Da das Buch bzw. die Geschichte ja schon etwas älter ist, war es anfangs etwas schwierig, in das Englisch rein zu finden. Der alte Stil ist nicht einfach zu lesen, aber auch die Erzählung an sich mutet schon etwas seltsam und ja, skurril an. Wie hier die Eltern und Kinder in ihrer Rolle eingebettet sind ist aus heutiger Sicht einfach merkwürdig :)
Es beginnt mit Wendy, als sie 2 Jahre alt ist, und ihrer Mutter, Mrs. Darling, eine frisch gepflückte Blume bringt und die zu ihr sagt: Warum kannst du nicht für immer so bleiben!
Und der Autor schreibt, mit 2 wüsste man genau, dass man immer größer werden wird - so dass mit 2 der Anfang vom Ende beginnt.
Ich würde sagen, dass ist schon ein etwas seltsamer Anfang für ein Kinderbuch - und dann ergeht sich auch alles etwas erschöpfend in die Elternschaft der Darlings, aber das sind nur die ersten Seiten, die gehen schnell rum...
Ihre drei Kinder, Wendy, Michael und John, haben witzigerweise als Kindermädchen einen Hund: Nana. Dieser schlägt auch Alarm, als Peter Pan auftaucht und die drei ins Nimmerland mitnehmen möchte, aber die Eltern kommen zu spät - die Kleinen sind ausgebüxt!
Es ist ein langer Flug nach Nimmerland und das Erstaunen ist groß, als die Kinder vieles dort aus ihren Träumen wiedererkennen. Auf das Staunen folgt aber bald die Ernüchterung, als Käpt´n Hook auf sie mit einer Kanone schießen lässt und jeder plötzlich woanders landet und ihre Abenteuer beginnen.
Während Peters Abwesenheit ist es ruhig auf der Insel, doch jetzt werden alle wieder munter, auch die "Verlorenen Jungs", die nach ihm Ausschau halten. Momentan sind es sechs, denn auch wenn immer wieder welche ins Nimmerland kommen, werden manche getötet, oder Peter "dünnt sie aus" sobald sie gegen die eiserne Regel verstoßen und erwachsen werden. Dieser Aspekt wird ja als sehr brutal angesehen, aber wenn man an alte Märchen denkt, sind da genug Beispiele für ähnliche Szenarien ^^ Manche haben hier hinein interpretiert, er würde sie umbringen, aber das sehe ich nicht so. Es soll einfach zeigen, dass er es nicht duldet, wenn jemand erwachsen wird. Und für mich las es sich eher so, dass diese wieder in die Menschenwelt zurückkommen.
In Nimmerland wird die Vorstellungskraft zur Wirklichkeit und alles, was wahr, also das Leben davor, die Realität, verblasst und wird vergessen. Wendy versucht zwar, mit Fragen nach Mutter und Vater die Erinnerungen aufrecht zu erhalten, aber selbst bei ihr verblassen sie.
Die Geschichte ist tatsächlich fast genauso wie in der Disney Verfilmung, da haben sie sich doch stark an die Buchvorlage gehalten und man trifft alle Figuren wieder: natürlich den bösen Käpt´n Hook mit seinem Kumpan Smee, die "Indianer" und die Häuptlingstochter Tiger Lilly, die Meermädchen in der Lagune - und auch sonst gab es nicht viel überraschendes oder neues.
Der Schreibstil und die Art der Erzählung ist schon gewöhnungsbedürftig. Da sollte man im Kopf behalten, dass diese Geschichte 1911 geschrieben wurde und es dadurch schon ein besonderes Leseempfinden ist - größtenteils war es für mich tatsächlich oft auch etwas schwerfällig. Nicht unbedingt durch die Sprache, sondern durch die fehlende Spannung. Vielleicht weil ich die Geschichte einfach schon so gut kenne?
Ich hatte jedenfalls nicht ganz so große Lust weiter zu lesen wie sonst bzw. wie ich mir hier erwartet hätte. Leider etwas schwer einzuschätzen, ob es mich allgemein grade nicht gereizt hat oder ich keine neuen Aspekte gefunden habe, ich kann es nicht genau sagen. Das Original wollte ich unbedingt lesen, was ich nunmehr getan habe; und es ist eine durchaus fantasievolle, abenteuerliche Geschichte, die mich nicht so mitreißen konnte wie erhofft.