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acabus_verlag

vor 2 Jahren

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Wer ein Wiedersehen in Amalea feiern möchte – hier kommt Band Drei der „Chroniken von Chaos und Ordnung“!

 

Tritt das „echte“ Chaos endlich aus dem Verborgenen ans Licht?

Wird Thorn seinem inneren Teufel Herr?

Wird Chara erneut dem MacDragul begegnen, der sie auf Caer Arkum so aus der Fassung gebracht hat?

Wie begegnet Bargh den Schatten seiner Vergangenheit?

Und was lauert hinter Telos’ Maske des rechtschaffenen Kriegspriesters?

 

Amalea im Jahre 344 nach Gründung Fiorinde.
Die Zeit der Dunkelheit ist vorüber. Die Völker Amaleas sind im Begriff, die Welt von den letzten Chaosanhängern zu befreien und den Göttern der Ordnung zu neuer Macht zu verhelfen ...

Die Würfel sind gefallen. Bargh, Telos, Chara und Thorn haben die Prüfungen Al’Jebals bestanden und unter seiner Weisung ihr jeweiliges Schicksal besiegelt. Doch was dem einen zum Aufstieg verhilft, führt den anderen in den Untergang. Während Bargh vom Schatten seiner Vergangenheit eingeholt wird und dem Bösen dabei näher kommt, als ihm lieb ist, Chara sich fragt, wieso die Anhänger des Chaos eine unerklärliche Faszination auf sie ausüben, und Telos Agramons Wort mit den eigenen unerhörten Taten in Einklang zu bringen versucht, plant Thorn im Geheimen den Untergang Al’Jebals.  

Die Chaoskriege sind seit Hunderten von Jahren Geschichte. Doch in der Begegnung mit Hakkinen Dragati, Prophet eines Chaosgottes, zeigt sich, dass die Geschichtsbücher Lügen verbreiten. Und am Ende erkennen Bargh, Telos, Chara und Thorn, dass es das Chaos ist, das ihnen bei all ihren Schritten die Begleitmusik spielt. Aber wie passt Al’Jebal in diese Erkenntnis?

„Die Ordnung hat nur einen Fehler: Sie erkennt das Chaos nicht, wenn sie es vor sich hat. Dieser Fehler ist allerdings verheerend.“

 

In einer Welt, in der alles existiert, was das Genre der Fantasy hervorgebracht hat (Elfen, Zwerge, Drachen, Vampire, Werwölfe, Kentauren, Dämonen, Götter …) entspinnt sich ein Kosmos, der uns noch immer fremd ist. Und das vertrauteste aller Geschöpfe trägt diesen Kosmos in sich – der Mensch.

http://www.acabus-verlag.de/vorschau_45/2015_62/chroniken-von-chaos-und-ordnung-band-3-bargh-barrowson_9783862823956.htm


Bedingungen der Leserunde:

Wir suchen 10 Testleser, wobei 5 der Bücher als PDF-eBooks verschickt werden.

Bis zum 31. Oktober 2015 könnt Ihr Euch für eines der Bücher bewerben*. Wenn Ihr ein eBook bevorzugt, gebt bitte dies bei der Bewerbung an. Ab dem 06. November 2015 übernehmen die Autoren die Moderation und begleiten Euch nach Amalea.

Selbstverständlich steht die Leserunde jedem Besitzer von "Chroniken von Chaos und Ordnung" offen.


*Im Gewinnfall gehören eine zeitnahe Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde sowie das Schreiben einer abschließenden Rezension selbstverständlich dazu. Falls Ihr dies nicht gewährleisten könnt, seht bitte von einer Bewerbung ab.

Autor: J. H. Praßl
Buch: Bargh Barrowson - Chaos

Ormeniel

vor 2 Jahren

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Der Klappentext hat mich super neugierig gemacht. Da versuche ich mein Glück! Leider habe ich die ersten beiden Teile verpasst, aber ich denke, ich werde mich gut hineinfinden.

J_H_Prassl

vor 2 Jahren

Liebe Ormeniel,

es freut uns sehr, dass du mitmachen möchtest! Wir haben nur im Zuge der letzten Runden die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwierig ist, an späterem Punkt in diesen Zyklus einzusteigen. Die meisten Leser sind der Meinung, dass er dafür zu komplex ist. Darum unser Vorschlag an dich: Lies zuvor den zweiten Band (auch erhältlich als Ebook). Band Eins ist nicht unbedingt erforderlich, um sich in die Geschichte einzufinden. Band Zwei hingegen braucht man fast, um sich in Band Drei zurechtzufinden. Am Ende liegt es aber bei dir! Wenn du denkst, du schaffst das, dann, so sei es :-)

Dasselbe empfehlen wir natürlich auch allen anderen Interessierten!

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Kitayscha

vor 2 Jahren

S. 620 bis Ende

Hallo ihr Lieben :-)
Ich weiß, ich sehr spät dran, dafür hab ich das Buch sehr genossen.

http://www.lovelybooks.de/autor/J.-H.-Pra%C3%9Fl/Chroniken-von-Chaos-und-Ordnung-Bargh-Barrowson-Chaos-1193703836-w/rezension/1220680306/

So, und nun zähle ich die Tage bis Band 4 erscheint und glaubt mir, im Tage zählen bin ich mittlerweile sehr geübt ;-)

J_H_Prassl

vor 2 Jahren

S. 620 bis Ende

Kitayscha schreibt:
Hallo ihr Lieben :-) Ich weiß, ich sehr spät dran, dafür hab ich das Buch sehr genossen. http://www.lovelybooks.de/autor/J.-H.-Pra%C3%9Fl/Chroniken-von-Chaos-und-Ordnung-Bargh-Barrowson-Chaos-1193703836-w/rezension/1220680306/ So, und nun zähle ich die Tage bis Band 4 erscheint und glaubt mir, im Tage zählen bin ich mittlerweile sehr geübt ;-)

Hey Kitti! Das ist mal eine berührende Liebeserklärung an das, was wir hier tun! Vielen Dank dafür! Deine lockere und pointierte Art zu rezensieren, muss man einfach gern haben. Heinz grinst von einem Ohr zum Anderen und ich freu mich wie ein Schneider! Wir halten dich natürlich wie gehabt auf dem Laufenden und freuen uns, wenn wir dich nächstes Jahr wieder einsammeln dürfen - egal, wo auch immer du dann bist ;-)

ZweiHerzen

vor 2 Jahren

S. 551 bis S. 619 (ink. Kapitel „Drei Tage unter der Erde“)
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Wow, was für ein langer und überaus intensiver Leseabschnitt! Mit jeder Seite fürchte ich das Ende mehr, da zwar viele Fragen beantwortet werden, die ich mir in den letzten Bänden und besonders im Zuge dieses Buches gestellt habe, aber es wird immer klarer, dass es einen großen Cliffhanger geben wird, der die Lektüre des vierten Bandes (und nicht nur dessen!) notwendig macht.

