J.R. Moehringer Knapp am Herz vorbei

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Inhaltsangabe zu „Knapp am Herz vorbei“ von J.R. Moehringer

New York, Weihnachten 1969. Willie Sutton packt seine Bücher ein und räumt die Zelle. Endlich Freiheit. Nach siebzehn Jahren. Mit einem Fotografen und einem Reporter fährt er durch das verschneite New York auf den Spuren seiner legendären Vergangenheit: seine zahlreichen, gewaltlosen Banküberfälle und immer wieder seine große Liebe Bess. Wie ein Puzzle setzt sich Seite für Seite Suttons Leben zusammen. Was dabei Wirklichkeit und was Erfindung war, werden wir nie erfahren. Aber was macht das schon.»Jede Szene dieses Buches ist prall gefüllt mit Leben.«Publishers Weekly»Ich war von Willie Sutton fasziniert seit ich ein Junge war. Er war eine Legende, er kam aus genauso kleinen Verhältnissen wie ich, er war für mich der Inbegriff von New York. Meine Großeltern und alle Männer aus Onkel Charlies Bar sprachen voller Bewunderung von Sutton, als wäre er der moderne Robin Hood. Aber am meisten zog mich dieser Mann in seinen Bann, weil er der literarischste Kriminelle der amerikanischen Geschichte war. Er verbrachte den Großteil seiner Zeit mit Lesen, ging alle zwei Wochen ins Kino, alle sechs Monate ins Theater, besuchte Footballspiele, machte lange Ausflüge mit dem Auto und rauchte, las Klassiker.« J.R. Moehringer

Was für ein schönes Buch!

— Fabula
Fabula

Toll geschrieben

— fantafee
fantafee

Ein warmherziger Verbrecher :)

— Rosie87
Rosie87

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  • Willie Sutton, Bankräuber der Herzen

    Knapp am Herz vorbei
    Herbstrose

    Herbstrose

    24. June 2017 um 12:00

    New York, Weihnachten 1969. Nachdem er die letzten siebzehn Jahre im Attica State Prison inhaftiert war, wird Willie Sutton vorzeitig entlassen. Sein halbes Leben verbrachte er wegen diverser Bankeinbrüche hinter Gittern, jetzt ist er 68 Jahre alt, krank und hinfällig. Für ein Exklusivinterview, das seine Anwältin für eine New Yorker Zeitung vereinbart hatte, ist er nun einen Tag lang mit dem Reporter „Schreiber“ und dessen Fotografen „Knipser“ unterwegs. Kreuz und quer fahren sie mit ihm durch das verschneite New York, wo sie chronologisch die Stationen seines früheren Lebens aufsuchen. Und Willie erinnert sich … Der Autor J. R. (John Joseph) Moehringer wurde 1964 in New York City geboren. Nach seinem Studium an der Yale University arbeitet er als Reporter und Korrespondent für namhafte amerikanische Zeitungen. 2002 wurde er mit dem Pulitzer-Preis für Fachliteratur ausgezeichnet. 2005 schrieb er seinen ersten autobiographischen Roman „Tender Bar“, 2009 verfasste er zusammen mit Andre Agassi dessen Autobiographie „Open“. Die Originalausgabe des vorliegenden, teils biographischen, Romans erschien 2012 unter dem Titel „Sutton“. Titel und Cover der deutschsprachigen Ausgabe sind meiner Meinung nach völlig undpassend und nicht nur knapp, sondern weit am Inhalt vorbei. Wie Moehringer bereits zu Anfang des Buches bemerkt, handelt es sich bei „Knapp am Herz vorbei“ nicht um eine reine Biographie, jedoch stimmt vieles aus Suttons Leben und einiges könnte so gewesen sein. Sutton lässt an diesem Weihnachtstag 1969, als er mit dem Reporter und dem Fotografen in New York unterwegs ist, seine Vergangenheit Revue passieren, und der Leser ist bei den wichtigsten Stationen seines Lebens dabei: Als Kind irischer Einwanderer wurde er 1901 in Brooklyn geboren, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, erlebte als Jugendlicher die Depression, fand keinen Job und lernte schon früh seine große Liebe Bess kennen. Es sind harte Zeiten, er möchte seinem Mädchen etwas bieten, aber Geld ist kaum vorhanden. So erfolgt dann zwangsläufig der erste Einbruch, die erste Verhaftung, die erste Gefängnisstrafe, der erste Ausbruch – eine Gangsterkarriere nahm seinen Lauf. Da seine Raubzüge stets gewaltlos abliefen, hatte er bald die Sympathien einer breiten Bevölkerungsschicht und erlangte eine fragwürdige Berühmtheit – er wurde zu einem amerikanischen „Hero“. Auch der Autor war von Sutton fasziniert, seit er ein kleiner Junge war, er sah in ihm, laut eigener Aussage, einen modernen Robin Hood. Und auch ich bin beeindruckt, begeistert vom Schreibstil Moehringers, von seinen kurzen knappen, teils abgehackten Sätzen, die so gut zu der Geschichte passen. Kein Wort zu viel, trotzdem sehr eindringlich und berührend. Dass bei wörtlicher Rede die Kennzeichnung fehlt, merkt man alsbald nicht mehr. Aber man merkt, wie man von Sutton und dessen Lebenslauf gefesselt wird und wie man von diesem „Gentleman-Bankräuber“, der die Literatur liebt und gerne philosophiert, fasziniert ist. Man hofft für Sutton, dass alles gut ausgeht und ist erschüttert über die damaligen brutalen Methoden der amerikanischen Polizei und des Strafvollzugs, an denen sich bis heute wohl nicht viel geändert haben dürfte. Auch die Situation der New Yorker Bevölkerung, die während der Depression und Prohibition verzweifelt nach Arbeit und Auskommen sucht, wird eindringlich beschrieben und regt zum nachdenken an. Fazit: Eine überaus interessante und informative „halbwahre“ Biographie über einen ungewöhnlichen Menschen seiner Zeit. Die „echte“ Biographie über Willie Sutton ist im Internet auf der Website des FBI nachzulesen: https://www.fbi.gov/history/famous-cases/willie-sutton

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  • Nichtssagend

    Knapp am Herz vorbei
    j125

    j125

    02. June 2015 um 10:39

    Inhalt: Anfang des 20. Jahrhunderts wird William Sutton als Sohn irischer Einwanderer in New York geboren. Sein Leben ist geprägt von zwei älteren Brüdern die ihn schikanieren und misshandeln und von den diversen Bankenkrisen, aufgrund derer viele Leute arbeitslos sind und am Hungertuch nagen. Mit seinen Freunden Eddie und Happy dreht Willie „the Actor“ Sutton bald die ersten krummen Dinger und ziemlich schnell wird er Amerikas liebster und meistgesuchtester Bankräuber. Meine Meinung: Laut Vorwort des Autors, ist der Roman seine Vermutung dessen, was am Weihnachtsfeiertag 1969 geschah, als der echte William Sutton einen Tag mit zwei Journalisten verbrachte. Die Rahmenhandlung fand also tatsächlich so statt, aber wie es tatsächlich war weiß niemand. Genau das fand ich irgendwie faszinierend und ansprechend, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte. Zu Beginn habe ich mich geärgert, dass ich nicht die Leseprobe gelesen habe. Das Buch ist in der Gegenwart geschrieben und wörtliche Rede wird nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Beides mag ich nicht so. Ich konnte mich dann aber doch recht schnell daran gewöhnen, sodass ich flüssig lesen konnte. Sutton besucht mit einem jungen Journalisten und einem permanent bekifften Fotografen wichtige Schauplätze seines Lebens. So erfährt man nach und nach Willies Lebensgeschichte und wie er zu so einem beliebten Bankräuber werden konnte. Mir war er leider so gar nicht sympathisch. Im Gegenteil, ich halte ihn für einen alten, von sich selbst überzeugten Knacki. Ins Gefängnis kam er nämlich immer nur durch die Fehler anderer und eigentlich gehört er da ja auch gar nicht hin, sondern die Banker. Wenn er Arbeit hätte, müsste er nicht rauben, aber er hat keine Arbeit, weil einfach jeder Arbeit sucht und alles nur wegen der Banken. Im Nachhinein fällt mir auf, dass das meiste immer nach dem gleichen Muster abläuft. Es herrscht Depression, Sutton verliert seinen Job, lebt von seinen Ersparnissen, dann ist er vollkommen pleite, sucht und findet eine neue Masche an Geld zu kommen, lebt in Saus und Braus und wird gefasst. Das Ende fand ich dann an einem Punkt sehr verwirrend und sonst wie das ganze Buch: Nichtssagend. Ich hab selten ein Buch gelesen, dass so wenig bei mir ausgelöst hat. Es gibt ja nicht mal etwas daran, das so schlecht ist, dass ich mich drüber aufregen könnte. Dieses Buch ist einfach… da. Fazit: Nichtssagendes Buch, an dessen Stil man sich erst gewöhnen muss.

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  • Das Leben des Willie Sutton

    Knapp am Herz vorbei
    jenvo82

    jenvo82

    17. November 2014 um 12:41

    Das Buch beschreibt die teils wahre, teils fiktive Biografie des amerikanischen Bankräubers Willie Sutton. Der mehr oder weniger durch die Liebe zu einer Frau und später durch desolate Zustände auf dem Arbeitsmarkt zum Bankräuber wird. Sein halbes Leben verbringt er hinter Gittern, in der übrigen Zeit avanciert er zum Volkshelden, der immer wieder Banken ausraubt, ohne irgendjemanden zu verletzten. Er investiert seine freien Stunden in das Lesen von Weltliteratur und das Schreiben von Romanen und bildet sich ständig weiter. Die Liebesgeschichte zwischen Willie und Bess ist der rote Faden des Buches und doch wird sie mir nicht ganz klar. Willie gibt seine Angebetete nicht frei, weder in Gedanken noch in der Realität, obwohl sie seine Liebe nicht verdient hat.

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  • Welche Bücher soll ich mir kaufen? Brauche Buchtipps!

    Daniliesing

    Daniliesing

    Hallo, ich tue mich aktuell sehr schwer mit meinen Büchern, die ich hier so habe und dabei sind das wirklich nicht wenig. Vielleicht brauche ich also mal was ganz neues, etwas, das mich wirklich überrascht und vielleicht nicht unbedingt das ist, was ich immer lese. Deshalb wollte ich euch nach Buchkauftipps fragen! Es wäre klasse, wenn ihr mir hier eure Lieblingsbücher nennt, die ich auf keinen Fall verpassen sollte. Es dürfen gern auch Geheimtipps sein, sowas mag ich ganz besonders :-) Es sind also solche Bücher gesucht, die euch richtig am Herzen liegen und die ihr am liebsten immer wieder empfehlen würdet. (Bitte keine Eigenwerbung von Autoren!) Wichtig dabei: ich sollte das Buch noch NICHT in meiner Bibliothek hier haben. Denn von den Büchern, die ihr mir hier empfehlt, möchte ich mir danach 3-5 kaufen und selbst schauen, wie ich sie finde. Natürlich werde ich berichten, für welche Bücher ich mich entscheide und hier verraten, wie sie mir gefallen haben. Jetzt bin ich ganz gespannt und dankbar für jeden Tipp! Eure Empfehlungen möchte ich bis einschließlich 18.5. sammeln und danach werde ich eine Entscheidung treffen und die Bücher kaufen. Dankeschön! Bisherige Vorschläge hänge ich mal an:

