Jürgen Seidel Der Krieg und das Mädchen

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Inhaltsangabe zu „Der Krieg und das Mädchen“ von Jürgen Seidel

Tanz auf dem Pulverfass. August 1914. Endlich hat der große Krieg, den alle kommen spürten, wirklich begonnen. Das junge Paar Fritz und Mila wird gemeinsam mit so vielen anderen in den Taumel aus Kriegsbegeisterung und Feindseligkeit hineingerissen. Doch auch zwischen den beiden scheinen sich unkontrollierbare Gefühle zu erheben: Fritz erhofft sich vom Krieg eine Art Reinigung von verbotenen Gefühlen, die er nicht mal Mila anvertrauen kann, und meldet sich freiwillig an die Front. Und Mila bekommt plötzlich heftige Anfeindungen zu spüren, weil ihr Vater Franzose war und Frankreich jetzt als "Erbfeind" gilt. Als ein als Franzosenhasser bekannter Lehrer stirbt, kommt Mila in Untersuchungshaft. Hochverrat schnell steht die Anklage im Raum ...

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  • leben auf dem Pulverfass

    Der Krieg und das Mädchen

    buecherwurm1310

    02. June 2014 um 14:39

    Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges gibt es in Berlin eine Gruppe Jugendlicher, die einen Club, die „Somnambulen“, gründeten, um über ihre Pläne, Vorstellungen und anderes zu diskutieren. Mila Pigeon lebt seit dem Tod ihres Vaters allein mit der Mutter zusammen. Das ist recht ungewöhnlich. Deshalb und weil der Vater Franzose war, werden sie häufig angefeindet. Auf der Fahrt zur „Sommerfrische“ an den Müggelsee lernt Mila in der Bahn Sheena Gilges kennen. Sheena hat ihre eigenen, für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlichen Vorstellungen vom Leben. Dies und ihre Verbindungen zu pazifistischen Gruppen behagen ihren wohlhabenden Eltern natürlich nicht. Durch Sheena werden Mila und ihre Mutter in Ereignisse hineingezogen, die eigentlich nichts mit ihnen zu tun haben. Milas Freundschaft zu Fritz ist belastet, denn Fritz wird nicht damit fertig, dass er sich zu Rasmus hingezogen fühlt. Er betrachtet das als Krankheit und will diese ausmerzen. Man muss sich erst in die Geschichte hineinfinden, dann wird man mit der Zeit vom Buch gepackt. Die Geschichte spielt in einer Zeit, in der sich alle auf einem Pulverfass bewegen. Da sind auf der einen Seite die verpönten Pazifisten, auf der anderen die Kriegsbegeisterten. Den Jugendlichen wird Vaterlandstreue, Krieg und Heldentod als etwas Erstrebenswertes vermittelt, dabei müsste man es aufgrund der Geschichte eigentlich besser wissen. Aber die Wirtschaft verspricht sich sagenhafte Gewinne durch den Krieg. Die Sprache versetzt uns in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Durch den Schreibstil wirkt die Geschichte authentisch und man kann den Wahnsinn der Zeit gut erspüren. Da ist einerseits Angst, andererseits Kriegsbegeisterung. Die männlichen Schüler sind eher euphorisch, was durch die Lehrer noch gefördert wird. Das Denken und Handeln der Protagonisten wirkt manchmal seltsam, nicht immer konnte ich das Verhalten nachvollziehen. Einige verändern sich im Laufe der Geschichte, so dass man auch die Einstellung zu ihnen ändern muss. Mila ist ein sehr starkes Mädchen, das trotz der Schwierigkeiten seinen Weg geht. Fritz kann nicht zu sich selbst stehen und daher sucht er den Tod im Krieg. Obwohl der Krieg stets präsent ist, wird nicht wirklich über Kriegshandlungen berichtet. Das Buch vermittelt uns wunderbar ein Stück deutscher Geschichte, ist aber nicht einfach, selbst für erwachsene Leser nicht. Die angestrebte Zielgruppe „ab 12 Jahre“ wird von dem Buch wahrscheinlich nicht so  angesprochen.

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  • Nicht nur für Jugendliche!

