Jacky Durand

 4,2 Sterne bei 19 Bewertungen

Lebenslauf

Jacky Durand ist Journalist, Buchautor und Gastrokritiker. In seiner wöchentlichen Kolumne in der Libération und auf France Culture stellt er populäre Rezepte der französischen Küche vor. "Die Rezepte meines Vaters" ist sein erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jacky Durand

Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783499002304)

Die Rezepte meines Vaters

 (19)
Erschienen am 16.11.2021

Neue Rezensionen zu Jacky Durand

Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783499002304)
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Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

keine leichte Kost, eher bewegend und nachdenklich anregend
RoRezeptevor 5 Monaten

“«Kochen heißt großzügig sein.»”

Seine schwere Krankheit bringt Henri dazu sein Kochhandwerk nieder zu legen und seine letzte Zeit im Sterbebett zu verbringen. Sein Sohn Julien, der die meiste Zeit an seiner Seite verbringt, wird dabei nachdenklich. Er reflektiert seine Kindheit, würdigt die Liebe seines Vaters für das Kochen, auch wenn er dies immer nur als nötige Arbeit zum Überleben betitelt, und fängt an Henri’s Verhalten zu verstehen.

Mit einer liebevollen Kindheit beginnt Julien seine Geschichte in Die Rezepte meines Vaters zu erzählen. Doch alles ändert sich, als seine Mama die Familie verlässt. Julien und Henri können nur noch mit und über das Kochen kommunizieren. Doch irritierenderweise verweigert sein Vater ihm die Ausbildung als Koch: Julien ist für eine akademische Laufbahn bestimmt. Und das Kochen kann er nebenbei als Hobby haben, aber nur bei ihm in der Küche.

“Um meinen Schmerz zu betäuben, nehme ich dein Rezeptbuch in die Hand […] Oft blättere ich unter der Bettdecke darin. Weniger um die Rezepte zu lesen, als um Mama in dem Geschriebenen zu finden.”

Während des Lesen spürt man die innige prägende Bindung zwischen Henri und seiner Mama Hélène. Seine Kindheit ist geprägt von dem deutlichen Verlust für den kleinen Jungen. Eines Tages platzt Henri der Kragen, als Julien wieder von dem Buch erzählt. Er nimmt ihm das von Hélène geschriebene Rezeptbuch weg, damit er darin nicht noch weiter versinkt. Julien beginnt sich immer weiter in das Kochhandwerk zu vertiefen. Doch für wen? Um seiner Mutter nahe zu sein, oder weil er wirklich Koch werden will? Oder weil es die einzige gemeinsame Sprache zwischen den Männern des Hauses zu sein scheint? 

In Die Rezepte meines Vaters begleiten wir Julien über seine komplette Kindheit, den Höhen und Tiefen. In nüchterner und stoischer Erzählweise wird aus der Ich-Perspektive neben der Biografie, stets vom Kochen, dem Handwerk, die Gerüche und Zubereitungsweisen geschrieben. Der Roman erinnert an eine etwas traurige und umschriebene Biografie von Julien. Die Vater-Sohn-Geschichte zeigt neben einer berührenden Familiengeschichte auch die Liebe und Besonderheit der französischen Küche. Die Kombination ist wirklich gut gelungen, ohne einseitig zu werden. Dennoch ist der Roman keine leichte Kost, sondern eher bewegend und nachdenklich anregend. Ein lang gehütetes Familiengeheimnis scheint die Beziehung zwischen den Männern dann auch ganz zu brechen.

Ergänzt wird die Geschichte durch einige liebevollen Nebenprotagonisten, die Julien soziale Komponenten mitgeben. So gehören zu diesen Lucien, Henri’s Beikoch, und dessen Bruder mit seiner Frau Maria bei denen Julien viele Sommermonate in seiner Kindheit und Jugend verbrachte.

“«Bei uns, Mademoiselle Hélène, ist es wie in der Liebe: Da heißt es, alles oder nichts.»”

Die Rezepte aus "Die Rezepte meines Vaters" findet ihr unter www.RoRezepte.com & https://rorezepte.com/die-rezepte-meines-vaters-jacky-durand/.

Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783499002304)
SharonBakers avatar

Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

Anrührend, melancholisch und mit einer großen Prise Appetit ...
SharonBakervor 3 Jahren

Henri ist mit Leidenschaft Koch und betreibt ein Bistro in Osten von Frankreichs. Dort geht man hin, wenn man noch die gute bodenständige Küche mit Raffinesse mag. Dieser Koch lebt einfach für gutes Essen und diese Leidenschaft vererbt er seinem Sohn Julien, aber eigentlich will er nicht, das er das Bistro übernimmt. Henri ist nämlich schwer erkrankt und versucht nun Julien diesen Wunsch auszureden, aber je mehr er diesem ins Gewissen redet, umso mehr sucht er nach dem alten Rezeptbuch seines Vaters. Und während er das Haus und das Bistro auf dem Kopf stellt, um die alten Küchentricks seines Vaters festzuhalten, entdeckt er ein anderes Geheimnis. Wird Julian das Buch noch finden? Welches Geheimnis wird er aufdecken? Und übernimmt er das Bistro?

Ich liebe gutes Essen und ich mag auch so gern Bücher darüber lesen. Selbst manche Krimis leben von der Küche ihres Landes und machen Appetit auf was Kulinarisches. Nun hatte ich dieses Buch entdeckt und die Franzosen sind ja bekannt für ihre Küche und dieser Autor muss es sogar ganz genau wissen, denn er ist auch Gastrokritiker. So ist natürlich meine Neugier geweckt gewesen und ob mir hier auch das Wasser im Munde gelaufen ist, erzähle ich euch nun.

Diese Geschichte ist eigentlich eine Vater-Sohn-Geschichte in drei Akten und beginnt auf dem Sterbebett. Hier liegt nun sein geliebter Vater, der mit seinen Händen die köstlichsten Speisen hervorbracht und doch nicht immer einfach mit ihm umgegangen ist. Vom Vater die Liebe zur Küche geerbt, möchte dieser doch lieber, das er etwas anderes macht, ihm ist es damals verweigert gewesen, keine Ausbildung und keine Perspektive nach der Rückkehr aus denn Algerienkrieg, außer etwas mit den Händen zu machen. Sein Sohn hat doch ganz andere Möglichkeiten und so kann er seinen Jungen nicht verstehen. Dieser liebt die Küche, auch wenn seine Kindheit nicht unbedingt einfach gewesen ist, aber seinem Vater in der Küche zu beobachten, brachte ihm diesem immer nahe.

So erfahren wir in Rückblenden, wie die Kindheit von Julien ausgesehen hat und welche Geheimnisse den Vater so einsam und mürrisch gemacht haben. Auch vom sagenumwobenen Kochbuch erfahren wir. Dieses Buch hat eigentlich Hélène ins Haus gebracht und auch sie hat die Rezepte aufgeschrieben, immer eins nach dem anderen, aber als sie die Familie verlassen hat, ist auch dieses Buch verschwunden und für Julien begann eine einsame Zeit. Nur seine Ferien waren immer schön bei seinem Onkel und seiner Tante, dort erlebte er Familienleben und so etwas wir Freude und Wärme. Nun entdeckt Julien eine ganz andere Seite von seinem Vater und diese ganzen Geheimnisse bekommen Hintergrund und Verständnis. Das Leben von seinem Vater wird endlich klarer und doch hätte Julien vieles gern noch mit diesem geteilt.

Ganz klar, diese Geschichte ist eine Hommage auf die Küche und die Kochkunst. So sind auch die schönsten Szenen, wenn Vater und Sohn zusammen dieser Freude frönen und mit Begeisterung und Eintracht was zaubern. Überhaupt ist das ganze Buch in einer melancholischen Stimmung und so denkt man selber über die Kindheit und den Eltern nach. Hier hat der Vater aus der Not heraus etwas geschaffen, was ihm selbst nicht besonders vorkommt und er sich für seinen Sohn einfach vieles besser wünscht, aber sind Eltern nicht immer so. Wiederum sein Sohn liebt es, bei ihm zu sein, möchte die Liebe und Anerkennung bekommen, die sich doch jedes Kind erbettelt und erhofft. So bekommt der Vater vieles nicht mit, weil er mit seiner Welt beschäftigt ist, und erst am Ende hat man das Gefühl von Verstehen und Versöhnung. Man kann sagen, erst mit dem Alter reift das Verständnis. Und Julian hat da noch einiges. So schwelgt er in Erinnerungen und stößt doch auf eine Zukunft.

Ich habe dieses kleine Büchlein gern gelesen und fand diese ganzen Rückblicke und Einblicke herrlich dargestellt. Man schwang so durch die Seiten und summte manchem Chanson mit, und genau das ist dieses Buch, eine Geschichte mit Tiefen, die aber beschwingt erzählt wird und einen in die richtige Stimmung versetzt. Abgerundet wird das Ganze noch mit Rezepten am Ende und ja, ich kann sagen, ich hatte Hunger.

Die Rezepte meines Vaters ist nicht nur die Suche nach einem Kochbuch, sondern auch nach der Liebe seines Vaters mit der Erkenntnis, das sie doch immer da war. Anrührend, melancholisch und mit einer großen Prise Appetit.

Cover des Buches Die Rezepte meines Vaters (ISBN: 9783499002304)
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Rezension zu "Die Rezepte meines Vaters" von Jacky Durand

Mit euch beiden sitze ich in einem Boot, in dem die Kindheit keinen Platz mehr hat
bookilicious_devor 3 Jahren

Monsieur Henri leitet ein Bistro im Osten Frankreichs mit seinem Freund Lucien. Henri versucht seinen Gästen noch alles zu geben, was sie sich wünschen und ist von der alten Schule. Für Henri steht jedoch fest, dass sein Sohn Julien das Bistro auf keinen Fall übernehmen soll. Julien solle seiner Ansicht nach, etwas vernünftiges werden. Als Henri eines Tages unheilbar erkrankt, verbringt sein Sohn Julien unzählige Stunden am Krankenbett seines Vaters und versucht sich dessen Rezepte in Erinnerung zu rufen und nebenbei das alte Rezeptbuch seines Vaters zu finden. Denn dort hat Henri alle seine Küchentricks notiert. Bei der Suche nach dem Rezeptbuch stößt Julien jedoch auf ein anderes Geheimnis… 

Das Buch befand sich in meiner Schmökerbox Anfang des Jahres und ich muss gestehen, dass ich mich anfangs doch schwer getan habe in der Geschichte anzukommen. Rückblickend wird am Sterbebett des Kochs Henri nach und nach dessen Lebensgeschichte erzählt. Die Rückblicke und auch das Leben des Henri sind interessant. Jacky Durand beschreibt in dem kulinarischen Roman die teils schwierige Vater- Sohn- Beziehung und ein jahrzehntelanges Missverständnis zwischen den beiden. Nach und nach konnte ich mich auch in den Plot und die damalige Zeit hineinversetzen und hatte letztendlich nur noch Schwierigkeiten mit den vielen französischen Begriffen. Am Ende des Buches befinden sich dann noch einige Rezepte zum Nachkochen, wenn man denn möchte. Alles in allem war es schön, das Buch gelesen zu haben. 

Jedoch kann ich persönlich lediglich 3 von 5 Sternen vergeben.

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