Inhalt:
Vor einem halben Jahr haben Leah und Declan eine Nacht miteinanderverbracht. Für beide stand damals fest, dass es sich um eine einmalige Sache handeln sollte. Daher ist Leah umso überraschter als Declan jetzt plötzlich wieder vor ihrer Türe steht. Sie weist ihn zunächst ab, sucht ihn dann aber nach einigem Zögern doch noch in seinem Hotelzimmer auf. Sie vereinbaren für einen begrenzten Zeitraum eine zwanglose Beziehung ohne Verpflichtungen zu führen. Das gestaltet sich jedoch zunehmend schwerer je besser sie sich kennenlernen und desto mehr sie über das Leben des jeweils anderen erfahren. Schon bald stellt sich die Frage, ob beide wirklich noch wollen, dass die Beziehung nach drei Monaten endet….
Es gab bestimmte Momente im Leben, in denen ich mich fühlte, als müsste ich den Atem anhalten und die Augen schließen, um die Größe dessen, was ich gerade erlebte, zu erfassen. Ich wünschte, das wäre mir bewusst gewesen, als ich Leah zum ersten Mal sah – als sie in dieser Bar gesessen hatte und unsere Blicke sich trafen. (S. 266)
Was ich mochte:
Eines vorweg: Ich kenne das erste Buch der Reihe nicht und kann daher keine Vergleiche dazu ziehen. Das wunderschöne Cover und der Klapptext, der eine unterhaltsame Liebesgeschichte verspricht, haben mein Interesse an der Geschichte geweckt. Das Buch hat einen flüssigen Schreibstil und kurze Kapitel, die abwechselnd aus der Sicht von Declan und Leah erzählt werden. Außerdem handelt es sich um ein eher dünnes Buch, das sich relativ schnell lesen lässt.
Die Geschichte beginnt mit einer dramatischen und traurigen Szene aus Leahs Kindheit, die sehr berührend ist. Dann erleben wir Leah bei ihrer Arbeit als Krankenschwester und wie sie mit viel Empathie einem kleinen Jungen beisteht, der mit seiner Mutter in einen Autounfall verwickelt worden ist. Dadurch verspürt man Leah gegenüber schnell Sympathien. Bereits auf Seite 32 tritt Declan erneut in Leahs Leben und die Geschichte, die die den Fokus auf die Beziehung zwischen den beiden legt, nimmt schnell Fahrt auf.
Es wird insgesamt eine durchaus unterhaltsame Liebesgeschichte erzählt, die einige rührende, lustige und zu Herzen gehende Momente hat. Nun kommt aber leider auch ein großes ABER: Die Geschichte hat leider auch so einige Schwächen…
Meine Kritikpunkte:
Die Geschichte besteht in der ersten Buchhälfte aus zu vielen erotischen Szenen. Außerdem sind diese Szenen zum Teil an unpassender Stelle eingebaut. So gibt es z.B. eine Szene in der Leah gerade etwas wirklich Trauriges und Erschütterndes erfahren hat und sie verständlicherweise völlig in Tränen aufgelöst ist. Declan tröstet sie kurz – und schon wieder folgt eine erotische Szene. Außerdem finde ich es etwas befremdlich, dass sich eine der erotischen Szenen auf dem Friedhofsgelände abspielt. Selbst als Declan und Leah in einer Limousine in die Innenstadt gefahren werden gibt es während der Fahrt eine Erotikszene.
Bereits in den ersten 150 Seiten gibt es vier ausführlich geschilderte erotische Szenen – leider zulasten der emotionalen Komponente. Es gibt in der ersten Hälfte des Buches nur wenige Szenen in denen Persönliches und Tiefgründiges geteilt wird – bessern tut sich das erst in der zweiten Buchhälfte. Trotzdem sprechen Leah und Declan schon auf Seite 173 von Liebe und später sind die beiden sehr schnell überzeugt, dass ihre Beziehung auf jeden Fall für die Ewigkeit ist. Wenn man bedenkt, dass zuvor betont wurde, dass beide eigentlich keine feste Beziehung wollen und sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal zwei Monate lang zusammen sind, kommt das einfach zu plötzlich.
