Jackie Thomae

 4,1 Sterne bei 55 Bewertungen
Autorin von Brüder, Momente der Klarheit und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jackie Thomae (© Franziska Sinn)

Lebenslauf von Jackie Thomae

Für sich oder in Kooperation ein Erfolg: Jackie Thomae (rechts im Bild) wird 1972 in Halle an der Saale geboren. Sie lebt heute in Berlin und arbeitet hauptberuflich als Journalistin und Autorin für das Fernsehen.

2015 erscheint ihr erster Roman, »Momente der Klarheit«. Bereits zuvor veröffentlichte Thomae gemeinsam mit Heike Blümner (links im Bild) mehrere Ratgeberbücher, das erste mit dem Titel »Eine Frau – Ein Buch« erschien 2008. Für ihren Roman »Brüder« wird Thomae für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert.

Neue Bücher

Cover des Buches Brüder (Sonderausgabe Ein Buch für die Stadt Köln 2021) (ISBN: 9783442772070)

Brüder (Sonderausgabe Ein Buch für die Stadt Köln 2021)

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Erscheint am 09.08.2021 als Taschenbuch bei btb.

Alle Bücher von Jackie Thomae

Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783446264151)

Brüder

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Erschienen am 19.08.2019
Cover des Buches Momente der Klarheit (ISBN: 9783596036523)

Momente der Klarheit

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Erschienen am 22.06.2017
Cover des Buches Momente der Klarheit (ISBN: 9783864843143)

Momente der Klarheit

 (0)
Erschienen am 23.07.2015

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Jackie Thomae

Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783446264151)emeryn_maders avatar

Rezension zu "Brüder" von Jackie Thomae

1A Literatur die nur darauf wartet, irgendwann noch einmal gelesen zu werden!
emeryn_madervor 7 Tagen

Manchmal gibt es absolut nichts besseres, als ein gutes Buch empfohlen zu bekommen. Eben genau eine solche gute Empfehlung war "Brücher" von Jackie Thomae, das die Geschichte von zwei Brüder erzählt, getrennt aufgewachsen, sie kennen ihren Vater nicht und wissen nichts von der Existenz des anderen, und wie sie zu den Menschen werden, die sie sind. Mick lebt in Berlin, Gabriel in London, der eine lebt sein Leben und packt die Dinge so an, wie sie fallen, der andere ist angesehener Star-Architekt.
Jackie Thomae schafft es in diesem Roman, mit viel Feingefühl und Sprachkraft, Bilder von verschiedenen Menschen zu kreieren, die trotz ihrer alleinigen Existenz auf der gedruckten Seite trotzdem dreidimensional und lebendig wirken. Sie sind fluid, passen sich oft ihren Umständen an, manchmal nicht und bleiben niemals statisch. Eine wirklich fabelhafte Charakterstudie, in die es eine Freude war einzutauchen. Jedes "Kapitel", die zum Teil noch nicht einmal zwei Seiten lang sind, hat seinen Platz und verdient es, dass das Buch beseite gelegt wird um noch ein bisschen darüber nachzudenken, was man gerade gelesen hat.
Ich bin mit der Erwartung reingegangen, dass die Geschichte zwischen Mick und Gabriel abwechseln würde, doch stattdessen handelt es sich um zwei getrennte Erzählstränge, die erst am Ende wieder zusammengeführt werden. Der Übergang, ein Kapitel aus der Sicht des Vaters, ohne den sowohl Mick als auch Gabriel aufgewachsen sind, kam unerwartet, doch war äußerst gelungen, ganz zum Schweigen vom Ende, welches bestimmt unterschiedlich Aufgenommen wird, abhängig davon, welche Figur man am interessantesten fand.


"Brüder" ist genau so ein Buch, bei dem ich kaum darauf warten kann, älter zu werden und es in mehreren Jahren noch einmal zu lesen, als veränderter Mensch, mit zusätzlichen Erfahrungen und wahrscheinlich einer anderen Perspektive aufs Leben.

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Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783446264151)Catastrophias avatar

Rezension zu "Brüder" von Jackie Thomae

Ein lesenswerter Roman über das Aufwachsen als Schwarzer Mann in der DDR und dem Deutschland der 1990er und die Suche nach Identität
Catastrophiavor 11 Tagen

Mick wächst bei seiner Mutter in der DDR auf, die einen neuen Mann findet und daher mit ihrem Sohn und dem Mann in den Westen emigriert. Micks 90er sind geprägt von Parties und Drogenexzessen, vom Versuch, sich von Verpflichtungen und Zwängen freizukämpfen und den damit einhergehenden zwischenmenschlichen Konsequenzen.

Gabriel, ebenfalls geboren in der DDR wächst bei seinen wohlhabenden Großeltern auf, nachdem seine Mutter früh verstarb. Er wird ein erfolgreicher, aber überarbeiteter Architekt, gründet eine Familie und wird dann mit einem Übergriffsvorwurf durch eine Studentin konfrontiert.