    Der Krieg und das Mädchen

    Misteringreen

    05. April 2014 um 19:48

    Wie anfangs schon erwähnt, war ich überrascht, aber vor allem begeistert über den besonders für ein Jugendbuch sehr schönen und durchaus auch anspruchsvollen Schreibstil. Mir persönlich hat es große Freude bereitet, hier mal wieder die Vielfalt und Schönheit der Sprache erleben zu dürfen. In einer Zeit, wo einige Verlage sich durch Übersetzungen in eine "moderne" Sprache für die Jugend versuchen (siehe z.B. Tolkiens Werke), ist es wirklich eine Wohltat und lobenswert, dass Seidel hier in einem Jugendbuch zeigt, wie schön, vielfältig und kraftvoll die deutsche Sprache sein kann, ohne dabei zu abgehoben zu formulieren. Ich habe das lesen auch immer ein Stück weit als Herausforderung verstanden und will nicht glauben, dass die heutige Jugend nicht ebenfalls dazu bereit ist...aber durch Rechtschreibreform und Neuübersetzungen machen wir es ihnen zu einfach und geben ihnen dafür erst gar nicht mehr Gelegenheit. Als weiteres positives Fazit nehme ich aus diesem Buch mit, dass es hier gelingt, dass doch schwierige und oft auch trockene Thema erster Weltkrieg in eine Form zu packen, die einem zum einen die Denkweise in dieser Zeit näher bringt, zum anderen aber auch deutlich macht, wie der Geist des Widerstandes in solchen Zeiten immer wieder mit allen Mitteln unterdrückt werden sollte. Hier sehe ich auch die zentrale Botschaft des Buches: seht, was Krieg mit den Menschen macht, wie sie den Kopf für die Ziele der Machthaber hinhalten müssen. Sicherlich keine neue Botschaft, aber in diesem Buch nach meinem Empfinden sehr gut transportiert. Leider geht es mir zum Schluss des Buches persönlich etwas zu schnell. Hier hätte ich mir sehr die eine oder andere Zeile mehr gewünscht bezüglich der Einzelschicksale der lieb gewonnenen Personen. Insgesamt aber von mir eine klare Leseempfehlung für alle, die sich der Thematik erster Weltkrieg in einem großartigem Sprachgewand zuwenden möchten, ohne auch mal leichte Und unbeschwerte Töne vermissen zu müssen.

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  • Rezension zu "Der Krieg und das Mädchen" von Jürgen Seidel

    Der Krieg und das Mädchen

    dorli

    31. March 2014 um 15:24

    Jürgen Seidel erzählt in „Der Krieg und das Mädchen“ die Geschichte von Mila und Fritz – was als gemeinsame Geschichte beginnt, driftet bald auseinander, denn Fritz fühlt sich zu einem Mitschüler hingezogen. Da Fritz diese Gefühle als falsch einstuft, möchte er in den Krieg ziehen, er erhofft sich „Heilung“. Mila muss sich mit ganz anderen Problemen auseinandersetzen. Sie ist aufgrund ihres französischen Nachnamens vielen Anfeindungen ausgesetzt und als ein Franzosen hassender Lehrer in ihrem Beisein stirbt, geraten sie und ihre Mutter ins Visier der Polizei. Es gelingt Jürgen Seidel ausgezeichnet, die Atmosphäre der Vorkriegszeit zu schildern. Die unterschiedlichen Stimmungen in der Bevölkerung werden sehr gut wiedergegeben, das Misstrauen und der Hass gegen alles Fremde, die Begeisterung für den Krieg, die Siegesgewissheit, das Überlegenheitsgefühl, aber auch ein kleines bisschen Angst, vor dem, was kommen wird. Auch Fritz' innere Zerrissenheit sowie Milas Wunsch nach Freiheit - als dem Wichtigsten aller Ziele – werden deutlich. Das Buch hat mir trotz einiger Längen sehr gut gefallen, der Autor kann die Gedanken und Gefühle seiner Protagonisten sehr gut vermitteln und ich konnte ihre ganzen Ängste und Sorgen gut nachempfinden.

