Jack London

 4.1 Sterne bei 669 Bewertungen
Autor von Wolfsblut, Der Seewolf (Roman) und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jack London (©Gemeinfrei)

Lebenslauf von Jack London

Jack London wurde am 12. Januar 1876 als John Griffith Chaney in San Francisco geboren. Er verbrachte seine Kindheit in der San Francisco Bay Area an mehreren Orten, da sein Stiefvater versuchte, als Farmer erfolgreich zu arbeiten. 1886 zog die Familie nach Oakland, wo Jack eine zweite Mutter in Virginia Prentiss fand, eine ehemalige Sklavin, die von Jacks leiblicher Mutter als Ziehmutter bezahlt wurde. London verließ schon mit 13 Jahren die High School und musste fortan arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen. Dennoch fand er Zeit, um Bücher in Massen zu verschlingen, unterstützt von der Bibliothekarin Ina Coolbrith. Mit 15 wurde er der jüngste Austern-Pirat von San Francisco, schloss sich danach der Fischereipolizei an und verbrachte einige Zeit auf See als Robbenjäger oder auch auf Reisen. 1897 segelte er nach Kalifornien, um erfolglos nach Gold zu suchen. Als er mittellos nach Kalifornien zurückkam, veröffentlichte er in kurzer Folge Reiseromane, Reportagen, Artikel und Kurzgeschichten und wurde schnell zum Bestsellerautor. Die meiste Bekanntheit erlangte er durch "Ruf der Wildnis", "Wolfsblut" und "Der Seewolf". Diese Abenteuerromane trafen den Nerv der Zeit und gaben gleichzeitig einen großen geographischen Überblick über die Orte, die London bereist hatte. Vom eingenommenen Geld baute er sich eine Yacht, die *Snark*, mit der er sogar bis nach Australien segelte. 1903 lernte er seine zukünftige Ehefrau kennen, mit der er zwar keine Kinder hatte, deren glückliche Ehe aber bis Londons Tod anhielt. Jack London starb mit 40 Jahren auf seiner Farm.

Neue Bücher

Wolfsblut

Neu erschienen am 24.04.2020 als Taschenbuch bei BoD – Books on Demand.

Seine wichtigsten Werke, Ruf der Wildnis - Der Seewolf - Wolfsblut

Erscheint am 01.07.2020 als E-Book bei dtv Verlagsgesellschaft.

König Alkohol

Neu erschienen am 14.04.2020 als Taschenbuch bei BoD – Books on Demand.

Die Scharlachpest und andere Erzählungen

Neu erschienen am 13.04.2020 als Taschenbuch bei LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag.

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Cover des Buches Wolfsblut9783746090900

Wolfsblut

 (220)
Erschienen am 27.03.2018
Cover des Buches Der Seewolf (Roman)9783730691182

Der Seewolf (Roman)

 (131)
Erschienen am 19.11.2015
Cover des Buches König Alkohol9783746076942

König Alkohol

 (63)
Erschienen am 14.03.2018
Cover des Buches Lockruf des Goldes9783746076966

Lockruf des Goldes

 (25)
Erschienen am 14.03.2018
Cover des Buches Martin Eden9783423146548

Martin Eden

 (19)
Erschienen am 31.08.2018
Cover des Buches Mord auf Bestellung9783328103400

Mord auf Bestellung

 (11)
Erschienen am 10.12.2018
Cover des Buches Meistererzählungen9783257226478

Meistererzählungen

 (8)
Erschienen am 22.02.2011
Cover des Buches Abenteurer des Schienenstranges9783744850636

Abenteurer des Schienenstranges

 (8)
Erschienen am 13.03.2018

Neue Rezensionen zu Jack London

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Rezension zu "Der Seewolf" von Jack London

