Bordertown – Der Puppenmeister wird oft dem Genre Nordic Noir zugeordnet – als großer Fan genau dieses Genres hatte ich entsprechend hohe Erwartungen. Nach der Lektüre bleibt bei mir allerdings ein gemischter Eindruck zurück: Ja, es ist ein gut geschriebener nordischer Krimi – aber für mich ist es kein Noir.
Die Story ist solide aufgebaut, spannend erzählt und kommt ohne unnötige Längen aus. Der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten, auch wenn das Finale eher klein ausfällt. Die Ermittlungsarbeit wirkt glaubwürdig und logisch aufgebaut. Besonders gut gefallen haben mir einige unerwartete Wendungen, die die Geschichte frisch halten.
Was mir persönlich gefehlt hat, ist die typische Noir-Atmosphäre: diese düstere, melancholische Grundstimmung, die Einsamkeit, die Kälte. Stattdessen verlagert sich die Handlung aus Helsinki in eine Region an der finnisch-russischen Grenze – aber die klassische nordische Tristesse bleibt aus. Der Frühling bringt Licht, Wärme und fast schon eine wohltuende Stimmung. Das ist zwar stimmig im Buchkontext, aber es weckt bei mir eben keine Noir-Assoziationen.
Stark fand ich den Erzählstil: Es wird zwischen der Erzählerperspektive in der Vergangenheit und der Ich-Perspektive im Präsens gewechselt. Dadurch fühlt man sich besonders nah an der Hauptfigur Kari Sorjonen, einem introvertierten Ermittler, der fast autistisch wirkt. Seine Gedankenwelt ist authentisch und nachvollziehbar, was eine echte Verbindung zum Charakter ermöglicht.
Was das Thema Korruption angeht – das wird zwar angedeutet, bleibt aber im Hintergrund. Auch das hätte für ein Noir-Werk ruhig mehr Gewicht haben dürfen.
Fazit: Für mich kein Noir, aber trotzdem ein unterhaltsamer, angenehm zu lesender Krimi mit stimmiger Sprache und interessanter Hauptfigur. Ich werde die Reihe definitiv weiterlesen – mit dem Wissen, dass es sich eher um nordische Krimikost handelt als um klassischen Nordic Noir.








