J. M. Coetzee Summertime

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Inhaltsangabe zu „Summertime“ von J. M. Coetzee

A title that completes the trilogy of fictionalised memoir begun with "Boyhood" and "Youth".

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  • Rezension zu "Summertime" von J. M. Coetzee

    Summertime

    Wolkenatlas

    13. November 2009 um 09:59

    Tabula Rasa J. M. Coetzees neuestes Buch „Summertime“ ist bezeichnenderweise mit dem Untertitel „Scenes from Provincial Life“ versehen und ist der (möglicherweise) letzte Teil seiner autobiographischen Romane, nach „Der Junge“ (Boyhood) und „Die jungen Jahre“ (Youth). Damit weist der in Adelaide lebende Nobelpreisträger aus Südafrika J. M. Coetzee darauf hin, dass dieses Buch weder als Autobiographie, noch als Roman gelesen werden sollte. Ein Journalist schreibt ein Buch über den (wie man erst später erfahren wird) soeben, oder vor einigen Jahren verstorbenen Nobelpreisträger John Coetzee. Er orientiert sich an den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, an den Jahren, in denen der Autor seine Stimme fand und die ersten Erfolge einfuhr. Zu Beginn dieses Buches liest man scheinbar beliebig ausgewählte Tagebucheinträge des verstorbenen Autors. Danach kommen in Interviews verschiedene, auf ganz unterschiedliche Art und Weise für den Autor wichtige Menschen zu Wort. Die ehemalige Geliebte, die Lieblingscousine, die Mutter einer Schülerin des Autors, ein Kollege und eine Kollegin. Wer jetzt eine Beweihräucherung vermutet, liegt weit daneben. Coetzee zeichnet ein Selbstportrait, bzw. ein Portrait seines literarischen Alter Egos, das ihn als kalten, eigenwilligen, kleinen Mann und unbefriedigenden Liebhaber bezeichnet. Ein Bild, dass ihn die Mutter einer Schülerin in ihren Augen aus Leidenschaft verfolgen lässt. Ein Bild, das ihm jegliche Fähigkeit, einen anderen Menschen zu lieben eigentlich abspricht. Ein Mann, dessen Literatur von seiner Kollegin (und kurzzeitigen Geliebten) sogar mit den Attributen unterkühlt, kraftlos und uninspiriert versehen wird. „Summertime“ als literarisch inszeniertes, Lob suchendes „Ich-Bashing“? Eindeutig nein. Als Pendant zu den Tagebuchauszügen vom Anfang veröffentlicht der britische Journalist am Ende unvollendete Prosafragmente des Autors, die er vermutlich knapp vor seinem Tod geschrieben hat. Fragmente, die sich in erster Linie um den Vater des Autors, der Beziehung zum Vater und um eine sehr weibliche Mitarbeiterin des Vaters drehen. Fragmente, die zuerst vermeintlich wenig zum Verständnis des vorher Geschehenen beitragen, die die Perspektive der ca. 230 vorangegangenen Seiten jedoch bald unvermeidlich verändern, bzw. frisch beleuchten. Mit all diesen Zutaten ergibt sich ein höchst kunstvolles Selbstportrait des Autors, das möglicherweise weit vom wirklichen Autor entfernt ist, möglicherweise aber auch nicht. Ich denke, dass das Wissen um den Wahrheitsanteil in diesem Buch absolut nicht notwendig ist, da sich das literarische Kunstwerk weit über die Frage nach Fiktion und Autobiographie erhebt. „Summertime“ ist ein literarischer Geniestreich, ein Meisterwerk. Unverständlich, wie dieses Buch (obschon in der Shortlist des Booker Prizes 2009) nicht mit dem Booker-Prize ausgezeichnet wurde. „Summertime“ ist ein Höhepunkt im an Höhepunkten reichen Schaffen J. Coetzees. Seine formelle Anlage, die Stimmenführung und das polyphone Gesamterlebnis sind ein Erlebnis, meine Bewunderung gilt diesem Roman nicht nur in literarischer Hinsicht, sondern auch als Kunstwerk per se. Seine Entscheidung, diese Zeit seines Lebens aus der Perspektive Dritter durch Interviews „posthum“ erzählen zu lassen, gibt ihm die Möglichkeit, jegliche Ich-Befindlichkeit zu vermeiden, die er ja schon in den ersten beiden Romanen dieses Zyklus vehement vermieden hat. Ein bewegendes Buch, das viele Fragen aufwirft, das kritisch mit Südafrika umgeht und ein sehr lebhaftes Portrait des Lebens in Kapstadt und Südafrika der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zeichnet. Knapp vor dem Ende des letzten Interviews bemängelt die französische Ex-Kollegin und Geliebte, dass John Coetzee ein Autor gewesen wäre, der nie versucht hätte, die literarischen Welten einzureißen um aus dem Schutt der Tradition eine neue Literatur, eine neuartige Stimme zu entwickeln. Möglicherweise hat Coetzee mit den Worten seiner Protagonistin recht. J. M. Coetzee musste nur nie irgendwelche Traditionen einstürzen lassen, um seine Werke zu schaffen, seine Stimme zu finden, seinen persönlichen Stil. Sein Oeuvre ist an Eigenständigkeit, Ernsthaftigkeit und Präzision, an literarischer Leidenschaft, die wohlgemerkt zum Großteil eine Art geschlechtslose, der Kunst dienende Leidenschaft ist, an Wichtigkeit und künstlerischer Innovation im Rahmen der Tradition kaum zu überbieten. Und wahre, zeitlose Kunst kann sich nur auf Basis der Tradition entwickeln. Bleibt nur noch zu hoffen, dass J. M. Coetzee noch weitere literarische Glanztaten folgen lässt.

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