Das Abenteuer der Metamorphose
Wortmagievor 2 Monaten

Jack London liebte das Leben. Er war Schriftsteller, Abenteurer, Weltenbummler, Journalist und Sozialist. Er wurde 1876 in San Francisco in ärmliche Verhältnisse geboren, machte nie einen Schulabschluss und musste bereits als Kind demütigende, schlecht bezahlte Jobs annehmen, um Geld zu verdienen. Als er sich mit Anfang 20 der Literatur zuwandte, geschah dies nicht nur, weil er darin seine Berufung vermutete, sondern auch, weil er die Schriftstellerei als Weg aus der Armut interpretierte. Er behielt Recht. Jack London war einer der ersten Autor_innen, die weltweiten Ruhm erlangten und sich selbst als Marke inszenierten. Zu Lebzeiten galt er als der höchstbezahlte Schriftsteller in den USA. Er war gleichermaßen Mann der Tat wie autodidaktischer Intellektueller, jemand, der ebenso viel Freude aus Boxkämpfen schöpfte wie aus politischen Diskussionen. Seine Interessen waren weitgefächert und als er 1916 viel zu früh im Alter von 40 Jahren verstarb, hatte er etwa 200 Kurzgeschichten, 400 Werke der Non-Fiction (darunter Essays, Kriegsreportagen und ein Augenzeugenbericht des großen Erdbebens in San Francisco in 1906) und 20 Romane verfasst. Er war ein literarischer Rockstar, lange bevor der Begriff „Bestsellerautor“ geprägt wurde.

„Der Seewolf“ ist einer der bekanntesten Romane von Jack London. Das Buch erschien 1904; die erste Auflage umfasste 40.000 Exemplare und war bereits vor der Veröffentlichung restlos ausverkauft. Die Geschichte geht auf Londons eigene Erfahrungen auf See zurück. 1893, mit gerade einmal 17 Jahren, heuerte er auf dem Robbenfänger Sophie Sutherland an, der eine siebenmonatige Reise über das Beringmeer bis nach Japan unternahm. Obwohl er eigentlich zwei Jahre zu jung für die Seefahrt war, fügte er sich dank eiserner Disziplin und beispiellosem Arbeitseifer gut in die Besatzung ein und wurde bald von seinen Kameraden akzeptiert. Viele Abenteuer erlebte er an Bord nicht; sein Kapitän war ein alter Mann, der seine Crew vermutlich milde und freundlich behandelte. In Londons autobiografischem Werk „König Alkohol“ beschreibt er hauptsächlich Erinnerungen, die mit Alkoholexzessen während der Landgänge zu tun haben. Dennoch gab es eine Erfahrung, die ihn nachhaltig beeinflusste. In einem Taifun wurde ihm das Ruder überlassen. Fast eine Stunde lang steuerte er das Schiff allein durch die unbezwingbaren Naturgewalten der aufgepeitschten See. Das Schicksal der gesamten Besatzung lag in seinen Händen. Später sprach er darüber als „Moment höchsten Lebens“ und beurteilte ihn als die „wahrscheinlich stolzeste Errungenschaft meines Lebens“.

Soweit ich es verstanden habe, spielte Jack London lange mit dem Gedanken, seine Zeit auf der Sophie Sutherland eines Tages literarisch zu verarbeiten. Als er 1903 begann, „Der Seewolf“ zu schreiben, war er allerdings bereits ein gefeierter Schriftsteller und fühlte sich zu Höherem berufen, als nur einen simplen Reisebericht zu verfassen. Er plante einen richtigen Seefahrtsroman „mit Abenteuern, Sturm, Kampf, Tragödie und Liebe“ und beschloss, seine persönlichen Erlebnisse lediglich als Basis zu nutzen. Stattdessen wollte er sich primär mit einem Thema auseinandersetzen, das ihn faszinierte: Nietzsches Theorie des Übermenschen. Leider konnte er seine Erinnerungen an seinen eigenen Kapitän auf der Sophie Sutherland nicht verwenden, denn dieser entsprach wohl ganz und gar nicht Nietzsches Ideal. Daher bediente er sich einer anderen Person aus seiner Vergangenheit. Jahre zuvor hatte er in Oakland in einer Kneipe namens Heinold’s First and Last Chance (heute trägt das Etablissement den inoffiziellen Beinamen Jack London’s Rendezvous) den Kapitän Alexander MacLean (manchmal auch McLean) kennengelernt. MacLean segelte meist im Nordwestpazifik und galt auf See als äußerst grausam. Er wurde zum Vorbild für Londons Übermenschen, den er mit seinem personifizierten Gegenteil konfrontierte, einem sensiblen Schöngeist. Es galt, herauszufinden, wie diese gegensätzlichen Figuren aufeinander reagierten, welche Beziehung sich zwischen ihnen entwickeln würde – Fragen, denen Jack London mit Leidenschaft nachspürte. Das Ergebnis ist „Der Seewolf“, ein Klassiker und einer der ersten kommerziellen Bestseller der Literaturgeschichte.