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  • Für mich nicht unbedingt ein Jugendbuch

    Der Krieg und das Mädchen

    Ani

    22. March 2014 um 17:30

    Im Sommer 1914 kann man den drohenden Ausbruch des Krieges förmlich spüren. Er liegt in der Luft und treibt seltsame Blüten. Selbst die Sommerfrische am Müggelsee, zu der die Jungen der Unterprima eines Charlottenburger Gymnasiums aufbrechen, gestaltet sich dadurch anders als geplant. Auch Mila gerät in den Sog aus Vaterlandstreue, Ausländerfeindlichkeit und Kriegsbegeisterung. Denn das junge Mädchen hatte einen französischen Vater. Dieser ist zwar schon vor langer Zeit gestorben, doch der französische Nachname wird für Mila und ihre Mutter zunehmend zur Last. Da einige Jungen aus der Unterprima gemeinsam mit Mila einem Künstlerclub angehören, reist Mila den Sommerfrischlern hinterher und bezieht bei Bekannten Quartier. Sie hofft, dass ihr Freund Fritz sich in der ungezwungenen Sommeratmosphäre eher dazu durchringen kann, über seine Gefühle zu sprechen. Denn Mila und er gelten als Paar. Auf der Bahnfahrt lernt Mila eine außergewöhnliche junge Dame aus vermögendem Hause kennen. Diese hat für die Vorkriegszeit recht gewagte Gedanken und scheint sich nicht zu scheuen, diese auch auszusprechen. Mila ahnt nicht, wie sehr sich diese Begegnung auf ihre Zukunft auswirken wird..... Jürgen Seidels Schreibstil ist perfekt auf das damalige Zeitgeschehen abgestimmt. Dadurch kann man problemlos in die Vergangenheit eintauchen und sich die beschriebenen Szenen lebhaft vorstellen. Der drohende Kriegsausbruch ist dabei spürbar und schwebt regelrecht zwischen den Zeilen. Man kann förmlich spüren, wie die Luft brodelt und die Menschen zwischen Begeisterung und Angst hin- und herpendeln lässt. Wobei Euphorie und Vaterlandstreue bei den jungen Männern im Vordergrund stehen. Sie scheinen den Beginn des Krieges kaum erwarten zu können - nicht ahnend, welche schrecklichen Momente er für sie bereithalten wird. In diese aufgeladene Atmosphäre ist die Geschichte von Mila, Fritz und ihren Freunden eingebettet. Mit den Augen der Gegenwart betrachtet, werden die Ereignisse, die die Freunde in dieser Zeit durchleben, das ein oder andere Mal unwirklich und nicht besonders glaubhaft wirken. Denn zu abnorm und verwunderlich erscheinen die Handlungen und Gedanken der Protagonisten zu sein. Mila gerät ins Zentrum einer Intrige, aus der sie sich nicht aus eigener Kraft befreien kann. Lange bleiben Drahtzieher und Motiv im Dunkeln, sodass man gespannt auf die Auflösung wartet. Doch auch für Fritz hält das Schicksal einiges bereit. Denn er muss sich seinem Gefühlschaos stellen und hofft im Krieg von seinem Leiden geheilt zu werden. Die Protagonisten machen im Verlauf der Handlung einige Veränderungen durch. Leider sind diese nicht immer positiv, sodass man bereits aufgebaute Sympathien mit fortschreitender Handlung nochmals überdenkt. Dieser Roman wird als Jugendbuch für Leser ab 12 Jahren geführt. Ob man in diesem Alter bereits die Details und Feinheiten der Erzählung wahrnehmen und interpretieren kann, wage ich allerdings zu bezweifeln. Denn mir ist das selbst als erwachsene Leserin nicht immer leichtgefallen.  

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  • Eine Geschichte, zu der man erst den richtigen Zugang finden muss

