Jackie Copleton

 3.4 Sterne bei 10 Bewertungen

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Jackie CopletonDie Farbe von Winterkirschen
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Die Farbe von Winterkirschen
Die Farbe von Winterkirschen
 (10)
Erschienen am 21.01.2019
Jackie CopletonA Dictionary of Mutual Understanding
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A Dictionary of Mutual Understanding
A Dictionary of Mutual Understanding
 (0)
Erschienen am 16.07.2015

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friederickesblogs avatar

Rezension zu "Die Farbe von Winterkirschen" von Jackie Copleton

Ein sehr beeindruckendes Buch
friederickesblogvor 8 Monaten

Klappentext:

 

Sie verlor ihre Tochter an dem Tag, an dem die Bombe fiel. Ama hatte sich mit Yuko verabredet, um mit ihr über den Mann zu sprechen, den Yuko so liebte und Ama gleichermaßen verabscheute. Doch dazu kam es nie. Ama war zu spät – und ihre Tochter und ihr Enkel tot. Ama ließ Nagasaki hinter sich, wanderte nach Amerika aus, aber der Schmerz blieb. Nie konnte sie sich verzeihen, gab sich selbst die Schuld am Tod, ja sogar am Schicksal ihrer Tochter. Sie zog sich immer mehr zurück und lebte in ihrer eigenen Welt voll Trauer und Schmerz – bis ein junger Mann an ihre Tür klopft. Er sagt, er sei Hideo, ihr totgeglaubter Enkel. Zuerst will sie ihm nicht glauben, doch dann öffnet sie ihr Herz und lässt die Hoffnung herein …

 

 

Die Autorin:

 

 

Jackie Copleton unterrichtete Englisch in Nagasaki und Sapporo, bevor sie wieder nach England zurückkehrte und als Journalistin arbeitete. »Die Farbe von Winterkirschen« ist ihr erster Roman, der von der Presse hochgelobt wurde. Außerdem wurde er gleich für den Baileys Women’s Prize for Fiction nominiert und von den englischen Lesern von Richard und Judys Buchclub als bestes Buch 2016 auserkoren.

 

 

Cover:

 

 

Das Cover zeigt die japanische Schneekirsche in voller Blüte auf zartem Hintergrund. Titel und Abbildung laden zusammen mit dem Klappentext ein, wissen zu wollen, was die Geschichte bereithält.

 

 

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

 

 

Ameratasu Takahashi hat sich mit ihrer Tochter verabredet, um über den Mann zu reden, den Yoko liebt und den sie als Mutter verachtet. Aber sie kommt zu spät. Es ist der Tag und die Stunde, als die Bombe fällt. Sie verliert dabei ihre Tochter und ihren Enkelsohn und gibt sich selbst die Schuld am Tod ihrer Tochter. Mit ihrem Mann wandert sie nach Amerika aus und vergräbt sich Jahrzehnte in ihrem Kummer. Bis eines Tages ein junger Mann vor ihrer Tür steht und behauptet ihr Enkelsohn zu sein.

 

 

Meine Meinung:

 

 

Das Buch beginnt mit dem Trauma der Atombombe von Hiroschima. Auch wenn man weiß, was damals passierte, ist die geschichtliche Einbettung in das direkte Leben einer Familie eine andere Empfindung, als die Kenntnisse aus dem Geschichtsbuch. So tauchte ich aus der Perspektive von Ameratasu in die furchtbaren Geschehnisse ein.

 

Die Figuren sind wunderbar und feinfühlig ausgearbeitet. Alle Charaktere sind glaubhaft und strahlen das aus, was man ihnen zugeschrieben hat. Sie sind authentisch und nehmen die Leser emotional sehr mit.

 

Der Schreibstil ist gut verständlich, sehr differenziert und präzise schildernd. Die Autorin wahrt etwas Distanz zu den Geschehnissen und erhebt damit jederzeit den Anspruch, die eingearbeitete Zeitgeschichte nicht zu übertreiben. Die Liebesgeschichte ist in die schrecklichen Geschehnisse sehr feinsinnig und ohne Klischees eingearbeitet. Die Schauplätze sind sehr genau beschrieben und lassen es zu, anschaulich nach Japan zu reisen.

 

Das Buch erwartet beim Lesen volle Aufmerksamkeit, da es nicht nur die Geschichte von Ameratasu und ihrem Enkel erzählt, sondern häufig die Perspektive wechselt und viele zeitliche Sprünge vornimmt. Dabei nutzt die Autorin nicht die Chronologie der Ereignisse, sondern bindet Lebensabschnitt zu Gedanken, oder schildert Vorkommnisse ohne einen zeitlichen Bezug. Das ist aber sehr positiv zu bewerten, weil die Erzählung an Intensität, Spannung und Verständnis gewinnt. Zu Beginn eines Kapitels erfahren wir eine Begrifflichkeit über die japanische Kultur, die gerade in diesem Abschnitt eine Bedeutung hat.

