J.L. Carr Ein Monat auf dem Land: Roman

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Inhaltsangabe zu „Ein Monat auf dem Land: Roman“ von J.L. Carr

Sommer 1920 im nordenglischen Oxgodby: Als auf dem Bahnhof ein Londoner aus dem Zug steigt, weiß gleich das ganze Dorf Bescheid: Er ist der Restaurator, der das mittelalterliche Wandgemälde in der örtlichen Kirche freilegen soll. Doch was steckt hinter der Fassade des stotternden und unter chronischen Gesichtszuckungen leidenden Mannes? Tom Birkin hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, als traumatisierter Veteran wurde er von seiner Frau verlassen. Er hofft, in der Ruhe und Einfachheit Yorkshires zu gesunden. Und tatsächlich: Langsam gelingt es ihm, sich der Welt um sich herum zu öffnen, vielleicht sogar der Liebe … J. L. Carr erzählt von einem Mann, der überlebt, und von der Rettung, die in uns wie den anderen liegt. Dieser moderne Klassiker der englischen Literatur ist in seiner sprachlichen Leichtigkeit und Eleganz eine echte Wiederentdeckung.

Unaufregend und mit einer wunderbaren Sprache erzählt uns der Autor von den Menschen eines kleinen Dorfes und seines Gastes für einen Sommer

— orchidee25
orchidee25

Ganz einfach ein Klassiker! Beruhigend ruhig erzählt Carr vom einfachen Leben auf dem Land, das Krieg und Vergangenheit vergessen lässt.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer
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  • Hier kommt man selbst zur Ruhe ...

    Ein Monat auf dem Land: Roman
    SharonBaker

    SharonBaker

    23. July 2016 um 19:35

    Die Schrecken des Ersten Weltkriegs sind verklungen und die Normalität hält wieder Einzug in die Gesellschaft. So kommt es, dass Tom Birkin nach den Kriegserlebten wieder seinen Beruf als Restaurator aufnimmt und sein erster Job bringt ihn in ein Dorf namens Oxgodby, wo er ein Wandgemälde freilegen soll. Dort angekommen weiß natürlich jeder, wer er ist und warum er gekommen ist. Für Tom ist es nicht leicht zur Ruhe zu kommen, der Krieg hat ihn traumatisiert und seine Frau hat ihn verlassen, dazu kommt, dass er an chronischen Geschichtszuckungen leidet und so öfters angestarrt wird. Aber langsam, ganz langsam lässt er sich von den Menschen und der malerischen Landschaft verzaubern und mit jedem Stück freigelegten Gemäldes kommt er zur Ruhe. Nur was versteckt sich hinter der gekalkten Wand? Was wird er freilegen? Und warum genießt er die Zeit mit der Pfarrersfrau so sehr? Diese Geschichte erblickt schon 1980 die Welt der Lesenden, hat aber erst heute die Veröffentlichung in deutscher Sprache geschafft. Dabei ist es ein sehr ruhiges, feinfühliges und doch starkes Werk von Zeitgeschichte, ein Blick auf die Welt nach dem Krieg. Ein Monument auf das Innere eines Mannes, der Schrecken und Grausamkeit erlebt hat, und versucht sein Leben weiter zu leben und mit dem vergangen klar zu kommen.Tom Birkin ist ein ruhiger Zeitgenosse, der es liebt als Restaurator zu arbeiten, obwohl es ein brotloser Beruf ist, aber die Leidenschaft alte Kunstwerke aufzudecken und zum Strahlen zubringen, bereitet ihn einfach unglaubliche Freude. Außerdem ist es ein ruhiger Beruf, er hat kaum Gesellschaft bei der Ausübung nötig und kann sich ganz in seinen Gedanken vergraben. So kommt er in das kleine Dorf Oxgodby und hofft, dort zur Ruhe zukommen und zu sich selbst zu finden. Er hält seine Vergangenheit für sich und zieht in den Glockenturm der Kirche. So umgibt ihn Einsamkeit, Natur, Einfachheit und Arbeit sein tun und denken. Aber lange hält es nicht an, denn das Dorf ist neugierig und Schritt für Schritt wird er immer mehr zum Teil der Gemeinschaft, und bevor er es sich versieht, ist er nicht mehr ganz so allein. J.L. Carr hat sehr behutsam die Geschichte von seinem Protagonisten Tom Birkin geschrieben. Mit viel Fingerspitzengefühl ist er um das Kriegsthema geschlichen, weil er es nicht zum Mittelpunkt machen wollte, und ließ es mehr am Rande stehen. Für den Autor war die Sicht auf die Seele eines gebrochenen Mannes viel wichtiger. So wirkte am Anfang sein Restaurator wie jemand der neben sich selbst steht, reserviert, gequält und unnahbar. Am Anfang wollte er nur Ruhe und Abgeschiedenheit und merkte schnell, dass er für die Leute ein unbeschriebenes Blatt war und nicht alles erzählen musste, er konnte sich neu definieren, zur Leichtigkeit eines Gesprächs zurückkehren und sogar zarte Gefühle der Liebe zulassen, ohne direkt an die schlimmen Erlebnisse zudenken. So hat das ruhige Landleben, mit seinen liebenswerten Bewohnern heilende Wirkung auf Tom. Ich habe dieses kleine Buch genossen und beim Lesen selber festgestellt, das sich meine innerliche berufsbedingte Angespanntheit gelöst hatte. So hat dieser Sommer auf dem Land, eine besondere Wirkung, es war wie eine selbst gewählte Auszeit, ein innehalten und ein durchatmen. Dieser Autor hat mit sehr viel Feingefühl eine sensible Geschichte geschrieben, die gerade in unserer hektischen Zeit einer kleinen Oase gleichkommt und auch wenn man oft zwischen den Zeilen lesen musste und manchmal dachte, Tom, lassen es nicht laufen, nimm es in die Hand, war es im nach hinein genau richtig so. Es ist kein leichtes Buch, aber man spürt die Heilung der Seele und das jeder dazu beitragen kann, wenn man es selbst zulässt.

