Jürgen Schreiber Gnadenlos

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Inhaltsangabe zu „Gnadenlos“ von Jürgen Schreiber

Echte Fälle: So authentisch wie erschütternd

Der mehrfach verurteilte Mörder, der vom Freigang nicht zurückkehrt und bei seiner Ergreifung vier weitere Menschen auf dem Gewissen hat; die Geliebte, die ihren Freund erschießt und zwei Wochen später im weißen Brautkleid einen anderen heiratet; die Frau, die weiß, ihr Mann ist der »Würger von Untergriesbach«, und ihn trotzdem nicht verrät – das sind nur ein paar der in Geschichten »mit tödlichem Ausgang«. Die Gerichts- und Verbrechensreportagen erzählen so authentisch wie erschütternd von Schuld und Strafe, von Opfern und Tätern.

Nicht ganz was ich erwartet hatte. Trotzdem ein gelungene Reportage die mir manchmal etwas zu subjektiv erschien.

— Schmetterbling

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    Gnadenlos

    Babscha

    29. October 2013 um 23:46

    Der Autor, selbst Reporter, rollt in seinem Buch zwanzig wahre Verbrechensfälle der letzten Jahrzehnte aus der deutschen Lebenswirklichkeit auf, die seinerzeit teils spektakulär durch die Medien gegangen sind, teils auch nur regionale Aufmerksamkeit erregten. Und er macht das immer sehr speziell und hochinteressant mit vielen oftmals bisher völlig unbekannten Hintergrundinformationen. Ganz gezielt widmet er sich neben dem bewusst emotionslosen Abspulen der reinen Fakten entweder den Täterpersönlichkeiten selbst mit ihren teils unglaublichen Motiven wie auch sonstigen Beteiligten aus dem Tatumfeld, z. B. den Eltern von Mördern oder Opfern oder Justizvertretern und schreckt -streckenweise sehr couragiert- dabei auch nicht davor zurück, hierbei so manche still schweigend zugeschüttete Grube wieder auszuheben. Ein buntes, erschreckendes Kaleidoskop teils wahnsinniger Gewalttaten aus dem wahren Leben, das gerade durch den hervorragenden Schreibstil zu fesseln vermag. Ein Werk, das qualitativ -mindestens- in einer Liga mit den bekannten vergleichbaren Werken eines Ferdinand von Schirach anzusiedeln ist. 

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  • Rezension zu "Gnadenlos" von Jürgen Schreiber

    Gnadenlos

    michael_lehmann-pape

    06. May 2011 um 10:50

    Das Geheimnis des Bösen Wenn man in den Nachrichten davon hört, in der Zeitung auf entsprechende Schlagzeilen trifft, unter Umständen sogar im Umfeld des eigenen Lebensraumes auf das trifft, was bei Kain und Abel der Überlieferung nach das erste Mal in den Raum trat und seitdem als das bei weitem geächtete Verbrechen gilt, wenn man mit Mord konfrontiert wird, dann ist oft das Unverständnis groß. „Wie kann man nur“, ist eine der Fragen, die sich jeder vernünftig denkende Mensch stellt und das nicht nur, weil dieses schwerste der Verbrechen auch die schwersten Strafen nach sich zieht. Jürgen Schreiber hat sich in 20 einzelnen Fällen diesem Verbrechen zugewandt. Konkreter vor allem der Frage hinter dem jeweiligen Mord versucht, zu nähern. Vielfältig sind die vordergründigen Motive, die hinter dem Geschehen eines Mordes stecken können, vornehmlich Leidenschaften sind es, die Menschen zu dieser äußersten Tat treiben. Aber auch Kalkäl und Berechnung finden sich häufiger, als man vermuten mag und ebenso Motive, die der persönlichen Ebene zunächst distanziert gegenüber stehen wie politische Attentate (auch wenn ein eher künstliches Hassgefühl hier durchaus nicht selten erweckt wird). Aus eigener Erfahrung des Journalisten kann Schreiber hier ebenso schöpfen („In einem langen Reporterleben kommt einiges an Mord und Totschlag zusammen“), wie auch aus fundierter und gründlicher Recherche von Verbrechen, die Schreiber zu Zeiten nicht selbst bearbeitet hatte, die er aber nun gründlich und umsichtig von allen verfügbaren Seiten her aufrollt. Auch extreme Situationen begegnen im Buch, die, wie Schreiber zu Recht bemerkt, ein einigermaßen vernünftig denkender Mensch „einfach nicht mehr in sein Leben integrieren kann“. Wie jener Mord, wo einer sich daheim ins warme Bett zur Gattin legt, nachdem er einige Minuten vorher einfach so eine Frau ermordet hat. Diese „dünne Membran, die uns im Alltag von der Schattenlinie trennt“ ist eines der Hauptinteressen Schreibers, immer wieder versucht er, für sich (und damit für den Leser) Erklärungen oder Antworten zu finden, warum Menschen diese Schattenlinie, teils auch aus völlig nichtig erscheinenden Gründen, überschreiten. So gelingt es Schreiber durchaus, in den 20 Reportagen, manches Licht ins Dunkle einer Tat zu bringen. Dass Hans-Joachim Klein, politischer Attentäter im Rahmen einer OPEC Konferenz 1975, im Dunstkreis des Top Terroristen „Carlos“ sich befindend, an sich bereits im Vorfeld und als junger Mann pathologische Züge aufwies (mangelnde „Vorsichtssicherung“) ist einer dieser Hintergründe eines Verbrechens, die Schreiber akribisch zusammenträgt und in denen er Erklärungsmuster anbietet und andeutet. Ebenso interessant zu lesen ist Schreibers Blick hinein in die Parallelgesellschaft aktiver türksicher Blutrache in Wiesbaden, wo mit hochgerüsteter Waffen- und Informationstechnik quasi inmitten der beschaulichen Stadt Jagd aufeinander gemacht wurde. Oder auch seine Reportage über den „perfekten Mord“ an Detlev Rohwedder, der in seinem Haus erschossen wird und bis heute keine Spur des Täters vorliegt. Interessante Fälle von großer Bandbreite finden sich im Buch, durchaus mit Distanz von Schreiber nachvollziehbar vorgebracht. Fälle, bei deren Schilderung er da, wo es möglich (und nötig) ist, auch das private Umfeld von Tätern und Opfern zu Wort kommen lässt und einen umfassenden Einblick in die „Schattenseite“ menschlicher Persönlichkeit eröffnet. Natürlich gibt es letztendlich keine befriedigende Antwort für die Taten, durchaus aber handfeste Erklärungsversuche und Hintergrundinformationen, die dem Leser einen breiten Blick auf die vorgelegten Taten ermöglicht. Fundiert recherchiert, umfassend dargelegt ohne ausufernd zu werden und, wo es möglich ist, mit vielfachen erweiterten Informationen versehen bietet das Buch einen flüssig und gut zu lesenden Einblick in das Verbrechen des Mordes aus vielfältigen Sichtweisen und Erscheinungsformen heraus.

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