Zusätzlich zu den vielen Erotikszenen gibt es im Buch auch noch zahlreiche anzügliche Bemerkungen und der Schreibstil ist stellenweise viel zu vulgär. Hier zwei Beispiele:
„Hast du ihm vorher einen runterg*****?“ fragte ich leise. „(…) okay, gut, ertappt.“ „Schön. Nichts entspannt einen Mann so sehr (…).“ Ich lachte. „Und Declan?“ „Hab ihm einen geb*****.“ „Sehr schön.“ Wir gaben einander High five und kicherten (…). (S. 186)
„Wie ich sehe, ist dir der Lippenstift aufgefallen (…).“ „Wie könnte er mir entgangen sein? Jedes Mal, wenn du den Mund aufmachst, bekomme ich wegen deiner Lippen einen St*****.“ „Nun in ein paar Minuten werden sie perfekte rote Ringe um deinen Sch**** machen, denk mal darüber nach.“ (S. 222)
Leah bewundert den Hintern des Ehemanns ihrer besten Freundin, sie erinnert sich daran wie sehr der Bruder ihrer besten Freundin früher auf sie gestanden hat und sie tauscht sich über ihre erotischen Abenteuer mit ihrer besten Freundin aus. Man erfährt, dass es zwischen Declan und Leah beim Einkaufen zu einer erotischen Szene in der Umkleidekabine kam etc. Selbst als Declan und Leah sich beim Versteckspielen im Wandschrank verstecken, beginnen die beiden schon mit dem Ausziehen ehe ihnen einfällt, dass die Fünfjährige, die sie sucht, sie in einer verfänglichen Situation überraschen könnte. Das alles hat mich beim Lesen gestört und ist meiner Meinung nach zu übertrieben, vor allem, weil gleichzeitig die eigentliche Handlung und auch die Emotionen etwas auf der Strecke blieben.
Es wird zuweilen zu dick aufgetragen, wenn es darum geht zu veranschaulichen, dass Leah und Declan ein gutes Herz haben. Zum Beispiel hat Leah – obwohl sie Vollzeit als Krankenschwester arbeitet – noch die Zeit sowohl in einem Seniorenheim als auch bei einer Schulbegleitung ehrenamtlich mitzuhelfen. Außerdem ist es etwas übertrieben wie sehr Leah abwechselnd als extrem verletzlich und hilfloses dargestellt wird, andererseits aber wieder betont wird was für eine unglaublich taffe und selbstbewusste Frau sie ist.
Es hat mich auch gestört, dass Declan sich nach weniger als einem Monat Beziehung das Recht herausnimmt auf eigene Faust Leahs familiären Probleme zu lösen. Er weiht sie nicht in sein Vorhaben ein und stellt sie hinterher einfach vor vollendete Tatsachen. Vor allem aber hat mir die Art und Weise wie Declan das Problem mit Leahs Vater „löst“ nicht behagt. Leahs Vater hat sich absolut erschreckend und verabscheuungswürdig verhalten, aber Declans Reaktion darauf kam mir nichtsdestotrotz übertrieben und fragwürdig vor: Declan händigt Leahs Vater einen Scheck über 500.000 $ aus und knüpft dies an die Bedingung, dass er die Stadt verlässt und nie mehr Kontakt zu Leah aufnimmt. Das Angebot wird ohne Zögern angenommen, denn Leahs Vater scheint ohnehin kein Interesse an seiner Tochter zu haben. Somit wird er im Grunde genommen für sein abstoßendes Verhalten mit einem Haufen Geld belohnt und muss dafür noch nicht mal ein Opfer bringen. Eine kleinere Summe hätte es auch getan und wenn Declan schon ohne mit der Wimper zu zucken mit so viel Geld um sich wirft hätte er es besser verwenden sollen um Leah einen Wunsch zu erfüllen. Zum Schluss schlägt Declan Leahs Vater dann noch bewusstlos und verschwindet ohne sich zu vergewissern, dass dieser wieder zu Bewusstsein kommt. Das hätte im schlimmsten Fall Totschlag sein können! Das wird weder von Declan selbst (noch von seinem eingeweihten Freund) auch nur hinterfragt, sondern als selbstverständlich hingenommen. Es genügt, dass Declan aus den richtigen Motiven heraus handelt. Ich finde es auch nicht ganz verständlich, dass Leah hinterher gar nicht genauer nachfragt hat, was Declan genau gemacht hat. Sie gibt sich einfach damit zufrieden, dass Deckan ihr sagt, dass sie ihren Vater nie mehr wiedersehen müsse und nichts strafrechtlich Relevantes vorgefallen sei.
