Natürlich hinkt ein Vergleich dieses Romans mit Philip K. Dicks „Nach der Bombe“ oder Kazuo Ishiguros beeindruckendem Werk „Der schlafende Riese“. Was sie aber alle drei gemeinsam haben und auch ähnlich aufziehen, ist eine Realität, in der eine Gemeinschaft sich gerade deshalb eng aneinanderhält, weil etwas nicht stimmt, nicht zu stimmen scheint; in der das Weggesehen, das Nichterwähnen gepflegt wird, weil sonst vielleicht alles auseinanderbricht, das mühsame Weiterleben gefährdet wäre.
Manichi Yoshimura hat sich für ihren Roman allerdings einen besonderen Blickwinkel ausgesucht: geschildert wird das Geschehen aus der Sicht eines 11-jährigen Mädchens. Dieses Mädchen lebt in einer scheinbar normalen Welt, deren Rahmen aber schiefhängt; am Rand und mittendrin taucht immer wieder vieles auf, was beunruhigend wirkt, aber dennoch tun alle anderen so, als wäre nichts passiert – und nur hier und da fällt jemand aus der Rolle. Dabei gibt es doch so viele Belege dafür, dass etwas passiert ist, etwas Unaussprechliches, Schleichendes.
Gefallen hat mir, dass das Buch in keinem Moment allzu dramatisch oder aufmerksamkeitsheischend daherkommt. Dafür ist es immer wieder unerhört eindrücklich. Viele Szenen verdichten sich in der Vorstellung, weil sie mit der richtigen Dosis Intensität geschildert werden. Die meiste Zeit fließt die Handlung einfach dahin, aber diese Verdichtungen geben dem ganzen Buch übergreifend einen eindringlichen Touch.
„Kein schönerer Ort“ ist ein besonderes Buch, ein Buch das auf unscheinbare Weise brilliert und dessen ganze Wucht man zuerst nicht bemerkt, aber dennoch spürt. Lesenswert!
Jürgen Stalph
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Jürgen Stalph
Was habe ich da gerade gelesen? Anfangs so viel Gleichgültigkeit, später so viel Schmerz. Was kann ein Mensch psychisch alles ertragen? Es geht hier vielmehr um einen psychologischen Einblick, als um die eigentliche Handlung, was mir immer sehr zusagt. Ein Mensch, der selbst so viel leidet, und zugleich dem Leid anderer zusieht, ohne etwas zu tun. Dazu eine tolle Sprache, die nicht einfach, aber wunderschön ist, und in ihrer Schönheit all den Schmerz abbilden kann. Eine große Empfehlung von mir, und ich weiß nicht, wieso ich mich so lange vor diesem Werk gedrückt habe. Suhrkamp, bitte übersetzt Weiteres von diesem Autor :)
„Ich bin ein Stern ohne Himmel, verloren in der Dunkelheit.“
No Longer Human ist kein Buch, das gelesen werden will – es will gespürt werden.
Dazais Worte flüstern statt zu schreien. Sie schleichen sich unter die Haut, dorthin, wo der Schmerz still wohnt. Oba Yozo ist kein Held, kein Bösewicht – nur ein Mensch, der nie wusste, wie man Mensch ist.
Zwischen Tagebucheinträgen und inneren Abgründen entfaltet sich ein Porträt der Einsamkeit, so leise und echt, dass es wehtut.
Ein Spiegel für all jene, die sich verstecken hinter einem Lächeln.
Für alle Sterne ohne Himmel.
Ein Meisterwerk, das nicht heilt, sondern offenlegt.
5/5 – und doch fühlt es sich wie zu wenig an.
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