Ich hatte ja eigentlich erwartet, dass nach dem letzten Abschnitt ein Cut gemacht wird und wir gleich wieder am Schiff oder direkt in Billus einsteigen werden. Aber nein, da kommt noch was. Wir sehen, wie sich erneut in einem Gebiet etwas zusammenbraut, das die Abenteurer hinter sich lassen. Sie werden erneut Zeugen des Unheils, das in die Welt kommt und stärker wird, sich überall Verbündete sucht und dabei oft erfolgreich ist. Interessant ist, dass es Grakas gibt, die sich in Menschen verwandeln können. Besteht da eine Verwandtschaft mit Waron, oder ist er sogar einer von denen? Oder sind die Gestaltwandler-Grakas sozusagen die kleinen Brüder der Gestaltwandler-Drachen? Die letzten Überbleibsel derer, die diese Fähigkeit noch behalten haben? Gibt es überhaupt eine Verwandtschaft zwischen Echsenmenschen und Drachen, und wenn ja, weiß noch jemand davon oder ist das vergessen?

Beim Fall Lakschas sind sie aber dann doch noch hautnaher dabei als in Amoravod, und entkommen noch knapper. Dabei zeigt sich aber an vielen Stellen, dass die Neuen – Lucretia und Girim – ihren Wert für die Gruppe noch einmal beweisen können, und außerdem kommen mir beide schon ein wenig reifer vor. Girim hält sich mit seinen Spässen zurück, und Lucretia mit ihrer Jammerei. Auch Chara behält ihre Gedanken vor dem Radscha für sich und macht diesmal auch keine Anstalten als sie sich vor ihm „verneigen“ muss. Nur am Ende der Verhandlungen reißt ihr wieder einmal der Geduldsfaden, diesmal aber mehr als berechtigt, wie ich finde. Als sie die Aphrodia vor den Angreifern retten müssen, zeigt Chara sogar Geistesgegenwart und Taktikgespür und hält Girim zurück.

Dann geht es endlich nach Billus zurück. Telos ist sichtlich gezeichnet von den Ereignissen, aber man weiß noch nicht so recht warum eigentlich. Weil sein Gott schon wieder nicht da war? Weil er immer noch nicht darüber hinweg ist, dass er mit dem Chaos verhandeln musste? Weil er gegen lebende Tote kämpfen musste? Weil er Bargh, Osmosis und Thorn vermisst? Weil er nicht an Chara rankommt? Wahrscheinlich spielt alles zusammen, und ich hoffe für ihn, dass er das irgendwie verarbeiten kann. Trotzdem kann ich mir noch nicht vorstellen, wofür Al'Jebal für ihn bei seiner Rückkehr Assassinen braucht.

Langeladeons Gespräch mit Chara ist sehr scharfsinnig, aber so hochnäsig, uneinfühlsam und von oben herab, dass sich so etwas niemand zu Herzen nehmen könnte. Das einzige, was hängen bleiben wird ist, dass er glaubt, sie sei dem Chaos näher als sie zugeben will. Das kam ja schon einmal in ihren Gedanken auf, als sie über die Aussage von Malakal über die Naturgewalten nachdachte. Die Erklärungen Langeladeons bezüglich Weltgeist und Chaos wirken von einem philosophischen Standpunkt aus inkonsistent. Auf der einen Seite sind beide Aspekte Teil des Weltgeist und müssen sich die Balance geben, auf der anderen Seite sagt er nur, er bekämpft das Chaos wenn es zu stark wird, und überhaupt würde es von den Elfen nur toleriert, weil die Menschen es geboren haben und die Schuld für dessen Ausbreitung tragen. Das passt für mich einfach nicht. Wenn die Menschen es erschaffen haben, wie kann es dann Teil des ursprünglichen Weltgeistes sein und in die Ausgewogenheit mit einberechnet werden? Man könnte jetzt argumentieren, dass das Chaos nur ein Aspekt der „dunklen“ oder „bösen“ Mächte ist, und dabei hilft, diesen stärkeres Gewicht in der Welt zu geben. Aber selbst wenn das zutrifft finde ich es seltsam, dass er mit keinem Wort erwähnt, dass er die Balance auch durch Bekämpfung der Ordnung oder des „Guten“ wieder herstellen würde, wenn diese Überhand nehmen würden.

Telos verfällt immer mehr, opfert Pferde und wird zum Flagellanten. Alles um seinem imaginären Freund zu gefallen, der noch nicht einmal gesagt hat, was ihn an Telos' Verhalten eigentlich stört. So opfert und peitscht Telos eigentlich ganz ins Blaue hinein und hofft, irgendwo einmal ein Korn zu finden. Diese Einstellung, die Wahrheit zu kennen (was habe ich falsch gemacht, warum mag mich mein Gott nicht mehr, und wie kann ich es wieder gutmachen) ekelt mich an. Die Selbstdemütigung, die offenbar Charas größtes Problem dabei ist, stört mich nicht so, das ist ja ganz sein Ding. Aber dieses Erleuchtungsgehabe führt bei den meisten, wie auch immer wieder bei Telos, zu einer abstoßenden Missionars-Einstellung, und das gehört zu den Dingen, die ich überhaupt nicht ertrage.

Zumindest birgt die Szene mit dem blutenden Telos und Chara ein bisschen Intimität, und wir erleben Chara, wie sie auch sanft sein kann, nicht nur körperlich, sondern auch ihren eigenen Stolz, ihre Prinzipien hintanstellend für Telos sorgen will. Einige Tage später wiederholt sie diese Geste der Freundschaft und überzeugt Telos, dass er unmöglich die einzige Wahrheit kennen kann. Recht anschaulich versetzt sie sich nicht nur in Telos' Situation, sie erklärt ihm auch mit Worten, die er verstehen kann, welchen anderen Weg er gehen hätte können, vor allem als Priester eines Kriegsgottes. Telos will das natürlich nicht hören und lenkt mit seiner Warnung ab, sie habe auch einem anderen als ihrem eigentlichen Meister einen Eid geleistet.