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  • Leben und Lebenskunst

    Ein Monat auf dem Land: Roman
    Clari

    Clari

    15. July 2016 um 12:19

    In einem abgeschiedenen Örtchen in Nordengland, in Oxgodby in Yorkshire, erscheint eines Tages der Restaurator Tom Birkin, der für zwei Monate in der kleinen örtlichen Kirche ein mittelalterliches Fresko freilegen soll. Wir schreiben das Jahr 1920.Er ist ärmlich ausgestattet und wohnt im Kirchenschiff höchst ungemütlich und wenig komfortabel.Man beobachtet ihn bei seiner Ankunft und bei seiner Tätigkeit an der Kirchenwand. Er bleibt der Icherzähler, aus dessen Blickwinkel die dörfliche Gemeinschaft zum Leben erwacht. Denn von Zeit zu Zeit gesellen sich Anwohner zu ihm. Oxgodby ist klein, überschaubar und von wenigen Honoratioren bewohnt.Einmal gibt es da den Stationsvorsteher des Bahnhofs und dessen Tochter; nebenan in seinem Zelt wohnt Mr. Moon, ein Archäologe, der im Namen einer verstorbenen reichen Mäzenin nach verschollenen Gräbern sucht.Der Auftraggeber für Mr. Birkin ist ein Pfarrer von mürrischer Wesensart. Als seine Frau eines Tages in der Kirche erscheint, um sich den Fortgang der Arbeit anzusehen, ist Mr. Birkin höchst erstaunt über ihre Jugend und ihre fast überirdische Schönheit. Alice Keach erinnert ihn an das Frauenporträt „Primavera“ von Botticelli.Zarte Liebesgefühle erwachen in ihm! So langsam lernt man sich kennen, trinkt hier und da einen Tee zusammen oder es folgt sogar einer Einladung zum Essen.Unspektakulär und bescheiden bewegen sich die Menschen aufeinander zu und wieder fort. Und doch wird in den Gesprächen deutlich, dass jeder ein Interesse am anderen hat.Tom Birkin suchte in der Abgeschiedenheit des Landlebens Ruhe und Erholung von schweren Schicksalsschlägen, denn er kämpfte im Ersten Weltkrieg, und seine Frau hat ihn kürzlich verlassen. Hier scheint er die Ruhe zu finden!J.L.Carr versteht es trefflich, die Atmosphäre der ländlichen Abgeschiedenheit zu vermitteln.Seine kurze Erzählung ist inhaltsreich und von bestrickender Poesie und einer gewissen herben Schönheit.Die Stimmungsbilder zeugen von wunderbarer Ruhe und von der Schönheit der Wälder und Felder, der Luft, dem Duft und dem Vogelgesang. Die Menschen mit ihren Eigenheiten und das ländliche Leben sind Balsam für die Seele eines Helden, der verwundet an Leib und Seele gerade hier auftanken wollte. Der Fortgang der Restaurierungsarbeiten wird fachgerecht beschrieben, und kunstgeschichtlich Betrachtungen runden den Bogen zu der kleinen aber feinen Erzählung ab.J.L.Carr lebte von 1012 bis 1994 und gilt als moderner englischer Klassiker. Seine ruhige Prosa ist auch Balsam für Seele des Lesers! 

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