Mit lautem Krachen und Bersten versank die Fähre, die Humphrey van Weyden nach Hause bringen sollte, in der Bucht von San Francisco. Wie lange er in den eisigen Fluten trieb, weiß er nicht. Als sich ein Schiff aus dem Nebel schälte, wähnte er sich gerettet. Doch die Ghost ist nicht die Antwort auf seine Gebete. Der Kapitän Wolf Larsen, ein brutaler, unbeugsamer Mann, weigert sich, Humphrey an Land abzusetzen. Unter dem Vorwand, der verweichlichten Statur und Persönlichkeit des jungen Gentlemans einen Gefallen zu erweisen, presst er ihn in seine Dienste. Fortan muss Humphrey auf dem Robbenfänger schuften. Er lernt Larsen fürchten und hassen, aber er entdeckt auch, dass der Kapitän über den Geist eines Gelehrten verfügt. Sie beginnen einen Tanz über die Weltmeere, ein Duell des Willens im stetigen Remis. Erst, als Humphrey daran erinnert wird, wer er war, erkennt er, was ihm bisher verborgen blieb: nur ein Weg führt an Wolf Larsen vorbei und zurück in sein Leben.

Liest man einen Klassiker, sollte man niemals vergessen, in welcher Zeit er entstand. 1904 war „Der Seewolf“ vermutlich der Inbegriff eines packenden Abenteuerromans. Nach heutigen Maßstäben ist das Actionlevel hingegen eher zahm, weil die Handlung nur wenige Momente enthält, die an den Nerven des modernen, abgestumpfteren Publikums zerren. Der Alltag des Robbenfängers Ghost spielt sich meist hintergründig ab, wodurch Szenen, die die Gefahren der Jagd thematisieren, wie sie zum Beispiel in „Moby-Dick“ zu finden sind, vollständig fehlen. Ich bedauerte das nicht, denn ich musste die blutigen Details des Robbenschlachtens auf hoher See nicht unbedingt kennenlernen. Allerdings verzichtete Jack London dadurch auf den ungeheuren Wissenszuwachs, der „Moby-Dick“ auszeichnet. Tatsächlich haben die Romane bis auf den Umstand, dass sie beide auf einem Schiff verortet sind, kaum etwas gemein, obwohl London Herman Melvilles bombastisches Epos las, als er auf der Sophie Sutherland segelte. „Der Seewolf“ behandelt nicht den Kampf des Individuums mit den Abgründen der Seele, symbolisiert durch die obsessive Jagd auf ein dämonisiertes Tier, sondern den Konflikt unterschiedlicher Lebensauffassungen. Deshalb war es für Jack London von höherer Bedeutung, eine solide Verbindung zwischen seinen Leser_innen und seinen Figuren herzustellen. Er musste Nahbarkeit garantieren, ihnen ermöglichen, sich in die Charaktere hineinzuversetzen, um die Botschaft seiner Geschichte transportieren zu können. Daraus folgt, dass „Der Seewolf“ meiner Ansicht nach wesentlich leichter zu lesen ist und ich applaudiere London dafür, wie es ihm gelang, von der ersten Seite an Empathie für seinen Ich-Erzähler Humphrey van Weyden zu wecken.

Bei der Vorstellung, nach einem traumatischen Erlebnis wie einem Schiffbruch nicht nach Hause zu dürfen und stattdessen zur Zwangsarbeit verpflichtet zu werden, läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich konnte voll und ganz nachvollziehen, wie perplex Humphrey ist, als Wolf Larsen es ablehnt, ihn wieder gehen zu lassen. Das unerwartete, rüde und grobe Verhalten des Kapitäns widerspricht all den unausgesprochenen Regeln, die sich die sogenannte zivilisierte Gesellschaft aneignete, um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten. Humphreys Sozialisierung in gehobenen Kreisen, die der heutigen gesellschaftlichen Konditionierung sehr ähnlich ist, hindert ihn daran, sich in dieser ersten Konfrontation zu behaupten. Ich denke, ich hätte mich an seiner Stelle genauso gefühlt. Er ist hilflos, weiß nicht, wie er reagieren soll und legt dadurch den Grundstein für seine spätere paradoxe und komplexe Beziehung zu Larsen, die den Mittelpunkt des Buches darstellt. Das heißt nicht, dass ich dem Kapitän in seiner Auffassung, dass Humphrey zum Zeitpunkt ihres Aufeinandertreffens allein kaum lebensfähig ist, nicht zustimme. Der Schöngeist ist zweifellos jemand, der von der Erfahrung harter Arbeit profitiert, weil er bis zu diesem Tag niemals auf eigenen Füßen stand und von Beruf Sohn war. Dennoch gruselte ich mich vor Larsens strikter Weigerung, Humphrey an Land abzusetzen, denn dieses Szenario erschien mir durchaus realistisch. Unwahrscheinlich, ja. Haarsträubend, ganz sicher. Aber absolut denkbar. Wer weiß schon, wie viele Schiffbrüchige in Erwartung ihrer Rettung in den Dienst gepresst wurden und vielleicht noch immer werden?