Und dann schlägt Telos' ekelhafter Missionierungseifer wieder durch: „Mich hat Agramon gereinigt, in dem er mir verziehen hat. Sein Licht hat das Chaos aus mir verbannt. Was ist mit dir?“ Natürlich ist möglich, mit Meditation und vor allem Introspektion (was mehr ist Selbstgeißelung als die ultimative Introspektion?) gewisse negative Aspekte des Selbst zu überwinden. Aber glaubt Telos tatsächlich, dass alles, was er getan hat, nun aus ihm reingewaschen ist? Glaubt er ernsthaft, dass das keine Spuren in ihm hinterlässt, dass er sozusagen wieder in der Ausgangslage ist? In seiner Phantasiewelt mag das vielleicht zutreffen, aber in der realen Welt weiß Dragati, Al'Jebal, wissen seine Mitstreiter, was er getan hat, und er selbst weiß es natürlich, und was er mit seinen Ritualen getan hat war bestenfalls, das Verdrängen zu unterstützen. Zumindest aus psychologischer Sicht. In dieser Situation vor Chara hinzutreten und eine Warnung auszusprechen ist milde gesagt präpotent. Mich wundert, dass Chara dabei so ruhig bleibt, sie muss ihn wirklich gern haben – oder sie hat vorauseilend Schuldgefühle vor Al'Jebal.

Dann kommt eine sehr offenbarende Diskussion um Charas Neigung zum Chaos und ihre Prinzipien. Sehr augenöffnend finde ich, wie verfehlt Telos' Urteil über Assassinen ist; er ist der Meinung, sie hätten keine Gesetze, ihr Merkmal sei die Prinzipienlosigkeit. Das ist meiner Erfahrung nach sehr typisch für missionierende Menschen: sie sehen immer nur Teilaspekte ihrer „Zielpersonen“ und selbst wenn sie Jahre mit ihnen verbringen verfehlen sie in ihrem Urteil die wahre Natur ihres Gegenübers meist um Längen. Aber das wirklich interessante Geheimnis offenbart Chara in ihrer Antwort darauf. Nicht nur erzählt sie (wieder), dass ihr Verstand gespalten ist, sie sagt diesmal, er dementiere sich selbst. Ist das die Vorstufe zu den Tagebuchaufzeichnungen, in denen sie (später) schon weiß, dass sie auch Herz ist, und dass ihr Herz ihren Verstand dementiert? Glaubt sie hier noch, dass es Verstand gegen sich selbst ist? Glaubt sie damals noch, dass dieser Streit etwas Neues produziert anstatt zu erkennen, dass sich hier ihre unterdrückten Emotionen endlich zu Wort melden und an Macht gewinnen? Oder steckt etwas anderes dahinter? Ist es damals tatsächlich ihr Verstand, der sich selbst negiert und die Neugierde hervorbringt, andere Dinge zu versuchen, neue Dinge kennenzulernen? In ihrer damaligen Situation ist das einzige, das immer wieder „raus will, weil es (sie) sonst von innen heraus auffrisst“ ihre Aggression, ihre Wut, ihre Kampfeslust. Aber auch das sind Emotionen, nur eben die einzigen, die sie zum damaligen Zeitpunkt zulassen konnte. Und zu genau diesem Schluss kommt auch Telos und verbalisiert das. Und genau das ist es auch, was Lomond gesagt hatte. So langsam beginnt es also tatsächlich an Chara zu nagen, und sie lässt den Gedankengang zumindest von Zeit zu Zeit zu.

Der nächste Abschnitt erzählt uns endlich, welche Geheimnisse unsere Abenteurer bei Al'Jebal erfahren haben, und worüber sie auf keinen Fall mit irgendjemandem, nicht einmal untereinander, sprechen dürfen. Die ganze Szene mutet ein wenig seltsam an, Chara sitzt in ihrem Zimmer in der Festung, tief in Gedanken und Erinnerungen versunken, und trotzdem erinnert sie sich nicht „normal“ an das Geschehene sondern überaus detailliert und vor allem chronologisch richtig. Speziell wenn man bedenkt, dass die Ereignisse jetzt sicher schon Monate zurückliegen, heißt das, dass das ganze Ereignis offenbar einen wirklich sehr starken Eindruck hinterlassen haben muss.

Wir steigen ein in einer schummrigen Szenerie, in der die Abenteurer von Al'Jebal darauf geprüft werden, ob sie es schon wert sind, sein Geheimnis zu erfahren. Thorn erweist sich meines Erachtens nicht wirklich als würdig oder vertrauensselig, er versucht im Zuge des Gesprächs Al'Jebal sogar fast zu erpressen, á la Wenn ich dir vertrauen soll musst du vorher ein bisschen was rausrücken. Trotzdem wird er hier wieder ein wenig sympathischer (auch wenn das Vertrauen in Testaceus aus Band Eins noch einen sehr bitteren Nachgeschmack hat). Er zweifelt, er fragt, er will Antworten; ist daran etwas falsch? Ist es nicht viel falscher, blind jemandem zu vertrauen, der einen ständig auf Missionen schickt, bei denen Menschen (und andere Wesen) zu Schaden kommen? Wer weiß wirklich, ob es gut ist, bei diesen Dingen einzugreifen? Ja, es werden Menschen (und andere Wesen) gerettet, aber andere sterben. Wenn ich nicht weiß, wofür das alles ist, was das große Ganze bringen soll, würde auch ich zweifeln, und das berechtigt wie ich meine.

Hier haben wir auch erstmals eine Szene, wie ich sie mir schon lang wünsche: Al'Jebal berät sich mit den Abenteurern. Thorn, der lange Zeit im Valianischen Imperium gelebt hat und der herrschenden Elite sehr nah war, kann ihm Einsichten liefern, und durch Al'Jebals Spione können sie gemeinsam das Bild zurechtrücken und weitere Vorgehensweisen durchbesprechen. Das scheiterte bis jetzt vielleicht nicht so sehr an Al'Jebal, sondern an Thorn, der sein Wissen einfach nicht weitergeben wollte, oder Angst hatte, was Al'Jebal damit anrichten könnte. Andererseits hat Al'Jebal als der unnahbare Auftraggeber, der Thorn den Treueeid mit Androhung des Todes praktisch herausgepresst hat, auch nicht gerade wenig Schuld an der Situation des Nichtvertrauens. Möglicherweise ist das dann auch der letzte Schubser, den Al'Jebal braucht, um den Abenteurern tatsächlich die unterirdischen Anlagen zu zeigen.

Chara ist in der Szene übrigens wieder die stupide Indoktrinierte, keinen einzigen Moment scheint sie sich für die Hintergründe ihres Herrn zu interessieren, sie denkt ständig nur daran, ihn zu beschützen oder Thorn zu eliminieren. Dass Thorns Einwände berechtigt sein könnten scheint sie nicht einmal zu realisieren als er ihre Zweifel an Telos' und Osmosis' Einstellung teilt. Selbst die taktischen Vorteile einer gleichberechtigten Beziehung zwischen Experten aus verschiedenen Regionen, Berufen und Spezialgebieten sieht sie nicht. Das offenbart für mich vielleicht noch deutlicher als an anderen Stellen, wie sehr sie sich selbst verleugnet, als nichtig sieht. Ihr Beitrag ist dienen, nicht zweifeln, nicht fragen. Das ist für sie so selbstverständlich, dass sie das sogar für andere voraussetzt und fast aggressiv reagiert, wenn sie sich nicht an diese unausgesprochene Doktrin halten.

