Warten auf die Barbaren

von J. M. Coetzee 
4,1 Sterne bei64 Bewertungen
Warten auf die Barbaren
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Orishas avatar

Leise, still und dennoch kraftvolles Portrait totalitärer Regime. Lesenswert.

Simon_liests avatar

Stringent, ehrlich, bewegend

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Inhaltsangabe zu "Warten auf die Barbaren"

Jahrzehntelang ist der Magistrat ein loyaler Diener des Staates gewesen und hat die Amtsgeschäfte der winzigen Garnisonsstadt in einem Grenzdistrikt des Reiches geführt, ohne sich von der vermeintlichen Bedrohung durch die "Barbaren ", einem benachbarten Nomadenstamm, beirren zu lassen. Als jedoch eine Spezialeinheit der Staatspolizei eintrifft, um den Nachweis für kriegerische Absichten der "Barbaren "zu erbringen, wird er Zeuge der grausamen und ungesetzlichen Behandlung von Gefangenen. Vom Mitleid mit den Opfern aufgerüttelt, will der alte Mann ein Zeichen setzen. Gleichsam in einem Akt privater Wiedergutmachung nimmt er ein schwer misshandeltes "Barbaren "-Mädchen bei sich auf, um es schließlich zu seinem Volk zurückzubringen. Diese Expedition brandmarkt ihn als Verräter, er wird nun seinerseits Opfer von öffentlicher Demütigung und Folter.

J. M. Coetzees früher Roman "Warten auf die Barbaren" (1980) gilt als eines der zentralen Werke des Autors. Das mehrfach ausgezeichnete Werk stellt die Frage nach Würde und Mitverantwortung des Einzelnen unter einem Regime, das sich über Recht und Anstand hinwegsetzt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596155859
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.12.2002

Rezensionen und Bewertungen

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    Orishas avatar
    Orishavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Leise, still und dennoch kraftvolles Portrait totalitärer Regime. Lesenswert.
    Von den Mechnismen totalitärer Regime

    Ein unbekanntes Reich. Am Rande lebt ein Magistrat – staatstreu verrichtet er seinen Dienst. Bis ihn eines Tages die Abteilung III aus der Hauptstadt besucht, um der Siedlung bei einem vermeintlichen Aufstand der Barbaren – Nomadenvölker der Berge – beizustehen. Gefangene werden gemacht: sie werden zusammengepfercht, gedemütigt, misshandelt. Als eine dieser Gefangenen beim Magistrat Unterschlupf findet, beginnt selbiger seine Arbeit zu hinterfragen und findet sich bald selbst im Fadenkreuz des Regimes wieder.

    Coetzees Roman steht für viele totalitäre Regime unserer und vergangener Zeiten. Detailliert zeichnet er das Leben des Magistrats nach, der, zunächst dem Reich total ergeben, beginnt ein Gewissen zu entwickelt. Zunehmend kann er nicht mehr wegschauen und beginnt seine Tätigkeit zu hinterfragen. Als Gefangener muss er sich den kritischen Fragen seiner Tätigkeit stellen und am eigenen Leib erfahren, wie man Menschen brechen kann – mit und auch ohne Gewalt.

    Ein kraftvolles Buch, dass die Tücken dieser Regime gekonnt aufzeigt und ein ums andere Mal die menschenverachtenden Mechanismen hinter solchen Regierungsformen aufzeigt. Niemand ist sicher in diesen politischen Konstellationen, die menschgemacht sind und die alte Denkstrukturen bedienen: Wir gegen die. Die gegen uns. Dass es ein Wir geben könnte, dass alle umfasst – undenkbar. Und „Warten auf die Barbaren“ lässt den Leser nicht umsonst fragen, wer hier die eigentlichen Barbaren sind? Damit ist Coetzee ein Buch gelungen, das zeitlos ist.

    Fazit: Leise, still und dennoch kraftvolles Portrait totalitärer Regime. Lesenswert.

    Kommentare: 1
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    Badmojo44s avatar
    Badmojo44vor 4 Jahren
    Rezension

    Coetzee, beschreibt den moralischen und physischen Verfall von Gesellschaft und Individuum, dabei berüht das eine auch das andere. Der Verfall des Individuums, führt zum Untergang der Gesellschaft sowie der Verfall der Gesellschaft, zum Niedergang des Individuums beiträgt. Als Leser bleibt einen nichts weiter übrig, als für sich selbst, die zugrundeliegende Schuldfrage zu klären.

