Jackie Thomae

 4 Sterne bei 182 Bewertungen
Autorin von Brüder, Momente der Klarheit und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jackie Thomae (© Franziska Sinn)

Lebenslauf von Jackie Thomae

Für sich oder in Kooperation ein Erfolg: Jackie Thomae (rechts im Bild) wird 1972 in Halle an der Saale geboren. Sie lebt heute in Berlin und arbeitet hauptberuflich als Journalistin und Autorin für das Fernsehen.

2015 erscheint ihr erster Roman, »Momente der Klarheit«. Bereits zuvor veröffentlichte Thomae gemeinsam mit Heike Blümner (links im Bild) mehrere Ratgeberbücher, das erste mit dem Titel »Eine Frau – Ein Buch« erschien 2008. Für ihren Roman »Brüder« wird Thomae für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert.

Alle Bücher von Jackie Thomae

Cover des Buches Zusammenkunft (ISBN: 9783518430460)

Zusammenkunft

 (108)
Erschienen am 14.02.2022
Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783446264151)

Brüder

 (57)
Erschienen am 19.08.2019
Cover des Buches Momente der Klarheit (ISBN: 9783596036523)

Momente der Klarheit

 (14)
Erschienen am 22.06.2017
Cover des Buches Let's face it (ISBN: 9783764503642)

Let's face it

 (0)
Erschienen am 15.03.2011
Cover des Buches Man muss die Falten feiern, wie sie fallen (ISBN: 9783442379590)

Man muss die Falten feiern, wie sie fallen

 (0)
Erschienen am 19.11.2012
Cover des Buches Momente der Klarheit (Download) (ISBN: 9783864843150)

Momente der Klarheit (Download)

 (1)
Erschienen am 23.07.2015

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Jackie Thomae

Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783446264151)leseleas avatar

Rezension zu "Brüder" von Jackie Thomae

Ich bin
leseleavor 2 Monaten

Party, durchgemachte Nächte, Alkohol, Drogen, Techno. Micks Leben findet in der Nacht statt, der Tag dient ihm zur Erholung für den nächsten Exzess und für den notdürftigen Verdienst seines Lebensunterhalts. Irgendetwas findet sich immer, um Miete, Auto und Essen zu bezahlen, doch Mick lebt nicht, um zu arbeiten, sondern um zu feiern. Im freiheitstrunkenen wiedervereinten Berlin der 1990ern findet er seine Bestimmung jenseits der Konventionen von Ausbildung, Beruf, Ehe und Kindern. Dass dabei Menschen und persönliche Entwicklungen auf der Strecke bleiben, erkennt er erst später; im Moment des Rausches fühlt sich jede einzelne Nacht perfekt und richtig an.

Auch Gabriel kennt den Rausch: Wenn die Wochen mit 70 Stunden Arbeit am Stück aneinander vorbeirasen, wenn das Großprojekt bereits vor der Deadline erfolgreich beendet wurde, wenn er für den nächsten Megaauftrag im Flieger um den halben Globus jettet. Sweet life of a workaholic, der sich mit Fleiß,  Ehrgeiz und Talent dahin gebracht hat, wo er immer hinwollte – ein schönes Haus in London, ein eigens Architekturbüro, Frau und Kind. Zeit für Erinnerungen bleiben kaum: an seine Kindheit in der DDR, an sein Aufwachsen bei den Großeltern, an seine verstorbene Mutter und seinen abwesenden Vater, der ihm nichts hinterlassen hat außer seiner Hautfarbe. Erst der Burnout zwingt Gabriel zur Vollbremsung, die nicht ohne Kollateralschäden erfolgt.

Hedonist vs. Highperformer. Westjugend nach dem Rübermachen vs. Sozialisation im Arbeiter- und Bauernstaat. Muttersöhnchen vs. Halbwaise. Träumer vs. Durchplaner. Antimonogamist vs. Loyaler Ehemann. Jackie Thomae erzählt in ihrem Roman Brüder die Leben zweier komplett unterschiedlicher Brüder, die nichts voneinander wissen und deren einzige Gemeinsamkeit scheinbar darin besteht, vom gleichen Vater abzustammen – einem senegalesischen Austauschstudenten – und dessen Abwesenheit in ihrem Leben zwar immer gespürt, aber wenig darunter gelitten zu haben. Doch beim genauen Lesen wird deutlich, dass Mick und Gabriel sich ähnlicher sind als man denkt, insbesondere, was ihr Hang zum Extremen angeht. Und damit ist Jackie Thomae ganz schnell bei der ganz großen Frage, warum wir der sind, wer wir sind. Gene oder Umfeld, Natur oder Sozialisation? Was prägt uns? Warum sind wir der Mensch, der wir sind?

Es ist der große Verdienst der Autorin diese großen Fragen nicht mit der Holzhammermethode zu verhandeln, sondern im Gegenteil scheinbar im Nebenbei während sie von Clubnächten und Dienstreisen erzählt. Brüder ist ein atmosphärischer Roman, der auf über 500 Seiten die Leser:innen in die unterschiedlichen Lebenswelten von Mick und Gabriel hineinsaugt und sie dabei die Relevanz der behandelten Themen vergessen lässt. Denn natürlich kann die Identitätsfrage in Micks und Gabriels Fall nicht losgelöst von der Hautfarbe betrachtet werden: nicht in Deutschland, vor allem nicht in Ostdeutschland der 1990er Jahre. Doch Rassismus wird in Brüder nicht anhand Rostock-Lichtenhagens greifbar, sondern an den kleinen Irritationen des Alltags, an den Momenten, wo beiden Brüdern signalisiert wird, dass sie anders sind und bleiben, egal für wie angepasst sie sich halten.

Daneben besticht Brüder durch eine leichtfüßige Sprache, einen modernen Sound, Witz und interessanten Frauenfiguren, die das Buch zwar einen Männerroman bleiben lassen, ihn aber nicht darauf reduzieren. Die Lektüre geht leicht und angenehm von der Hand, der Roman ist Unterhaltung auf hohem Niveau – etwas, was mich die Buchpreisnominierung in  2019 nicht völlig verstehen lässt. Gleichzeitig muss ich gestehen, dass ich erst zum Schluss gemerkt habe, wie sehr das Buch einen doch beschäftigt und wie sehr man das Leben der beiden Protagonisten doch schließlich durchdrungen hat. Brüder ist daher eines dieser Bücher, das man – trotz mancher Hänger zwischendurch – unbedingt zu Ende gelesen haben muss, um zu erkennen, wie sehr es wirkt und wie stark es doch jenseits der vermeintlich leichten Textur ist. 4 Sterne und eine große Empfehlung für diesen Lesespaß!

 

Kommentare: 2
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Cover des Buches Zusammenkunft (ISBN: 9783518430460)herrzetts avatar

Rezension zu "Zusammenkunft" von Natasha Brown

Mein zweiter Versuch einer "Zusammenkunft"
herrzettvor 4 Monaten

Vor einer Weile habe ich schon einmal Natasha Browns "Assembly" begonnen zu lesen, aber irgendwie packte mich dieser Roman so gar nicht. Zu sehr störte mich das Fragmentarische, die Sprünge zwischen einzelnen Themen und Szenen und ich verlor schnell das Interesse. Und das eigentlich gar nicht mal aufgrund des Inhalts, denn Natasha Brown zeigt hier sehr eindrucksvoll, welchen Herausforderungen sich PoC in der heutigen Zeit stellen müssen, wie sie stets beäugt, befragt, rassistisch angegangen werden. Aber ich konnte einfach keine Nähe zur Protagonistin aufbauen und vieles plätscherte dann nur dahin, verwirrte mich und meine Englischkenntnisse stießen an ihre Grenzen (zumindest dachte ich das). Daher war ich nun auch ganz froh, dass . "Assembly" vor einer Weile auf Deutsch in der Übersetzung von Jackie Thomae erschienen ist und so wollte ich "Zusammenkunft" eine erneute Chance geben, und mich dem Leben der Protagonistin nähern. Diese nimmt die Leser*innen mit in ihren Alltag, zwischen Arbeit, Familie, Aufopferung, Aufstieg und tief verankertem Fallen. Die toxische Vergangenheit, Rassismus, Anfeindungen, Abwertungen holen viele PoC und auch sie ständig ein. Und dann sehen sie sich, neben all ihren anderen Problemen, ständig damit konfrontiert. Es ist ein Roman zwischen Aufklärung und bekanntem Schubladendenken, der deutlich die Unterschiede zwischen Klassen, Arbeit, Werten, Geschlechtern, Herkunft und Besitz darstellt. Und das, obwohl wir Menschen ja alle immer so tolerant und weltoffen sind. Das ist teilweise schon sehr bedrückend und erschreckend. 

