Jacky Durand

 4,5 Sterne bei 11 Bewertungen

Lebenslauf von Jacky Durand

Jacky Durand ist Journalist, Buchautor und Gastrokritiker. In seiner wöchentlichen Kolumne in der Libération und auf France Culture stellt er populäre Rezepte der französischen Küche vor. "Die Rezepte meines Vaters" ist sein erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jacky Durand

Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783499002304)

Die Rezepte meines Vaters

 (11)
Erscheint am 16.11.2021

Neue Rezensionen zu Jacky Durand

Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783463000084)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

Typisch französische Literatur, die mit so wenig auskommt, um große Dramaturgie zu schaffen.
Gwhynwhyfarvor 3 Monaten

Anfang: «Ich nehme den Blick nicht von deinen Händen auf der Krankenhausdecke. Sie sind durchscheinend wie Seidenpapier. Wie Wurzeln, die sich in einem Bachbett verlieren.»


Auch zu seiner Mutter hat er ein gutes Verhältnis. Seine Eltern scheinen sich zu lieben, aber andererseits führen sie ein paralleles Leben, denn wenn die Mutter von der Arbeit nach Hause kommt, steht Papa in der Küche bis spätabends. Die Mutter darf die Küche nicht betreten. Mutter und Sohn essen in der Gaststube, oder der Vater stellt ihr das Essen auf die Treppe, denn in der kleinen Wohnung über dem Restaurant gibt es keine Küche. Nur sonntags haben alle frei. Die Mutter schläft aus, während der Vater für Julien Brioches backt und der Mutter einen Teller voll Austern fertigmacht. 


«Kein Mensch konnte die resignierte Wut in deiner Stimme nachvollziehen bei dem Satz: ‹Von irgendwo muss man ja leben.› Nicht einmal meine Mutter. Eine Französischlehrerin, die ihre Dissertation über Crébillon den Jüngeren wieder aufgenommen hatte. Ein Rezeptbuch also? Warum nicht einen Michelin-Stern? Schlimmer noch, Mama hatte dir erklärt, dass sie sich die Rezepte von dir diktieren lassen wollte.»


Henri ist ein störrischer Mann, manchmal sehr ruppig, hat seine eigenen Regeln, Rezepte hat man im Kopf, die hohle Hand ist die Waage. Doch einmal lässt er sich ein, seiner Frau Rezepte zu diktieren, die für ihn ein Kochbuch schreiben will. Das geht nur kurze Zeit lang. Henri will das Notizbuch sogar vernichten. Schweinskopfsülze, Schweinefüße in Vinaigrette, überbackene Kalbsnieren, Kaldaunensalat, Königinpasteten, Kartoffelgratin der Franche-Comté, Schinken im Heumantel, pochierte Eiern mit Pfifferlingen, Potaufeu, Zitronentarte, oder Clafoutis mit Kirschen, Julien saugt alles auf. Doch eines Tages geht die Mutter. Nur warum und wohin? Er versteht es nicht. Henri bestimmt: Koch ist nichts für dich, Julien, du wirst studieren! Doch das Herz des Jungen bleibt in der Küche hängen, auch wenn er sich fügt. 


«Ohne dich hätte meine Kochkunst keine Richtung, keinen Geschmack. Ohne Worte hast Du mir Dinge beigebracht. Jetzt kannst Du gehen, Papa. Wir hatten ein gutes Leben zusammen.»