    Kommentare: 2
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    AnnaChis avatar
    AnnaChivor 5 Jahren
    Wider die Tyrannei

    In einem Grenzdistrikt eines nicht näher benannten Reiches führt der Magistrat ruhig und gelassen seine Amtsgeschäfte, in friedlicher Koexistenz mit dem jenseits der Grenze lebenden Nomadenvolk, den "Barbaren". Bis eines Tages eine Spezialeinheit der Reichspolizei in das Städtchen kommt, um die kriegerischen Absichten des Barbarenvolks zu beweisen. Es folgt das Etablieren eines Unrechtssystems, in dem Gefangene zu rechtlosen Wesen degradiert und gefoltert werden.

    Aus Gewissenbissen nimmt sich der Magistrat eines schwer mißhandelten Barbarenmädchens an und gerät dadurch selbst in die Fänge des menschenverachtenden Regimes ...

    In eindrucksvollen und ausdrucksstarken Bildern entwirft Coetzee ein Bild dieses grauenvollen politischen Systems, das sich dem sensiblen Leser bis ins Innerste bohrt. Gerade dadurch, dass der Staat fiktiv und fast alle der handelnden Personen namenslos bleiben, steht dieses Buch für alle, modernen wie historischen, Tyranneien, die das Recht des Einzelnen mit Füßen treten.

    Ein großes Buch, das man gelesen haben sollte.

    Kommentare: 2
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    awogflis avatar
    awogflivor 7 Jahren
    Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Ein gute Geschichte über Krieg, Politik, Folter und Erniedrigung und die Folgen daraus für Täter und Opfer und vor allem für die Zivilbevölkerung einer Stadt irgendwo an einer Grenze in einem fiktiven Land.

    Leider sprang bei mir der Funke nicht über und ich hab mich lange gefragt, warum das so ist. Wenn man Coetzes Werk Schande liest, spürt man die Kraft der realen Wut über die politischen Zustände in Afrika und kann sie sehr gut nachempfinden. In diesem Roman mit einer fiktiven Stadt, erfundenen Zentralregierung und kreierten Menschen verpufft diese Erzählkraft und schafft durch die Konstruktion eine Distanz, die für mich nicht zu überwinden war. Die Geschichte bleibt farblos, leer und unbeseelt und ist somit ein bisschen langweilig und vorhersehbar trotz Dramatik.

    Fazit gut gemacht, sprachlich und inhaltlich aber nicht wirklich begeisternd.

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    D
    diepersephonevor 8 Jahren
    Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    In dieser Geschichte geht es um Gerechtigkeit, Würde, Mitverantwortung, Recht, Anstand und Scham. Wie handelt ein Einzelner wenn er mit diesen Begrifflichkeiten in Berührung kommt. Was ist Folter und wo fängt sie an? Was genau ist Schuld und tragen wir von Beginn eine Vorstellung von Gerechtigkeit in uns? Wie gehen wir mit diesem „Wissen“ um? Eine Geschichte die keine Orts, Zeit oder Personenangaben macht, getragen von der Unwissenheit des Erzählers und seiner Quälenden Fragen. Ein düsteres Buch in das man eintaucht und das einen mit sich in diesen Strudel aus Ereignissen zieht.

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    Beagles avatar
    Beaglevor 8 Jahren
    Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    „Alle Kreaturen bringen, wenn sie auf die Welt kommen, die Erinnerung an Gerechtigkeit mit.“

    Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen, dem Unrecht angetan wird? Wie kann er seine Meinung vertreten, die niemanden zu interessieren scheint? Was ist menschlich? Fragen, die man sich angesichts des Romans „Warten auf die Barbaren“ von J.M. Coetzee stellen mag.

    Es geht um eine nicht näher definierte Stadt, irgendwo in einer Grenzregion – doch es könnte auch überall spielen, diese Stadt steht nur als Platzhalter. Barbaren nennen sie die Leute, die sie nicht kennen, deren Lebensgewohnheiten sich von den ihren in allen Punkten unterscheiden. Ob die Leute schon vorher Angst vor den Nomaden hatten, sei dahingestellt. Aber, als die Militärs anrücken um gegen sie in den Krieg zu ziehen, wird Angst geschürt.