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  • Rezension zu "Knapp am Herz vorbei" von J.R. Moehringer

    Knapp am Herz vorbei
    Amarok

    Amarok

    In seinem neuesten Roman widmet sich J. R. Moehringer dem wohl berühmt-berüchtigtsten Bankräuber der amerikanischen Geschichte: William Francis Sutton jr. und enführt den Leser in das Leben und die Zeit "Willie the Actors", um gemeinsam mit ihm und Willie Halt an den wichtigsten Lebensstationen dieses Diebes zu machen. Dennoch stellt der Autor bereits zu Beginn des Romans klar, dass er eine fiktive Geschichte liefern wird, ganz aus seiner Sicht verfasst, auch wenn die Hauptfigur eine reale Persönlichkeit ist. Willie Sutton, 1901 in Irish Town (Brooklyn, N.Y.C.) geboren, aus ärmlichen Verhältnissen und einer wenig liebenswerten Familie stammend, erlebt die Wirtschaftskrisen der 1920er und 1930er Jahre hautnah mit, wird als Jugendlicher erstmals aus Liebe zu Bess Endner kriminell, wird dafür verhaftet, geht ins Gefängnis, wird vier Jahre später entlassen und hat nicht nur seine große Liebe verloren, sondern findet aus Gründen wirtschaftlicher Krise sowie aufgrund seiner Vorstrafe nur schwer bis gar keine Anstellung. Es dauert nicht lange und Willie schlägt den Weg des Bankräubers ein, der von nun an sein Leben bestimmen wird, auch wenn immer wieder kurze Unterbrechungen durch Gefängnisaufenthalte folgen. J.R. Moehringer zeigt bei diesem Roman wie auch schon bei "Tender Bar", dass er ein geschickter Erzähler ist, der spannend, einfühlsam und durchaus tragi-komisch über menschliche Schicksale berichten kann. Dieser Roman fesselt von der ersten bis zur letzten Seite, hat neben einer äußerst interessanten Geschichte vor allem wunderbare Charaktere, einen gelungenen Einblick in vergangene Zeiten und menschliche Schicksale zu bieten. Ich kann die Lektüre nur empfehlen.

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    • 2
    Arun

    Arun

    16. April 2014 um 16:43
  • Zu früh gefreut!

    Knapp am Herz vorbei
    Girl56

    Girl56

    Nachdem ich vor einigen Jahren mit größtem Vergnügen "Tender Bar" von J. R. Moehringer gelesen habe, war ich froh, von einem neuen Buch dieses Autors zu hören ( habe mich sogar bei Lovelybook um ein Exemplar beworben, zum aller ersten Mal, habe aber keines gewonnen und bin froh darum.). Leihweise kam ich nun an ein Exemplar von "Knapp am Herz vorbei", der fiktiven Biografie von Willy Sutton, auch Willy the Actor genannt, dem berühmten Bankräuber aus New York, der nie geschossen hat. Waren die Beschreibungen von Willies harter Jugend in einem armen, von irischen Einwanderern geprägten Viertel noch sehr eindringlich und tief berührend, habe ich im weiteren Verlauf immer mehr das Intersse an diesem kriminellen Charakter verloren. Sehr gut war noch eine kleine Szene im Gefängnis (der wievielte Gefängnisaufenthalt es war, ist mir entfallen), als Willy für den Gefängnispsychologen arbeiten durfte und diesen fragt, ob er nicht zu Unrecht im Gefängnis ist. Ganz hellsichtig erstellt dieser ihm ein Psychogramm seiner Persönlichkeit und sagt ihm, dass er auf jeden Fall zu Recht im Gefängnis ist. Danach habe ich irgendwie den Leseschwung verloren, und auch die ganze Konstruktion der Geschichte, Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich ab, konnte mich nicht richtig heiter stimmen. Schade!

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    • 2
  • Interessante Lebensgeschichte