Gegen Ende des Buches kommt etwas wirklich Überraschendes ans Licht und es ist interessant zu verfolgen, welche Folgen dies nach sich zieht. Allerdings wirkt die Art und Weise wie Declan die überraschende Entdeckung macht doch sehr an den Haaren herbeigezogen: Leah entdeckt bei Declan zu Hause zufällig das Foto einer Frau, die sie in der Notaufnahme des Krankenhauses, in dem sie arbeitet, gesehen hat. Die Frau ist in Folge eines Autounfalls verstorben und ihr siebenjährig Sohn wurde vom Sozialdienst abgeholt. Leah erfährt, dass die Frau auf dem Foto Declans Ex-Freundin ist und erkennt sofort anhand des Aussehens, dass Declan der Vater des Jungen sein muss, weil er ihm ähnlichsieht.
Gewundert habe ich mich auch über den Umgang mit Declans Prominentenstatus und mit der Presse. Leah und Declan sind noch nicht einmal zwei Monate zusammen als sie ihn schon zu einer Filmpremiere begleitet und einer Horde von Reportern Interviews gibt. Declan und Leah denken nicht groß darüber nach, ob es nicht zu früh ist um mit ihrer noch so frischen Beziehung an die Öffentlichkeit zu gehen. Leah schein auch kaum darüber nachzudenken, ob sie damit klarkommt plötzlich im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Das verwundert vor allem, weil Deckan sonst eher darum bemüht war sein Privatleben möglichst aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.
Fazit:
Die emotionale Ebene der Beziehung zwischen Leah und Declan kommt in der ersten Buchhälfte wegen der vielen erotischen Szenen zu kurz. Die zweite Buchhälfte „entschädigt“ einem aber wieder etwas: Leah und Declan lernen sich immer besser kennen, erfahren mehr über das Leben des jeweils anderen, das gegenseitige Vertrauen wächst und es wird klarer, weshalb die beiden sich ineinander verlieben.
Die Handlung hat leider so einige Schwächen bzw. Aspekte, die mich etwas gestört haben. Vor allem der stellenweise sehr vulgäre Schreibstil hat mir gar nicht gefallen. Außerdem entwickelt sich meiner Meinung nach viel zu schnell eine große, immerwährende Liebe, Manches ist zu dick aufgetragen und es gibt einen recht unglaubwürdigen Zufall, der der Geschichte aber eine interessante Wendung verleiht. Diese Wendung (= Declan erfährt, dass er einen siebenjährigen Sohn hat und bemüht sich eine Beziehung zu diesem aufzubauen) sorgt aber immerhin dafür, dass man weitere positive Charaktereigenschaften von Declan kennenlernt und auch Leahs toller Umgang mit der Situation macht sie einem noch sympathischer. Das kurze Drama am Ende der Geschichte (= Leahs Vater taucht mit einer Waffe auf um noch mehr Geld zu erpressen) wäre aus meiner Sicht nicht nötig gewesen und hätte getrost weggelassen werden können. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Das Buch ist kurzweilig, lässt sich schnell lesen und ist unterhaltsam. Man sollte aber nicht mit zu hohen Erwartungen an die Geschichte herangehen und über ein paar Schwachstellen hinwegsehen. Zumindest hat die Geschichte ein schönes Happy End.