Wie gebrochen Chara innerlich ist sieht man auch an der nächsten Szene. Sie braucht praktisch den ganzen Tag um darüber hinwegzukommen, dass ihr Herr und Meister einmal aussieht wie ein normaler Mensch, ohne stattliche Robe oder ähnliches Gewand, dass seinen menschlichen Körper zum Großteil verhüllen kann und so für sie seine Menschlichkeit verschleiert, so dass sie ihn zu einem Halbgott erheben kann. Naturgemäß kommt noch hinzu, dass sie ihn in dieser Aufmachung auf andere Weise sieht, ja sogar sehen muss. Der einzig denkbare Sexualpartner ist hier, im Vergleich zu seiner sonstigen Kleidung, praktisch nackt, aber jedenfalls durch das Nicht-Verhüllen so erotisch wie noch nie. In diesem Gewand sieht Chara genau, wovon sie träumen kann, da braucht es nicht mehr viel Vorstellungskraft.

Unverständlich ist natürlich auch, warum sie sich so ärgert, dass Al'Jebal sie persönlich führt. Prinzipiell ist das ja eine Auflehnung gegen den Namai, der das so entschlossen hat, also warum hinterfragt sie es? Ist sie es vom Bettlerkönig so gewohnt, dass er sich nicht herablässt, mit seinen Leuten persönlich zu sprechen, oder woher hat sie diese seltsame Einstellung? Warum darf sie diese Entscheidung des Namai in ihren Gedanken hinterfragen und andere nicht? Das bedeutet für mich, dass diese Sichtweise tief in ihr eingegraben ist, möglicherweise sogar schon von vor der Zeit beim Bettlerkönig. Aber woher kann das kommen? Ist es vielleicht einfach nur Eifersucht? Hätte sie weniger Probleme damit, wenn er nur ihr sein Geheimnis offenbaren würde? Die Art, wie Osmosis ihn ansieht bringt sie offenbar auf die Palme, und dass Thorn, Telos und Bargh es nicht wert sind könnte man aus ihren Gedankengängen auch heraushören. Zumindest bei Thorn ist es definitiv so.

Das Metall an den Wänden und das Licht spendende Pflanzengeflecht erinnern mich an Science-Fiction-Filme, in denen alte verlassene Raumschiffe im schummrigen Licht von fluoreszierenden Pflanzen erforscht werden, aber so ganz kann ich mir den Gang dann doch nicht vorstellen. Die Bilder in meinem Kopf wechseln von Lehmboden mit felsigen Höhlenwänden solange die Metallplatten und die Pflanzen nicht erwähnt werden zu Raumschiff, wenn wieder so eine Beobachtung gemacht wird, manchmal sehe ich auch einfach einen Abwassertunnel oder einen Gang einer Festung mit Fackeln an der Wand vor mir. Sehr verwirrend. Und spannend zugleich.

Die unterirdische Stadt kann ich mir dann wieder sehr gut vorstellen, das ist auch eine natürlich Grotte mit Treppen, Bänken und Kaminen, die aus dem Fels gehauen wurden. Auch wenn die Dimensionen schwer vorstellbar sind, ist das doch ein einfacheres weil natürlicheres Bild. Lustig finde ich, dass Al'Jebal sie bei der Quartierssuche allein lässt, in einer fremden unterirdischen Stadt, und ich wette keiner der Abenteurer kann auch nur ein Wort Orkisch. Und was Al'Jebal mein, als er Chara warnt, sie wäre irgendwann einmal auf ihre Erinnerung an diesen Ort angewiesen, kann ich auch nicht sagen. Meiner Meinung nach klingt es wie eine Warnung vor Folter, nur dass sie sich das einprägen SOLL, also womöglich diese Information herausgeben um eine andere, wichtigere zu schützen? Oder weiß er schon, dass die Stadt einmal zerstört werden muss, und sie soll dann helfen, sie wieder aufzubauen?

Thorns Gedankengänge zu Al'Jebals Verhalten sind interessant. Er nimmt an, dass Al'Jebal ihre Sichtweise zu Chaos und Ordnung verwirren oder auf die Probe stellen will, und das sehe ich ähnlich, auch durch seinen Ausspruch dass die Ordnung das Chaos nicht erkenne, wenn es vor ihm stehe. Und wirklich, nicht nur Thorn scheint ein Problem damit zu haben, jeder der Abenteurer scheint sich auf seine Art Prinzipien zurechtgeschnitzt zu haben, die möglicherweise nicht so ganz passen könnten. Natürlich stoßen wir hier wieder auf das oben angesprochene Problem: Wie soll ich mein Weltbild hinterfragen, wenn ich keine Antworten bekomme? Woher soll ich die Hintergrundinformationen nehmen um meine Einstellungen zurecht zu rücken, wenn mir niemand etwas sagt, wie soll ich das große Ganze erkennen, wenn alles ein Geheimnis ist? Ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass die Chroniken von Chaos und Ordnung genau diesen schweren, steinigen Weg schildert, wie es für ein Individuum theoretisch möglich wäre, sich diese Informationen in winzigkleinen Dosen über Jahrzehnte hinweg zuzuführen um am Ende Schlüsse zu ziehen, die sich aus persönlichen Erfahrungen in mannigfaltigen Richtungen speisen, und somit mit mehr Plausibilität Anspruch auf Wahrheit erheben können. Ein Entwicklungsroman also. Cool.

Am nächsten Tag geht die Reise weiter, und wir sehen das erste Mal Wägen. Das bringt mich auf den Gedanken, dass es für Al'Jebal verdammt anstrengend sein muss, jedes Mal tagelang durch den Untergrund zu wandern. Klar, er ist ein Magier und kann sich vermutlich teleportieren, aber ist er der einzige, der zwischen Arbeitsplätzen pendeln muss? Gibt es ein anderes Kommunikationssystem zwischen seinen Gemächern in der Festung und den unterirdischen Städten der Orks? Hat er magische Artefakte, mit denen er kommunizieren kann oder sich und möglicherweise sogar andere teleportieren kann? Und wenn ja, warum benutzt er das nicht mit den Abenteurern? Warum zeigt er ihnen ganz genau, wie sie dort hin kommen? Glaubt er, dass sie die Information einmal brauchen werden? Glaubt er, dass sie wissen müssen, wie weit die Entfernungen in etwa sind, wie viele Tunnel abzweigen etc.?