    Knapp am Herz vorbei
    Eliii

    Eliii

    15. November 2013 um 16:17

    Willie Sutton oder auch Willie the Actor war bekannt für seine über 100 Banküberfälle. Fast noch bekannter war er jedoch für seine Gefängnis-Ausbrüche. Doch hinter alldem steckt auch ein Mensch, der viel erlebt hat. An Weihnachten 1969 wird der inzwischen 68jährige Sutton nach 17 Jahren aus dem Attica State Prison entlassen. Ein Reporter und Fotograf erwarten ihn, um für ein exklusives Interview gemeinsam Willies Stationen der Vergangenheit abzufahren. Meine Meinung Für „Knapp am Herz vorbei“ habe ich eine Weile gebraucht, bis es ausgelesen war. Und es hat sich wirklich gelohnt! Aber in der Zeit haben sich auch einige Stichpunkte angesammelt, die ich in dieser Rezension unbedingt ansprechen möchte. Ich fange mal mit Titel und Cover an. Beide sind schön, dennoch unpassend, was sehr schade ist. Meiner Meinung wecken sie ganz falsche Erwartungen, denn ich hätte eine vor Kitsch triefende Liebesgeschichte der 60er Jahre erwartet. Dem ist aber nicht so. Sie erzählt die Geschichte der amerikanischen Legende Willie Sutton, dem berühmtesten Bankräuber. Es hat ihn wirklich gegeben und trotzdem gibt es ganz viele Dinge, die im Unklaren liegen. Schon deshalb gefällt mir die Anmerkung des Autors: „Dieses Buch ist meine Vermutung. Und zugleich mein Wunsch.“ Grobe Fakten, wann welcher Bankraub stattfand, wo Sutton inhaftiert war und wo er ausbrach, sind wahr. Bei allen anderen Dingen kann man nur rätseln, was Wahrheit und was Fiktion ist. Nun zum Schreibstil, der in meinen Augen wirklich etwas Besonderes ist. Immer wenn ich das Buch wieder zur Hand genommen habe, brauchte ich kurz um mich an den Schreibstil zu gewöhnen und dann kann man ihn aber auch genießen. Es steht, gefühlt auf jeder zweiten Seite, ein Satz den man sich am liebsten gleich notieren möchte. Und vielleicht gerade deshalb, liest es sich unglaublich langsam. Was in dem Fall wirklich positiv gemeint ist. Es ist keine Geschichte, die man mal eben schnell weg liest, um seine Monatsstatistik aufzubessern;) Und schließlich bekommen wir auch die gesamte Lebensgesichte von Willie Sutton erzählt, da kann man sich schon mal etwas Zeit nehmen. Man muss sich zudem auch etwas konzentrieren, da Herr Moehringer gänzlich auf die Anführungszeichen bei einer wörtlichen Rede verzichtet. Ich fand es zu Beginn wirklich störend, aber auch das ist eine Gewöhnungssache und später fällt es gar nicht mehr auf. Willie Sutton war wohl der beliebteste Bankräuber und wurde oftmals auch als der Robin Hood der Moderne betitelt. Das macht natürlich neugierig, was für ein Mensch er war und ob man Sympathie selbst für einen Bankräuber aufbringen kann. Dieses Buch bringt einen dazu, denn Willie entpuppt sich als ein belesener Mann, der behutsam bei seinen Banküberfällen vorgeht und nie Gewalt anwendet. Warum er dann überhaupt diese Verbrechen begeht? „Because that’s where the money is.” Ich habe diese Geschichte wirklich ins Herz geschlossen und ganz ehrlich: diesen Willie Sutton hätte ich auch gern mal getroffen. Ich kann nachvollziehen, warum er als Gentleman unter den Kriminellen galt. J.R. Moehringer verpackt das Ganze dann auch noch mit schönen Kommentaren, die von Willie kommen und einem ganz eigenen Humor, der mehrfach zum schmunzeln anregt. „Haben Sie jemals gewählt, Mr. Sutton? – Jeder meiner Banküberfälle war ein Votum.“ Es ist schon hart zu lesen, was für Erfahrungen Willie auf dem Weg zum Erwachsen werden machen muss. Und irgendwie versteht man dadurch seine Motive und findet manches okay, obwohl es das nicht ist. Die Rahmenhandlung findet am Weihnachtstag statt, als Willie mit dem Reporter und Fotografen durch New York fährt. Und selbst über diese beiden Nebencharaktere, die wir nur als „Schreiber“ und „Knipser“ vorgestellt bekommen, lernen wir durch ihre Diskussionen mit Willie besser kennen und bereichern letztendlich die Geschichte. Fazit Eine unglaublich gut erzählte Lebensgeschichte, die jeder lesen sollte, der Interesse an der Person Willie Sutton hat und warum er von Beruf Bankräuber wurden. Ein Bankräuber der lange Zeit ein amerikanischer Volksheld war und für manche noch heute ist. J.R. Moehringer hat hiermit einen anspruchsvollen und fesselnden Roman geschaffen, der einen direkt in das Jahr 1969 verschlägt.