    Der Krieg und das Mädchen

    Spatzi79

    18. March 2014 um 15:17

    Berlin, August 1914. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs steht kurz bevor. Fritz und Mila sind jugendliche Gymnasiasten und gemeinsam mit einigen Mitschülern von Fritz haben sie einen kleinen Club gegründet, die „Somnambulen“, in dem sie über Ideale, Freiheit und vieles mehr debattieren. Mila lebt allein mit ihrer Mutter. Ihr Vater ist vor langer Zeit verstorben. Er war Franzose und die beiden Frauen müssen nun aufgrund ihres französischen Nachnamens Pigeon mit heftigen Anfeindungen umgehen. Als Mila zur „Sommerfrische“ an einen See außerhalb Berlins fährt, wo sich auch Fritz und seine Klasse aufhalten, lernt sie auf der Bahnfahrt Sheena Gilges kennen, eine junge Frau aus wohlhabendem Elternhaus, die sich nicht in das vorgegebene Raster ihrer Familie pressen lassen will und ihre ganz eigene, fortschrittliche und pazifistische Einstellung pflegt. Doch Pazifist zu sein und damit gegen den Krieg, ist in dieser Zeit schnell gleichbedeutend mit Hochverrat. Mila wird in einen Strudel von Ereignissen hineingezogen, die sie weder vorhersehen konnte noch beeinflussen kann. Ihre Beziehung zu Fritz wird zudem einer harten Probe unterzogen, denn Fritz gesteht sich ein, dass er sich mehr zu seinem Freund Rasmus hingezogen fühlt als zu Mila. Diese „Krankheit“ gilt es seiner eigenen Meinung nach auszumerzen, doch er kann seine Gefühle und Gedanken nicht einfach ausstellen. Mila findet Halt und Hilfe bei einem anderen Mitglied der Somnambulen, bei dem sie dies nie erwartet hätte. Es war das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe und ich bin am Ende zweigeteilter Meinung. Einerseits fand ich die Geschichte sowohl sprachlich als auch inhaltlich äußerst interessant, andererseits war die Handlung auch immer wieder recht sprunghaft und manche Teile ziemlich sperrig und für mich nicht immer so ganz nachvollziehbar. An manchen Stellen empfand ich die Handlung direkt als surreal. Gegen Ende zieht das Tempo der Geschichte auf einmal rapide an, nachdem sicher der Autor vorher reichlich Zeit gelassen hatte und das Ende scheint auf den ersten Blick relativ offen, mit dem Wissen über das damalige Zeitgeschehen allerdings ist der Ausgang dann aber vielleicht doch recht eindeutig. Sehr gut geschildert wurde der Wahnsinn, die Kriegsbegeisterung inbesondere in der Jugend, die von Lehrern und anderen Erwachsenen noch angefeuert wurden und so blindlings ins Verderben liefen. Hier kann man aus heutiger Sicht nur noch fassungslos den Kopf schütteln, wenn es um Heldenopfer geht und um die große Ehre, fürs Vaterland zu sterben, die damalige Zeit und Einstellung ist aber damit gut getroffen. Insgesamt kein ganz einfaches Buch. Ob die jugendliche Zielgruppe des Verlages den richtigen Zugang zu dieser Geschichte findet, wage ich zu bezweifeln, mir als Erwachsene fiel das streckenweise schon recht schwer.

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  • Die Veränderung der Lebensatmosphäre

