Jackie Copleton

 3,6 Sterne bei 14 Bewertungen

Lebenslauf

Jackie Copleton unterrichtete Englisch in Nagasaki und Sapporo, bevor sie wieder nach England zurückkehrte und als Journalistin arbeitete. »Die Farbe von Winterkirschen« ist ihr erster Roman, der von der Presse hochgelobt wurde. Außerdem wurde er gleich für den Baileys Women’s Prize for Fiction nominiert und von den englischen Lesern von Richard und Judys Buchclub als bestes Buch 2016 auserkoren.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jackie Copleton

Cover des Buches Die Farbe von Winterkirschen (ISBN: 9783734106996)

Die Farbe von Winterkirschen

(14)
Erschienen am 21.01.2019
Cover des Buches A Dictionary of Mutual Understanding (ISBN: 9780091959067)

A Dictionary of Mutual Understanding

(0)
Erschienen am 16.07.2015

Neue Rezensionen zu Jackie Copleton

Cover des Buches Die Farbe von Winterkirschen (ISBN: 9783809026662)
schillerbuchs avatar

Rezension zu "Die Farbe von Winterkirschen" von Jackie Copleton

schillerbuch
Pikadon

Es stand schon lange in dem Regalteil, in dem bei uns die Bücher stehen, die darauf warten, gelesen zu werden. Als ich neulich danach griff, war es reiner Zufall, daß das kurz vor dem Jahrestag des Atombombenabwurfs von Nagasaki war, dem 9. August 1945. Umso passender fand ich die Lektüre, als mir das bewusst wurde.

Der Inhalt

Sie verlor ihre Tochter an dem Tag, an dem die Bombe fiel. Ama hatte sich mit Yuko verabredet, um mit ihr über den Mann zu sprechen, den Yuko so liebte und Ama gleichermaßen verabscheute. Doch dazu kam es nie. Ama war zu spät – und ihre Tochter und ihr Enkel tot. Ama ließ Nagasaki hinter sich, wanderte nach Amerika aus, aber der Schmerz blieb. Nie konnte sie sich verzeihen, gab sich selbst die Schuld am Tod, ja sogar am Schicksal ihrer Tochter. Sie zog sich immer mehr zurück und lebte in ihrer eigenen Welt voll Trauer und Schmerz – bis ein junger Mann an ihre Tür klopft. Er sagt, er sei Hideo, ihr totgeglaubter Enkel. Zuerst will sie ihm nicht glauben, doch dann öffnet sie ihr Herz und lässt die Hoffnung herein … (© Limes Verlag)

Meine Meinung

Diesen Roman habe ich gerne gelesen, obwohl ich ja mit Büchern über oder aus Japan immer wieder meine Probleme habe. Bei diesem ging es mir nicht so. Das lag vielleicht daran, daß jedem Kapitel ein japanischer Begriff und dessen Erklärung vorangestellt sind, die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Kapitel stehen und den Lesenden so auch einen Einblick in die japanische Mentalität geben. Vielleicht war der Grund aber auch, dass die Autorin Engländerin ist, die zwar lange in Japan lebte, das Land jedoch letztendlich als Europäerin erlebte. Das mag vielleicht einen Unterschied machen zu Romanen, die von japanischen Autor:innen geschrieben sind.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Ama, die den Verlust der Tochter nie verwunden hat und sich die Schuld daran gibt, weil sie als Treffpunkt einen Ort vorschlug, der im Zentrum der Zerstörung lag. Mit Ama erleben wir die Explosion der Bombe, die von den Einwohner:innen nur Pikadon genannt wird: Das Wort bezeichnet den Knall und das Aufblitzen des Lichts nach der Explosion. Und wir erleben die verzweifelte Suche nach Tochter und Enkel, bis das Unvermeidliche akzeptiert wird und sie mit ihrem Mann nach Amerika auswandert. Wir lesen aber auch, daß Ama mit dem Geliebten ihrer Tochter nicht einverstanden war und erleben ihre schwierige Kindheit und Jugend mit. Das alles erzählt Jackie Copleton nicht chronologisch, sondern sie schiebt die unterschiedlichen Rückblicke, teils in Tagebuch- oder Briefform, immer wieder zwischen die Handlungsebene der Gegenwart.

