Jürgen Wiebicke

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Alle Bücher von Jürgen Wiebicke

Dürfen wir so bleiben, wie wir sind?

Dürfen wir so bleiben, wie wir sind?

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Erschienen am 02.10.2013
Zehn Regeln für Demokratie-Retter

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 (1)
Erschienen am 06.04.2017
Zu Fuß durch ein nervöses Land

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 (0)
Erschienen am 13.10.2016

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Rezension zu "Dürfen wir so bleiben, wie wir sind?" von Jürgen Wiebicke

Gegen genetische „Perfektionierung“
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

Einer der existenziellsten Sätze des Verständnisses vom Menschen findet sich im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wieder. Ein Satz, auf den Wiebicke nicht nur zu Beginn des Buches rekurriert, sondern dessen Gehalt ihm den roten Faden durch das gesamte Buch und seine darin ausgedrückte Haltung gibt.

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

 

Ein „Wert in Gefahr“, denn „einfach so“, wie in den letzten Jahrhunderten, gilt dieser Satz nicht mehr und ist nicht mehr gesetzt, sondern muss begründet werden.

 

Davon abgesehen, dass dieser Satz ein Ideal und eher eine Absichtserklärung darstellt denn die Realität zu fast jeder Zeit der Geschichte, verweist Wiebicke in diesem Buch auf eine „neue Gefahr“ für die „Würde des Menschen“.

 

Die Qualität der „neuen Gefahr“ besteht nach Meinung Wiebickes darin, dass hier nicht nur einzelne Personen oder Personengruppen in ihrer Würde gefährdet sind oder beschädigt werden, sondern durch den Fortschritt in Medizin und Naturwissenschaften die „Gattung Mensch“ als solche in ihrer Würde in Gefahr steht.

 

Dass der Mensch als Individuum etwas „ganz besonderes“ ist und darstellt, das war lange Jahrhunderte zumindest ideal unstrittig (wenn auch oft diese moralische Überzeugung mit Füßen getreten wurde). Doch in den letzten Jahrzehnten scheint sich der Blick weniger auf das „Sein“ des Menschen zu richten (wie er ist), sondern auf das „Potential“ des Menschen (wie er sein könnte). Damit aber rücken vor allem die „Mängel“ in den Blickpunkt der Betrachtung, die (noch) am „Potential“ hindern.

 

Wenn aber die „Idee der menschlichen Würde“ (die in der Moderne nicht mehr durch die religiöse Kategorie des „Heiligen“ begründbar vorliegt und damit „in der Luft hängt“) aufgegeben wird, dann steht auch die gedankliche „Unantastbarkeit“ des einzelnen Menschen in Gefahr.

 

Darin sieht Wiebicke die eigentliche Gefahr der Gegenwart. Das ein „So Sein“ nicht mehr als gegeben und schützenswert angesehen wird, sondern dass „der Mensch sich anzupassen hat“ an den technischen Fortschritt. An seinen Mängeln arbeiten muss, sich permanent zu optimieren hat.

 

Wobei Wiebicke sich zunächst sehr gründlich daran macht, die Entwicklungsgeschichte des Menschen als soziales Wesen aus philosophischer Sicht nachzuerzählen und dabei vor allem in der Haltung der aktuelle hoch übergewichtigen individuellen „Konkurrenz“ statt der „Kooperation“ (zumindest in der eigenen Gruppe über Jahrhunderte Garant für Schutz und Entwicklung) eines der „Kernübel“ des „neuen Denkens“ verortet. Konkurrenzdenken führt zu Optimierungswahn, um Vorteile gegenüber Konkurrenten zu erlangen.

 

Eine Entwicklung, die dem Menschen nicht zum Besten dient. Überzeugend stellt Wiebicke den immer schneller vorangetriebenen technischen Fortschritt der „Ermattung des Menschen“ gegenüber. So bleiben dürfen, wie er ist, das ist dann jene Frage, die zumindest für einen Moment um Stillstand bittet, die zeigt, dass der Mensch mit der Geschwindigkeit der „Optimierung“ in und an allen Bereichen mehr und mehr innerlich vollständig überfordert ist.

 

In den gewichtigen Themenfeldern des Todes, der Organspende, der Ethik, der sportlichen Bestleistungen (um jeden Preis), der optimierten Gehirne, des „kranken“ Kapitalismus, des Wunsches nach Unsterblichkeit,  der Einzwängung der Natur, arbeitet Wiebicke im Buch seine Grundbeobachtungen philosophisch ab.

In überwiegend durchaus verständlicher und nachdenkenswerter Form.

 

Gedanken und Impulse, die hier und da allerdings auch zugespritzt daherkommen, die ab und an auch einen hohen Abstraktionsgrad in sich tragen und daher der Konzentration bedürfen.

 

Aber eine Lektüre, die sich lohnt und zur Reflektion einlädt. Das der „Komparativ“ überhand genommen hat und damit das Grundlegende am Menschsein mit bedroht.

Dass die Entwicklung dem Menschen weitgehend aus der Hand genommen wird und durch Algorithmen eher bestimmt wird als durch politische und ethisch verantwortete Entscheidungen.

Ein Weg, der ethisch von Bedeutung ist in einer Zeit, in der sich „nichts mehr von selbst versteht“, aber der Mensch sich nicht den „Automatismen des Fortschritts“ einfach so ausliefern sollte.

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