    Der Krieg und das Mädchen

    michael_lehmann-pape

    10. March 2014 um 10:36

    Die Veränderung der Lebensatmosphäre Sommer 1914. Fünf Tage Sommerfrische der Oberstufenklasse des Jungengymnasiums am Müggelsee vor den Ferien. Aufgeheizte Atmosphäre der Vorkriegswochen und beschauliche Idylle. Fritz Wanlo und zwei seiner Freunde, Rasmus Bloemacher und Wieland Hassel, haben mit Mila, einem ernsthaften jungen Mädchen, die „Somnanbulen“ gegründet. Treffpunkt ist das „Cafe im Westen“ (intern auch „Cafe Größenwahn“ genannt). Eine kleine Gruppe literarisch interessierter. Aber das Wichtigste ist „Freiheit“. Im Leben und im Denken. Freiheit auch in den internationalen Verbindungen. Der Traum wäre es, in Paris zu studieren. Auch Mila reist zum Müggelsee für ein Zusammensein, vor allem mit Fritz, dem sie verliebt verbunden ist. In einer Zeit der strikten, gesellschaftlich-moralischen Rahmung, die solche Gefühle sich immer nur zart andeuten lässt. Das ist die eine Seite der „guten alten Zeit“, wo doch „nichts mehr passieren kann“, die Welt ein „zivilisierter Ort“ geworden ist. Aber da ist auch Janota, schärfster Lehrer des Gymnasiums, der die Welt in jene unterteilt, die Kommandos geben und in die Millionen anderer, die als „Rädchen“ zu funktionieren haben. Eine Weltsicht, die manch Schüler durchaus teilen und umsetzen. Und da ist das aufgeheizte Klima, in dem die kleinen Steppkes auf den Straßen mit Besenstielen Soldat spielen. Eine Gemengelage zwischen Alltag, Gewohnheit und beginnender, massiver Veränderung, die vor allem Mila am eigenen Leib leidvoll spüren wird. Nicht nur, dass ihre junge Liebe zu Fritz und ihr Traum, einen „Männerberuf“ zu ergreifen, stark unter Druck geraten. Zudem war ihr Vater Franzose, was ihre nunmehr alleinerziehende Mutter stark zu spüren bekommt, als Janota stirbt und seine Witwe voller Hass mit dem Finger auf Mila und ihre Mutter zeigt. Während Fritz mit ganz anderen, inneren, „biologischen“ Veränderungen zu kämpfen hat, mit einer „Krankheit“, wie er es nennt. Er meldet sich schnell zum Kriegsdienst, denn nur an einer Front, meint er, könne diese „Krankheit“ ausgemerzt werden. Eine ganze Welt, die so heil schien, die sich in literarischen Träumen und jungen Lieben vermeintlich bewegte, gerät so aus den Fugen. Vor lamme und zunächst innerlich. Das ist die große Stärke Seidels, dieses innere „Wegkippen“ präzise und genau zu erfassen und zu beschreiben, die Entwicklung seiner Figuren angesichts des „Schicksals“, dem gegenüber diese ohnmächtig ausgeliefert scheinen, abzubilden. Ihn einer Sprache und einem Stil, der doch sehr an die Roman jener Zeit erinnert, in der Seidel diese Geschichte ansiedelt. Nicht ohne Grund erwähnt er im Buch Fontanes „Effie Briest“. Eine Sprache, die dennoch nicht „altbacken“ wirkt, aber doch in ihrer Weise die Atmosphäre dieses Sommers 1914 nicht nur im Erzählten, sondern auch in der Form auszudrücken versteht. Ein wenig zu ruhig, zu innerlich allerdings ist dieses Buch im Gesamten dann doch, auch in der Bedrängung Milas durch den Tod des Lehrers taucht nur mäßige Spannung auf und die weitverzweigten, teils marternden Selbstreflektionen der jungen Menschen ziehen sich doch das ein oder andere mal sehr breit im Buch dahin. Alles in allem aber eine gelungene Darstellung der „Zeitenwende“ 1914, die sich ja vor allem in den Menschen vollzog, im Aufeinandertreffen von „Internationalisten“ und „Weltvereinern“ mit jenen, denen „Ehre“ und „das Reich“ über alles geht und die im Waffengang den heiligen Ort männlicher Bewährung wähnen, an dem das „Wesen des Mannes“ gesundet.

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  • Ein Buch, das nicht ganz so einfach ist...

    Der Krieg und das Mädchen

    vitushoesl

    07. March 2014 um 23:26

    (Die ganze Rezension unter www.schon-gelesen.eu) Dieses Buch ist, noch mehr als Jürgen Seidels andere Bücher, ein Exemplar, das einen nicht in Ruhe lässt. Es ist auch zweifelsfrei nur etwas für Leute mit Interesse an diesem Thema und es verwundert mich, dass es in unserer kom­mer­zi­a­li­sie­rten Welt noch Verleger gibt, die so ein Buch mit einer, wie ich denke nur sehr kleinen Zielgruppe veröffentlichen. Doch jeder, der sich das Buch tatsächlich antun möchte wird viel interessantes darin finden. Beim Lesen des Buches bemerkt man, dass Jürgen Seidel viel Zeit in die Recherche und die Ausarbeitung des Buches gesteckt haben muss, da er mit einem fast schon extremen Detailreichtum von der Welt vor dem 1. Weltkrieg berichtet und einen wirklich mitnimmt in diese Zeit. Man kauft ihm ab, was er da schreibt. Der Krieg und das Mädchen ist kein Buch, das man einfach liest und weglegt, sondern eines, an das man sich auch nach dem Lesen noch erinnert. Ausschnitt aus: http://schon-gelesen.eu/der-krieg-und-das-maedchen/

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