Am intensivsten war der Roman für mich dann, wenn es um den Abwurf der Atombe und die Tage danach ging und in den Szenen, in denen Ama sich fragt, ob sie dem Mann, der behauptet ihr Enkel zu sein, wirklich glauben kann. Das Ende des Romans fand ich sehr gelungen, denn es bleibt uns Lesenden überlassen, wie wir es interpretieren.

Was mich wieder einmal stört ist der deutsche Titel: Im englischen Original lautet er “A Dictionary of Mutual Understanding” (Wörterbuch gegenseitigen Verstehens) und ist in meinen Augen sehr viel passender und vieldeutiger als der deutsche: Man kann ihn ganz einfach auf die den Kapiteln vorangestellten Worterklärungen beziehen, ich las ihn aber auch als Metapher für den Weg, auf den sich Ama macht, um ihre Tochter und ihre Handlungsweise besser zu verstehen.

Fazit: Ein spannender, gut zu lesender Unterhaltungsroman mit Tiefgang!

Cover des Buches Die Farbe von Winterkirschen (ISBN: 9783809026662)
friederickesblogs avatar

Rezension zu "Die Farbe von Winterkirschen" von Jackie Copleton

friederickesblog
Ein sehr beeindruckendes Buch

Klappentext:

 

Sie verlor ihre Tochter an dem Tag, an dem die Bombe fiel. Ama hatte sich mit Yuko verabredet, um mit ihr über den Mann zu sprechen, den Yuko so liebte und Ama gleichermaßen verabscheute. Doch dazu kam es nie. Ama war zu spät – und ihre Tochter und ihr Enkel tot. Ama ließ Nagasaki hinter sich, wanderte nach Amerika aus, aber der Schmerz blieb. Nie konnte sie sich verzeihen, gab sich selbst die Schuld am Tod, ja sogar am Schicksal ihrer Tochter. Sie zog sich immer mehr zurück und lebte in ihrer eigenen Welt voll Trauer und Schmerz – bis ein junger Mann an ihre Tür klopft. Er sagt, er sei Hideo, ihr totgeglaubter Enkel. Zuerst will sie ihm nicht glauben, doch dann öffnet sie ihr Herz und lässt die Hoffnung herein …

 

 

Die Autorin:

 

 

Jackie Copleton unterrichtete Englisch in Nagasaki und Sapporo, bevor sie wieder nach England zurückkehrte und als Journalistin arbeitete. »Die Farbe von Winterkirschen« ist ihr erster Roman, der von der Presse hochgelobt wurde. Außerdem wurde er gleich für den Baileys Women’s Prize for Fiction nominiert und von den englischen Lesern von Richard und Judys Buchclub als bestes Buch 2016 auserkoren.

 

 

Cover:

 

 

Das Cover zeigt die japanische Schneekirsche in voller Blüte auf zartem Hintergrund. Titel und Abbildung laden zusammen mit dem Klappentext ein, wissen zu wollen, was die Geschichte bereithält.

 

 

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

 

 

Ameratasu Takahashi hat sich mit ihrer Tochter verabredet, um über den Mann zu reden, den Yoko liebt und den sie als Mutter verachtet. Aber sie kommt zu spät. Es ist der Tag und die Stunde, als die Bombe fällt. Sie verliert dabei ihre Tochter und ihren Enkelsohn und gibt sich selbst die Schuld am Tod ihrer Tochter. Mit ihrem Mann wandert sie nach Amerika aus und vergräbt sich Jahrzehnte in ihrem Kummer. Bis eines Tages ein junger Mann vor ihrer Tür steht und behauptet ihr Enkelsohn zu sein.

 

 

Meine Meinung:

 

 

Das Buch beginnt mit dem Trauma der Atombombe von Hiroschima. Auch wenn man weiß, was damals passierte, ist die geschichtliche Einbettung in das direkte Leben einer Familie eine andere Empfindung, als die Kenntnisse aus dem Geschichtsbuch. So tauchte ich aus der Perspektive von Ameratasu in die furchtbaren Geschehnisse ein.

