Jacqueline Spieweg

 4.5 Sterne bei 11 Bewertungen

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Rezension zu "Rattenauge - etwas Besseres als den Tod" von Jacqueline Spieweg

Etwas besseres als den Tod?
odenwaldcolliesvor 2 Jahren

Die blinde Katharina zieht bei ihren Eltern aus, um sich aus deren besorgten Umklammerung zu lösen. Dabei trifft sie auf Patrick, der im Rollstuhl sitzt und in einer Lagerhalle wohnt, zusammen mit neun identisch aussehenden blonden Mädchen. Irina, eine Freundin von Patrick macht sich auf, um den Froschkönig zu bekämpfen und gelangt dabei an eine Reihe von Zaubersprüchen. Im Büro eines Wissenschaftlers liegt die Leiche eines jungen Mädchens. Und eine alte einäugige Sagengestalt erwacht aus einem langen Schlaf und fordert alte Schulden ein.

Kennt ihr den Dämmerzustand zwischen Wachsein und Schlaf? Den Zustand, in dem sich die Gedanken aufmachen und eigenen, nicht vorhersehbaren Wegen folgen? Genauso ist dieses Buch: Wirklichkeit und Traumwelt (oder besser in diesem Fall die Märchenwelt) fransen an den Rändern aus und vermischen sich. Das heißt jedoch nicht, dass es in dem Buch keine Handlung geben würde, ganz im Gegenteil. Während der Roman anfangs immer mehr Fragen aufwirft, werden diese durch die Autorin nach und nach beantwortet, soweit das möglich ist; denn genauso wie der Dämmerzustand bei jedem Menschen individuell ist, so ist auch die Wahrnehmung der Realität durch die Charaktere in dem Buch unterschiedlich. Dadurch bleibt es dem Leser offen, für welche Realität er sich entscheidet – oder sich Gedanken zu machen, ob es noch weitere Möglichkeiten gibt. Es gibt nicht die eine Lösung, sondern viele Lösungen, daher bleiben ein paar Fragen vage, was meiner Meinung hervorragend zu dem Roman passt.

Die Autorin spielt sehr geschickt mit den Perspektiven und den beiden Realitäten: teilweise wechseln innerhalb weniger Sätze die Perspektiven und diese wiederum sind von verschiedensten Elemente der Märchen- oder Sagenwelt durchzogen.

Der Roman hat eine Menge Charaktere, so dass ich anfangs befürchtet habe, den Überblick zu verlieren, aber das war unbegründet, da die Figuren irgendwie alle miteinander verbunden sind.

Eine meiner Lieblingsfiguren ist Irina, eine Obdachlose mit einem ganz speziellen Hobby. Ihre Welt besteht aus wuchernden Dornensträuchern, Prinzen, die sich dämlich bei der Befreiung von Rapunzel anstellen und einem bösen und hinterlistigen Froschkönig, den es zu bekämpfen gilt. Ausgerechnet Irina, die den Eindruck macht, den Bezug zur Realität verloren zu haben, ist das Bindeglied zwischen der realen und der Märchenwelt – und mit ihren gefundenen Zaubersprüchen schubst sie die Handlung in die richtige Richtung.

Katharina und Patrick muss man ebenfalls gern haben, sie sind herzensgute Menschen mit einem Handicap, die den Weg in die Freiheit suchen bzw. gefunden haben. Ein Rätsel geben die neun Mädchen auf, die bei Patrick leben und sich um den kranken Mann kümmern: warum sehen sich optisch alle gleich aus?

Einige weitere Figuren kämpfen tagtäglich mit ihren persönlichen Dämonen, aber nach und nach bieten sich Auswege an, die Hoffnung geben. Dagegen geraten diejenigen mit offenen Schulden am Zahltag in ihren persönlichen, gruseligen Albtraum – und dass alles ohne Blutvergießen, dafür kann man diese Albträume durchaus als kafkaesk bezeichnen. Dabei zerfasern die Wirklichkeit und die Wahrnehmung der Schuldner, so dass sie diese unterschiedlich erleben. Und es stellt sich die Frage, ob sie wirklich etwas besseres als den Tod bekommen haben.

Die Grundstimmung dieses hervorragenden Romans ist eher düster, aber am Ende auch hoffnungsvoll, jedenfalls für die Protagonisten, die keine offene Schulden haben. Mich hat der Roman völlig in seinen Bann gezogen und es hat mich überhaupt nicht gestört, dass manche Dinge am Ende vage bleiben, im Gegenteil, das passt so viel besser.


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Yariss avatar

Dieses eBook ist zwar kurz, aber es lohnt sich. Ein russischer Deserteur, ein deutscher Abteilungsleiter sowie eine Gruppe Geocacher sind die Protagonisten, denen Jacqueline Spieweg meisterlich Leben einhaucht.

Alexej, desertiert, alkoholkrank und verzweifelt. Abteilungsleiter Jens Zieten, der sich anfangs nicht bewusst ist, warum er entführt wurde, welchen Plan Alexej verfolgt. Raffinert werden auch einige Geocacher mit hineingezogen, doch was hat Geocaching damit zu tun? Ein Vergeltungsplan, der excellent ausgetüftelt ist, mit der Hoffnung des angeblichen Opfers spielt. Wirklich ein Opfer oder eher ein Täter? Diese Fragen werden alle in diesem Kurzkrimi beantwortet.

Sehr emotional wird Alexej beschrieben, man fühlt seine Trauer, seine Verzweiflung, seine Wut und seinen Zorn. Man hat Verständnis für seine Tat und ist doch geschockt, dass er sich zum Ende hin vermutlich sein ganzes Leben verbaut.

Ich bin sehr gespannt, wie es mit dem Russen Alexej weitergeht, wie seine Zukunft wohl ausschaut, ob er überhaupt eine hat... Ich würde es gerne wissen.

Absolute Kaufempfehlung!

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Rezension zu "Rattenauge - etwas Besseres als den Tod" von Jacqueline Spieweg

Phantastisch und gut geschrieben, leider in der Handlung zu verwirrend
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren

Dies ist definitiv eines der merkwürdigsten, phantastischsten und rätselhaftesten Bücher, das ich je gelesen habe. Und so gut mir auch der Schreibstil der Autorin gefällt, so richtig verstanden habe ich nicht, um was es inhaltlich geht.
Die Grundidee, der Kriminalfall, der letztendlich das Resultat eines wissenschaftlich unseriösen Forschungsprojektes ist, ist richtig gut. Auch die psychotischen Verwirrungen der Personen sind richtig gut geschildert und lassen einen in ihre jeweilige Welt abtauchen. Doch es sind mir einfach zu viele Personen, die anscheinend verrückt geworden sind, und bei einigen weiß ich noch immer nicht, was sie mit dem Fall zu tun hatten. Selbst diejenigen, die ich bis fast zum Schluss für real und normal gehalten habe, erliegen am Ende einer surrealen Scheinwelt. Ich frage mich auch, was die Ratten überhaupt mit allem zu tun haben, aber ich denke, sie waren genauso wenig real wie (fast) alles andere. Oder war hier der Sensemann der Rattenfänger? Es gibt viel Spielraum für eigene Vorstellungen. Zu viel, denke ich.
Nach dem ersten Drittel des Buches hätte ich beinahe aufgegeben, denn es war mir alles zu verwirrend. Lediglich meine Neugier und der angenehme Schreibstil haben mich weiterlesen lassen, doch leider wurde alles immer verworrener und bis zum Schluss entwirrt sich für mein Verständnis auch zu wenig.
Wer also gerne rätselt und sich auch nach Beenden des Buches noch Gedanken über die einzelne Schicksale, deren Ende nicht unbedingt zufriedenstellend ist, machen möchte, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Wer allerdings eine Handlung mit Hand und Fuß und vor allem einem richtigen, schlüssigen Ende erwartet, der sollte sich lieber etwas anderes suchen.
Außerdem muss ich auch noch erwähnen, dass ich über so einige Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler gestolpert bin, mehrmals auch über fehlerhafte Grammatik oder fehlende Worte. Ich denke ein weiteres Lektorat wäre hier noch einmal angebracht. (Hinweis: Ich habe das E-Book gelesen)

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