 

Dieses Familiendrama wird neben den Erinnerungen von Ameratasu, auch aus dem Tagebuch ihrer Tochter Yoko und Briefen von Shige geschildert. Insgesamt entsteht ein ziemlich komplexes Bild, getragen von japanischen Traditionen und Werten, ein Bild das außerdem die Vergangenheit der Protagonisten, die geschichtlichen Ereignisse und die neue Zeit miteinander verbindet. Im Mittelpunkt stehen eine unendlich tragische Familientragödie und die Folgen vom 09. August 1945.

 

Ein Buch mit hohem Anspruch auf ebenso hohem Niveau. Ein Buch, das einem nach einer schweren Reise durch die Vergangenheit, einen Abschluss präsentiert, der etwas aufatmen lässt. Von mir gibt es eine ausdrückliche Leseempfehlung.

 

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

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Erdhaftigs avatar

Rezension zu "Die Farbe von Winterkirschen" von Jackie Copleton

Vielschichtig
Erdhaftigvor 9 Monaten

Eine tragische Familiengeschichte im fernen Japan, eingebettet in die Gegenwart und das atomare Trauma Hiroshimas. Anderes Denken, andere Kultur und damit teils völlig andere Werte und Weltanschauungen als in Europa. Die Autorin hilft ihren Lesern die japanische Handlungs- und Denkweise ihrer Figuren zu verstehen: Jedes Kapitel enthält einen kurzen Prolog dazu und man tut gut daran diesen jeweils zu lesen. Es ist kein leicht zu lesendes Buch, aber eins, dass sich meiner Meinung nach zu lesen lohnt! Durch verschiedene Handlungsstränge ergibt sich eine Familiengeschichte von einerseits modern denkenden Mitgliedern, aber andererseits auch der älteren Generationen, die ihr traditionelles Wissen und Handeln mitbringen. So entstehen viele Streitereien und etliche Perspektiven. Im Zentrum stehen die Atombomben über Nagasaki und Hiroshima samt seiner Folgen, das Leben von Geishas, Japans Einmischung in den zweiten Weltkrieg und die Folgen der japanischen Gesellschaft im Kleinen und im Gesamten. Dies alles bringt die Autorin ihren Lesern auf manchmal verwirrende, aber immer sinnvoll zusammengesetzte Weise nahe.

Der Sprachstil ist ausgefeilt, präzise und ein wenig distanziert. Dennoch fühlt man mit den Personen irgendwie mit und schafft es gut den Überblick über die einzelnen Ereignisse zu bewahren. Anspruchsvoll erzählt: ein starker Inhalt mit einem in sich runden Abgang.

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TheBookAndTheOwls avatar

Rezension zu "Die Farbe von Winterkirschen" von Jackie Copleton

Wirklich sehr berührend.
TheBookAndTheOwlvor 10 Monaten

Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, die sich jedoch an einigen Stellen sehr gezogen hat.

Die Art und Weise, wie hier von Verlust, Trauer und deren Bewältigung geschrieben wird, ist wirklich greifbar und sehr echt. Obwohl die Protagonistin sich durchgehend Vorwürfe macht, ihre Schuldgefühle erwähnt und sich noch weitere Wiederholungen erlaubt, bekommt man aber nicht das Gefühl, dass sie selbstsüchtig oder falsch ist, wenn ihr versteht was ich meine. In dem Roman „Zehn Wünsche bis zum Horizont“ hat die Autorin diesen Punkt beispielsweise ziemlich arg verhauen und somit die ganze Geschichte ruiniert. Das war zum Glück hier nicht der Fall. Aber aufgrund dieser Wiederholungen hat sich die Geschichte, wie bereits erwähnt, an einigen Stellen mächtig gezogen und man hatte das Gefühl, am käme nicht so ganz vorwärts.

Ein weiterer Pluspunkt für mich war die Wörterbuchgliederung. Der Titel des Romans lautet auf Englisch „A Dictionary of Mutual Understanding“, wo bereits von Anfang an dieser Wörterbuch-Charakter unterstrichen wird. Damit gemeint ist schlichtweg, dass man zu Anfang jedes Kapitels ein Wort aus dem japanischen gesagt bekommt, welches dann sinngemäß erklärt wird. Das fand ich wirklich sehr interessant und barg auch einige wertvolle Informationen über die japanische Kultur an sich. Dieses „Wörterbuch“ hat den Leser noch einmal sehr gut an die Hand genommen und durch die Geschichte geführt.

Zuletzt lässt sich eigentlich nur noch sagen, dass der Roman eine wunderbare, bittersüße Atmosphäre geschaffen hat, die einem vor allem am Ende sehr stark mitgenommen hat. Dennoch reicht es für mich nicht ganz bis zu den fünf Sternen und ich gebe gut gemeinte vier Sterne.

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