Jacky Durand

 4,2 Sterne bei 15 Bewertungen

Lebenslauf von Jacky Durand

Jacky Durand ist Journalist, Buchautor und Gastrokritiker. In seiner wöchentlichen Kolumne in der Libération und auf France Culture stellt er populäre Rezepte der französischen Küche vor. "Die Rezepte meines Vaters" ist sein erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jacky Durand

Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783499002304)

Die Rezepte meines Vaters

 (15)
Erschienen am 16.11.2021

Neue Rezensionen zu Jacky Durand

Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783499002304)SharonBakers avatar

Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

Anrührend, melancholisch und mit einer großen Prise Appetit ...
SharonBakervor einem Jahr

Henri ist mit Leidenschaft Koch und betreibt ein Bistro in Osten von Frankreichs. Dort geht man hin, wenn man noch die gute bodenständige Küche mit Raffinesse mag. Dieser Koch lebt einfach für gutes Essen und diese Leidenschaft vererbt er seinem Sohn Julien, aber eigentlich will er nicht, das er das Bistro übernimmt. Henri ist nämlich schwer erkrankt und versucht nun Julien diesen Wunsch auszureden, aber je mehr er diesem ins Gewissen redet, umso mehr sucht er nach dem alten Rezeptbuch seines Vaters. Und während er das Haus und das Bistro auf dem Kopf stellt, um die alten Küchentricks seines Vaters festzuhalten, entdeckt er ein anderes Geheimnis. Wird Julian das Buch noch finden? Welches Geheimnis wird er aufdecken? Und übernimmt er das Bistro?

Ich liebe gutes Essen und ich mag auch so gern Bücher darüber lesen. Selbst manche Krimis leben von der Küche ihres Landes und machen Appetit auf was Kulinarisches. Nun hatte ich dieses Buch entdeckt und die Franzosen sind ja bekannt für ihre Küche und dieser Autor muss es sogar ganz genau wissen, denn er ist auch Gastrokritiker. So ist natürlich meine Neugier geweckt gewesen und ob mir hier auch das Wasser im Munde gelaufen ist, erzähle ich euch nun.

Diese Geschichte ist eigentlich eine Vater-Sohn-Geschichte in drei Akten und beginnt auf dem Sterbebett. Hier liegt nun sein geliebter Vater, der mit seinen Händen die köstlichsten Speisen hervorbracht und doch nicht immer einfach mit ihm umgegangen ist. Vom Vater die Liebe zur Küche geerbt, möchte dieser doch lieber, das er etwas anderes macht, ihm ist es damals verweigert gewesen, keine Ausbildung und keine Perspektive nach der Rückkehr aus denn Algerienkrieg, außer etwas mit den Händen zu machen. Sein Sohn hat doch ganz andere Möglichkeiten und so kann er seinen Jungen nicht verstehen. Dieser liebt die Küche, auch wenn seine Kindheit nicht unbedingt einfach gewesen ist, aber seinem Vater in der Küche zu beobachten, brachte ihm diesem immer nahe.

So erfahren wir in Rückblenden, wie die Kindheit von Julien ausgesehen hat und welche Geheimnisse den Vater so einsam und mürrisch gemacht haben. Auch vom sagenumwobenen Kochbuch erfahren wir. Dieses Buch hat eigentlich Hélène ins Haus gebracht und auch sie hat die Rezepte aufgeschrieben, immer eins nach dem anderen, aber als sie die Familie verlassen hat, ist auch dieses Buch verschwunden und für Julien begann eine einsame Zeit. Nur seine Ferien waren immer schön bei seinem Onkel und seiner Tante, dort erlebte er Familienleben und so etwas wir Freude und Wärme. Nun entdeckt Julien eine ganz andere Seite von seinem Vater und diese ganzen Geheimnisse bekommen Hintergrund und Verständnis. Das Leben von seinem Vater wird endlich klarer und doch hätte Julien vieles gern noch mit diesem geteilt.

Ganz klar, diese Geschichte ist eine Hommage auf die Küche und die Kochkunst. So sind auch die schönsten Szenen, wenn Vater und Sohn zusammen dieser Freude frönen und mit Begeisterung und Eintracht was zaubern. Überhaupt ist das ganze Buch in einer melancholischen Stimmung und so denkt man selber über die Kindheit und den Eltern nach. Hier hat der Vater aus der Not heraus etwas geschaffen, was ihm selbst nicht besonders vorkommt und er sich für seinen Sohn einfach vieles besser wünscht, aber sind Eltern nicht immer so. Wiederum sein Sohn liebt es, bei ihm zu sein, möchte die Liebe und Anerkennung bekommen, die sich doch jedes Kind erbettelt und erhofft. So bekommt der Vater vieles nicht mit, weil er mit seiner Welt beschäftigt ist, und erst am Ende hat man das Gefühl von Verstehen und Versöhnung. Man kann sagen, erst mit dem Alter reift das Verständnis. Und Julian hat da noch einiges. So schwelgt er in Erinnerungen und stößt doch auf eine Zukunft.

Ich habe dieses kleine Büchlein gern gelesen und fand diese ganzen Rückblicke und Einblicke herrlich dargestellt. Man schwang so durch die Seiten und summte manchem Chanson mit, und genau das ist dieses Buch, eine Geschichte mit Tiefen, die aber beschwingt erzählt wird und einen in die richtige Stimmung versetzt. Abgerundet wird das Ganze noch mit Rezepten am Ende und ja, ich kann sagen, ich hatte Hunger.

Die Rezepte meines Vaters ist nicht nur die Suche nach einem Kochbuch, sondern auch nach der Liebe seines Vaters mit der Erkenntnis, das sie doch immer da war. Anrührend, melancholisch und mit einer großen Prise Appetit.

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Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783499002304)bookilicious_des avatar

Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

Mit euch beiden sitze ich in einem Boot, in dem die Kindheit keinen Platz mehr hat
bookilicious_devor einem Jahr

Monsieur Henri leitet ein Bistro im Osten Frankreichs mit seinem Freund Lucien. Henri versucht seinen Gästen noch alles zu geben, was sie sich wünschen und ist von der alten Schule. Für Henri steht jedoch fest, dass sein Sohn Julien das Bistro auf keinen Fall übernehmen soll. Julien solle seiner Ansicht nach, etwas vernünftiges werden. Als Henri eines Tages unheilbar erkrankt, verbringt sein Sohn Julien unzählige Stunden am Krankenbett seines Vaters und versucht sich dessen Rezepte in Erinnerung zu rufen und nebenbei das alte Rezeptbuch seines Vaters zu finden. Denn dort hat Henri alle seine Küchentricks notiert. Bei der Suche nach dem Rezeptbuch stößt Julien jedoch auf ein anderes Geheimnis… 

Das Buch befand sich in meiner Schmökerbox Anfang des Jahres und ich muss gestehen, dass ich mich anfangs doch schwer getan habe in der Geschichte anzukommen. Rückblickend wird am Sterbebett des Kochs Henri nach und nach dessen Lebensgeschichte erzählt. Die Rückblicke und auch das Leben des Henri sind interessant. Jacky Durand beschreibt in dem kulinarischen Roman die teils schwierige Vater- Sohn- Beziehung und ein jahrzehntelanges Missverständnis zwischen den beiden. Nach und nach konnte ich mich auch in den Plot und die damalige Zeit hineinversetzen und hatte letztendlich nur noch Schwierigkeiten mit den vielen französischen Begriffen. Am Ende des Buches befinden sich dann noch einige Rezepte zum Nachkochen, wenn man denn möchte. Alles in allem war es schön, das Buch gelesen zu haben. 

Jedoch kann ich persönlich lediglich 3 von 5 Sternen vergeben.

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Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783463000084)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

Typisch französische Literatur, die mit so wenig auskommt, um große Dramaturgie zu schaffen.
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

Anfang: «Ich nehme den Blick nicht von deinen Händen auf der Krankenhausdecke. Sie sind durchscheinend wie Seidenpapier. Wie Wurzeln, die sich in einem Bachbett verlieren.»


Auch zu seiner Mutter hat er ein gutes Verhältnis. Seine Eltern scheinen sich zu lieben, aber andererseits führen sie ein paralleles Leben, denn wenn die Mutter von der Arbeit nach Hause kommt, steht Papa in der Küche bis spätabends. Die Mutter darf die Küche nicht betreten. Mutter und Sohn essen in der Gaststube, oder der Vater stellt ihr das Essen auf die Treppe, denn in der kleinen Wohnung über dem Restaurant gibt es keine Küche. Nur sonntags haben alle frei. Die Mutter schläft aus, während der Vater für Julien Brioches backt und der Mutter einen Teller voll Austern fertigmacht. 


«Kein Mensch konnte die resignierte Wut in deiner Stimme nachvollziehen bei dem Satz: ‹Von irgendwo muss man ja leben.› Nicht einmal meine Mutter. Eine Französischlehrerin, die ihre Dissertation über Crébillon den Jüngeren wieder aufgenommen hatte. Ein Rezeptbuch also? Warum nicht einen Michelin-Stern? Schlimmer noch, Mama hatte dir erklärt, dass sie sich die Rezepte von dir diktieren lassen wollte.»


Henri ist ein störrischer Mann, manchmal sehr ruppig, hat seine eigenen Regeln, Rezepte hat man im Kopf, die hohle Hand ist die Waage. Doch einmal lässt er sich ein, seiner Frau Rezepte zu diktieren, die für ihn ein Kochbuch schreiben will. Das geht nur kurze Zeit lang. Henri will das Notizbuch sogar vernichten. Schweinskopfsülze, Schweinefüße in Vinaigrette, überbackene Kalbsnieren, Kaldaunensalat, Königinpasteten, Kartoffelgratin der Franche-Comté, Schinken im Heumantel, pochierte Eiern mit Pfifferlingen, Potaufeu, Zitronentarte, oder Clafoutis mit Kirschen, Julien saugt alles auf. Doch eines Tages geht die Mutter. Nur warum und wohin? Er versteht es nicht. Henri bestimmt: Koch ist nichts für dich, Julien, du wirst studieren! Doch das Herz des Jungen bleibt in der Küche hängen, auch wenn er sich fügt. 


«Ohne dich hätte meine Kochkunst keine Richtung, keinen Geschmack. Ohne Worte hast Du mir Dinge beigebracht. Jetzt kannst Du gehen, Papa. Wir hatten ein gutes Leben zusammen.»


Mit Wehmut und Traurigkeit blickt Julien zurück. Es ist eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung, es ist eine innige Beziehung; es ist nicht einfach für den Jungen, mit dem groben Vater umzugehen. Das Thema Mutter ist tabu. Erst als der Vater erkrankt, kommt Julien einem Familiengeheimnis auf die Spur. Der Bestseller aus Frankreich berührt, trotz aller Melancholie spürt man die Liebe von Julien zu Henri – und die zum Kochen. Familiengeschichte in der Küche, denn dort hielten sie sich den ganzen Tag auf: Traditionelle Rezepte, der Topf, in dem ständig das Wasser simmerte, der Kohleofen, fein beobachtend zieht Jacky Durand den Leser in diese Welt hinein, lässt in Töpfe und Seelen blicken. Typisch französische Literatur, die mit so wenig auskommt, um große Dramaturgie zu schaffen. Am Ende gibt es obendrauf ein paar Rezepte. Ein Familienroman, aber auch ein Entwicklungsroman, mit erzählerischer Kraft, eine literarisch-kulinarische Köstlichkeit!

 https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/die-rezepte-meines-vaters-von-jacky.html


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