Innerhalb weniger Augenblicke steckte Jack London somit die Fronten zwischen seinen Protagonisten Humphrey van Weyden und Wolf Larsen ab, stellte der Zivilisation die Barbarei gegenüber und gewährte einen ersten Eindruck der Persönlichkeit des Kapitäns. Das Konfliktpotential zwischen ihnen ist von Beginn an ein Fakt der Geschichte, doch London begnügte sich nicht damit, ihre Gegensätzlichkeit zu untersuchen. Kompliziert wird ihr Verhältnis nicht durch ihre Unterschiede, sondern durch ihre Gemeinsamkeiten. Humphrey erkennt recht bald, dass die piratenhafte Attitüde seines Peinigers Ausdruck eines äußerst wachen, ideologisch gefestigten Verstandes ist, der sich Nietzsches Idee des Übermenschen verschrieb. Wolf Larsen ist kein ungebildeter Rüpel; er unterrichtete sich selbst in Literatur, Geschichte und Philosophie, ist eloquent, fähig, überzeugend zu debattieren und hat unverkennbar Freude an einem guten Streitgespräch. Seiner Weltanschauung zufolge ordnet der ideale Mensch dem puren Lebenswillen alles unter, auch Moral und Ethik. Es ist ein beunruhigender Gedanke, dass seine Grausamkeit, die Leser_innen immer wieder miterleben, demzufolge kein Akt der Willkür ist, kein Zeichen eines ungezügelten Temperaments. Die Brutalität, mit der er seine Besatzung behandelt, ist berechnet und wohl kalkuliert, um sich als dominante Spezies im Mikrokosmos der Ghost durchzusetzen. Larsen genießt es, systematisch seine Überlegenheit zu demonstrieren und sieht sich durch seine philosophischen Glaubensgrundsätze im Recht. Ich empfand seine Argumentation zweifellos als schlüssig, fragte mich allerdings, ob er diese Lebensphilosophie lediglich wählte, weil sie seine persönliche Lebensrealität widerspiegelt und er darin eine Legitimation seines Wesens fand. Statt ehrlich zu reflektieren, was er glaubt, verkörpert er eine Ansicht, die mir aus seiner Situation heraus allzu bequem anmutete.

Humphrey entdeckt in Larsen einen anregenden Gesprächspartner. Der Kapitän ringt ihm Respekt und Bewunderung ab, denn Humphrey kann dessen autodidaktische Bemühungen, Neugier und Lebenshunger nicht übergehen. Er fürchtet ihn, hasst ihn sogar und lässt keine Gelegenheit aus, ihm intellektuell Kontra zu bieten, aber er kann nicht leugnen, dass ihn Larsen einerseits beeindruckt und dessen ideologische Position andererseits an Bord der Ghost eine gewisse Gültigkeit aufweist, was er am eigenen Leib erfährt. Je länger sich Humphrey auf dem Robbenfänger aufhält, desto besser richtet er sich in seiner Beziehung zu Larsen und als Teil der Crew ein, sodass mich irgendwann die Ahnung beschlich, dass er ohne äußeren Katalysator einfach dortgeblieben wäre. Aus einem nutzlosen, arbeitsscheuen, weichen und erschreckend unselbstständigen Dandy wird ein echter Seemann, der in der Hierarchie der Mannschaft immer weiter aufsteigt, Fähigkeiten erlernt, die er sich niemals zugetraut hätte (ähnlich wie sein literarischer Vater steuert auch er das Schiff an einem Punkt der Handlung allein durch einen Sturm) und für sich selbst einstehen kann. Am Ende von „Der Seewolf“ verdankt er Wolf Larsen sehr viel, obwohl es ihm nie gelingt, seine Angst vor ihm gänzlich abzulegen. Jack London ließ Humphrey und seine Auffassung von Liebe als treibende soziale Kraft über die animalische Weltsicht des Kapitäns triumphieren, aber es ist ein Sieg, der einen melancholischen Nachgeschmack hinterlässt und wenig Befriedigung bereithält. Humphrey überflügelt Larsen nicht als der Repräsentant der friedlichen Zivilisation, der er anfangs war. Er übertrifft ihn als Geschöpf, an dessen Entstehung Larsen maßgeblich beteiligt war. Ohne Larsen wäre er nicht in eine Lage geraten, in der er zu einem Mann werden musste, der fähig ist, Larsen zu überwinden. Doch diese Metamorphose kann ihm niemand mehr nehmen.