Mit Wehmut und Traurigkeit blickt Julien zurück. Es ist eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung, es ist eine innige Beziehung; es ist nicht einfach für den Jungen, mit dem groben Vater umzugehen. Das Thema Mutter ist tabu. Erst als der Vater erkrankt, kommt Julien einem Familiengeheimnis auf die Spur. Der Bestseller aus Frankreich berührt, trotz aller Melancholie spürt man die Liebe von Julien zu Henri – und die zum Kochen. Familiengeschichte in der Küche, denn dort hielten sie sich den ganzen Tag auf: Traditionelle Rezepte, der Topf, in dem ständig das Wasser simmerte, der Kohleofen, fein beobachtend zieht Jacky Durand den Leser in diese Welt hinein, lässt in Töpfe und Seelen blicken. Typisch französische Literatur, die mit so wenig auskommt, um große Dramaturgie zu schaffen. Am Ende gibt es obendrauf ein paar Rezepte. Ein Familienroman, aber auch ein Entwicklungsroman, mit erzählerischer Kraft, eine literarisch-kulinarische Köstlichkeit!

 https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/die-rezepte-meines-vaters-von-jacky.html


Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783463000084)Sigismunds avatar

Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

Psychologisch tiefgehender, berührender Vater-Sohn-Roman
Sigismundvor 3 Monaten

REZENSION – Nur 180 Seiten lang, doch psychologisch tiefgehend ist die anrührende und warmherzige Geschichte von Julien und seinem Vater Henri, Koch und Eigentümer des kleinen Bistros „Le Relais fleuri“an einem Bahnhofsvorplatz im Osten Frankreichs, die der französische Journalist und Gastrokritiker Jacky Durand in seinem im November beim Kindler-Verlag erschienenen Romandebüt „Die Rezepte meines Vaters“ erzählt. Der im Original vielleicht missverständliche Titel „Le cahier de recettes“ (Das Rezeptbuch) wurde schon bald in „Les recettes de la vie“ (Die Rezepte des Lebens) geändert. Denn die Kochkunst des Vaters steht in diesem schmalen Buch, das in Frankreich schnell zum Bestseller und in fast 20 Sprachen übersetzt wurde, als Gleichnis für dessen Art, ohne ausreichende Schulbildung und deshalb eher ohne „Rezepte“ sein Leben meistern zu müssen, verbunden mit der sich daraus ergebenden Unfähigkeit, seinem Sohn auf dessen Weg zum Erwachsenen die von diesem sehnsüchtig erhoffte Hilfestellung, die Rezepte des Lebens, weitergeben zu können.

Julien, der inzwischen als Erwachsener gegen den ursprünglichen Willen des Vaters doch dessen Bistro weiterführt, sitzt in einem Hospiz an Henris Sterbebett, der seit drei Wochen im Koma liegt. In liebevollem Monolog spricht er mit seinem Vater über wichtige Stationen seines Lebens und seiner Entwicklung vom kleinen Jungen zum erwachsenen Mann. Wir erfahren, wie der aus dem Algerienkrieg (1954-1962) heimgekehrte Henri einst gemeinsam mit seinem Kriegskameraden Lucien, der ihm seitdem als Küchenhilfe dient, recht spontan das Bistro übernahm und vom gelernten Bäcker zum Koch wurde. Julien erinnert an Hélène, für ihn eine liebende Mutter, die aber, als er erst neun Jahre alt war, den Vater verließ, ohne sich jemals wieder gemeldet zu haben. Seitdem ist der Junge allein auf sich gestellt, denn der in seiner Einsamkeit verbitterte Henri kümmert sich nur um seine Küche, ist aber unfähig, seinem Sohn die benötigte Zuwendung zu geben. Nur Luciens Bruder Gaby und dessen Lebensgefährtin Maria schenken dem Heranwachsenden die vermisste elterliche Liebe.

Während dieser Jahre sucht Julien nach dem verschwundenen Rezeptbuch, in das nicht er selbst, sondern Hélène einst die Rezepte seines Vaters aufgezeichnet hatte. Nicht nur, dass Henri ohne ausreichende Schulbildung das Schreiben und Lesen schwerfiel. Er wollte vor allem nicht die deutliche Begeisterung seines Sohnes für den Beruf des Kochs mit dem Rezeptbuch noch fördern. Für den Sohn hatte er ganz andere Ziele: „Ich war gezwungen, mit den Händen zu arbeiten. Du hast die Chance, etwas zu lernen.“ Doch gerade diese Verweigerung des Vaters, die sich auch in Gefühlskälte dem Sohn gegenüber zum Ausdruck kam, bestärkte den Sohn, gerade das Gegenteil dessen zu tun. „Komplimente sind nicht deine Sache, es geht nur auf dem Umweg über die anderen. Aber das alles bestärkt mich in meinem Entschluss. Ich werde eine Ausbildung zum Koch anfangen.“

Der Roman „Die Rezepte meines Vaters“ ist, wie kaum anders zu erwarten, auch eine Liebeserklärung an die Kochkunst. So wundert es kaum, dass der in Frankreich als Gastrokritiker langjährig bekannte Autor seiner Erzählung noch einige typische Rezepte französischer Küche angehängt hat. Doch dieser empfehlenswerte Roman ist viel mehr, als es der Titel vermuten lässt, weshalb auch die im Französischen erst nachträglich vorgenommene Änderung in „Les recettes de la vie“ nur folgerichtig ist. Denn es ist ein psychologisch tiefgehender, berührender Entwicklungsroman über die Sehnsucht eines Jungen nach Liebe und Anerkennung, über das Verhältnis eines Heranwachsenden zu seinem in wichtigen Fragen des Lebens intellektuell überforderten Vater, dem er erst als Erwachsener verständnisvoll verzeihen kann. 

Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783463000084)Judikos avatar

Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

Keinen Zugang zu den Charakteren
Judikovor 3 Monaten

Kochen und backen, meine andere Leidenschaft, neben dem Lesen ♡ ⁣ ⁣ 

Voller Vorfreude, bin ich somit in die Geschichte gestartet, als Julien am Sterbebett seines Vaters sitzt und sein Leben Revue passieren lässt. Der Vater, der immer alles versucht hat, zu vermeiden, dass Julien in seine Fußstapfen als Koch tritt. Doch es ist Juliens größter Wunsch und so strebt er sein ganzes Leben schon nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Er hofft, das alte Rezeptbuch seines Vaters zu finden, um zu beweisen, dass er es genauso gut kann. Während er aber auf der Suche nach dem Buch ist, stößt er auf ein altes Familiengeheimnis. ⁣ ⁣ 

Eigene Meinung: ⁣ 

Zu Beginn fand ich die Erzählform, in der Ich-Perspektive noch gut, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig. Doch mit Fortschreiten der Geschichte, hat mich die und auch deren Inhalt gestört. Julian, der nach Liebe und Aufmerksamkeit strebt, aber aus Gründen die nicht bekommt. Das Zwischenmenschliche blieb für mich unbefriediegend auf der Strecke und wirkte stets befremdlich. Dazwischen wird gekocht. Ich gebe zu, anfänglich habe ich die Rezepte noch genau verfolgt und das fertige Gericht sogar gerochen, aber nach 100 Seiten und damit weit über die Hälfte des Buches, habe ich nur noch oberflächlich gelesen, was an meisten an den Charakteren lag. Ich bekam einfach keinen Zugang. Abbrechen war für mich aber keine Option, da ich schon auch wissen wollte, was genau passiert ist, in der Vergangenheit und ob Julian es schafft, seinen Traum zu verwirklichen. ⁣ 

Am Ende angekommen, kann ich sagen, obwohl die Geschichte genau meine Lieblingsthemen enthält, wie Kochen und Familiengeheimnisse, kam ich, wegen dem befremdlichen Zwischenmenschlichen, nicht mit der Story zurecht. ⁣ ⁣ 

Fazit: ⁣ 

Eltern/Kind Verhältnis wirkte komisch und befremdlich auf mich und daher konnte ich bei der Geschichte nicht so sehr mitfühlen, weswegen ich das Buch, ab der Hälfte mehr oberflächlich gelesen habe. Da das Buch in Frankreich und auch hier sehr gemocht wird, denke ich, dass ich da mit meiner Meinung eher die Ausnahme bin. Daher eingeschränkte Leseempfehlung!

Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 20 Bibliotheken

auf 7 Wunschzettel

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks