J. M. Coetzee Warten auf die Barbaren

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Inhaltsangabe zu „Warten auf die Barbaren“ von J. M. Coetzee

Jahrzehntelang ist der Magistrat ein loyaler Diener des Staates gewesen und hat die Amtsgeschäfte der winzigen Garnisonsstadt in einem Grenzdistrikt des Reiches geführt, ohne sich von der vermeintlichen Bedrohung durch die "Barbaren ", einem benachbarten Nomadenstamm, beirren zu lassen. Als jedoch eine Spezialeinheit der Staatspolizei eintrifft, um den Nachweis für kriegerische Absichten der "Barbaren "zu erbringen, wird er Zeuge der grausamen und ungesetzlichen Behandlung von Gefangenen. Vom Mitleid mit den Opfern aufgerüttelt, will der alte Mann ein Zeichen setzen. Gleichsam in einem Akt privater Wiedergutmachung nimmt er ein schwer misshandeltes "Barbaren "-Mädchen bei sich auf, um es schließlich zu seinem Volk zurückzubringen. Diese Expedition brandmarkt ihn als Verräter, er wird nun seinerseits Opfer von öffentlicher Demütigung und Folter.

J. M. Coetzees früher Roman "Warten auf die Barbaren" (1980) gilt als eines der zentralen Werke des Autors. Das mehrfach ausgezeichnete Werk stellt die Frage nach Würde und Mitverantwortung des Einzelnen unter einem Regime, das sich über Recht und Anstand hinwegsetzt.

Stringent, ehrlich, bewegend

— Simon_liest

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    Warten auf die Barbaren

    Badmojo44

    01. December 2014 um 02:04

    Coetzee, beschreibt den moralischen und physischen Verfall von Gesellschaft und Individuum, dabei berüht das eine auch das andere. Der Verfall des Individuums, führt zum Untergang der Gesellschaft sowie der Verfall der Gesellschaft, zum Niedergang des Individuums beiträgt. Als Leser bleibt einen nichts weiter übrig, als für sich selbst, die zugrundeliegende Schuldfrage zu klären.

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    Warten auf die Barbaren

    AnnaChi

    In einem Grenzdistrikt eines nicht näher benannten Reiches führt der Magistrat ruhig und gelassen seine Amtsgeschäfte, in friedlicher Koexistenz mit dem jenseits der Grenze lebenden Nomadenvolk, den "Barbaren". Bis eines Tages eine Spezialeinheit der Reichspolizei in das Städtchen kommt, um die kriegerischen Absichten des Barbarenvolks zu beweisen. Es folgt das Etablieren eines Unrechtssystems, in dem Gefangene zu rechtlosen Wesen degradiert und gefoltert werden. Aus Gewissenbissen nimmt sich der Magistrat eines schwer mißhandelten Barbarenmädchens an und gerät dadurch selbst in die Fänge des menschenverachtenden Regimes ... In eindrucksvollen und ausdrucksstarken Bildern entwirft Coetzee ein Bild dieses grauenvollen politischen Systems, das sich dem sensiblen Leser bis ins Innerste bohrt. Gerade dadurch, dass der Staat fiktiv und fast alle der handelnden Personen namenslos bleiben, steht dieses Buch für alle, modernen wie historischen, Tyranneien, die das Recht des Einzelnen mit Füßen treten. Ein großes Buch, das man gelesen haben sollte.

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    awogfli

    11. March 2012 um 11:28

    Ein gute Geschichte über Krieg, Politik, Folter und Erniedrigung und die Folgen daraus für Täter und Opfer und vor allem für die Zivilbevölkerung einer Stadt irgendwo an einer Grenze in einem fiktiven Land. Leider sprang bei mir der Funke nicht über und ich hab mich lange gefragt, warum das so ist. Wenn man Coetzes Werk Schande liest, spürt man die Kraft der realen Wut über die politischen Zustände in Afrika und kann sie sehr gut nachempfinden. In diesem Roman mit einer fiktiven Stadt, erfundenen Zentralregierung und kreierten Menschen verpufft diese Erzählkraft und schafft durch die Konstruktion eine Distanz, die für mich nicht zu überwinden war. Die Geschichte bleibt farblos, leer und unbeseelt und ist somit ein bisschen langweilig und vorhersehbar trotz Dramatik. Fazit gut gemacht, sprachlich und inhaltlich aber nicht wirklich begeisternd.

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    diepersephone

    20. February 2011 um 09:36

    In dieser Geschichte geht es um Gerechtigkeit, Würde, Mitverantwortung, Recht, Anstand und Scham. Wie handelt ein Einzelner wenn er mit diesen Begrifflichkeiten in Berührung kommt. Was ist Folter und wo fängt sie an? Was genau ist Schuld und tragen wir von Beginn eine Vorstellung von Gerechtigkeit in uns? Wie gehen wir mit diesem „Wissen“ um? Eine Geschichte die keine Orts, Zeit oder Personenangaben macht, getragen von der Unwissenheit des Erzählers und seiner Quälenden Fragen. Ein düsteres Buch in das man eintaucht und das einen mit sich in diesen Strudel aus Ereignissen zieht.

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    Beagle

    28. November 2010 um 12:40

    „Alle Kreaturen bringen, wenn sie auf die Welt kommen, die Erinnerung an Gerechtigkeit mit.“ Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen, dem Unrecht angetan wird? Wie kann er seine Meinung vertreten, die niemanden zu interessieren scheint? Was ist menschlich? Fragen, die man sich angesichts des Romans „Warten auf die Barbaren“ von J.M. Coetzee stellen mag. Es geht um eine nicht näher definierte Stadt, irgendwo in einer Grenzregion – doch es könnte auch überall spielen, diese Stadt steht nur als Platzhalter. Barbaren nennen sie die Leute, die sie nicht kennen, deren Lebensgewohnheiten sich von den ihren in allen Punkten unterscheiden. Ob die Leute schon vorher Angst vor den Nomaden hatten, sei dahingestellt. Aber, als die Militärs anrücken um gegen sie in den Krieg zu ziehen, wird Angst geschürt. Mitten drin der Magistrat der Stadt, der Ich-Erzähler. All der Oberst zum ersten Mal seine Stadt besucht, um sich ein Bild der Grenze zu machen, denkt er sich nicht viel, als die Rede von Angriffen der Barbaren aufkommt. Der Magistrat kennt seine Region, er weiß, dass die Barbaren nie jemandem etwas zu Leide tun würden, einmal im Jahr kommen sie in die Stadt, um Handel zu treiben. Es sind friedliche Leute. Doch dann zieht der Oberst aus, angeblich, um sich selbst ein Bild davon zu machen und bringt mehrere Leute als Gefangene mit. Diese werden gequält und gefoltert, der Oberst ist sich sicher, dass sie einen Angriff auf die Nation planen und geht in seiner „Wahrheitsfindung“ über Leichen. Dann reist er wieder ab. Die Gefangenen werden freigelassen – alles scheint wieder still. Doch ein Mädchen der Barbaren wurde in der Stadt zurückgelassen. Der Magistrat findet sie mit verkrüppelten Beinen und halb blinden Augen. Er nimmt sie zu sich und pflegt sie, salbt ihre Wunden. Und nach dem Winter bringt er sie zu ihrem Volk zurück. Als der Magistrat von dieser langen, beschwerlichen Reise zurückkehrt, ist die Stadt vom Militär beherrscht. Sogleich wird er wegen Landesverrat und Kooperation mit dem Feind in das Gefängnis gesteckt. Auch ihm blühen qualvolle Folterungen, während die Truppen ausziehen in einen Krieg gegen Menschen, die ihnen nie etwas getan haben und deren einziges Vergehen es ist, anders zu sein. Ein sehr tiefsinniges Buch, das der Nobelpreisträger hier vorlegt. Im Grunde geht es um die alte Laier, dass der Mensch das Andersartige nicht versteht, sich zusammenrottet und dagegen ankämpft. Leider ein Problem, das nie an Aktualität verlieren wird.

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    Haschnier

    09. November 2010 um 23:00

    Ein Beamter begreift, wie unmenschlich das System, dem er dient ist und wird schließlich vom Mitläufer zum Kritiker und sodann schnell zum Feind und Opfer. Aus seiner Perspektive erlebt der Leser das diktatorische System aus verschiedenen Blickwinkeln und Rollen und immer mit einer fast schon zu kühlen Distanz. Natürlich ist es ein Buch gegen jede Diktatur und gegen Tyrannei. Es stammt aus den 1980er Jahren und die Handlung läßt sich recht gut und in die bekannten Diktaturen des 20. Jahrhunderts übertragen, ohne diese direkt zu benennen. Spannend finde ich natürlich auch die Frage, inwieweit sich Aspekte des Romans auch auf andere System übertragen lassen. Gerade die Frage nach der Folter und ihrem selbstverständlichen Umgang zum Schutze vor den gefährlichen Barbaren (die übrigens kaum gewalttäitig erscheinen, während die Polizei des "zivilisierten" Reiches höchst barbarisch agiert) leitet den heutigen Leser zum heutige Kampf gegen den Terrorismus über. Die Antworten fallen sicherlich keinesfalls so eindeutig auf, wie im historischen Vergleich, doch die Qualität des Romans erlaubt zumindest die Fragen zu diskutieren. Das macht ihn zeitlos. Und trotzdem habe ich das Buch zwischendurch weggelegt und wollte es schon wieder ins Regal stellen. Der Grund war die unglaubliche Brutaliät der Folter. Gewaltausbrüche solcher Art, insbesondere in Folterzusammenhängen, finde ich so furchtbar, dass es mir das Lesevergnügen nimmt. Andererseits läßt sich das Thema und die Grausamkeit literarisch kaum umschreiben, wenn man sich gerade damit auseinandersetzen will. Definitiv sehr lesenswert - und das wahrscheinlich noch für Generationen von Lesern.

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    beowulf

    13. March 2010 um 10:58

    Dieses Frühwerk des Nobelpreisträgers ist eindrücklich, bedrückend, nachdenklich, melancholisch- der Magistrat, der sich im Grenzland seinen kleinen Frieden gemacht hat und als Rädchen im Getriebe des Reiches wohl funktioniert, aber sich in seiner eigenen Taktung dreht kommt unter die Räder der mächtigen Geheimpolizei wird zum Feind und wird gebrochen und das erzählt er als Ich- Erzähler quasi verwundert distanziert, was er hier selbst tut versteht er so wenig wie was mit ihm geschieht. Ein Werk das den Widerstand der Mitläufer und das Elend der Diktatur gleichermassen beschreibt.

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. February 2010 um 11:55

    Der Magistrat führte über Jahre hinweg die Amtsgeschäfte einer kleinen Garnisonsstadt (eines fiktiven Reiches), in nächster Nähe zum Gebiet der "Barbaren", einem Nomadenstamm. Eines Tages trifft ein Beauftragter der Staatspolizei ein, um vermeintliche kriegerische Absichten der Barbaren zu untersuchen. Der Magistrat wird Zeuge der menschenunwürdigen Behandlung der gefangenen Barbaren, doch steht er dieser ohnmächtig gegenüber. Als Akt der Wiedergutmachung nimmt er ein durch die Folter der Staatspolizei erblindetes Barbarenmädchen bei sich auf, um sie schliesslich zu ihrem Volk zurückzubringen. Dadurch wird er als Verräter gebrandmarkt und nun selbst Opfer öffentlicher Demütigung und Folter durch die Staatspolizei. Coetzee beschreibt eindringlich den Versuch eines Einzelnen sich gegen ein übermächtiges, willkürliches und brutales System aufzulehnen und den daraus resultierenden gesellschaftlichen, psychischen und physischen Fall. Dieser eine folgt seinem Gewissen und findet sich nicht damit ab, dass Macht dazu legitimiert sich über Menschenwürde und Menschlichkeit hinwegzusetzen und anderen seinen Willen aufzuzwingen. Hierbei schafft es Coetzee auf beeindruckende Art die Gedanken des Magistrates zu beschreiben und den Schrecken und Horror der Willkür der Staatspolizei zu zeigen. Der Leser, der heutzutage nicht begreifen kann, wie ein Volk solch einen Despotismus dulden kann, fühlt mit dem Magistraten mit, der durch den Willen menschlich zu bleiben, wenn auch seelisch und körperlich durch die Behandlung der Staatspolizei fast zerstört, selbst zum Staatsfeind wird, jedoch dafür seine Werte nicht verrät. Das Buch ist sehr eindringlich geschrieben, es kommt einem so vor, als ob man selber Beobachter auf der Strasse ist, und die ganze Gewalt und Sinnlosigkeit von Nahem mitansieht. Auch die Entwicklung einer friedlichen und zivilisierten Grenzstadt, die sogar Handel mit den Barbaren trieb, hin zu einem wütenden und gewaltsamen Mob, der all das, was vom Reich ferngehalten werden soll symbolisiert, wird sehr gut wiedergegeben. Das Werk kann als Warnung gesehen werden: wenn man nicht für seine Werte eintritt und wenn dies auch unter noch so widrigen Bedingungen geschieht und nur wegschaut, ist man nicht besser als jene, die andere foltern und verfolgen. Als Leser ist man zudem gezwungen sich selber zu fragen: Wie würde ich in solch einer Situation handeln? Könnte ich es ertragen, das Leid, dass den Barbaren wiederfährt, mitanzusehen? Oder könnte ich die Leiden des Magistrates aushalten und standhaft bleiben? Ein Buch, dass nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch Aufschlüße über das eigene Wesen geben kann, zumal das behandelte Thema leider immer noch aktuell ist und wohl auch bleiben wird.

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    jacq

    23. October 2009 um 14:30

    Das Buch ist gerade für Deutsche Leser hochinteressant - wurde hier während der Nazizeit ähnlich gehandelt - eben barbarisch!

  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    Duffy

    28. July 2009 um 09:42

    Mit beklemmender Eindringlichkeit beschreibt Coetzee die menschliche Natur, sich alles unterwerfen zu müssen, alles nicht "systemkonforme", ob nun Mensch oder Natur einem willkürlichen theoretischen Unterbau zu opfern. Werte des einfachen Lebens wie Würde und Respekt werden außer Kraft gesetzt, wenn es der Durchsetzung einer Macht dient, die sich am Ende als unhaltbar entlarvt. Der Protagonist, der in Ich-Form den Untergang einer kleinen Siedlungsgemeinschaft beschreibt und dabei fast zum unfreiwilligen Märtyrer wird, erscheint fast als das gute Gewissen eines verzweifelten und zum Scheitern verurteilten Widerstandes. Obwohl der Ort des Geschehens fiktiv gewählt ist, muss man nicht rätseln, dass Coetzee hier über seine südafrikanische Heimat schreibt. Dieses frühe Werk des Nobelpreisträgers würde heute trefflich in jeden Ethikunterricht passen.

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    Pankraz

    28. December 2008 um 21:22

    Ein Plädoyer GEGEN jede Art von Führung, Diktatur, Tyrannei und Militarismus… Ein Plädoyer FÜR Toleranz, Freiheit, Selbstbestimmung und freies Denken… Was soll man sagen… Ein absolut zeitloses Buch, welches in seiner einfachen Form mehr als überzeugt. Da hat man es mit einem Autor zu tun, der 1. sich bewusst ist, was er will… 2. bestimmt, wie viel oder wie wenig er tut und… 3. keinerlei Tricks nötig hat! “Du glaubst, du weißt, was gerecht und was ungerecht ist. Ich verstehe das. Wir alle glauben, es zu wissen.“ J.M. Coetzee erzählt eine einfache Geschichte eines Magistrats einer Grenzstadt. Eines Dieners seines Staates, jedoch eines denkenden Dieners, der mehr und mehr passiven Widerstand gegen die Diktatur der Machthaber leistet. “In der Einsamkeit meiner Zelle denke ich viel über ihn nach und versuche seinen Hass zu verstehen, versuche, mich so zu sehen, wie er mich sieht. (…) Ein Mann mit der Taille eines Jungen und den muskulösen Armen eines Straßenkämpfers, in die fliederblaue Uniform gezwängt, die die Abteilung III für ihn kreiert hat. Bestimmt eitel, gierig nach lob. Ein unersättlicher Weiberheld, unbefriedigt, unbefriedigend. Dem man erzählt hat, er könne nur nach oben gelangen, wenn er über eine Leichenpyramide klettert.“ Ein früher Roman eines späteren Nobelpreisträgers. Ein früher Roman kann ein mehr als ausgereifter sein. “Wenn Menschen ungerecht leiden, ist es das Schicksal derer, die Zeuge ihres Leidens werden, sich dafür zu schämen.“

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. October 2008 um 11:42

    Was Coetzee hier schildert, nimmt sich wie ein Schreckensszenario aus, wenn es denn nicht so normal wäre, so menschlich verständlich, so alltäglich. Manchmal ist es so erschreckend normal, dass man glauben möchte, der Autor schreibt hier über nichts anderes als seine Sicht auf die Welt und unser Leben darin. Die Menschen bleiben blass und namenlos, sie sind also austauschbar gegen jedermann. Bis auf den Oberst, der hat einen Namen, und schon sein Untergebener ist lediglich der Leutnant. Man gewinnt den Eindruck, die Szenerie könnte überall spielen, denn irgendeinen äußeren, aber auch inneren Feind, bemüht der Staat ja immer, um sein Machtmonopol zu rechtfertigen und zu festigen. Darum geht es vor allen Dingen, es geht um die Zivilcourage und den Mut des Einzelnen gegen diesen Machtanspruch, hier allerdings in einem gewissenlosen, unmenschlichen und anonymen Staat. Spieler und Gegenspieler, der Oberst und sein Leutnant auf der einen Seite, der Magistrat auf der anderen. Letzterer ist kein Held, er ist mit allen menschlichen Schwächen ausgestattet, die man sich denken kann, er ist bequem, liebt seine Ruhe, vertieft sich weltvergessen in seine Sammlungen und möchte im Grunde nur in Ruhe gelassen werden. Wie alle anderen auch. Aber mit dem Einrücken des Polizeioberst geht es eben nicht mehr. „Jedes Lebewesen wird mit dem Gedächtnis am Gerechtigkeit geboren“, sagt er, und er ermannt sich, dieser Stimme in seinem Inneren auch öffentlich Ausdruck zu verleihen. Er ist kein Träumer, er weiß, was es bedeuten kann, Folter und Tod, so wie mit den Barbaren praktiziert. Aber er schliddert mehr in diese missliche Situation, als dass er es bewusst darauf anlegt, er ist eben kein Held, sondern ein Durchschnittsbürger. Im Grunde könnten auch alle anderen Mitbewohner sich gegen das Diktat der Polizei auflehnen, aber niemand tut es, nur er, der Schwache, Ältliche, Friedliebende. Er ist auch der einzige, der sich mit der Vergangenheit seines Volkes beschäftigt (die Ausgrabungen, die Interpretation der Pappelholztäfelchen), und hier gilt sicher die Allerweltsweisheit: Wenn du nicht weißt, woher du kommst, wirst du nie begreifen, wer du bist. Und die Barbaren? Sie sind nur notwendige Staffage für den Macht- und Gewaltanspruch des Staates. Eigentlich existieren sie gar nicht, versprengte Grüppchen in einer schier unermesslich großen Wüste am Rand des Reichs. Aber nichts desto weniger unbesiegbar, die vergeblichen Feldzüge beweisen es, man kommt ihnen nicht bei auf ihrem eigenen Territorium. Die in die Stadt gebrachten Gefangenen können auch harmlose Siedler gewesen sein, die an ihnen begangenen Gräueltaten dienen vornehmlich der Abschreckung nach innen, etwa: Seht, was wir mit denen machen, die gegen uns sind. Zum anderen jedoch werden sie ebenfalls benötigt, um sich selbst gegen sie abzugrenzen, hier ist die Zivilisation, dort aber nur die Barbarei. Allein, die Geschehnisse sprechen eine ganz andere Sprache, die Zivilisierten verhalten sich unzivilisiert, folgen ihren niederen Instinkten und zeigen wenig davon, was sie zu zivilisierten Menschen machen könnte (Eigennutz, Erbarmungslosigkeit, Gewinnsucht, das ganze Schreckensszenario). 3. Fazit Sprachlich gekonnt und faszinierend lässt Coetzee seine Sicht auf eine staatlich gelenkte Welt sich durch die Handlung des Romans entwickeln. Es ist eine beängstigende Sicht auf ungehemmte Machtausübung zu Lasten des Einzelnen, eine ungetröstete Haltung, denn der einzige, der ein moralisches Gewissen zeigt, ist ein Schwacher, ein menschlich nicht gerade Integerer, der aber am Ende obsiegt, weil er sich innerlich durchgerungen und nicht aufgegeben hat, seinem Gewissen zu folgen, unabhängig davon, welche Konsequenzen dies für ihn haben könnte. Sein Sieg ist allerdings ein Pyrrhus-Sieg, er wird körperlich uns seelisch fast zerbrochen, nur sein Beharrungsvermögen lässt ihn durchhalten, bis der Spuk vorüber war. Keine Abrechnung mit seinen Peinigern, es genügt ihm, dass sie verschwanden, wie sie gekommen waren, eine Episode nur. Ohne nachträglichen Stolz auf sich hat er das getan, was er nicht umhin kam zu tun. Mehr darf nicht erwartet werden. Das „Reich“ erinnert in vielem an autoritäre, faschistische Staaten der Gegenwart und der Vergangenheit, das Dritte Reich nicht ausgenommen, auch Südafrika zur Zeit der Apartheid nicht. Dennoch ist keiner dieser Staaten gemeint, sondern es sind sie alle, die Unrecht im Namen des vorgeblichen Rechts begehen, die Folter und Unterdrückung, aus welchen Gründen auch immer, zulassen. Doch es sind nicht nur die gemeint, die dieses Gewaltmonopol ausüben, es sind auch die, die die Ausübung von Gewalt schweigend mit ansehen, innerlich gutheißen, solange sie sich gegen andere richtet, und sie damit tolerieren. Jeder kann sich hier wiederfinden, und der Leser sollte sich fragen, wie er bzw. sie in einer solch bedrängten Situation gehandelt h

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  • Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Warten auf die Barbaren

    Wolkenatlas

    04. September 2008 um 14:07

    J. M. Coetzee ist (meiner Meinung nach) sicherlich einer der wichtigsten und besten Autoren unserer Zeit. Nüchtern, unsentimental, ja fast unterkühlt und ohne je mit dem Finger Moral zu predigen schreibt Coetzee eine Parabel über Macht und die mögliche Auswirkung dieser. Dieser Roman ist, wie alles bei Coetzee, relativ leicht lesbar (Coetzee braucht keine künstlichen Kunstgriffe, Tricks usw. um aufzuzeigen) und stimmt sehr nachdenklich. Ein zeitloser Roman, da Machtmissbrauch allgegenwärtig ist, Guantanamo Bay nur ein Beispiel. Literatur, die Bestand haben wird, hoffe ich.

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