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  • Knapp am Herz vorbei

    Knapp am Herz vorbei
    Themistokeles

    Themistokeles

    19. August 2013 um 14:47

    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich doch überrascht war, dass diese Geschichte, zumindest von ihrem Protagonisten und den gesamten Eckdaten her, doch tatsächlich auf realen Begebenheiten basiert und nicht ausgedacht ist. Vor diesem Roman hatte ich von Willie Sutton nämlich noch nie in meinem Leben etwas gehört und hätte ihn wohl, ohne die Anmerkungen des Autors hinten im Buch, wohl weiter für eine fiktive Person gehalten. Aber wie ich immer zu sagen pflege, man lernt wohl nie aus! Es war aber echt interessant gemacht, wie bei dem Weg durch New York, die kurzen Anmerkungen und Episoden in der Gegenwart, in der sich die Reporter und Sutton durch die Stadt bewegen, durch Willie Suttons Erinnerungen an die Vergangenheit unterbrochen werden, die einen auf jeden Fall sofort mit in die Zeit zurück und das Leben in den eher ärmlichen Verhältnissen, in denen Willie aufwächst, nehmen. Auch wenn es für mich ehrlich doch auch überraschend war, wie gering letztendlich der in der Gegenwart spielende Anteil des Buches war. Die Geschichte wird auf jeden Fall sehr interessant sowie mit sehr mitnehmenden Worten erzählt, auch wenn natürlich alles auch ein wenig einem Bericht gleicht, da Willie seine Geschichte in chronologischer Reihenfolge aufarbeiten will. Und das trotzdem alles in Prosa, in Geschichtenform erzählt wird. Dadurch fehlt der Geschichte nur leider ein kleines bisschen die Spannung, da man grob weiß, was kommen wird, sowie auch einfach es auf eine eher unspannende Weise berichtet wird, auch wenn es trotzdem in gewissem Maß spannend war dem Erzählten zu folgen, ähnlich der Spannung, die man hat, wenn es einen interessiert, was in einem Artikel über z.B. Wölfe steht. Vor allem ist es aber auch immer ein bisschen spannend, weil man während des Lesens nie so genau sagen kann, ob Willies Erzählungen tatsächlich der Realität entsprechen oder ob es vielleicht auch nicht so war, da es in der Gegenwart der Erzählung noch Indizien gibt, dass seine Geschichte eventuell so nicht stimmen könne, oder vielleicht auch doch. In diesem Punkt wird man einfach ein wenig im Regen stehen gelassen, aber was man durch diese Form der Erzählung schon sehr gut kennenlernt, ist der Charakter Suttons, da er die Geschichte so erzählt, wie er es erzählt, treten doch diverse Emotionen von ihm zu Tage, die auch klar sein Ansichten und Wünsche untermauern und seine Version der Ereignisse prägen. Ein eindeutig sehr interessantes Buch, bei dem man nicht genau sagen kann, wie viel wohl Realität und Fiktion ist, sowohl innerhalb der Geschichte, als auch im Vergleich mit der historischen Geschichtsschreibung, da so wenig Tatsachen wirklich bekannt sind, um den echten Willie Sutton. Genau dieser Punkt ist es aber, der es geschafft hat, dass mir das Buch beim Lesen so viel Spaß machte.

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  • In der Tat: Knapp am Herz vorbei

    Knapp am Herz vorbei
    ferkel

    ferkel

    Weihnachten 1969 wird Willie Sutton, der beliebteste Bankräuber aller Zeiten, aus dem Gefängnis entlassen. Den folgenden Tag verbringt er mit einem Reporter und einem Fotografen und lässt für sie sein Leben Revue passieren: Von seiner Kindheit im irischen Viertel von New York über seinen ersten Raub bis hin zu den 200 Banküberfällen, bei denen nicht ein Schuss gefallen ist. Fakten und Fiktion vermischen sich in diesem Buch. Der Autor J.R. Moehringer erzählt auf Grundlage von Suttons wahrem Leben und seinen Vermutungen die Geschichte. "Knapp am Herz vorbei" war mein erstes Buch von J.R. Moehringer. Die Idee, einer geschichtlichen Persönlichkeit durch Visionen wieder Leben einzuhauchen gefällt mir äußerst gut, aber wirklich überzeugen konnte sie mich hier dann doch nicht. Ich brauchte ziemlich lange, um das Buch zu lesen. An so mancher Stelle fehlte mir die Emotion, zu viel Erzählung plätschert neutral dahin, die Atmosphäre bleibt eintönig. Spannung gibt es nicht, bisweilen mal abenteuerliche Verstrickungen. Ich wartete bis zum Ende darauf, dass die Sympathie zu Sutton, die wohl alle anderen Leser gefangen haben muss, auf mich überspringt. Es geht um viel Licht und Schatten und alles, was das Leben ausmacht, aber das gab es schon so oft und schon besser. Positiv ist, dass man sich beim Lesen schnell in der Zeit zurückversetzt fühlt, da der Autor alles sehr authentisch schildert. Sprachlich ist das Buch sehr schön. Der Stil von Moehringer ist sehr angenehm zu lesen und hat Niveau, doch zwei Eigenheiten haben mich sehr gestört: Der Reporter und der Fotograf, die Sutton den ganzen Tag begleiten, werden ständig nur "Schreiber" und "Knipser" genannt und die Sätze regelmäßig im Sinne von "Schreiber sagte", "Schreiber machte" usw. begonnen. Das nervte schon nach einigen Seiten. Dass der Autor auf die Anführungszeichen für die wörtliche Rede verzichtet hat, hat mir im Kontext der Geschichte am allerwenigsten gefallen. Bisher war mir diese Eigenart vor allem aus der Trümmerliteratur bekannt und da ist sie auch charakteristisch (und sinnvoll). Auch wenn Sutton nicht genau weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt, wirkt es doch bei 448 Seiten nicht gerade glaubhaft, dass für Anführungszeichen keine Zeit war, zumal Details der Lebensgeschichte auch sehr in die Länge gezogen werden. Nach dem Lesen habe ich zwar eine Vorstellung davon, warum dieser Bankräuber so bewundert wurde und warum er überhaupt so geworden ist. Trotzdem kann keine Rede davon sein, dass mich das Buch sehr bewegt hätte oder ich dem Charme (Wessen eigentlich?) erlegen wäre, wie andere Rezensionen in schillernden Farben schildern. Insgesamt eine interessante Geschichte, die sprachlich aus der Masse heraus sticht, die mich jedoch nicht packen konnte. Der Titel sagt es eigentlich schon, für mich ging das Buch knapp am Herz vorbei.

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    • 2
  • Leserunde zu "Knapp am Herz vorbei" von J.R. Moehringer

    Knapp am Herz vorbei
    DieBuchkolumnistin

    DieBuchkolumnistin

    "Knapp am Herz vorbei" von J.R. Moehringer  New York, Weihnachten 1969. Willie Sutton packt seine Bücher ein und räumt die Zelle. Endlich Freiheit. Nach siebzehn Jahren. Doch die Zeit hat ihre Bedeutung verloren. Mit einem Fotografen und einem Reporter fährt er durch das verschneite New York auf den Spuren seiner legendären Vergangenheit: Die Kindheit im irischen Viertel, der erste Raub, dann 200 Banküberfälle, ohne je einen einzigen Schuss abzufeuern - und immer wieder Bess, die ihm das Herz brach. Wie ein Puzzle setzt sich Seite für Seite Suttons Leben zusammen. Was dabei Wirklichkeit und was Erfindung war, werden wir nie erfahren. Aber was macht das schon, bei solch einer Geschichte ... (Leseprobe) Willie Sutton ist so etwas wie eine kriminelle Legende in den USA. J.R. Moehringer hat sich nach seinem Weltbestseller "Tender Bar" wieder einem zutiefst amerikanischen Thema gewidmet und verbindet so die wahre und harte Geschichte mit seiner typisch bewegenden Erzählweise und nimmt uns mit auf eine Reise voller Spannung und Emotion. Zusammen mit dem Fischer Verlag suchen wir 25 Testleser, die "Knapp am Herz vorbei" bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin am 21. Februar lesen und rezensieren wollen! Bitte bewerbt Euch mit einem Kommentar bis einschliesslich 13.02.2013, warum Euch das Leben und Lieben von Willie Sutton so interessiert. Hier gibt es weitere Hintergrundinformationen zu Willie Sutton: WillieSutton.com + Spiegel Online  Autor J.R. Moehringer über seinen neuen Roman:

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  • Rezension - Knapp am Herz vorbei - J.R.Moehringer

    Knapp am Herz vorbei
    Arizona

    Arizona

    11. June 2013 um 11:24

    Der neue Roman von J.R. Moehringer (der Autor von "Tender Bar") handelt von dem "echten" Bankräuber Willie Sutton, der seine Bankräuber-"Karriere" in den 30er Jahren in New York begann. Die Geschichte wird in Rückblicken erzählt. Ausgangspunkt des Romans ist Willies Entlassung aus dem Gefängnis an Weihnachten 1969. Er wird im Alter von 68 Jahren nach 17 Jahren Gefängnis entlassen. Anläßlich eines Interviews verbringt er seinen ersten Tag in Freiheit mit einem Fotografen und einem Zeitungsreporter. Nun folgen wir Willie kreuz und quer durch New York, wo er die Schauplätze seines Lebens in chronologischer Reihenfolge besucht. Der Aufbau des Romans ist dabei so, dass parallel zu der Geschichte mit den Reportern im Jahr 1969 an den einzelnen Schauplätzen die Rückblenden in Willies Vergangenheit erfolgen. Er wurde 1901 als Kind irischer Einwanderer in Brooklyn geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Wir lernen seine Familie und seine Freunde Happy und Eddie kennen - und seine große Liebe Bess, die Tochter eines reichen Reeders. Es sind harte Zeiten, finanziell ist es bei Willie immer eng, und dank der Depression gibt es auch bald keine Jobs mehr. Da folgt dann irgendwann der erste Einbruch. Und dann die erste Verhaftung, die erste Gefängnisstrafe und der erste Ausbruch...  Besonders gefallen hat mir, dass man so ganz in diese Zeit eintauchen konnte durch die Reise an die wechselnden Schauplätze kreuz und quer durch New York. Und dazu noch diese doppelte Zeitreise, einmal ans Ende der 60 Jahre und auch in die Jahre von 1900 bis 1950. Sutton ist wirklich sehr sympathisch beschrieben, er war ein richtiger Gentlemen unter den Bankräubern, der nie gewalttätig wurde. So ist er in den USA auch recht populär geworden. Auch ist er ein Buch-Liebhaber, und er philosophiert gerne. Sprachlich eine Besonderheit ist noch, dass die direkte Rede ohne Anführungszeichen benutzt wird, das ist nur am Anfang kurz gewöhnungsbedürftig, danach bemerkt man es gar nicht mehr. Das ganze Buch läuft wie ein Film vor Augen ab, ich fand es echt ganz toll! 

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  • Ein Roman über einen der bekanntesten Bankräuber aller Zeiten!

    Knapp am Herz vorbei
    Nil

    Nil

    05. June 2013 um 20:49

    Der Roman "Knapp am Herz vorbei", der im englischen den viel besseren Titel 'Sutton' trägt ist die Geschichte des amerikanischen Bankräubers Willie Sutton. Hier werden historisch belegte Fakten mit Fiktion vermischt und ergeben ein rundum gelungenen Roman. Es beginnt mit der Entlassung von Willie Sutton aus dem Gefängnis 1969, zu diesem Zeitpunkt ist er 68 Jahre alt und es ist Weihnachten. Seine Anwältin hat einen Exklusivinterviewtag mit einer New Yorker Zeitung vereinbart, weswegen Sutton einen ganzen Tag mit "Knipser" und "Schreiber" verbringt. Sie fahren chronologisch die wichtigsten Orte aus Willies "Karriere" ab. So beginnt der Roman, ab dort gibt es 2 Handlungsstränge. Einmal die Geschichte wie Willie sich erinnert und die Fahrt mit den Journalisten durch NY. Ein gut geschriebener Roman, der nicht nur eine sehr interessante Geschichte zu erzählen hat, sondern auch Tiefe zeigt in seinen Ausführungen. Beispielsweise: "Amerika ist ein großartiges Land für Gewinner, aber ein Höllenkeller für Verlierer." (S. 236) Die Geschichte ist aus Willies Sicht sehr harmlos erzählt, so dass der Leser geneigt ist, den Bankräuber sympathisch zu finden. Man merkt aber auch, dass seine Erinnerungen nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Die Opferrolle und zugleich der Ruhm gefallen dem Willie Sutton eindeutig besser als die Anerkennung seiner schwerwiegenden Taten. Auch wurde der Roman wunderbar übersetzt. Die Übersetzerin muss man auch für das gute und extrem hilfreiche Glossar loben! Punktabzug gab es ausschließlich für das Ende, dass ich eher ernüchternd und etwas zu kurzgefasst fand.

