Jürgen Schreiber Ein Maler aus Deutschland

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Inhaltsangabe zu „Ein Maler aus Deutschland“ von Jürgen Schreiber

Gerhard Richter malte sein bekanntes Gemälde Tante Marianne nach Vorlage einer Fotografie, die ihn als Säugling zusammen mit der Schwester seiner Mutter zeigt. Hier setzt der Journalist Jürgen Schreiber an. Er recherchiert auf den Spuren der Familie Richter und stößt auf eine tragische Wahrheit: Tante Marianne fiel dem Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten zum Opfer, während General Eufinger - der frühere Stiefvater Gerhard Richters - einer der Hauptdrahtzieher war.

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  • Rezension zu "Ein Maler aus Deutschland" von Jürgen Schreiber

    Ein Maler aus Deutschland

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    09. April 2010 um 15:43

    Das Buch trägt einen Titel, der seinem Inhalt nicht gerecht wird; und auch der Untertitel - Gerhard Richter. Das Drama einer Familie - trifft nicht so recht das, was tatsächlich Gegenstand und Anliegen des Buches ist. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, der Autor habe Gerhard Richter nur dafür gebraucht, sich mit der Euthanasie während des Dritten Reiches zu befassen. Was man über Gerhard Richter erfährt, ist zwar ganz interessant und mag auch stimmen, bildet aber mehr oder minder bloß einen Rahmen - um im malerischen Bild zu bleiben - . Zwar wird Richter in einer Art Einleitung näher behandelt, ab dem Abschnitt „Verdüsterung“ spielt er aber nur eine quasi als Klammer immer wieder kurz angesprochene Nebenrolle. Insbesondere fehlt nahezu jede Annäherung an Richter als Künstler. Wie kam es dazu, dass er als ein weltweit bedeutender, wenn nicht gar als der derzeit bedeutendste lebende Maler der Welt angesehen wird? Fehlanzeige! Die peniblen, manchmal pedantisch genau und umfassend wiedergegebenen Recherchen zu Marianne Schönfelder, deren Peinigern und ganz allgemein zu Opfern und Tätern der Euthanasie während der Nazi-Zeit, nehmen dagegen einen breiten Raum ein. Zu diesem Thema finden sich bewegende und nachdenklich machende Ausführungen. Freilich greift der Autor auch in dieser Hinsicht zu kurz. Wie steht es in unserer, was die Euthanasie angeht anti-selektiven, Wohlstandsgesellschaft denn mit der pränatalen Selektion? Musste im Zusammenhang mit der Beurteilung von Euthanasie - in dem Buch konnte es zwangsläufig nicht bei der bloßen Beschreibung der Euthanasie in brauner Zeit bleiben; eine bloße Beschreibung war offensichtlich auch nicht das Ziel des Autors - nicht auch sie angesprochen werden? Weshalb vermied Schreiber hier eine Parallele? Ferner: Führen die Richtlinien, die bei der „Vergabe“ von Organen zu beachten sind, nicht ebenfalls zu einer Art Selektion? Zieht die Notwendigkeit, bei der Gesundheit einzusparen, kein selektives Denken, das letztlich in den vorzeitigen Tod mündet, nach sich? Und welchen Standpunkt fordert die Verurteilung der NS-Euthanasie für die nicht erst seit neuestem umstrittene Frage der Sterbehilfe? Hätte man sich im Jahre 2005, dem Jahr der Erstausgabe (eine Zweitausgabe wird es wohl nicht geben), nicht wenigstens am Rande mit der Grenzziehung gegenüber all diesen Problembereichen befassen sollen? Trotz dieser Mängel: Jedenfalls legt man das Buch nach dem Lesen nicht einfach zum Vergessen aus der Hand. Das ist mehr als von vielen Büchern erwartet werden darf..

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