Jürgen Osterhammel

 4,5 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Die Verwandlung der Welt, Kolonialismus und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jürgen Osterhammel

Cover des Buches Die Verwandlung der Welt (ISBN: 9783406614811)

Die Verwandlung der Welt

 (9)
Erschienen am 14.02.2020
Cover des Buches Kolonialismus (ISBN: 9783406773419)

Kolonialismus

 (4)
Erscheint am 02.11.2021
Cover des Buches Geschichte der Welt 1945 bis heute (ISBN: 9783406641060)

Geschichte der Welt 1945 bis heute

 (2)
Erschienen am 18.10.2013
Cover des Buches Dekolonisation (ISBN: 9783406654640)

Dekolonisation

 (2)
Erschienen am 13.09.2013
Cover des Buches Geschichte der Welt Die Welt vor 600 (ISBN: 9783406641015)

Geschichte der Welt Die Welt vor 600

 (1)
Erschienen am 19.09.2017
Cover des Buches Geschichte der Welt 1350-1750 (ISBN: 9783406641039)

Geschichte der Welt 1350-1750

 (1)
Erschienen am 17.10.2014
Cover des Buches Geschichte der Globalisierung (ISBN: 9783406736476)

Geschichte der Globalisierung

 (1)
Erschienen am 28.08.2019
Cover des Buches Die Entzauberung Asiens (ISBN: 9783406598975)

Die Entzauberung Asiens

 (1)
Erschienen am 20.03.2013

Neue Rezensionen zu Jürgen Osterhammel

Cover des Buches Die Verwandlung der Welt (ISBN: 9783406751646)A

Rezension zu "Die Verwandlung der Welt" von Jürgen Osterhammel

1. Weniger wäre mehr gewesen. 2. Für wen wurde dieses Buch geschrieben?
Andreas_Oberendervor 6 Monaten

Jürgen Osterhammels Buch "Verwandlung der Welt" unternimmt den Versuch, das in jüngster Zeit in der Geschichtswissenschaft diskutierte Konzept der Welt- bzw. Globalgeschichte von der Theorie akademischer Debatten in die Praxis der Geschichtsschreibung zu überführen. Dieser Versuch erfolgt am Beispiel des 19. Jahrhunderts. Jenseits nationalstaatlicher Blickverengungen und einer einseitigen Bevorzugung des Westens (Europa, USA) eröffnet Osterhammel auf 1.300 Seiten ein gewaltiges historisches Panorama des Zeitalters zwischen Französischer Revolution und Erstem Weltkrieg. Alle Kontinente und Kulturkreise werden berücksichtigt, schwerpunktmäßig werden indes nur Europa, die USA, China, Japan und Indien behandelt. Rußland, Lateinamerika und das Osmanische Reich tauchen gelegentlich auf; die arabische Welt und Afrika kommen am kürzesten weg. Alle Bereiche menschlicher Existenz werden in der einen oder anderen Weise thematisiert, von der Politik- und Wirtschafts- bis hin zur Sozial- und Kulturgeschichte. Es kann sich im Folgenden nicht darum handeln, detailliert auf den Inhalt des Buches einzugehen. Vielmehr soll es hier um einige allgemeine Beobachtungen gehen, die sich während der Lektüre ergeben, und vor allem um die Frage, ob das Buch dem selbstgestellten Anspruch der "Historischen Bibliothek der Gerda-Henkel-Stiftung" gerecht wird, eine "große Leserschaft" anzusprechen.

Osterhammels enzyklopädischer Ansatz hat gravierende Nachteile. Manche Kapitel sind von stark aufzählendem Charakter und konfrontieren den Leser mit einer sehr dichten Faktenfülle, was bei der Lektüre mitunter rasch ermüdet. Über weite Strecken wirkt das Buch wie ein in Prosaform überführter Zettelkasten. Osterhammel hat sich unzweifelhaft großes Wissen angeeignet, aber müssen dem Publikum wirklich alle Lesefrüchte mitgeteilt werden? Ist wirklich alles gleichermaßen wichtig? Erweist sich die Könnerschaft eines Autors nicht auch im Auswählen und Weglassen, im Abwägen des Wichtigen und weniger Wichtigen? Müssen die Oper und der Walfang unbedingt in ein und demselben Buch behandelt werden, nur weil beide im 19. Jahrhundert eine Blüte erlebten? Einmal mehr drängt sich der Verdacht auf, daß deutsche Lektoren den Gebrauch des Rotstifts verlernt haben, vor allem wenn ihnen Manuskripte von Historikern vorliegen, die sich bereits einen Namen gemacht haben. Streichungen und Kürzungen sind dann offensichtlich nicht mehr zumutbar. Deutsche Lektoren sollten sich ihre britischen Kollegen zum Vorbild nehmen, die viel beherzter in Manuskripte eingreifen - zum Nutzen der Bücher und vor allem der Leser. Ein Buch ist kein Gemischtwarenladen und sollte deshalb nicht mit tausenderlei Dingen vollgestopft werden.

