Jacob Nomus Relictio

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Inhaltsangabe zu „Relictio“ von Jacob Nomus

An ihrem letzten Schultag erwartet Daniel Treaghus und Philipp Smiddlethorp eine böse Überraschung: Binnen 14 Tage sollen sie eine Hausarbeit über Dante Alighieris Inferno und dem bei lebendigem Leib verbrannten Ketzer Giordano Bruno anfertigen. Während Philipp beim Studium der alten Schriften auf ein verborgenes Rätsel stößt, entfacht Daniel im Online-Spiel Relictio einen Krieg epischen Ausmaßes. Keiner der beiden Freunde erahnt die schicksalhafte Verknüpfung ihrer so unterschiedlichen, von Leidenschaft geprägten Wege.

Spannend, faszinieren, aber ich kann nicht behaupten, dass ich die Zahlenmystik dahinter auch nur ansatzweise verstanden habe.

— sabisteb
sabisteb

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  • Mittelalter, Mystik und Mathematik

    Relictio
    sabisteb

    sabisteb

    30. May 2015 um 19:46

    Die beiden Freunde Daniel Traeghus und Philipp Smiddlethorp haben ein Problem. Eine Hausarbeit trennt sie vom Schulabschluss. Verpatzen sie diese Arbeit, für die sie zwei Wochen Zeit haben, war’s das. Die Aufgabe, die ihr Lehrer ihnen stellt, hat es jedoch in sich: „In welchen Höllenkreis Alighieris verdammtest du Giordano Bruno.“ „und während der eine Schüler, übermüdet, ein Epos vollendendete, erschuf der andere, vom Fieber geschüttelt, das Modell des Universums.“   Das Buch ist schwer zu beschreiben. Ich habe schon ein Buch (Das Amarna Grab) von Jacobus Nomus gelesen und es geliebt, weil die Ideen, auf denen seine Geschichten gründen, intelligent sind, in den Naturwissenschaften fußen und ihnen einen innovativen Dreh geben. Als ich dieses Buch begann, war ich jedoch alles andere als angetan. Ein Übermaß an Personifizierungen begrüßte mich in jedem zweiten Satz. Körperteile wurden zu Personen, Chips entwickelten eine Kultur und eine kurzlebige Gesellschaft, die den Esser als ihren Gott ansahen. Teilweise war die Sprache archaisch und antiquiert. Das ging das ganze Kapitel des ersten Tages (das Buch umfasst 15 Tage) so. Ich sagte mir, es kann unmöglich sein, dass ein Autor das Schreiben verlernt und anfängt diese nervigen Anfängerfehler der überbordenden Personifizierungen zu machen, um sein Buch irgendwie lebendiger zu gestalten, das musste doch einen Sinn haben. Entnervt legte ich das Buch zur Seite und las am zweiten Tag weiter, ab dem Kapitel des zweiten Tages und las das Buch fast in einem Rutsch durch. Was war geschehen? Ja, diese überbordenden Personifizierungen haben einen tieferen Sinn, auch wenn sie am Anfang ungemein nerven, das wird einem erst im Nachhinein bewusst. Ab Tag zwei beginnt diese Geschichte einen zu fesseln. Smiddlethorp beginnt über Giordano Bruno zu recherchieren, liest dessen Schriften und verliert sich in deren mystisch okkulter und mathematischer Welt. Traeghus hingegen geht einen Pakt mit dem Teufel ein. Zu faul Dantes Inferno zu lesen, fragt er einfach in einem Forum über Dante, ob ihm nicht jemand helfen will, bei dieser Hausaufgabe. Er erhält die Einladung bei einem Online Spiel namens „Relictio“ mitzumachen. Ein gewisser Vergil bietet ihm an, ihm alles zu erzählen, was er wissen will, aber nur, wenn Traeghus nach seinen Anweisungen einen Epos für das Forum dieser Welt schreibt. Ab diesem Augenblick laufen drei Handlungen parallel. Zum einen, wie Smiddlethorp, der Asthmatiker, sich in den mystischen Welten des Giodano Bruno verliert, zum anderen, wie Traeghus in „Relictio“ einen Krieg gegen alteingesessene Spieler lostritt und ihnen in einem dritten Handlungsstrang diesen Krieg noch als Epos im Forum reindrückt, um sie endgültig zu demütigen. Es ist schwer zu beschreiben, wie die drei Handlungsstränge auf sehr intelligente Weise ineinandergreifen. Der Hauptgrund liegt wohl darin, dass sich mir der Zahlenmystizisimus, die beschriebene religös göttliche Geometrie, komplett entziehen. Ich kann zur Kenntnis nehmen, dass Dreiecke und Deltoid in Kombination mit irgendwelchen Gedankenräumen des Giordano Bruno wohl irgendwelche göttliche Enthüllungen sind, mehr aber auch nicht. Sicherlich hat man mehr Spaß an diesen Thesen, wenn man Dantes Inferno und die Schriften Giordano Brunos kennt und studiert hat. Ich kann nur zur Kenntnis nehmen, dass sich mir hier eine komplette Ebene der Geschichte entzieht in etwa so, als wenn ein Anglist Lablit liest. Er versteht die Sprache und einen Teil der Handlung, die Kriminalhandlung, die sich auf den Agarosegelen abspielt, entgeht ihm aber. Dennoch packt das Buch einen, denn dieser Mystizismus mach das Buch unvorhersehbar und irgendwie hat man das Gefühl, zumindest einen Teil der wirren Grundprinzipien irgendwie zu erfassen, aber nicht zu verstehen. Eine spannende Frage war für mich vor allem, wann das Buch spielt. Es gibt schon das Internet. Ich kann mich auch daran erinnern, dass einige meiner Freunde in den späten 1990er Jahren ein ähnliches Spiel, wie „Relicto“, online gespielt haben. Ein rein zahlenbasiertes Universum, in dem sie irgendwelche Planeten erschufen, Handel trieben und das für sie sehr real war und zu unglaublich langweiligen Dauerdiskussionen und vielen geschwänzten Vorlesungen führte. Dieses Spiel entzog sich mir damals komplett, vielleicht ich schon damals graphic Adventures bevorzugte, während die anderen auf SUN Maschinen Sprachbasierte Adventures spielten. Da Traeghus kein Handy hat, um seine Spiel einfach mal online zu kontrollieren, und deswegen immer nach Hause muss, schließe ich daraus, dass die Geschichte Mitte der 1990er Jahre spielen muss in den ganz frühen Jahren des Internets. Hiermit kollidiert aber die Zeit des Schulabschlusses, der Anscheinend noch im Februar ist, denn es ist kalt, aber es schneit nicht mehr. Das Abitur war aber bereits 1996 nicht mehr im Januar/Februar sondern bereits, wie heute später im Schuljahr, etwa im April. Die Geschichte muss also ca. 1993/94 ganz zu den Anfängen des Netzes spielen, wo tatsächlich nur sehr wenige Nerds bereits einen Netzzugang hatten und man Bücher noch aus der Bibliothek holte, denn die Klassiker, die die beiden Lesen, sind heutzutage public domain und können einfach heruntergeladen werden, dafür geht keiner mehr in die Bib.   Fazit: Ein Buch, an dem man sich durchaus interpretationstechnisch abarbeiten kann. Spannend, faszinieren, aber ich kann nicht behaupten, dass ich die Zahlenmystik dahinter auch nur ansatzweise verstanden habe.

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  • Panpsychismus

    Relictio
    Phil-Humor

    Phil-Humor

    25. April 2015 um 08:14

    Was die beiden auszeichnet: Sie können sich sehr schnell Wissen aneignen, dazulernen. Aber werden Philipp und Daniel überfordert? Fast ohne Schlaf die Welträtsel in wenigen Tagen ausklabüstern zu wollen - eine edle Unternehmung. Das weiterdenken, was Giordano Bruno angefangen hat; wie viel Welträtsel verträgt der Mensch? Sie machen sich auf die Suche, ohne zu wissen, was sie suchen. Doch unser Gehirn arbeitet selektiv - es will wissen, worauf es achten soll. Wenn der Modus so gestellt ist, dass auf einmal alles als wichtig und bedeutend eingestuft wird, dann kombiniert das Gehirn munter die Fakten, bildet Figuren, Muster, bietet immer neue Varianten an, stolz darauf, was es alles aus dem Hut zaubert. Doch hat das etwas mit Wahrheitsfindung zu tun? Gewiss, im Vorfeld des eigentlich Wissenschaftlichen, muss man Hypothesen-willig sein, bereit für was Kühnes. Aber in Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" ohne Führer unterwegs zu sein - die beiden verirren sich. Sie hätten zwei Beatrices mitnehmen sollen. Frauen können Männer gut dirigieren. Stattdessen vertrauen sie aus Bequemlichkeit dem erst Besten. Gerade auf dem Weg in die Hölle ist es wichtig, verlässliche Partner zu haben; doch inwieweit können sie ihrem eigenen Gehirn trauen? Welche Streiche heckt es aus? Welträtsel und Seinserkenntnis - man braucht als Instrumentarium Witz, Intelligenz. Das haben die beiden. Vielleicht hätten sie eher darauf kommen müssen, dass Welt sich auch in ihrem Kopf abspielt - und sie diese inneren Seelenlandschaften nicht genügend würdigen. Ihr Ego ist wichtig. Witzig im Buch: Panpsychismus. Die Dinge rätseln selber über die Welt. Ab wann kann man von Einheit sprechen? Wie kommt Geist in die Welt - können Dinge geistreich sein? Interview mit Chips - wenn es wenigstens Computer-Chips wären - aber High Life in der Chips-Tüte, das ist klärungsbedürftig. Dinge haben nicht solche Freiheit, sie sind Materie ... oder ist doch alles belebt, steckt die Weltseele in allem? Sie gehen es mathematisch an; als ob das, was vom Universum unabhängig ist - das Apriori - irgendetwas retten könnte. Ist aber auch schwer, das Universum von innerhalb des Universums zu beurteilen. Daniel entwickelt mit dem Computer-Spiel "Relictio" ein neues Universum: Fantasie einsetzen im Rahmen des Spiels - doch es ist so, als ob er Fantasie-Pferde zähmen will. In ihnen steckt Energie. Es ist nicht gesagt, dass derjenige, der die Pferde züchtet, ihnen ihre Freiheit nehmen will - sie sollen ja frei sein. Pegasus würde dem zustimmen. Daniel erlebt es als Story - er selber ist mit seiner Story sehr zufrieden; hätte er es langsamer angehen sollen? Begeisterung gehört dazu, ein gewisser Fanatismus - die Fähigkeit, alles drum herum wirklich als peripher anzusehen. Man möchte Dante Alighieri hinzubitten: Er weiß ja nicht mal, dass seine "Göttliche Komödie" so populär ist. Oder weiß er es mittels der Weltseele? Wo würde er Giordano Bruno hinschicken - wenn er nicht begrenzt ist durch den Zeitgeist, sondern wenn er urteilen kann in Übereinstimmung mit der Weltseele? Wenn jemand gemäß seines Dafürhaltens handelt und gute Argumente vorbringen kann - soll er sich verstellen? Giordano Bruno würde heutzutage zu anderen Schlüssen gelangen - aber wären wir bereit für seinen beißenden Spott, seine Ungezügeltheit? So wie Dante Alighieri die Prominenten zuordnet - das stößt auf Ablehnung: Jeder würde das Hölle-Himmel-Spiel anders spielen - wer sind die Guten? Würde man sich selber das Heiligsein oder das Scheinheiligsein bescheinigen? Es beginnt mit einer moralischen Frage - doch Philipp und Daniel weichen dem aus. Daniel nutzt die Gelegenheit zum Schreiben ... und unterschätzt die Kräfte; Schreiben ist was Schöpferisches. Ein skurriler Gedanke: Verantwortung zu haben für seine Protagonisten? Aber das Werk von Dante Alighieri führt ein Eigenleben, wirkt in der Historie, beeinflusst, verändert Menschen. Ebenso das Werk von Giordano Bruno. Zuerst hatte ich vermutet, dass Daniel zum Schreiben gebracht werden soll. Das Spiel "Relictio" nutzen, damit er die angeregte Fantasie weiterschwingen lässt in der Story, ihr das zugutekommen lässt. Tja, wenn man als Autor nur die alleinige Deutungshoheit hätte - aber die Figuren deuten sich selber, nutzen den Impulsantrieb, der schon immer in ihnen steckte - der Impuls wird weitergegeben - von Dante Alighieri, Giordano Bruno - mal sehen, wo er sich demnächst bemerkbar macht.

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