Es ist eine komplexe Wechselwirkung, die sich zwischen Humphrey und Larsen abspielt, die sicher eine Analyse im Umfang einer Doktorarbeit rechtfertigen würde. Ich bin weit davon entfernt, hier eine Dissertation verfassen zu wollen, möchte aber dennoch meine laienhafte Einschätzung von Jack Londons Intention zum Besten geben. Ich glaube, Jack London bildete symbolisch den ewigen Kampf zweier Triebfedern ab, die beinahe jeder Mensch in der Brust trägt: das Ringen zwischen dem animalischen Egoismus des Lebenswillens und den anerzogenen Verhaltensweisen der Zivilisation, ein Konflikt, der im Kleinen beginnt und sich im Großen fortsetzt. Wann immer wir den Impuls verspüren, unsere Dominanz zu demonstrieren, um das zu schützen, was wir als „unser“ betrachten, hebt Wolf Larsen in unseren Herzen den Kopf. Wann immer wir uns daran erinnern, dass unsere gesellschaftliche Gemeinschaft nur funktionieren kann, wenn wir Liebe über Egoismus stellen, winkt uns der ursprüngliche Humphrey van Weyden zu. Letztendlich sind wir weder das eine noch das andere. Wir alle sind Humphrey van Weyden am Schluss von „Der Seewolf“: Seelen, die täglich versuchen, beide Triebfedern auszubalancieren, um ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben zu führen.

„Der Seewolf“ war anders, als ich erwartet hatte. Ich bin davon ausgegangen, eine gradlinige Seefahrtsgeschichte vorzufinden, die ohne großen Tiefgang spektakuläre Abenteuer auf den Weiten der Ozeane schildert. Ein bisschen wie „Moby-Dick light“ – aufregend, aber banal, reine Unterhaltungsliteratur des frühen 20. Jahrhunderts. Ich habe Jack London eindeutig gewaltig unterschätzt. „Der Seewolf“ ist tatsächlich eine Mischung aus Seefahrts- und Abenteuerroman, doch ich irrte mich hinsichtlich der Natur des dargebotenen Abenteuers. Das Abenteuer besteht nicht in der Reise des Ich-Erzählers Humphrey von Weyden, die zwar durchaus von ihm verlangt, den Gefahren des Meeres zu trotzen und so manchen mitreißenden Augenblick initiiert. In Wahrheit besteht das Abenteuer jedoch in seiner Transformation, die er durch diese unfreiwillige Reise erfährt. Der Fokus ist demzufolge anders ausgerichtet, als ich angenommen hatte. Für mich war es eine interessante, stellenweise sogar faszinierende Lektüre, deren Spannungsmomente allerdings meist von der Dynamik zwischen Humphrey und seinem Kapitän Wolf Larsen ausgingen, seltener von den Herausforderungen der Schifffahrt. Inhaltlich ist es ein träges Buch, charakterlich ist es exzellent. Londons Porträt zweier gegensätzlicher Lebensauffassungen, die unter außergewöhnlichen Umständen aufeinanderprallen und fortan eine andauernde Konfrontation ausfechten, beeindruckte mich sehr. Wie eingangs erwähnt war Jack London vieles. Ein seichter Schriftsteller war er hingegen nicht.

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Rezension zu "Die Zwangsjacke" von Jack London

Wenn der Körper willentlich abstirbt
Angelsammyvor 5 Monaten

Jack London, ein berühmter Autor von Abenteuergeschichten wie seinen Südseegeschichten, "Wolfsblut", und " Der Seewolf" hatte ein ungewöhnliches Buch geschrieben, das man zur Phantastik zählen kann, kaum bekannt ist und nur schwer erhältlich ( Antiquariat, Rebuy ).

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts ermordet der Professor für Landwirtschaft Darrell Standing Professor Haskell wegen einer Frau. 

Er sitzt lebenslänglich in San Quentin ein. Er findet die Organisation der knasteigenen Weberei ineffizient und beschwert sich beim Gefängnisdirektor Atherton. Er gilt bald als "Unverbesserlichen" und bekommt immer wieder Dunkel- und Einzelhaft.

Als ein Spitzel eine Intrige anzettelt, um freizukommen und das Märchen produziert, dass Sprengstoff ins Gefängnis eingeschmuggelt worden sei und Darrell es versteckt habe, beginnt sein Martyrium.

 Er wird nicht nur immer wieder verprügelt und gefoltert, um das vermeintliche Versteck zu verraten und kommt immer und immer wieder in Dunkel- und Einzelhaft. Obendrein wird er in eine Zwangsjacke gesteckt, die so eng geschnürt wird, dass er nicht gescheit atmen kann und viele Narben sowie Organschäden davon trägt. Bis zu zehn Tagen steckt er in diesem Ding und bekommt nur einmal am Tag Wasser. Fünf Jahre wird er das mitmachen müssen und bis auf 40 Kilo abmagern. Dabei ist er bezüglich des fiktiven Sprengstoffs vollkommen unschuldig.

Von einem anderen Lebenslänglichen lernt er per Morsecode eine Art Selbstsuggestion oder Meditation, die seinen Körper "absterben" läßt. 

Währenddessen kann er seine früheren Existenzen erneut durchleben, tausende Leben, egal ob als Jäger, Krieger, Adliger in Frankreich, Kind im Wilden Westen, Seemann in Korea, Schiffbrüchiger irgendwo auf einer Felseninsel in einem feindlichen Ozean....

Gehärtet durch widrige Umstände früherer Leben ist er für sein aktuelles Leben gewählt. Als er mal kurz frei kommt nach fünf Jahren durch eigene Initiative innerhalb des Knastes, haut er in Panik einem Wärter eins auf die Nase. Nach damaliger Gesetzeslage in Kalifornien wird er zum Tode durch den Strang verurteilt und kommt nach Folsom. 

Dies ist ein brennender Appell gegen die Todesstrafe und der wohl philosophischste und existentialistischste Roman Jack Londons. Es wird darüber gerätselt und spekuliert,,ob der Geist beständig ist und in immer neuer ( menschlicher ) Lebensform wiederkehrt, nach der Weise: erst ein Bauer und dann im nächsten Leben Politiker...

Natürlich kann man behaupten, dass die im Buch eingestreuten Abenteuer, die Darrell durchlebt, seiner Phantasie in einer Art traumatischen Delirium geschuldet ist. Faszinierenderweise lassen sich einzelne der früheren Leben aber durch Details real beweisen. 

Es ist hochinteressant, den Gedanken Londons zu folgen und es keimt die Hoffnung auf, dass mit dem Tod nicht alles verloren ist. Materie bleibt Materie, aber der Geist siehe Quantenphysik könnte in der Tat ewig bestehen. Kein Elektron geht je verloren. 

Das Buch ist im Oeuvre Jack Londons total sträflich unterschätzt und sollte dringend breitere Beachtung finden. Die Zustände in den Knästen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufwärts sind erschreckend und menschenverachtend und sind es teilweise heute noch. Das Buch hat im gewissen Sinne an Aktualität nicht eingebüßt. Die Abenteuerepisoden sind gewohnt Londonstil- aufregend. Nur eines ist merkwürdig: Warum war Darrell immer ein Mann und wird nur als Mann wiedergeboren? 

Übrigens: Wem das Buch hier gefällt,,sollte Ambrose Bierces Kurzgeschichte ",Ein Vorfall an der Owl Creek Bridge" lesen. Sehr sehr gut!!!

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L

Rezension zu "Wolfsblut" von Jack London

Wolfsblut hat ein hartes Leben
Lesebesessenvor 5 Monaten

Die Stationen im Indianerdorf und dem „schönen Schmitt“ sind einfach nur schrecklich. Die Begegnung mit Weedon war fast aussichtslos, und doch schaffen es beide.

Meinung:

Die Sprache ist alt und die Übersetzung wirkt etwas ungelenkig, mit Worten und Satzstellungen, die heute nicht mehr gängig sind. Die Gefühlswelt von Wolfsblut von der Geburt bis zur Menschenberührung wird sehr gut eingefangen. Das Band das zwischen Weedon und Wolfsblut durch sein Bemühen geknüpft wird, kann durch andere Ereignisse nicht mehr zerstört oder geschwächt werden, im Gegenteil. Trotzdem ist der Lernbedarf von Wolfsblut riesig groß, denn aus der Wildnis in die zivilisierte, domestizierte Welt ist ein weiter Weg, aber er besteht alle Herausforderungen. Zum Schluss rettet er das Leben seines „Besitzers“ und aller Angehöriger und dann gibt es noch ein großes Sahnehäubchen oben drauf. 

Ein Klassiker, mehr als 100 Jahre alt. Reiner Zufall, dass ich darauf gestoßen bin und doch hat mich das Buch sehr fasziniert. Es ist weitgehend aus der Sicht von Wolfsblut geschrieben, sehr schön und bildhaft, auch wenn die Formulierung eindeutig menschliche Wahrnehmung hat. Nun was soll ich sagen? Wie würde ein Wolf das schreiben? Dafür ist es perfekt gemacht. Die Phase mit dem „schönen Schmitt“, das war wirklich schrecklich. Hier lernen wir wieder die Abgründe „menschlichen“ Handeln kennen.

Sehr schön geschrieben, sehr bildhaft. Man wird Teil der Geschichte.

Fazit:

Tragische Geschichte eines ¾ Wolfes, der in widrigen Verhältnissen aufwächst und erst sehr spät Liebe und Vertrauen kennen lernt und seinen „Besitzer“ mit seinem Leben dafür belohnt. Die Denkweise ein bisschen zu menschlich: vier Sterne.

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Gespräche aus der Community

Neu
Cover des Buches Der Ruf der Wildnisundefined

Am 20. Februar kommt die Neuverfilmung des Klassikers von Jack London "Ruf der Wildnis" in die Kinos, mit Harrison Ford in der Rolle des Einsiedlers, der die Liebe des Hundes Buck gewinnt. Heute habt ihr die einmalige Chance, alles über diesen Film aus erster Hand zu erfahren: Michael Green, Drehbuchautor von "Ruf der Wildnis", steht euch für Fragen zur Verfügung. Und - wie immer beim Frage-     freitag -, habt ihr die Möglichkeit, ein Exemplar des Buchs zum Film zu       gewinnen!

Willkommen zu unserem Fragefreitag mit Michael Green, Drehbuchautor von "Ruf der Wildnis"!

Es ist für uns eine Ehre, Michael Green beim Fragefreitag begrüßen zu dürfen. Er wird heute eure Fragen zum Film und zu dessen Entstehung beantworten. Allerdings spricht Michael Green nur Englisch, also solltet ihr eure Fragen auf Englisch stellen. Wer Hilfe in dieser Hinsicht braucht, kann einfach eine PN an mich schreiben.

Unter allen Fragenden verlosen* wir zusammen mit dtv 5 Exemplare von "Ruf der Wildnis", dem Buch zum Film.

Ganz wichtig: Stellt bitte eure Fragen nur über das Bewerbungsformular, damit ihr auch am Gewinnspiel teilnehmen könnt.

Auch ganz wichtig: Bitte versucht neue Fragen zu stellen, damit es zu keinen Doppelungen kommt. Also guckt euch bitte die Fragen der anderen an. Danke!

Wenn ihr an der Verlosung nicht teilnehmen möchtet, aber eine Frage stellen wollt, kein Problem! Schreibt bitte eine kurze Anmerkung dazu.

Wir wünschen euch viel Spaß und viel Glück bei der Verlosung!


*Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.

111 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  _Arya_vor 2 Monaten

https://www.lovelybooks.de/autor/Jack-London-und-Michael-Green/Der-Ruf-der-Wildnis-1209660821-w/rezension/2572271036/

Hier ist meine Rezension zum Buch, es hat mir sehr gefallen und ich bedanke mich noch einmal für den Gewinn! Die Rezension ist auch auf Hugendubel, Weltbild und Amazon.

Den Film hatte ich davor noch im Kino gesehen und er hat mir außerordentlich gut gefallen. Buck fand ich sehr authentisch und sympathisch, Harrison Ford war mal wieder grandios und die ganze Szenerie in Kanada, die ganzen Naturaufnahmen, es war wirklich schön. Ein paar Dinge unterscheiden sich vom Buch, doch ich finde dass es für die filmerische Umsetzung so auch besser gepasst hat und bin deshalb sehr zufrieden, sowohl mit Buch als auch Film :)

Cover des Buches WolfsblutundefinedN
Willkommen zur aktuellen Leserunde der Gruppe Klassiker Leserunden
Wir wollen ein bisschen Leben in die altehrwürdige Literaturwelt bringen. Daher haben wir beschlossen, einige Klassiker gemeinsam zu lesen. 

Wichtig: Bei dieser Leserunde lesen wir unsere eigenen Bücher, es werden keine Exemplare verlost!

Für den Juni haben wir uns Wolfsblut von Jack London ausgesucht.

Klappentext:
Mit »Wolfsblut« schuf der amerikanische Schriftsteller Jack London (London, Jack 1876 - 1916) das glanzvolle Gegenstück zu seinem drei Jahre zuvor erschienenen Tierroman »Ruf der Wildnis«. Erzählt wird die Lebensgeschichte des Wolfshundes White Fang, der als Jungtier von Indianern gefangen wird und fortan einen harten und entbehrungsreichen Daseinskampf unter den Menschen führt. Erst als der mitfühlend freundliche Ingenieur Weedon Scott ihn vor dem sicheren Tod rettet, ist er wirklich bereit, sich mit der zivilisierten Welt anzufreunden…

Die Leserunde beginnt in der ersten Juniwoche und die Klassiker-Leserunden-Gruppe freut sich über jeden, der mit uns an „Wolfsblut“  lesen will.:-)

Wichtig ist, dass es auch von diesem Klassiker verschiedene Ausgaben gibt.

Sollten hier markante Unterschiede auffallen, gebt bitte in der Rubrik Meine Ausgabe Bescheid, damit wir die Einteilung dementsprechend anpassen können. Soweit man sich in der Leserunde orientieren kann, ist natürlich jede Version in Ordnung.
Wir freuen uns über zahlreiche TeilnehmerInnen!

• Bitte schreibt eure Beiträge in die bestehenden Kategorien, damit  die Leserunde übersichtlich bleibt.
• Bitte denkt auch daran, den Spoiler-Haken zu setzen!


Zur Einteilung der Leseabschnitte
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Meine Ausgabe ist in 5 Teile gegliedert und danach habe ich die Leserunde eingeteilt:

1) Teil
Kapitel 1: Auf der Fährte nach Fleisch
Kapitel 2: Die Wölfin
Kapitel 3: Heulender Hunger

2) Teil
Kapitel 1: Der Kampf mit den Zähnen
Kapitel 2: Das Lager
Kapitel 3: Das graue Junge
Kapitel 4: Die Wand der Außenwelt
Kapitel 5: Das Recht auf Fleisch

3) Teil
Kapitel 1: Die Feuermacher
Kapitel 2: Die Knechtschaft
Kapitel 3: Der Ausgestoßene
Kapitel 4: Die Fahrt der Götter
Kapitel 5: Der Bund mit den Menschen
Kapitel 6: Die Hungersnot

4) Teil
Kapitel 1: Der Feind seiner Gattung
Kapitel 2: Der tolle Gott
Kapitel 3: Das Regiment des Hasses
Kapitel 4: Im Rachen des Todes
Kapitel 5: Unzähmbar
Kapitel 6: Der Gebieter

5) Teil
Kapitel 1: Die lange Fahrt
Kapitel 2: Das Südland
Kapitel 3: Des Herrn Besitztum
Kapitel 4: Die Stimme des Blutes
Kapitel 5: Der schlafende Wolf
97 Beiträge
S
Letzter Beitrag von  sKnaerzlevor 5 Jahren

Zusätzliche Informationen

Jack London wurde am 11. Januar 1876 in San Francisco (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

Community-Statistik

in 914 Bibliotheken

auf 55 Wunschlisten

von 16 Lesern aktuell gelesen

von 20 Lesern gefolgt

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