Kurzum: Das Buch ist viel zu lang und viel zu umfangreich. Es behandelt so viele Themen und Aspekte, es eröffnet so viele faszinierende Perspektiven und gibt so viele Anregungen zum Nachdenken, daß eine einmalige Lektüre gar nicht ausreicht. Wer am Ende des Buches angekommen ist, hat vergessen, was er 1.000 Seiten zuvor gelesen hat. Um es vollauf würdigen und seinen Inhalt durchdringen zu können, müßte man das Buch mindestens zweimal lesen und dabei jedes Kapitel mit dem Bleistift in der Hand durcharbeiten. Aber welcher Leser hat heutzutage genug Zeit, um ein solches Mammutwerk mehrfach zu lesen und gründlich durchzuarbeiten? Unser aller Lebens- und Lesezeit ist begrenzt. Andere Bücher wollen auch gelesen werden. Das sollten jene Historiker bedenken, die das Publikum mit "Ziegelsteinen" von mehr als 1.000 Seiten Umfang beglücken (der gleiche Hang zu Gigantomanie und ungezügelter Weitschweifigkeit ist u.a. bei H.A. Winklers "Geschichte des Westens", Wolfram Pytas "Hindenburg" oder auch den Himmler- und Goebbels-Biographien von Longerich zu beobachten).

Wie bei so vielen deutschen Historikern ist auch bei Osterhammel unklar, für welches Publikum er eigentlich schreibt. Wäre das Buch in einem Wissenschaftsverlag erschienen, würde sich diese Frage nicht stellen. Es ist aber in einem der bekanntesten deutschen Publikumsverlage erschienen. Einleitung und Nachwort geben jedoch keinerlei Hinweis auf das anvisierte Publikum. Studierende und historisch interessierte Laien dürften von den ständigen Sprüngen von Kontinent zu Kontinent und von Land zu Land bald überfordert sein. Mal geht es um das Osmanische Reich, ein paar Zeilen weiter aber um Japan und auf der nächsten Seite um die USA. Osterhammel bietet wenig ereignisgeschichtliche Kontextualisierung, setzt also ein immenses Vor- und Hintergrundwissen voraus. Für den durchschnittlichen Leser dürfte die Geschichte Lateinamerikas, Chinas oder Japans im 19. Jahrhundert jedoch eine Terra incognita sein. Wer hat hierzulande je vom Taiping-Aufstand gehört, der China um 1850 erschütterte? Wer kennt sich mit der schrittweisen Kolonisierung Indiens durch die Briten aus? Es ist schon schwierig genug, die Geschichte der europäischen Staaten und Rußlands im 19. Jahrhundert zu überblicken. Osterhammel stellt dies nicht in Rechnung. Er sah bei der Niederschrift offenbar einen universell gebildeten Leser vor sich, den es in der Realität natürlich nicht gibt. Bei der Vergegenwärtigung historischer Schauplätze in Ost und West schießt der Autor gelegentlich übers Ziel hinaus. Welchen Sinn hat es, die französische Kolonialarchitektur im vietnamesischen Hanoi zu beschreiben, die kaum ein Deutscher je mit eigenen Augen gesehen hat? Ohne Bildmaterial sind solche Beschreibungen nutzlos.

Das gesamte Buch ist nicht narrativ angelegt, sondern streng analytisch und problembezogen. Es präsentiert keine Geschichte, wenn man unter Geschichte eine Erzählung versteht, die sich durch die Einheit von Schauplatz, Zeit und Akteuren auszeichnet. Es ist ein typisches "Wissenschaftlerbuch", d.h. es holt den Leser nicht dort ab, wo er steht, sondern thront auf einem hohen Podest, zu dem der Leser sich emporzustrecken hat. Wie jedes "Wissenschaftlerbuch" behandelt auch Osterhammels Buch vieles, das allenfalls für Fachhistoriker, kaum aber für das nichtakademische Publikum von Interesse ist. Das Werden und Vergehen von Imperien, die Entstehung von Nationalstaaten, interkulturelle Transfers, Kolonialismus und Zivilisierungsmissionen, Migration, die Frontier-Problematik, das Konzept der Proto-Industrialisierung - all das sind Dinge, die innerhalb der Geschichtswissenschaft debattiert werden, aber wohl kaum von Laien. Was für das nichtakademische Publikum interessant sein könnte, darüber denken deutsche Historiker generell zu wenig nach. Periodisierungs- und Definitionsfragen, wie sie Osterhammel aufwirft (Wie ordnet man das 19. Jahrhundert in die Neuzeit ein? Was ist eine Revolution? Was ist ein Imperium? Was ist Bürgertum? usw.), vermögen Fachleute zu erregen, sind für Laien aber ohne Belang.

Fazit: Für Fachhistoriker, die das nötige Rüstzeug mitbringen, um den Inhalt des Buches angemessen verarbeiten zu können, ist Osterhammels Werk eine unerschöpfliche Fundgrube an erhellenden Einsichten und anregenden Interpretationen. Dem auf Europa spezialisierten Fachmann bietet das Buch eine großartige Erweiterung des Horizonts. Die meisten deutschen Historiker blicken noch immer zu wenig über den europäischen bzw. westlichen Tellerrand hinaus. Wer das Buch bewältigt hat, wird die Welt des 19. Jahrhunderts fortan mit anderen Augen betrachten und die zum Klischee gewordene Dichotomie vom fortschrittlichen Westen und dem rückständigen "Rest" überdenken. Ob hingegen historisch interessierte Laien Freude an diesem Buch haben, muß bezweifelt werden. Es ist eben kein "Lesebuch", kein Buch, das einen roten Faden und einen Spannungsbogen besitzt und eine in sich geschlossene Geschichte erzählt. Letztlich ist das Buch doch zu wissenschaftlich, um einen breiten Leserkreis jenseits der Fachwelt ansprechen und unterhalten zu können. Daran ändert leider auch Osterhammels angenehm einfacher und gut lesbarer Schreibstil nichts. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im März 2013 bei Amazon gepostet)

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Cover des Buches Geschichte der Welt 1870-1945 (ISBN: 9783406641053)A

Rezension zu "Geschichte der Welt 1870-1945" von Akira Iriye

Ein Buch von Professoren - für andere Professoren
Andreas_Oberendervor 6 Monaten

Die sogenannte "transnationale Geschichte" und die "Globalgeschichte" gehören derzeit zu den am meisten diskutierten Konzepten der Geschichtswissenschaft. Verfechter der Globalgeschichte wollen die Fixierung auf einzelne Staaten, Regionen oder Kulturkreise überwinden und stattdessen historische Prozesse und Phänomene in ihren globalen Dimensionen untersuchen. Für Aufsehen sorgte vor einigen Jahren der kühne Versuch des Historikers Jürgen Osterhammel, die Geschichte des 19. Jahrhunderts als Globalgeschichte darzustellen, losgelöst von den traditionellen Bezugspunkten der Geschichtswissenschaft wie dem Nationalstaat oder dem "Westen". Wer gedacht hat, ein so ambitioniertes Werk könne nicht überboten werden, der sieht sich nun eines Besseren belehrt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die gesamte Weltgeschichte ins Visier der Globalhistoriker geraten würde.

Seit 2012 bringen Harvard University Press und der deutsche Verlag C.H. Beck gemeinsam ein auf sechs Bände angelegtes Werk heraus, das die Geschichte der Welt aus globalgeschichtlicher Perspektive neu vermessen und neu darstellen soll. Ein solches Vorhaben ist nur kollektiv zu bewältigen. Den Auftakt bildet der von der amerikanischen Historikerin Emily Rosenberg herausgegebene Band "1870-1945. Weltmärkte und Weltkriege", der es auf einen Textumfang von 1.000 Seiten bringt. Wenn alle Bände genauso oder auch nur annähernd so umfangreich ausfallen wie der Band "Weltmärkte und Weltkriege", dann wird die Reihe auf einen Gesamtumfang von 5.000 bis 6.000 Seiten kommen. Es stellt sich die Frage: Wer soll das alles lesen? Daran schließt sich eine zweite Frage an: Für wen sind die stattlichen (und teuren) Bände eigentlich gedacht? Welches Publikum haben die Verlage, Herausgeber und Autoren im Blick?

Der von Rosenberg herausgegebene Band ist in fünf Kapitel gegliedert, die so umfangreich sind, dass sie ohne Weiteres als separate Bücher veröffentlicht werden könnten. Die fünf Kapitel behandeln Themen, die als markante Leitmotive der Weltgeschichte zwischen 1870 und 1945 gelten können: Der Siegeszug des modernen Staates (Charles Maier); Kolonialreiche und Imperien (Tony Ballantyne/Antoinette Burton); Migrationsströme (Dirk Hoerder); Welthandel (Steven Topik/Allen Wells); die kulturelle Vernetzung der Welt (Emily Rosenberg). Alle Beiträge gehen von der Prämisse aus, dass die einzelnen Weltregionen gleichrangig zu behandeln sind, dass eine Bevorzugung Europas bzw. des Westens nicht mehr zeitgemäß ist. An die Stelle einer "Geographie des Raumes" tritt eine "Geographie der Zusammenhänge". Die Autorinnen und Autoren arbeiten die Hauptmerkmale der behandelten Epoche heraus: Die Verringerung räumlicher und zeitlicher Distanzen dank technologischer Innovationen; die Intensivierung von Herrschaft und Staatlichkeit; die sogenannte Zweite Industrielle Revolution; die zunehmende Verflechtung der Welt durch Wirtschaftsbeziehungen und Kulturtransfers.

Der Band weist ähnliche Schwächen auf wie Osterhammels "Verwandlung der Welt". Zunächst einmal wirkt der schiere Umfang des Buches abschreckend. Hinzu kommt, dass die Autorinnen und Autoren ein immenses ereignisgeschichtliches Vorwissen voraussetzen. In allen Kapiteln fallen jähe chronologische, geographische und thematische Sprünge auf, schlimmstenfalls sogar mehrfach auf einer Seite. Es mag ja sein, dass die Autorinnen und Autoren mühelos von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent springen können, ohne den Überblick zu verlieren. Aber was ist mit Lesern, die allenfalls die Geschichte ihres eigenen Landes oder Europas überschauen? Auf solche Leser wirken die Ausführungen der Autorinnen und Autoren rasch zusammenhanglos und verwirrend. Einige der Themen, etwa die von Hoerder behandelten globalen Migrationsströme oder die von Topik und Wells - auf 41 Seiten! - erörterten Dimensionen des weltweiten Weizenanbaus und Weizenhandels, sind eine trockene Materie, die vielleicht Fachleute zu interessieren vermag, für Laien aber eher langweilig ist. Man merkt: Hier schreiben Professoren, die auf ihren wissenschaftlichen Steckenpferden herumreiten, sich an ihrem Spezialwissen berauschen und sich kaum darum bemühen, die von ihnen propagierte Globalgeschichte in ansprechender, lesenswerter und unterhaltsamer Form zu präsentieren.

Dazu passt auch der sprachliche Duktus der Beiträge. Es wimmelt vor neumodischen "buzz-words", mit denen (zu) viele Historiker beweisen wollen, dass sie mit aktuellen Debatten und Forschungsparadigmen vertraut sind. Begriffe wie "Netzwerke" und "Vernetzung" sind noch harmlos. Unverständlich sind hingegen Wortungetüme wie "Konnektivität", "Gouvernementalität" und "Kommodifizierung". Was bitte schön soll das sein? Besonders Rosenberg, Ballantyne und Burton gleiten oft in verquasten akademischen Jargon ab. Sie traktieren den Leser mit Sätzen wie: "Wir orientieren uns an der postkolonialen Kritik und betrachten das Globale nicht als a priori bestehende Kategorie, sondern als Verortungsinstrument: als Deutungsrahmen, der es uns ermöglicht, ein Imperium in Relation zu einem sich herausbildenden, oftmals stockenden oder unvollständigen Gefüge von Prozessen zu setzen, statt es in einem territorial vorgegebenen Koordinatensystem zu verorten" (S. 303) oder auch "Die Metapher der Strömungen mit ihren Verbindungsknotenpunkten erleichtert einen analytischen Prozess, welcher sich der oftmals unausgeglichenen Interaktion zwischen lokalen, regionalen und globalen Ebenen widmet, dabei hin und her treibt und den großen wie den kleinen Kontext in den Blick nimmt" (S. 820f.). Gut lesbare Geschichtsschreibung klingt anders.

Fazit: Hier schreiben Professoren für andere Professoren, auch wenn Rosenberg einleitend erklärt, der Band richte sich auch an "allgemein interessierte Leser". Wenn dieser Leserkreis tatsächlich angesprochen werden soll, dann ist das Buch ein anschaulicher Beleg dafür, welch irrige und nebulöse Vorstellungen die akademische Geschichtswissenschaft davon hat, was historisch interessierte Laien lesen wollen. Für Laien, aber auch für Studierende ist der Band schwer verdauliche Kost. Im Laufe der Lektüre drängt sich der Eindruck auf, dass es sich bei dieser Buchreihe um ein akademisches und verlegerisches Prestige- und Renommierprojekt handelt, bei dem von vornherein einkalkuliert ist, dass die einzelnen Bände jenseits von Fachkreisen keine nennenswerte Leserschaft finden. Die englischsprachige Ausgabe von "Weltmärkte und Weltkriege" hat seit ihrem Erscheinen Ende 2012 bei Amazon USA erst eine und bei Amazon UK noch keine einzige Kundenrezension erhalten. Das ist ein Indiz für die geringe Resonanz, die das Buch bislang hervorgerufen hat, und sollte den beteiligten Verlagen, Herausgebern und Autoren zu denken geben. 

(Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im März 2014 bei Amazon gepostet)

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Cover des Buches Geschichte der Welt Die Welt vor 600 (ISBN: 9783406641015)Sikals avatar

Rezension zu "Geschichte der Welt Die Welt vor 600" von Akira Iriye

Geschichte der Welt vor 600
Sikalvor 4 Jahren

Dieses umfangreiche Werk ist ein Teil der Reihe „Geschichte der Welt“ bei C.H. Beck und spannt einen Bogen vom Aufbruch des Homo erectus aus Afrika vor 1,8 Millionen Jahren bis 600 n. Chr. Chronologisch ist somit dieser Band der erste aus dieser Reihe und umfasst folgende Themengebiete:

 

-         Vor- und Frühgeschichte

-         Die frühen Hochkulturen Ägyptens und Vorderasiens

-         Die Welt der klassischen Antike

-         Das Alte China

-         Südasien und Südostasien


Das Thema Vor- und Frühgeschichte beschäftigt sich mit der Entwicklung zum modernen Menschen, der Sesshaftwerdung, Gruppenidentität, mit komplexen Gesellschaften. Ebenso mit Gebieten jenseits der Hochkulturen, wo wir z.B. auch der Hallstattkultur begegnen. Der Verfasser – Hermann Parzinger – spannt den Bogen über die Ausbreitung des Neolithikums, die Beschreibung sämtlicher Kulturverhältnisse, sowie ebenso auf das subsaharische Afrika, auf Nord-, Mittel- und Südamerika, um eine globale Perspektive zu erreichen. In der Schlussbetrachtung verbindet Parzinger sämtliche Weltregionen miteinander, vergleicht die kulturellen Entwicklungen.

 

Die Hochkulturen Ägyptens von der Verfasserin Karen Radner beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Zeitalter der frühen Staaten (Frühbronzezeit), der Entwicklung der Schrift (Mittelbronzezeit), ebenso dem kurzlebigen mesopotamischen Reich, der Spätbronzezeit bis hin zur frühen Eisenzeit.

 

Hans-Joachim Gehrkes Thema über die Welt der klassischen Antike beschäftigt sich mit den Gebieten rund um das Mittelmeer, mit der Spaltung der Welt, der Republik der Römer (deren Höhepunkt und Fall), der hellenistischen Welt sowie zuguterletzt die Entstehung des römischen Kaiserreiches.

 

Das Kapitel um das Alte China von Mark Edward Lewis zeigt uns einleitend einen geographischen Hintergrund und vernetzt die vielfältigen Bereiche, berichtet über die Entstehung der ersten Kaiserreiche, der frühen Städte. Ergänzend findet man Abschnitte über die großen Familien Wei und Jin, die Militärdynastien, die institutionellen Religionen Daoismus und Buddhismus bis hin zur Wiedervereinigung Chinas und den Niedergang der Sui-Dynastie.

 

Axel Michaels Bereich umfasst die Zeitspanne von ca. 2600 v.Chr. bis 600 n.Chr. in Südasien und Südostasien und beschäftigt Themen, wie z.B. die Harappakultur, die vedische Kultur, Formation des Hinduismus bis hin zu Indiens Einflüssen auf Ost- und Südostasien. Interessante Abschnitte waren hier besonders die Genese des Kastensystems sowie sehr informativ die Stellung der Frau.

 

Viele Karten und Skizzen ergänzen dieses Buch und machen das Werk zu einem umfassenden Nachschlagewerk für Interessierte. Diese Geschichte der Welt ist ein äußerst informatives Werk, das einen weiten zeitlichen Bogen spannt, viele Themenbereiche abbildet und diese ausführlich herausarbeitet.

5 wohlverdiente Sterne.

 

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