Was heißt es dazuzugehören und gefühlt doch nicht dazugehören, nie so akzeptiert zu sein wie 'die anderen'... man mag es sich gar nicht so genau vorstellen und doch erleben das tagtäglich viel zu viele Menschen in der Welt und eben auch die Protagonistin in England. 


"Ich habe mein Leben immer nach dem Prinzip gelebt, dass ich, wann immer mir ein Problem begegnet, dann arbeiten muss, eine Handlung zu finden, um es zu überwinden; oder Platz dafür zu schaffen; oder einen Weg außen herum zu schlagen; oder sogar den Boden darunter abzutragen. So wurde ich aufs Leben vorbereitet. So bereiten wir uns selbst vor, das bringen wir unseren Kindern bei, um an diesen Ort heranzugehen, an dem Hindernis auf Hindernis folgt. Arbeite doppelt so hart. Sei doppelt so gut. Und immer, pass dich an."


Dieses Buch ist voll von Augenöffnern, erschreckenden Aussagen oder auch Begegnungen. Also dafür schätze ich diesen Roman wirklich sehr und ich habe mal wieder die Lage der PoC in dieser weißgeprägten Welt kennenlernen müssen, verstanden, aktiv durchdacht und hoffe nun sensibler an eben jene Themen heranzutreten. Es ist ein erschreckender Spiegel und doch wünschte ich mir für einen Roman, dass alles zusammenhängender, packender und wahrscheinlich auch durchrüttelnder erzählt werden würde. Ich hadere, es ist keine wirkliche Leseempfehlung von mir und doch würde ich sagen, dass es ein wichtiges Buch ist, dass man als Weiße*r mal gelesen haben sollte. Doch, doch.

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Cover des Buches Zusammenkunft (ISBN: 9783518430460)Elenchen_hs avatar

Rezension zu "Zusammenkunft" von Natasha Brown

Zusammenkunft
Elenchen_hvor 4 Monaten

"Los, steig in den Zug.


Aber hier bin ich,

immer noch,

stehe still, immer noch

am Bahnhof.


Ich sollte wirklich"

- Natasha Brown, "Zusammenkunft"


Sie hat es geschafft, sie hat das Ziel erreicht. Oxbridge, Londoner Hochfinanz, ein Freund mit altem Geld - jetzt stehen ihr alle Türen offen, jetzt hat sie all die Möglichkeiten, für die sie als Schwarze Frau sich so verausgabt hat. Doch als dann tatsächlich die Einladung zu einem Fest der reichen Familie des Freundes kommt, ihr eine Stelle in der obersten Etage ihres Unternehmens angeboten wird, muss sie am eigenen Körper erfahren, dass die erlittenen Ungerechtigkeiten tiefere Wurzeln geschlagen haben, dass das toxische Erbe der Geschichte doch so viel mehr wiegt, als sie tragen kann.


"Zusammenkunft" von Natasha Brown, übersetzt von Jackie Thomae, war ein kleiner Glücksgriff für mich: Das schmale Buch fiel mir beim Stöbern in der Bibliothek ins Auge, ich erinnerte mich an die vielen positiven Stimmen zum Erscheinen Anfang des Jahres und dachte mir, wieso nicht einfach mal mitnehmen? Noch am gleichen Abend habe ich diesen kleinen, aber so starken Debütroman dann verschlungen, gedanklich lässt er mich bis heute nicht los. Natasha Brown zeigt mit wenigen, präzisen Worten die rassistischen und sexistischen Strukturen der (britischen) Gesellschaft, vor allem in Unternehmen des Finanzsektors, auf, virtuos weist sie auf Kolonialismus und Geschichtsvergessenheit hin und dekonstruiert das britische Klassensystem. Scharfsinnig, stilistisch beeindruckend und gerade in seiner Kürze sehr dicht und klar - dieser Debütroman über die Schwierigkeiten des gesellschaftlichen Aufstiegs im heutigen Großbritannien hat es in sich. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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