 

Die Figuren sind wunderbar und feinfühlig ausgearbeitet. Alle Charaktere sind glaubhaft und strahlen das aus, was man ihnen zugeschrieben hat. Sie sind authentisch und nehmen die Leser emotional sehr mit.

 

Der Schreibstil ist gut verständlich, sehr differenziert und präzise schildernd. Die Autorin wahrt etwas Distanz zu den Geschehnissen und erhebt damit jederzeit den Anspruch, die eingearbeitete Zeitgeschichte nicht zu übertreiben. Die Liebesgeschichte ist in die schrecklichen Geschehnisse sehr feinsinnig und ohne Klischees eingearbeitet. Die Schauplätze sind sehr genau beschrieben und lassen es zu, anschaulich nach Japan zu reisen.

 

Das Buch erwartet beim Lesen volle Aufmerksamkeit, da es nicht nur die Geschichte von Ameratasu und ihrem Enkel erzählt, sondern häufig die Perspektive wechselt und viele zeitliche Sprünge vornimmt. Dabei nutzt die Autorin nicht die Chronologie der Ereignisse, sondern bindet Lebensabschnitt zu Gedanken, oder schildert Vorkommnisse ohne einen zeitlichen Bezug. Das ist aber sehr positiv zu bewerten, weil die Erzählung an Intensität, Spannung und Verständnis gewinnt. Zu Beginn eines Kapitels erfahren wir eine Begrifflichkeit über die japanische Kultur, die gerade in diesem Abschnitt eine Bedeutung hat.

 

Dieses Familiendrama wird neben den Erinnerungen von Ameratasu, auch aus dem Tagebuch ihrer Tochter Yoko und Briefen von Shige geschildert. Insgesamt entsteht ein ziemlich komplexes Bild, getragen von japanischen Traditionen und Werten, ein Bild das außerdem die Vergangenheit der Protagonisten, die geschichtlichen Ereignisse und die neue Zeit miteinander verbindet. Im Mittelpunkt stehen eine unendlich tragische Familientragödie und die Folgen vom 09. August 1945.

 

Ein Buch mit hohem Anspruch auf ebenso hohem Niveau. Ein Buch, das einem nach einer schweren Reise durch die Vergangenheit, einen Abschluss präsentiert, der etwas aufatmen lässt. Von mir gibt es eine ausdrückliche Leseempfehlung.

 

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Cover des Buches Die Farbe von Winterkirschen (ISBN: 9783809026662)
Erdhaftigs avatar

Rezension zu "Die Farbe von Winterkirschen" von Jackie Copleton

Erdhaftig
Vielschichtig

Eine tragische Familiengeschichte im fernen Japan, eingebettet in die Gegenwart und das atomare Trauma Hiroshimas. Anderes Denken, andere Kultur und damit teils völlig andere Werte und Weltanschauungen als in Europa. Die Autorin hilft ihren Lesern die japanische Handlungs- und Denkweise ihrer Figuren zu verstehen: Jedes Kapitel enthält einen kurzen Prolog dazu und man tut gut daran diesen jeweils zu lesen. Es ist kein leicht zu lesendes Buch, aber eins, dass sich meiner Meinung nach zu lesen lohnt! Durch verschiedene Handlungsstränge ergibt sich eine Familiengeschichte von einerseits modern denkenden Mitgliedern, aber andererseits auch der älteren Generationen, die ihr traditionelles Wissen und Handeln mitbringen. So entstehen viele Streitereien und etliche Perspektiven. Im Zentrum stehen die Atombomben über Nagasaki und Hiroshima samt seiner Folgen, das Leben von Geishas, Japans Einmischung in den zweiten Weltkrieg und die Folgen der japanischen Gesellschaft im Kleinen und im Gesamten. Dies alles bringt die Autorin ihren Lesern auf manchmal verwirrende, aber immer sinnvoll zusammengesetzte Weise nahe.

Der Sprachstil ist ausgefeilt, präzise und ein wenig distanziert. Dennoch fühlt man mit den Personen irgendwie mit und schafft es gut den Überblick über die einzelnen Ereignisse zu bewahren. Anspruchsvoll erzählt: ein starker Inhalt mit einem in sich runden Abgang.

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

23 Bibliotheken

5 Merkzettel

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks