich wieder in der Stadtbücherei unserer Nachbarstadt und da entdeckte ich ein weiterer Gedichtsband von Jürgen Nendza. Ich las sie sofort im Bus und die zweite Hälfte abends auf dem Sofa.

Ich staunte wieder nicht schlecht. Da standen noch mehr tolle Gedichte auf 55 Seiten drin - den "Lyrikpreis Meran" hat er sich voll und ganz verdient und das Literaturstipendium des Landes NRW.

Hier ein sehr schönes Gedicht - welches er für Elke schrieb:
Tief steht die Sonne. Du ziehst ihr Abendrot auf
deine Lippen, und das Meer rollt Rosen heran, tosende
Rosen, in deren Gedicht aus Gewitter wir erwachen,
lang und knapp unter der Oberfläche des Tages.

Jürgen Nendza ist 1957 in Essen geboren, lebt in Aachen und Vaals/NL. Er studierte Germanistik und Philosophie, Promotion. Er veröffentliche in den letzten Jahren und schon mehrer Gedichtbände. Ich bin auf der Suche nach weiteren Büchern von ihm. Wer sie besitzt und gerne abgibt, bitte bei mir melden. Danke!

Vergebe hierfür gut und gerne - liebgemeinte 3 Sterne.


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