J. J. David Am Wege sterben

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Inhaltsangabe zu „Am Wege sterben“ von J. J. David

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  • Rezension zu "Am Wege sterben" von J. J. David

    Am Wege sterben

    Hallogen

    01. May 2010 um 13:06

    „Am Wege sterben“ (1900) zeigt Langzeitstudenten in Wien, die aus verschiedenen Gründen nicht vorankommen. Der Roman ist ein reichlich konfus geraten, der rote Faden fehlt. Das erste Buch ist „Herr Karl Stara und seine Genossen“ benannt, doch von diesem rückt der Fokus völlig ab und am Ende (im Epilog) erfährt man nicht einmal, was genau aus ihm wurde, sondern er tritt nur noch mal kurz wie eine Nebenfigur auf, wohingegen der Fortlauf zweier anderer Figuren ausführlich beschrieben wird. Wie der Titel erahnen lässt, sterben hier eine Reihe von Menschen, doch man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier mehrere Novellen aneinandergereiht bzw. miteinander vermengt wurden, was diesen durchaus bewegenden Geschichten etwas die Wirkung nimmt. Mühsam wird eine Verbindung zwischen den einzelnen Figuren gesponnen und dann sofort wieder zerstört, die Kontakte zwischen ihnen sind einfach nur verwirrend gestaltet, und entbehren teils fast der Logik. Auch wenn es der schwächste seiner drei Romane ist, kann man ihm in den einzelnen Elementen eine gewisse Qualität nicht absprechen. Vielleicht wäre es aber besser gewesen, daraus drei bis vier Erzählungen zu machen. So hat das Leben des Karl Stara einen durchaus amüsanten Zug, denn immer wieder baut er sich mit seinen musikalischen Talenten etwas auf, und zerstört es dann (wie schon bei seiner ersten, völlig anders gearteten Berufung) mit seinen Affären, so dass man, sobald man das Schema begriffen hat, automatisch denkt „Na, er wird doch nicht wieder!“. Auch die komplizierte Beziehung der beiden Beil-Frauen untereinander und zur Nachbarfamilie Wondra sowie den jeweiligen Untermietern hätten eine bewegende Novelle abgegeben. Zwar bildet deren Schicksal den Kern des Romans, aber es geht doch irgendwie auch in ihm unter, wohl weil es zerstreut wird und so an Aussagekraft verliert. Das Geschehen um den Gastwirt und seine Dauergäste (inklusive des dramatischen Ausgangs) hat ebenfalls eine eigenständige Qualität. Zudem gibt es eine schöne Binnenerzählung von einem Flickschneider, der sich am Weinbau versucht. In dieser wird beschreiben, was passieren kann, wenn man erkennen muss, dass man sein ganzes Leben dem falschen Ziel gewidmet hat. Darüber hinaus gibt es aber einige sehr gelungen entworfene Charaktere. So schreibt er zu den Eltern eines Studenten, die nach Tasmanien auswanderten und dort ihr Glück fanden: „Gerade, weil es ihnen in der Fremde gut gehen tut, dürfen sie nicht abfallen von ihrem Stamm und ihrer Art, damit man nicht sagt, sie verkaufen’s um ein Stück Brot.“ Ein auch in aktuellen Debatten äußerst interessante Ansicht, die Verständnis schaffen kann. Auch an anderen Stellen kann er mit wenigen Worten psychologisch überzeugende Figuren schaffen. So wie der Roman gestaltet ist, hat man den Eindruck, dass erst äußerst umständlich Figur um Figur vorgestellt wird, die Handlung dann völlig abschweift und schließlich nur mit Mühe wieder zum Thema zurückfindet. Und das geschieht teilweise reichlich wirr, etwa durch eine kurzzeitige Rückkehr eines Verschollenen. Zweifellos ging es David darum, verschiedene Gründe für ein überlanges Studium aufzuzeigen (von Armut bis Resignation), aber dabei neigt er zu Überzeichnungen, freilich ohne dabei unglaubwürdig zu werden. Ich schwanke zwischen drei und vier Sternen.

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