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Lilabella

vor 6 Jahren

(8)

In jeglicher Hinsicht ein wunderbares Buch, ob man über den Sprachstil oder den Inhalt redet. Dies ist die Jubiläums-Ausgabe zum 75. Jahrestag des Buches, erstmals veröffentlicht im jahre 1937. Am Anfang findet sich hier eine Einleitung von Christopher Tolkien, die auch schon in der Jubiläums-Ausgabe zum 50. Jahrestag vorhanden war, in der er unter anderem erzählt, wie ihr Vater den Kindern die Geschichte früher immer vorgelesen hat und dann daraus ein Buch wurde, welches durch Drängen einiger Verleger dann einen Nachfolger bekam, der uns als „Der Herr der Ringe“ bekannt ist. Und als etwas besseres kann man es sich einfach nicht vorstellen: Ein Buch, welches man Abends seinen Zöglingen vorliest, während sie langsam entschlummern :) Viele der Elemente aus „The Hobbit“ sind prädestiniert für eine Verwendung als Kinderbuch:
Die einzelnen Kapitel sind eigentlich immer ein Abenteuer für sich, manchmal sogar mehrere auf einmal – dadurch wird es nie langweilig und es kann zwischendurch problemlos unterbrochen werden. Dennoch ist der eigentliche Plot nie komplett aufgelöst.

Die ständigen Aufzählungen (alleine die Name der Zwerge) sind perfekt für Kinder geeignet und geben dem ganzen noch einen witzigen Touch, außerdem wird vieles in der Geschichte häufiger wiederholt : Es tauchen z.B. mehrmals dieselben Sätze auf (Bsp.: Bilbo wünscht sich des Öfteren nach Hause zurück und jedes Mal wird dieselbe Wortwahl benutzt).

Der auktoriale Erzähler spricht mehrmals den Leser direkt an (Bsp: „It was just at this moment that Bilbo sudddenly discovered the weak point in his plan. Most likely you saw it some time ago and have been laughing at him;“), ein sehr starkes Zeichen für ein junges Publikum.
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Ich hatte die ganze Zeit über die Stimme eines alten und grauen Erzählers im Ohr, der mir die Geschichte zuflüstert, egal ob es spannend, traurig oder lustig war. Eine der besten Szenen im Buch ist für mich die Erläuterung der bisherigen Abenteuer, die Gandalf Beorn gibt – ich kam aus dem Schmuzeln nicht mehr hinaus. Auch seine Art, nachher mit dem Drachen zu kommunizieren und seine geistreiche Art der Worte finde ich Klasse.
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Aber natürlich ist der Zweck des Buches nicht nur der, eine Gute-Nacht-Geschichte für Kinder darzustellen. Wir finden auch viele Aspekte wieder, die an unsere Moral anknüpfen. Wir haben hier zum Beispiel den Widerspruch zwischen den Gedachten und Gesprochenen Sätzen Bilbos (besonders am Anfang: wieso kann er den Zwergen/Gandalf nicht einfach sagen, dass sie aus seinem Haus verschwinden sollen?) und sehr schwere Anspielungen auf Neid und Habgier, die wir sowohl in dem Drachen als auch in Thorin finden, wenn wir im Buch etwas weiterblättern. Nicht zuletzt gibt uns Bilbo aber das bessere Beispiel vor, denn er bleibt immer treu und stellt sich gegen niemanden, nicht einmal seine ehemaligen Feinde.
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Außerdem wird uns mit diesem Buch gezeigt, dass wir nicht immer etwas Besonderes können müssen, um jemand Besonderes zu sein: das sehen wir deutlich an den Wandlungen, die Bilbo durch seine ganzen Abenteuer vollzieht und mit welchen Mitteln er dies schafft.
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Am Liebsten mochte ich allerdings Gollum… mir ist der kleine Kerl irgendwie schon immer sympatisch gewesen, sei es im Film oder im Buch (in dem ich ihn noch nicht so gut kennengelernt habe). Ich liebe die Art, wie Tolkien ihn zum sprechen bringt und würde wirklich gerne mal wissen, wie er auf die Idee zu diesem faszinierenden Wesen gekommen ist.
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Nicht so gut gefallen hat mir die Art, wie der Drache nachher das zeitliche segnet und die nachfolgenden Seiten… aber darüber möchte ich jetzt nicht allzu viel verraten. Meine persönliche Meinung von diesem Buch ist jedoch nach wie vor sehr hoch und ich lese es gerne immer und immer wieder.

Autor: J. R. R. Tolkien
Buch: The Hobbit
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