Chara sieht im Schweigen Al'Jebals wieder einmal eine Prüfung, für Selbstdisziplin oder Solidarität. Ich sehe darin eher ein Spiel. Al'Jebal lässt einfach die Abenteurer selbst entscheiden, wann sie mit ihm sprechen wollen, welche Fragen sie stellen, und antwortet nur. Wenn keiner eine Frage stellt dann schweigt er eben. Das hat er ja von Malakal gelernt, ebenso das kryptische Beantworten von Fragen. Auch von seinem Verhalten den Orks gegenüber glaube ich ableiten zu können, dass er nicht prinzipiell abgeneigt ist, sich mit den Abenteurern zu unterhalten, aber nicht den ersten Schritt machen will. Wieder einmal widert mich sein erzieherhaftes Gehabe ein bisschen an, obwohl ich es auch verstehe. Auf der anderen Seite verstehe ich nicht, warum er nicht mehr gefragt wird, in der ganzen Zeit die sie da gemeinsam auf Wanderschaft verbringen, vor allem von Telos und Bargh bin ich in dieser Hinsicht sehr enttäuscht.

Die Wechselwirkung dieses Verhaltens von Al'Jebal ist aber beeindruckend: er behandelt seine Abenteurer wie kleine Kinder, und sie verhalten sich so. Sie gehen hinter ihm her, tuscheln nur untereinander, und fragen ihn nicht, was die Orks oder Zwerge sagen, wer sie sind oder warum sie hier leben. Dabei überrascht es dann auch nicht, dass er sie fast wortlos verlässt, als sie in Tamang angekommen sind. Ob es Erleichterung ist, dass sie auf der Wanderung nicht mit ihm gesprochen haben oder eher Enttäuschung, oder ob es einfach seine Art ist, oder ein anderes Gefühl dahinter steckt ist natürlich schwer zu sagen, ich persönlich tippe aber auf Enttäuschung. Wieder einmal muss er sich darauf vorbereiten, seinen Untergebenen alles vorzukauen, wieder einmal hat sich niemand als würdiger, gleichberechtigter Gesprächspartner erwiesen. Wieder einmal muss er noch warten, bis die benötigte Reife erreicht ist, wieder einmal muss er sie weiter und weiter schubsen, bis sie soweit sind.

In der Halle mit dem Allianzwappen offenbart Al'Jebal ein sehr seltsames Prinzip: es gibt nur ein Für und Wider, wenn es darum geht, die Welt zu retten. Und es ist an Chara gerichtet. Warum? Wenn er wollte, dass Chara bedingungslos für ihn kämpft, dann hätte er ihr nicht so viele Hinweise geben dürfen, dass sie doch einmal selber denkt, dass sie sich selbst erkennt, dass sie Gefühle zulässt, er hätte ihr nicht Lomond vorstellen dürfen, er hätte sie in ihrem Urzustand belassen müssen. Aber er offenbart ihr Dinge, die sie zum Zweifeln bringen und befiehlt ihr danach, nicht zu zweifeln, ohne ihre Zweifel aus der Welt geräumt zu haben. Wenn er die Welt retten will, sollte er dann nicht erklären, wovor er sie retten will? Es scheint, als wolle er, dass die Abenteurer nicht nur selbst erkennen, dass er der Retter der Welt sein wird, sondern auch ihr aller Lehrmeister. Ist Al'Jebal wirklich so arrogant zu glauben, dass er der Weisheit letzter Schluss ist und ihn seine Schüler nur möglicherweise irgendwann einmal erreichen, nicht aber überholen können? Oder sieht er sich als ein Instrument, ist Chara vielleicht die Auserwählte, die die Welt retten wird, und er muss sie dazu in die Lage versetzen?

Die Offenbarung Al'Jebals schlägt dann ein wie eine Bombe: es wird Krieg geben wie ihn die Welt noch nie gesehen hat, und zwar zwischen Chaos und Ordnung in Form von zwei großen Bündnissen. Erstmals hat sich nämlich auch das Chaos zusammengeschlossen. Während des Gesprächs wirft Al'Jebal auch ein, dass sich die Ordnung als „das Gute“ sieht. Sieht sich dann das Chaos als „das Böse“? Außerdem wirft das einige philosophische Fragestellungen auf. Wenn das Chaos böse ist und die Ordnung gut, was sind dann „böse“ Kräfte innerhalb der Ordnung? Ich spreche von Machthungrigen, Sadisten, Schlächtern, die glauben, für das „Gute“, für die „Ordnung“ zu kämpfen. Sie sind offenbar nicht Teil des Chaos, und wurden auch nicht vom Chaos „infiltriert“ oder dazu gemacht, sie sind einfach von ihrer Persönlichkeit so. Zählt das Chaos sie dann trotzdem zu Verbündeten? Oder nur zu potentiellen, so wie Al'Jebal gewisse Leute oder Nationen als „reif“ bezeichnet, der Allianz beizutreten? Würde zum Beispiel Valland, das schon vom Chaos infiltriert wurde, dem Chaos bewusst beitreten? Gibt es auch eine Möglichkeit, wieder auszutreten, aus dem Bündnis oder aus der Allianz? Und wenn das Chaos sich zu einem Bündnis zusammenschließt, bedeutet das dann schon, dass ihm eine gewisse Ordnung innewohnt?

Ich stehe dem gesamten Konzept von Chaos und Ordnung, und der Zuordnung zu Gut und Böse noch sehr skeptisch gegenüber, ich denke da muss es eine andere Kategorisierung geben. Außerdem finde ich diesen Dualismus und die Zuordnung der Leute und Länder dazu recht schräg. Wird es am Ende nur noch diese zwei Fronten geben, und ist es das, was Al'Jebal will? Oder arbeitet er darauf hinaus ohne es zu wollen und spielt damit dem Chaos in die Hände? Sind neutrale Kräfte in diesem Endkampf überhaupt vorstellbar? Und warum ist sich Al'Jebal sicher, dass es der letzte Krieg sein wird? Was glaubt er, kommt danach? Wird das Chaos eliminiert, ist die Balance gestört, der Weltgeist der Elfen würde das nicht vertragen denke ich. Oder hat er ein Konzept für ein Danach? Es bleibt also spannend.

In der Freude über ihre Mitarbeit in dieser Suche nach Verbündeten wagt es Chara, eine Frage an Al'Jebal zu richten, und er antwortet ihr, kryptisch zwar, aber dennoch. Auch als sie vor der seltsamen Tür stehen weicht er dem Gespräch nicht aus. Man muss ihm also alles aus der Nase ziehen und hartnäckig bleiben, dann gibt er preis, was er weiß. Eigentlich ganz natürlich für einen mächtigen Mann wie ihn; seine Zöglinge müssen schon zeigen, dass es sie wirklich interessiert, wonach sie fragen, und es nicht einfach dahingeworfene Fragen sind, die sie herausplappern.

Als nächstes werden wir wehmütig Zeuge eines persönlichen Gesprächs zwischen Chara und Bargh, in dem sie versucht herauszufinden, worum es ihm eigentlich geht, warum er in den Diensten Al'Jebals steht. Ich lerne Chara dabei von einer ganz neuen Seite kennen, von einer Seite die sie sehr sympathisch macht: Sie versucht, in einer Vieraugensituation persönliche Details des Gegenüber zu erraten und agiert dabei wie eine „normale“ junge Frau. Sie probiert es mit Raten und lässt sich auch vom ersten Misserfolg nicht entmutigen. Warum kann sie das nur bei Bargh? Warum muss sie bei allen anderen immer so geheimniskrämerisch sein? Sie ist doch keine Spionin, die ihre Informationen hüten und alle anderen wegstoßen muss, sie kann sich ja zumindest passiv auf andere einlassen. Und auch Bargh hat in der Halle Avancen gemacht, wenn auch nicht ganz so ernsthaft wie Telos, die Angst vor der sexuellen Komponente kann also dabei keine Rolle spielen.

Endlich öffnet sich Bargh und erzählt von seinem tiefsten Inneren, da übernimmt in Chara wieder die Kontrollwut und sie lebt sie aus ohne auf Barghs Gefühle zu achten. Er schluchzt vor ihr, gesteht sich seine Fehler laut ein und ist so verletzlich wie noch nie, und sie kann ihn nicht trösten, weder mit Worten noch mit Gesten. Alles was sie kann ist, vom Thema abzulenken. Das zeigt nicht nur ihre schon bekannte Gefühlskälte anderen gegenüber, sondern auch eine starke Angst, sich ihren eigenen Gefühlen zu stellen. Wenn sie sich wirklich Barghs Emotionen widmen würde, ihn zum Beispiel einfach halten würde, dann wäre die Gefahr zu groß, dass sie über sich selbst nachdenken müsste. Unbewusst lenkt sie das Gespräch aber genau in diese Richtung, und macht einen Rückzieher, als Bargh sich seinerseits für ihre Gefühle Al'Jebal gegenüber interessiert. Es wäre interessant gewesen zu erfahren, wie sie reagiert hat, als Bargh ihr seine Vermutung mitgeteilt hat. Aber wahrscheinlich ist sie einfach gegangen, wie in solchen Situationen üblich. Andererseits quälen sie immer noch Gedanken über dieses Gespräch, und ich hoffe, dass sie etwas daraus lernt, dass sie sich endlich Dinge eingesteht, die sie nicht wahr haben will. Ob sie nun Al'Jebal oder Lomond liebt, oder keinen von beiden, sie muss sich mit sich selbst auseinandersetzen.

Was ich nicht verstehe ist der Halbsatz, den sie sich am Schluss über Bargh denkt: „und am Ende hatte sie (die Liebe) ihm den Tod gebracht.“ In wiefern hängt das mit Barghs Tod zusammen? Weil er seine Mutter liebte ist er in den Dienst von Al'Jebal eingetreten, wo er Chara kennen gelernt hat, die ihn dann umgebracht hat? Oder weil er Chara näher kennengelernt hat und sie vielleicht sogar liebte, hatte er aufgehört sie als Assassinin zu sehen und sie hatte ihn umbringen können? Jedenfalls eine sehr berührende Szene und ein großartiger Rückblick auf den knuffigen Krieger. Schade, dass er nicht mehr da ist, aber sehr lässig, dass er noch einmal diesen Auftritt hatte.

J_H_Prassl

vor 2 Jahren

S. 551 bis S. 619 (ink. Kapitel „Drei Tage unter der Erde“)
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Deine Leseabschnitts-Besprechungen sind beinahe so umfangreich wie die Abschnitte selbst, liebe ZweiHerzen! Umso gespannter sind wir jetzt auf deine Rezension - schon, weil sich anhand deiner bisherigen Rückmeldungen so gar nicht sagen lässt, ob dir das Buch gefällt oder nicht.

Es war uns auf jeden Fall wieder mal eine Freude, deine ausführliche Analyse zu lesen, deine klare Sicht auf das Innenleben und die Entwicklungen einzelner Figuren mitzubekommen und deine Überlegungen und Ideen zu erwägen! Wir sind so neugierig! Wann kriegen wir das Endergebnis? *Lechz*

ZweiHerzen

vor 2 Jahren

S. 620 bis Ende
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Der letzte Abschnitt ist ein wirklicher Cliffhanger, der viele Fragen, die ich im Laufe dieses Bandes hatte, wieder aufgreift aber nicht beantwortet, sondern nur ein Versprechen gibt, dass sie später noch beantwortet werden. Ungut für mich, meisterlich von den Autoren!

Wir treffen einen alten Lehrmeister von waffenlosen Kampf, der Chara unterrichten soll, dabei erfahren wir, dass sie schon 35 Jahre alt ist. Das kommt für mich überraschend, ich hätte ihr vielleicht 25 gegeben. Aber das mag auch an ihrer unreifen Art liegen. Natürlich, bedenkt man ihren Hintergrund hat sie nicht viel Entwicklung durchmachen können weil sie zu sehr mit Dienen beschäftigt war. Trotzdem. Auch Meister Feng scheint darin und in ihrem Geschlecht ein Problem zu sehen. Ob das Sexismus ist oder auf tatsächlicher Erfahrung beruht finden wir vielleicht später heraus. Jedenfalls freue ich mich darauf, von Charas Ausbildung bei Meister Feng zu lesen. Hoffentlich wird das nicht übersprungen!

Der nächste Teil bringt uns drei Prinzipien von Charas Weltbild näher, vielleicht sogar DIE drei Prinzipien von Chara. Man kann sie auf drei Verbote hinunterbrechen: Nicht fragen, nicht jammern, nicht heulen. Damit haben wir eigentlich das Klischee von männlicher Erziehung abgedeckt, das ja bekanntlich recht viel Leid verursacht hat. Nicht fragen ist eine andere Art, Ehre und Treue zu beschreiben, den perfekten loyalen Gefolgsmann zu schaffen. Nicht jammern bzw. Täter statt Opfer zu sein meint, aktiv zu sein, nicht der Passivität zu verfallen, der Lethargie, selbst anzupacken und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das schlägt sich natürlich in vieler Hinsicht mit dem ersten Punkt. Wenn ich nicht zweifle, nicht hinterfrage, dann habe ich nur eine einzige Entscheidung in meinem Leben selbst getroffen, nämlich wem oder was und wie ich dienen will. Und der letzte Punkt ist selbstverständlich lächerlich und kindisch. Nicht zu heulen ist eine Maxime, die man einem Kind auf den Weg gibt, was bedeutet, dass Chara hier selbsttätig das Kind in sich seit ihrer Vergewaltigung unterdrückt. Und dass das nicht gesund ist versteht sich von selbst.

Es ist aber bezeichnend, dass sie sich diese Punkte noch einmal ins Gedächtnis rufen muss. Das bedeutet vielleicht, dass sie anfängt, sie zu hinterfragen und vielleicht sogar auch abzuschütteln. Das wäre natürlich ein guter Schritt in die richtige Richtung. Im Gespräch mit Al'Jebal stellt sich dann wieder heraus, was für ein Aal er ist. Er hat sie vollkommen in der Hand, er weiß ganz genau, welche Knöpfe er bei ihr drücken muss, kann und soll und wann. Er kann sie nervös machen, und er kann sie beruhigen, und sie kann nichts dagegen tun. Danach offenbart er, was ich schon vermutet hatte: er spielt Erzieher. Er will die Abenteurer in eine bestimmte Richtung lenken, er weiß genau, was er tut, und er glaubt zu wissen warum. Fragen stellen lässt er zu, aber er beantwortet sie erst, wenn er glaubt, dass sie genug Erfahrungen gemacht haben, um es „richtig“ verarbeitet zu haben.

Und dann macht er sich so richtig unsympathisch. Er bekräftigt seinen Besitzanspruch auf sie, zufälligst in dem Moment, als sie auf Lomond zu sprechen kommt. Die Hitze und Kraft, die er dabei ausstrahlt erinnert Chara dann aber nicht an Lomond, sondern an Dragati. Das kann nichts Gutes bedeuten. Ist eine Beziehung zu einem Vampir tatsächlich „gesünder“ als zu einem Halb- oder Fastgott wie Dragati-Al'Jebal? Fast scheint es, als wären sie Zwillinge, jedenfalls aber vom gleichen Schlag, aus dem gleichen Geschlecht, nur hätten sie im Laufe ihres Lebens andere Bahnen eingeschlagen. Während in den Begegnungen mit Lomond Leidenschaft, ein Aufreißen alter Ordnungen und Regeln, ein Aufbrechen von alten Mustern und Prinzipien spürbar ist, mit einem Wort eine lebensbejahende Dynamik, gehen sowohl von Dragati als auch von Al'Jebal Gefühle der Stagnation aus, der konservativen Kräfte, der Bewahrung von Altem. Beide unterdrücken ihr Umfeld auf ihre eigene Art und Weise, beide glauben, besser als der Rest der Welt zu sein, mehr zu können und zu wissen, beide wirken wie Schachspieler mit ganzen Völkern als Spielfiguren. Lomond hingegen ist vom Leben fasziniert, er will das Lebendige in Chara erwecken und herauskitzeln, aber lässt von ihr ab sobald sie ihm signalisiert, dass sie noch nicht bereit ist.

Spricht also Eifersucht aus Al'Jebal? Nicht im Sinne von Liebe, sondern im Sinne von Besitzdenken. ER ist Charas Lehrmeister, ER bringt ihr Dinge bei und lässt sie Situationen erleben, die sie innerlich verändern. ER hat ihr Lomond geschickt damit sie etwas über sich selbst entdeckt, aber ER hat schlussendlich die Fäden in der Hand, und das will er noch einmal klarstellen. Ist das nicht auch eine Art von pathologischer Infantilität? In dieser Szene bin ich ganz besonders stolz auf Chara, dass sie sich nach außen hin keine Blöße zeigt und relativ ungerührt bleibt.

Dann begegnen sie Telos, der gerade Pläne schmiedet, wie er seine Karriere vorantreiben könnte. In diesem Moment reißt sein Lebensweg aber jäh ab und er wird festgenommen. Davon hatte Al'Jebal also gesprochen! Aber warum? Was hat Telos verbrochen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas mit dem Handel mit Dragati zu tun hat, auch Chara hat er den ja verziehen und vermutlich weiß er auch, wie notwendig er war. Ich glaube eher, es hat damit zu tun, dass Telos als Reaktion auf diesen Handel, und in frommen Glauben, es wäre der Wunsch seines Gottes, sich selbst so gequält hat, als wäre er ein Tulurrim oder Dragatist. Als würde es ihm Genugtuung bereiten, zu leiden, zu bluten und neue Narben zu sammeln. Als würde er dem Gott der Schmerzen huldigen, und nicht dem Gott des Krieges. Kann es sein, dass er das tut, unbewusst? Kann es sein, dass Togh Leva oder Dragati sich in seiner Seele festgesetzt haben und so tun, als wären sie Agramon? Könnten sie einen Agramonspriester davon überzeugen, ihm das Gefühl von Geborgenheit und Nähe des Gottes geben, nach dem Telos so lechzt? Und würde Telos den Unterschied nicht merken?

Charas Gedanken zum Tod sind eine Gratwanderung zwischen erneuter Infantilität und hochgeistiger Philosophie. Natürlich ist der Tod einfach und immer ein Ausweg, aber eben ein sehr finaler und einseitiger. Dass man dem Gefühl der Unberührbarkeit nachtrauern kann, dass man verloren hat als man aufgehört hat, sich Gefühle zu verbieten und immer den Tod als Trumpf im Ärmel hatte (á la „Mir eh egal, ich sterb halt, hab keine Angst, und du?“) verstehe ich aber trotzdem. Trotz allem ist es ein Gefühl der Sicherheit, das verloren geht, und auch ein Kontrollverlust. Sowohl Al'Jebal als auch Lomond haben ihr verboten, zu sterben, jeder auf seine Art. Aber eine Anleitung, wie man lebt, ist das noch lange nicht. Deswegen glaube ich, dass sie für's Erste wieder in ihr altes Muster zurückfällt, so im Sinne von Da kenn ich mich aus, da bin ich zu Hause, da weiß ich, wie alles läuft, da habe ich noch Sicherheit und Kontrolle.

Der Epilog schließlich erzählt von Thorn. Am Ende des zweiten Satzes wusste ich es bereits, ein lauter Seufzer und der Gedanke „Er lebt noch!“ (erleichtert? enttäuscht? mitleidig? ich weiß es nicht) begleiteten diese Erkenntnis. Schräg finde ich, dass Lestrang mit Zavir spricht, als wäre er ein normaler Mensch, nur ein bisschen höher gestellt als er. Im Gespräch finden wir heraus, dass das Chaosbündnis jetzt alles über Al'Jebals Geheimnisse weiß, dass sie alles herausgefunden haben, obwohl ich am Anfang noch gehofft hatte, dass der Gedanke an Kitayscha vielleicht ähnlich gewirkt haben könnte wie Charas blaues Licht. Wäre überraschend gewesen, habe ich aber für möglich gehalten. Naja, Fehlanzeige.

Ich wundere mich mit Lestrang und Zavir darüber, dass Al'Jebal das zugelassen hat. Hat ihn die Entführung tatsächlich überrumpelt, hat er sie nicht vorhersehen können, oder hat er sie geschehen lassen weil sie ihm in die Hände spielt? Was plant er wirklich? Ist er dem Chaos einen Schritt voraus oder umgekehrt? Natürlich ist es nervig, dass das Chaos nicht einfach kopflos agiert sondern zumindest so besonnen und strategisch wie Al'Jebals Allianz. Aber das macht es auch wieder spannend. Blöd ist, dass das Chaos nun von Charas außerordentlicher Rolle weiß, die Al'Jebal offenbar bekannt war. Das bedeutet vermutlich, dass meine Theorie über ihre Auserwähltheit nicht ganz so daneben liegt, das wird wahrscheinlich noch Wellen schlagen. Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass sich die Figur von Chara durch die Bände hindurch neben Al'Jebal als Hauptperson der Chroniken etablieren wird. Zumindest hoffe ich das, ich hoffe, dass sie nicht inmitten ihrer spannenden persönlichen Entwicklung einfach abkratzen wird. Den Autoren ist ja vieles zuzutrauen!

Philosophisch betrachtet wundere ich mich an dieser Stelle wieder, dass das Chaos so geordnet wirkt, dass es einen inneren Kreis gibt, Leute und Wesen die höher stehen, dass es eine Rangordnung gibt, die auch befolgt wird, dass man einander Dank ausspricht, Respekt entgegenbringt, gute Taten ehrt und Verdienste und Leistungen in Erinnerung behält. Das spricht alles dafür, dass das Chaos nicht länger pures Chaos ist, sondern von der Ordnung gelernt hat, sich die Wege der Ordnung zu eigen gemacht hat. Das dürfte auch der Grund sein, warum es jetzt bedrohlicher ist als vorher. Wäre da nicht ein Lösungsweg, dass die Ordnung sich auch dem Chaos annähert? Oder ist das nicht denkbar, verrät man damit seine Prinzipien und hat Angst, in die Fänge des Chaos zu kommen und zu konvertieren? Ist die Ordnung damit fragiler als das Chaos? Und wenn ja, bedeutet das, dass die Ordnung besser oder schlechter ist?

ZweiHerzen

vor 2 Jahren

S. 620 bis Ende
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Fazit
Der Bargh-Band hat zwar viel mit Bargh zu tun, auch nach seinem Tod noch behandelt es die Nachwirkungen, die er auf sein Umfeld hatte, die Hauptfiguren sind aber Al'Jebal, Chara und bis zu einem gewissen Grad Telos und dann Lucretia. Die mannigfaltigen Rassen und Völker, die in diesem Band eingeführt werden erschlagen einen auf den ersten Blick fast in ihrem Verschiedenheit, tragen aber mit ihrem Reichtum an Kulturen, Lebens- und Denkweisen und Eigenheiten massiv zur Belebung der Geschichte bei. Ich denke mir, bei den Folgebänden werde ich mir einen Sport daraus machen, die Rasse und das Herkunftsland neuer Charaktere zu raten, man kann ja da die Hintergrundinformationen aus der Homepage zu Rate ziehen.

Barghs Tod hat mich in seiner Endgültigkeit schockiert, Osmosis musste einfach gehen, und Thorns Leiden hat gerade einmal ein bisschen Mitleid hervorgerufen. Neue Figuren wie Girim, Lucretia, Meister Feng, Kerrim und Lomond sind durchwegs, jeder auf seine Art, Sympathieträger und ich freue mich, mehr von ihnen kennzulernen. Ebenso bin ich gespannt, ob die Abenteurer noch mehr von Tamang und den unterirdischen Städten sehen werden, ich mag sowas sehr. Mich interessiert auch, wie es den vallandischen, moravischen und rawindrischen Aussiedlern ergeht, die sind das ja alle nicht gewohnt, in einem Wüstengebiet zu wohnen. Interessant wird auch, wie es im Valianischen Imperium mit Lestrang und seinen Spionen weitergeht, wird Rosmerta auf ihn hören anfangen, kann er da sein Gift in die Elite des Staatswesens einspritzen? Auf jeden Fall wird das große Rätsel der Allianz und dem Chaosbündnis noch Thema sein, aber mehr als das interessiert mich eigentlich die persönliche Entwicklung der Protagonisten.

Wird Telos sich wieder fangen? Wird Al'Jebal ihm offenbaren, was er verbrochen hat oder muss er selber draufkommen? Und wie wird es ihm weiter ergehen? Wird Chara mehr mit Kerrim zu tun haben, und kann sie in ihm einen Vertrauten finden, der die Wege der Assassinen auch kennt, aber anders damit umgeht? Kann sein Humor sie vielleicht anstecken? Wird sie Lomond wieder sehen, und kann er ihr vielleicht beistehen, wenn sie versucht, Dinge in sich zuzulassen, die sie zu lang unterdrückt hat? Und wie wird sich ihre Beziehung mit Al'Jebal weiter entwickeln? Wird es eine Möglichkeit geben, auf Augenhöhe mit ihm zu sprechen? Lässt er endlich einmal von seinen Spielchen ab und spricht mit ihr wie mit einem erwachsenen Menschen, oder muss sie sich vorher erst von selbst dazu entwickelt haben?

J_H_Prassl

vor 2 Jahren

S. 620 bis Ende

@ZweiHerzen: Gerade diese Woche hatte ich einen kleinen Hänger. Aber gerade dann freut man sich umso mehr, wenn es Leser wie dich gibt, liebe ZweiHerzen! Und überhaupt alle, die hier beim dritten Band mitgelesen und mitgeschrieben haben! Ihr seid unsere glitzernden kleinen Leserdiamanten in einem Meer aus Lesern.

Danke für deine unglaubliche Geduld und Genauigkeit beim Lesen und Analysieren der Chroniken! Deine Beiträge waren so spannend für uns! Jetzt freuen wir uns natürlich erst recht über deine positive Bewertung und die, für deine Verhältnisse, geradezu beängstigend knappe, aber vor allem treffsichere Rezi! Sie ist rund, sachlich, das gewisse Eizerl leidenschaftlich, kurz, einfach herrlich! Wir hoffen, dich hier in diesem Theater wieder zu sehen und wünschen dir einstweilen eine spannende Zeit!

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