Zwei Männer, von denen einer es "geschafft" hat, der andere mit Anfang 30 erkennen muss, dass er feststeckt. Doch trotzdem eint sie beide der Vater, der als senegalesischer Student in die DDR kam, als die DDR versuchte, junge postkoloniale Staaten als sozialistische Verbündete zu gewinnen. Nach dem Ende des Studiums verließ er die DDR und stellte jeden Kontakt zu den beiden Müttern und seinen Söhnen ein - was sie beide von ihm geerbt haben, ist die Hautfarbe, die sie in der DDR und auch Gesamtdeutschland immer wieder zu Außenseitern macht, denn: "Diese Leute haben ihre Nachbarn umgebracht und die waren weiß, meinst du etwa, das alles war plötzlich verschwunden, nur weil sie im Osten so getan haben, als säßen alle Bösen drüben?" (S. 206). 

Damit wird in dem Buch ein Thema verhandelt, das bisher selten Platz in der Gegenwartsliteratur hatte: Rassismus in der sich als antifaschistisch verstehenden DDR. Dazu kommt die Frage nach Identität und Männlichkeitskonstruktionen.. Der Roman zeigt den starken Einfluss der gesellschaftlichen Umgebung auf das Aufwachsen und den Erfolg von Kindern, zeigt aber auch, dass selbst ähnliche Möglichkeiten (auch Mick kann sich lange nicht über zu wenig finanzielle Ressourcen beschweren, denn sein Stiefvater ist sehr reich) nicht automatisch zu einer ähnlichen Lebensgestaltung führen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Hautfarbe ein wichtiger Einfluss bleibt: "Ich hatte das alles ohne meine Eltern erreicht [...]. Ich war fast dreißig Jahre alt, und es sah so aus, als würde ich die Frage, woher ich kam, niemals loswerden." (S. 245).

Geschickt erzählt Thomae die Geschichte zweier Männer, die scheinbar wenig Gemeinsamkeiten haben. Dabei nimmt das Buch die Leser*innen zurück in die 1990er und die Jahre der Wiedervereinigung.

Ich habe das Buch gern gelesen, an manchen Stellen war es mir etwas zu langatmig. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch und deshalb kann ich es definitiv weiterempfehlen.



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Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783446264151)Elenchen_hs avatar

Rezension zu "Brüder" von Jackie Thomae

Brüder
Elenchen_hvor 2 Monaten

In "Brüder" geht es - ganz kurz gesagt - um zwei Halb-Brüder, die nichts voneinander wissen, von dem selben senegalischen Vater mit zwei verschiedenen Müttern sind und kurz vor der Wende in Ostdeutschland aufgewachsen sind. Was sich inhaltlich ganz kurz (und natürlich viel zu verkürzt!) in einem Satz zusammenfassen lässt, kommt als Geschichte mit rund 500 Seiten daher. Jackie Thomae schreibt in ihrem Roman vom Leben, der Liebe, vom Aufwachsen, von Freundschaft, von Identität und ja, auch von Rassismus. Alle Themen bekommen ihren Raum, manche mehr, manche weniger, alle aber auf gekonnt unaufgeregte Art und mit viel Story drum herum.


Eigentlich halten die Leser*innen mit "Brüder" gleich zwei Romane in der Hand. Denn die Geschichten um Mick und Gabriel haben bis auf den gemeinsamen Vater (zumindest auf den ersten Blick) nichts miteinander zu tun. Jackie Thomae erzählt fast genau auf den Punkt die Hälfte des Romans von dem Lebemann Mick, der sich durchs Leben treiben lässt und sich vor allem in der Party-Szene der 90er Jahre heimisch fühlt und die andere Hälfte von Gabriel, einem ehrgeizigen Architekten in London, der mit Frau und Kind zwanghaft versucht, fernab jeglicher Klischees zu leben. Erst auf den zweiten Blick finden sich durchaus Parallelen zwischen den beiden Männern - und zwar nicht nur den gemeinsamen Vater.


Jackie Thomae wechselt in der Mitte des Buches nicht nur die Charaktere, sondern auch die Erzählstimme. Micks Erzählstrang wird aus der Perspektive der dritten Person geschrieben. Dabei bekommen die Leser*innen nicht nur Micks Handlungen präsentiert, einige Kapitel sind auch aus der Sicht anderer Menschen aus seinem Umfeld geschrieben. Bei Gabriels Erzählstrang wechselt die Autorin in die Ich-Perspektive - abwechselnd darf man in den Kopf von Gabriel und seiner Frau schauen. Diese Perspektivenwechsel sowohl innerhalb der beiden Erzählstränge, als auch zwischen den beiden fand ich sehr gelungen. Für mich kam so nochmals eine ganz andere Facette in den Roman.


"Brüder" ist für mich kein Roman, der von Beginn an packt oder sich leicht weiterlesen lässt. Zu oft trat für mich die Geschichte dafür auf der Stelle, zu oft wurden Geschehnisse bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, zu kantig waren mir dann doch die beiden Protagonisten. Nichts desto trotz schöpft das Buch sein Potential durchaus aus. Die Autorin richtet den Blick auf die verarbeiteten Themen nochmals neu aus, ohne dabei je einen drohenden Zeigefinger zu heben. Für meinen Geschmack hätte das alles nur einfach in einem kleineren Umfang verpackt werden dürfen.

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