    Mitten drin der Magistrat der Stadt, der Ich-Erzähler. All der Oberst zum ersten Mal seine Stadt besucht, um sich ein Bild der Grenze zu machen, denkt er sich nicht viel, als die Rede von Angriffen der Barbaren aufkommt. Der Magistrat kennt seine Region, er weiß, dass die Barbaren nie jemandem etwas zu Leide tun würden, einmal im Jahr kommen sie in die Stadt, um Handel zu treiben. Es sind friedliche Leute. Doch dann zieht der Oberst aus, angeblich, um sich selbst ein Bild davon zu machen und bringt mehrere Leute als Gefangene mit. Diese werden gequält und gefoltert, der Oberst ist sich sicher, dass sie einen Angriff auf die Nation planen und geht in seiner „Wahrheitsfindung“ über Leichen.

    Dann reist er wieder ab. Die Gefangenen werden freigelassen – alles scheint wieder still. Doch ein Mädchen der Barbaren wurde in der Stadt zurückgelassen. Der Magistrat findet sie mit verkrüppelten Beinen und halb blinden Augen. Er nimmt sie zu sich und pflegt sie, salbt ihre Wunden. Und nach dem Winter bringt er sie zu ihrem Volk zurück.

    Als der Magistrat von dieser langen, beschwerlichen Reise zurückkehrt, ist die Stadt vom Militär beherrscht. Sogleich wird er wegen Landesverrat und Kooperation mit dem Feind in das Gefängnis gesteckt. Auch ihm blühen qualvolle Folterungen, während die Truppen ausziehen in einen Krieg gegen Menschen, die ihnen nie etwas getan haben und deren einziges Vergehen es ist, anders zu sein.

    Ein sehr tiefsinniges Buch, das der Nobelpreisträger hier vorlegt. Im Grunde geht es um die alte Laier, dass der Mensch das Andersartige nicht versteht, sich zusammenrottet und dagegen ankämpft. Leider ein Problem, das nie an Aktualität verlieren wird.

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    Haschniers avatar
    Haschniervor 8 Jahren
    Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Ein Beamter begreift, wie unmenschlich das System, dem er dient ist und wird schließlich vom Mitläufer zum Kritiker und sodann schnell zum Feind und Opfer. Aus seiner Perspektive erlebt der Leser das diktatorische System aus verschiedenen Blickwinkeln und Rollen und immer mit einer fast schon zu kühlen Distanz.

    Natürlich ist es ein Buch gegen jede Diktatur und gegen Tyrannei. Es stammt aus den 1980er Jahren und die Handlung läßt sich recht gut und in die bekannten Diktaturen des 20. Jahrhunderts übertragen, ohne diese direkt zu benennen. Spannend finde ich natürlich auch die Frage, inwieweit sich Aspekte des Romans auch auf andere System übertragen lassen. Gerade die Frage nach der Folter und ihrem selbstverständlichen Umgang zum Schutze vor den gefährlichen Barbaren (die übrigens kaum gewalttäitig erscheinen, während die Polizei des "zivilisierten" Reiches höchst barbarisch agiert) leitet den heutigen Leser zum heutige Kampf gegen den Terrorismus über. Die Antworten fallen sicherlich keinesfalls so eindeutig auf, wie im historischen Vergleich, doch die Qualität des Romans erlaubt zumindest die Fragen zu diskutieren. Das macht ihn zeitlos.

    Und trotzdem habe ich das Buch zwischendurch weggelegt und wollte es schon wieder ins Regal stellen. Der Grund war die unglaubliche Brutaliät der Folter. Gewaltausbrüche solcher Art, insbesondere in Folterzusammenhängen, finde ich so furchtbar, dass es mir das Lesevergnügen nimmt. Andererseits läßt sich das Thema und die Grausamkeit literarisch kaum umschreiben, wenn man sich gerade damit auseinandersetzen will.

    Definitiv sehr lesenswert - und das wahrscheinlich noch für Generationen von Lesern.

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    beowulfs avatar
    beowulfvor 9 Jahren
    Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Dieses Frühwerk des Nobelpreisträgers ist eindrücklich, bedrückend, nachdenklich, melancholisch- der Magistrat, der sich im Grenzland seinen kleinen Frieden gemacht hat und als Rädchen im Getriebe des Reiches wohl funktioniert, aber sich in seiner eigenen Taktung dreht kommt unter die Räder der mächtigen Geheimpolizei wird zum Feind und wird gebrochen und das erzählt er als Ich- Erzähler quasi verwundert distanziert, was er hier selbst tut versteht er so wenig wie was mit ihm geschieht. Ein Werk das den Widerstand der Mitläufer und das Elend der Diktatur gleichermassen beschreibt.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren
    Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Der Magistrat führte über Jahre hinweg die Amtsgeschäfte einer kleinen Garnisonsstadt (eines fiktiven Reiches), in nächster Nähe zum Gebiet der "Barbaren", einem Nomadenstamm. Eines Tages trifft ein Beauftragter der Staatspolizei ein, um vermeintliche kriegerische Absichten der Barbaren zu untersuchen. Der Magistrat wird Zeuge der menschenunwürdigen Behandlung der gefangenen Barbaren, doch steht er dieser ohnmächtig gegenüber. Als Akt der Wiedergutmachung nimmt er ein durch die Folter der Staatspolizei erblindetes Barbarenmädchen bei sich auf, um sie schliesslich zu ihrem Volk zurückzubringen. Dadurch wird er als Verräter gebrandmarkt und nun selbst Opfer öffentlicher Demütigung und Folter durch die Staatspolizei.

    Coetzee beschreibt eindringlich den Versuch eines Einzelnen sich gegen ein übermächtiges, willkürliches und brutales System aufzulehnen und den daraus resultierenden gesellschaftlichen, psychischen und physischen Fall. Dieser eine folgt seinem Gewissen und findet sich nicht damit ab, dass Macht dazu legitimiert sich über Menschenwürde und Menschlichkeit hinwegzusetzen und anderen seinen Willen aufzuzwingen. Hierbei schafft es Coetzee auf beeindruckende Art die Gedanken des Magistrates zu beschreiben und den Schrecken und Horror der Willkür der Staatspolizei zu zeigen. Der Leser, der heutzutage nicht begreifen kann, wie ein Volk solch einen Despotismus dulden kann, fühlt mit dem Magistraten mit, der durch den Willen menschlich zu bleiben, wenn auch seelisch und körperlich durch die Behandlung der Staatspolizei fast zerstört, selbst zum Staatsfeind wird, jedoch dafür seine Werte nicht verrät. Das Buch ist sehr eindringlich geschrieben, es kommt einem so vor, als ob man selber Beobachter auf der Strasse ist, und die ganze Gewalt und Sinnlosigkeit von Nahem mitansieht. Auch die Entwicklung einer friedlichen und zivilisierten Grenzstadt, die sogar Handel mit den Barbaren trieb, hin zu einem wütenden und gewaltsamen Mob, der all das, was vom Reich ferngehalten werden soll symbolisiert, wird sehr gut wiedergegeben.

    Das Werk kann als Warnung gesehen werden: wenn man nicht für seine Werte eintritt und wenn dies auch unter noch so widrigen Bedingungen geschieht und nur wegschaut, ist man nicht besser als jene, die andere foltern und verfolgen. Als Leser ist man zudem gezwungen sich selber zu fragen: Wie würde ich in solch einer Situation handeln? Könnte ich es ertragen, das Leid, dass den Barbaren wiederfährt, mitanzusehen? Oder könnte ich die Leiden des Magistrates aushalten und standhaft bleiben? Ein Buch, dass nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch Aufschlüße über das eigene Wesen geben kann, zumal das behandelte Thema leider immer noch aktuell ist und wohl auch bleiben wird.

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    jacqs avatar
    jacqvor 9 Jahren
    Rezension zu "Warten auf die Barbaren" von J. M. Coetzee

    Das Buch ist gerade für Deutsche Leser hochinteressant - wurde hier während der Nazizeit ähnlich gehandelt - eben barbarisch!

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