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  • Was ist der Einbruch in eine Bank verglichen mit der Gründung einer Bank?

    Knapp am Herz vorbei
    Fuhlsbuecher

    Fuhlsbuecher

    30. May 2013 um 16:32

    Willie Sutton war einer der berühmtesten Bankräuber der Vereinigten Staaten und beinahe ein Volksheld. Ein neuer Mackie Messer (ja, der von Brecht mit dem Spruch „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“) - so wurde er zumindest gesehen. Weihnachten 1969 wird er aus dem Gefängnis entlassen und eine Zeitung schickt ein Team, das seinen ersten Tag in Freiheit exklusiv mit ihm verbringt. Willie Sutton führt sie durch New York an wichtige Stationen seiner Karriere und erzählt so nach und nach sein Leben. Ein Leben, das es in sich hat. Aus einfachsten Verhältnissen kommend, verliebt er sich in die Tochter eines reichen Werftbesitzers und brennt mit ihr durch. Natürlich werden sie gefasst, verurteilt und Willie wird ins Gefängnis gesteckt. Das wird ihm in seinem Leben noch öfter geschehen. Aber immer wieder kommt Sutton frei, oft versucht er, ein geregeltes straffreies Leben zu führen. Das gelingt natürlich nicht. Aber seine Banküberfälle, bei denen er nie jemanden ermordet, und seine Ausbrüche aus Strafanstalten machen ihn bald zur Legende. Seine freie Zeit widmet er stets der Literatur, von der Bibel bis Marcel Proust lässt er nichts aus. Ein Typ, den man sich nicht ausdenken kann. Hat Moehringer auch nicht, Willie Sutton hat wirklich gelebt und zwei (sich in vielen Punkten widersprechende) Autobiographien vorgelegt. Da ist es legitim, diese historische Gestalt, die so sehr in die Gegenwart passt, auch fiktional noch einmal auferstehen zu lassen. Das Buch ist ungewöhnlich, spannend und auch etwas romantisch.

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  • Einblicke in ein Gangster-Leben

    Knapp am Herz vorbei
    fireez

    fireez

    06. May 2013 um 20:38

    Als ich meinen ersten Blick auf Cover und Titel dieses Buches warf, das mir der Zufall in die Hand spielte, war ich eigentlich der festen Überzeugung, eine tragische Liebesgeschichte in den Händen zu halten. "Knapp am Herz vorbei" - das klingt nach viel Herzschmerz, schmalz und irgendwie nach Rosamunde Pilcher. Erst der Klappentext belehrte mich eines besseren und das Buch am Ende sowieso. Es ist keine Liebesschnulze, sondern eine Lebensgeschichte (fast) ohne Herzschmerz und ich bin wirklich froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Anfangs war ich etwas irritiert von der Schreibweise des Autors. Er schreibt absolut toll und bildhaft, aber wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es das Weglassen von Anführungszeichen bei wörtlicher Rede. Das macht mich wahnsinnig! Da der Autor in diesem Buch nicht nur zwischen Handlungsorten, sondern auch extrem in der Zeit springt, hat mich das am Anfang sehr gestört.Mit der Zeit fand ich mich rein, aber mit diesen lieben kleinen Strichen hätte ich mich doch noch ein wenig besser auf die Geschichte statt auf den genauen Gesprächsablauf konzentrieren können. Soviel aber nur zu den Formalien. Inhaltlich habe ich eigentlich gar nichts zu meckern. Im Gegenteil: Der Autor macht gleich zu Beginn des Buches klar, dass es sich nicht wirklich um eine Biografie handelt und er vieles auch Willie Suttons Leben gar nicht wissen kann. An einigen Stellen kam daher die Fantasie des Autors ins Spiel, was ich aber nicht schlimm fand. Ich nehme aber an, dass der Großteil des Inhalts schon stimmen dürfte und so nahm mich das Buch mit auf eine Reise in die Gangsterwelt der 20er und 30er Jahre und erzählte mir, wie Willie zu dem wurde, was er war. Viele Abgründe tun sich im Laufe der Geschichte auf, und auch wenn man zeitweise das Gefühl hat, dass Willie einfach nur das Opfer seiner Lebensumstände war und man zeitweise voll und ganz auf seiner Seite steht, schafft es der Autor doch ziemlich gut, auch noch ein bißchen Gewicht in die andere Waagschale zu werfen und man beginnt dann wieder an Willie zu zweifeln.  Insgesamt fühlte ich mich auf jeden Fall sehr gut unterhalten und werde den Autor sicher für den nächsten Einkaufsbummel im Hinterkopf behalten. Meine Gangster-Kenntnisse sind jetzt um einen Bankräuber reicher und dieses Buch hat mir seit langem wieder Lust auf Biografien gemacht.

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  • Willie Sutton - Lebensgeschichte eines ehrenwerten Bankräubers

    Knapp am Herz vorbei
    Penelope1

    Penelope1

    Der berühmt-berüchtige Bankräuber Willie Sutton wird an Weihnachten 1969 aus dem Gefängnis entlassen – begnadigt nach Jahrzehnten Haft. Fast sein halbes Leben hat er hinter amerikanischen Gittern verbracht – nun gewährt er ein Interview, sein erstes und einziges nach seiner Entlassung - er begibt er sich mit „Schreiber“ , einem Journalisten und „Knipser“, dessen Fotografen einen Tag lang auf eine Reise durch New York – durch Stationen seines Lebens, die ihn geprägt haben und ihn zu dem gemacht haben, für das er weltweit einen fragwürdigen Ruhm erlangte: Ein Bankräuber, der mit seinem Hass auf die amerikanischen Banken und seinen stets gewaltlosen, fast schon schauspielreifen Überfällen zum Nationalheld der amerikanischen Unterschicht avancierte. Sutton’s Rebellion gegen die amerikanische Gesellschaft, in der er als Sohn eines Schmiedes, aufgewachsen in den Slums von New York, keinerlei Chancen bekam, bestimmte sein Leben – seinen Kampf ums Überleben. Kraft schöpft er immer wieder durch die Literatur und so werden Bücher wie die Bibel und Cicero ebenso wichtig für ihn wie seine Sehnsucht nach seiner großen Liebe Bess. Sutton erfährt auf seiner Entdeckungstour durch das New York von 1969, wie sehr sich die Stadt seit seiner ersten Verhaftung im Jahr 1926 verändert hat – und doch New York geblieben ist. Es scheint, als haben New York und Sutton etwas Wesentliches gemeinsam: auch Sutton’s Leben hat sich entwickelt, gewandelt, und dennoch ist er immer noch Willie Sutton – mit seinen Hoffnungen und Träumen von Leben mit einer fairen Chance für alle. Meine Meinung: J. R. Moehringer hat sich bewusst für eine Geschichte über den „Robin Hood“ Amerika’s entschieden, er ist, nach eigenen Aussagen „fasziniert von Sutton, dem Inbegriff von New York und allem Männlichen“. Eingebunden in eine journalistische Ein-Tages-Tour durch New York, die auf wahren Begebenheiten beruht und so oder so ähnlich tatsächlich stattgefunden haben könnte, lässt er Sutton’s Vergangenheit lebendig werden: Sutton erinnert sich an wichtige Station seines Lebens, seiner Raubzüge, an Wendepunkte, an seine große Liebe. Und der Leser ist dabei – erhält Einblicke in Sutton’s Welt, in sein Leben, das sicherlich nicht einfach war, und lässt die Frage aufkommen, ob dies alles jedoch die „Karriere“ Sutton’s rechtfertigt – rechtfertigen kann. Immerhin lebte Sutton in der Zeit der amerikanischen Depression auf, die Zeiten waren schwer –nicht nur für ihn. Und dennoch kommt der Leser nicht umhin, eine Sympathie zu diesem „ehrbaren“ Mann aufzubauen, der sich für die Literatur begeistert, der hoffnungslos in eine Frau verliebt ist, stets mit seinem Schicksal hadert – die Schuld für all seine Missgeschicke und Taten jedoch stets bei anderen sucht – bei der amerikanischen Gesellschaft, den Banken, den Reichen Amerikanern wie Rockefeller und J.P. Morgan, und scheinbaren Freunden, die sich teilweise als Verräter entpuppen. Und so teile ich nach dem Lesen dieses Buches die Faszination des Autors, gefesselt folgte ich dem Lebenslauf des berühmten Bankräubers von New York, der trotz allem die Hoffnung nie aufgab. Moehringer’s eigensinniger und wohl ganz persönlicher Schreibstil ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber recht bald gewöhnt man sich an das Fehlen der Kennzeichnung von wörtlicher Rede und vieler Namen, man übernimmt „Knipser“, „Schreiber“ und „Psycho“ als Bezeichnungen und immerhin werden so Verwechslungsgefahren vermindert. Fürchtete ich zunächst, dass das Weglassen der Kennzeichnen der wörtlichen Rede den Lesefluss hindert und auf Kosten der Gefühlstiefe geht, so wurde ich eindeutig eines besseren belehrt: Emotionen und Hintergründe lassen sich sehr gut nachvollziehen, es gibt rührende wie auch stahlharte Momente in Sutton’s Leben, die sehr emotional und authentisch beschrieben werden. Auch die Situation New Yorks, die Depression, die Prohibition, die Lage der verzweifelt nach Arbeit suchenden Bevölkerung, die versucht, in all dem Chaos zu überleben, der Kontrast zwischen arm und reich wird deutlich geschildert, jedoch mit einer Feinfühligkeit, die beeindruckt und nachdenklich stimmt. Dennoch bleibt es am Ende dem Leser selbst überlassen, ob er die Motive und das Schicksal Sutton’s verstehen und nachvollziehen kann. Im Prolog erklärt der Autor, wie es zur Entstehung von „Knapp am Herz vorbei“ kam bzw. gibt einen kurzen, aber prägnanten Einblick in Wahrheit und Fiktion. Das Glossar, in dem einige Stationen und Begriffe näher erklärt werden, runden das Gesamtbild ab. Fazit: Ein sehr informatives und äußerst interessantes Portrait eines „Gentlemen-Bankräubers“, das mich durch seinen außergewöhnlichen, fesselnden Schreibstil nicht nur gut unterhalten hat, sondern der mir die Welt eines berühmten und von vielen fast schon verehrten Bankräubers gezeigt hat. Auch wenn man über seine Motive und seinen Werdegang geteilter Meinung sein kann , bin ich fasziniert von dessen Leben. „Knapp am Herz vorbei“ - Sehr empfehlenswert !

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